„Es handelt sich um ein simples und ungeheures Lebensproblem, das der Treue. An dem Verlorenem festhalten, ewig beharren, bis an den Tod – oder aber leben, weitergehen, hinwegkommen, sich verwandeln, und dennoch nicht zum gedächtnislosen Tier herabsinken.“ (Hugo von Hofmannsthal)
Jan Zobel
Volk am Rand – NPD: Personen, Politik und Perspektiven der Antidemokraten 1
Kommentar zum Buch
Jemand, der mir vom Namen her noch gut bekannt, ist Jan Zobel. In „Volk am Rand“ beschreibt er, wie seine Versuche gescheitert sind, einen sog. „progressiven Nationalismus“ innerhalb der NPD/JN zu etablieren.
Als seine Ideen sich nicht durchsetzten, verließ er die Nationaldemokraten im Jahre 1997. Weitere vier Jahre sollten vergehen, bis er sich, eigenen Angaben gemäß, gänzlich aus der sog. “rechtsextremen Szene” löste.
Interessant, wie Zobel die kontraproduktive Rolle seines bornierten linksbürgerlichen Lehrers beschreibt, welcher ungewollt dazu beitrug, daß er sukzessive nach “rechtsaußen” abdriftete. Anstatt sich mit den Fragen der Schüler zu beschäftigen, erschöpfte sich der „Antifaschismus“ des überforderten Pädagogen darin, unbequeme Fragen hysterisch abzublocken und Sprechblasen abzusondern.
Besonders mit Holger Apfel beschäftigt sich der Autor, weil er damals für ihn der “Bremser” im Hinblick auf seine Bestrebungen war. Indirekt unterstellt er, daß dieser mit obrigkeitlichen Stellen zusammenarbeitete, was dem Buch nicht gerade eine seriöse Note verleiht, da keinerlei Indizien oder gar Belege dafür vorgebracht werden.
Wo die Stärken im Marketing, dem gekonnten Auftritt liegen, tun sich weitere Schwächen in Sachen Kenntnis zeitgeschichtlicher Fakten und Zusammenhänge auf. Das wird sichtbar, wenn deutsche Soldaten in einer Art und Weise als Plünderer, Vergewaltiger und Brandschatzer dargestellt werden, wie das alliierte Lügenfabrikatoren einst ersonnen.
Daß er es schlußendlich aufgibt, für eine demokratische Rechte zu streiten, ist nachvollziehbar. Allerdings macht er es sich hier selber schwer, da seine Abgrenzung sich nicht nur gegen den NS richtet, sondern gegen vieles, was dieser lediglich für seine Zwecke instrumentalisierte. Letztlich landet man damit in einer sektiererischen, antideutschen Ecke.
Die Zustände, welche Jan Zobel schildert, als er in Hamburg zur Schule ging, mit einem Ausänderanteil von ca. 80 Prozent und vieles mehr, was arg schief läuft in Sachen Politik und Gesellschaft, haben sich nicht verbessert, ganz im Gegenteil. Wie diese angegangen werden könnten, wenn nicht mit einer modernen sozialen Heimatpartei, bleibt er schuldig.
Es darf vermutet werden, daß er nachwievor mit einer national-liberalen Poltik, gar der FPÖ sympatisiert, so einiges, was er einst in seinem Buch schrieb, heute anders sieht, gesetzter, jedoch mit solch offenen Bekenntnissen nicht in die Öffentlichkeit treten mag. Nun denn, jeder geht seinen Weg.
Positiv: In seinem Buch deutet Jan Zobel an, daß die Politik Israels für die Entstehung des Antisemitismus mitverantwortlich sein könnte. Daraufhin notiert die „Berliner Zeitung“ vom 18. März 2005 in ihrem Artikel „Aussteiger mit Beißhemmung“:
„Zobel beschreibt sich wiederholt als ‚progressiven Nationalisten’, ein Etikett, mit dem sich die Vertreter der intellektuell geprägten Neuen Rechten gern schmücken. Daß er diese Haltung nicht abgelegt hat, scheint bei einigen Passagen durch, die auch bei seinen ehemaligen Kameraden Zustimmung hervorrufen dürften. Etwa, wenn Zobel Israel vorwirft, den Antisemitismus selbst zu schüren.“ 2
Der Zionist und angebliche “Nazi-Aussteiger” Jörg Fischer übernimmt vorstehenden Artikel beinahe wortgetreu:
„… wenn er sich wiederholt als ‚progressiven Nationalisten’ beschreibt, mit diesem Etikett schmücken sich Vertreter der salonfaschistischen ‚Neuen Rechte’. Inakzeptabel wird es, wenn in einigen Textpassagen Thesen durchschimmern, die bei seinen ehemaligen Kameraden durchaus Beifall finden dürften – wenn etwa Israel indirekt vorgeworfen wird, den Antisemitismus mitzuschüren.“ 3
Mir kommt das bekannt vor. Immer dasselbe Muster, der gleiche Mechanismus.
Alles in allem ist das Buch lesenswert, mag man auch mit so einigen Ansichten nicht übereinstimmen.
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1 Jan Zobel, Volk am Rand – NPD: Personen, Politik und Perspektiven der Antidemokraten, edition ost, ISBN 3-360-01063-9, 2005, Das Neue Berlin Verlagsgesellschaft mbH
2 http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2005/0318/politik/0042/index.html
3 http://www.burks.de/forum/phpBB2/viewtopic.php?t=4592
Webpräsenz von Jan Zobel: http://www.janzobel.de/
Hallo Nolde,
Was sagst du denn zu Zobels These das der Rechtsextremismus in der Mitte der Gesellschaft angekommen sei?
Kommentar von boyra — April 2, 2009 @ 8:30
Ich weiß habe dich das schonmal gefragt, aber irgentwie finde ich die Nachricht nicht in der du mir geantwortet hast.
Wäre ganz gut wenn du das machen würdest.
Ich weiß auch nicht mehr welchen Standpunkt du diesbezüglich hattest.
Kommentar von boyra — April 2, 2009 @ 8:32
Da mir nicht bekannt, ob und wenn ja in welchem Zusammenhang er diese These aufgestellt hat, kann ich dazu nichts sagen.
Kommentar von Detlef Nolde — April 11, 2009 @ 8:19