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Heimatkunde: Böhmen und Mähren

Meine Mutter ist in Tüppelsgrün geboren, einem Ort in Nordwestböhmen/Egerland. Ihr Vater war Albin Pleil, der nach dem letzten Weltkrieg von den „Befreiern“ aus seiner Heimat vertrieben wurde, worauf er sich in Bayern niederließ. Meine Oma mütterlicherseits erzählte mir unter Tränen, mit welcher Brutalität von Seiten der Tschechen die Vertreibung der angestammten deutschen Bevölkerung vor sich ging. Grund genug, mich der Heimat eines Teils meiner Vorfahren zu widmen.

Nicht nur Kaschau, Preßburg, Brünn, Budweis und Pilsen sind deutsche Städte, sondern auch Prag. Dort lag der deutsche Bevölkerungsanteil 1847 bei 64 Prozent, 1857 bei 44 Prozent, 1888 bei 18 und 1900 nur noch 7,5 Prozent. 1910 gab es keinen deutschen Gemeinderat mehr, 1930 gaben noch 42.000 Prager Deutsch als Muttersprache an, sie lebten vor allem im Stadtzentrum (Stadtteile Altstadt und Kleinseite).

1945 wurden die letzten Deutschen aus der einstigen Hauptstadt des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, in der im Jahre 1348 die erste deutsche Universität gegründet wurde, ermordet oder vertrieben.

Als die erste deutsche Stadt der böhmischen Länder wird man Prag bezeichnen dürfen. Den Prager Deutschen wurden ausdrücklich jene Rechte bestätigt, die sie seit Wratislav II., also damals bereits ein Jahrhundert lang, innehatten. Wie weit die Selbstverwaltung ging zeigt die Tatsache, daß die deutsche Gemeinde ihren eigenen Richter und ihren eigenen Pfarrer erhielt. Prag war bezeichnenderweise stadtrechtlich gespalten; auf der Kleinseite, wo auch genau wie in Leitmeritz eine Rolandssäule stand, galt Magdeburger Stadtrecht, in der Altstadt, also rechts der Moldau, Nürnberger. Das süddeutsche Stadtrecht trat auch unter dem Namen Egerer, Prager oder Brünner Recht auf. Eine besondere Form entwickelte Iglau. In Südmähren galt mindestens zeitweise Wiener Recht, das im übrigen mit dem Brünner fast gleichlautend war“.
Aus: www.schoenhengstgau.de

In Alt-Prag war die Bevölkerung [ca. 1850] zu knapp 50% deutsch, die jüngeren Vororte waren ganz vorwiegend tschechisch. Bis 1880 stieg die Bevölkerung der gesamten Stadt auf 238 500 Einwohner, der Bevölkerungsanteil der tschechischen Vorstädte stieg auf 40%, bis 1900 erreichte er fast die Hälfte, um 1910 überstieg er diese bereits. Das Wachstum Prags in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war das rascheste aller Städte Böhmens. Aber selbst in Alt-Prag lag der Anteil der deutschen Bevölkerung 1880 dann nur noch bei 20%, 1910 bei nur 8,8%.
Aus: www.lpb.bwue.de

Die Gründung von P. wird von der Sage der Libussa zugeschrieben. In Wirklichkeit ist es eine Gründung deutscher Ansiedler, die sich um 1100 am Fuß der Schwelle (prah) des Wyschehrad, des Fürstensitzes, niederließen. Sobieslaw II. erteilte 1178 den ersten Freiheitsbrief der Deutschen. Seine Größe und Blüte wurde aber vom Kaiser Karl IV. (1346 bis 1378) begründet. Dieser legte die jetzige Neustadt (anfangs Karlsstadt genannt) an, daher später die ältere Neustadt Kleinseite genannt ward. Seit den Jagellonen Wladislaw und Ludwig (1471-1526) kam die Kleinseite, jetzt der Hauptsitz deutscher Bevölkerung, empor. Die vereinigte Alt- und Neustadt, Kleinseite und Hradschin bildeten dann die „drei Städte“ Prags. Eine Blütezeit hatte die Stadt wieder unter Kaiser Rudolf II. (1576-1612), der in P. auf dem Hradschin residierte, und unter dem zahlreiche Vornehme prächtige Paläste daselbst bauten.
Aus: www.uni-ulm.de

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Wie war das von 1918 – 1938 im Sudetenland?

Der V. Kongreß der Komintern (Führungseinrichtung der KPen aller Staaten 1919-1934) bekannte sich im Juni 1923 nachdrücklich zum Selbstbestimmungsrecht der Sudetendeutschen:

1. Feststellung des Generalsekretärs Manuilski: »Der tschechoslowakische Staat hat deutsche Industriegebiete mit 3,7 Millionen deutscher Menschen annektiert.«

2. Kongreßbeschluß: »… daß es eine tschechoslowakische Nation nicht gibt, daß in der Tschechoslowakei jedoch zahlreiche Minderheiten leben, und daß demzufolge die KP Partei der CSR die Aufgabe habe, hinsichtlich dieser Minderheiten das Selbstbestimmungsrecht der Völker zu proklamieren und in die Tat umzusetzen, einschließlich des Rechtes, sich voneinander zu trennen.«

Der VI. Parteitag der KPTsch forderte am 10. 3. 1931 erneut das Selbstbestimmungsrecht der Sudetendeutschen bis zur Loslösung vom tschechischen Staat:

»2. Hauptlosungen

23. Für die gegenwärtige Phase des Kampfes um die Befreiung der unterdrückten Nationen aus dem nationalen und sozialen Joch in der Tsch. stellt die KP der Tsch. folgende Hauptthesen auf:
Gegen die Besetzung des deutschen Teiles von Böhmen … und deren Räumung von Organen der tschechischen Okkupationsmacht.
Für das Selbstbestimmungsrecht der Nationen bis zur Lostrennung vom Staate. …
Gegen die obligatorische Staatssprache.
Gegen die rückschrittlichen Sprachgesetze und für freie Verwendung der nichttschechischen Sprachen im amtlichen Verkehr und im öffentlichen Leben.
Gegen die nationalistische Schulpolitik der tschechischen Bourgeoisie in den besetzten Gebieten. Anstelle der tschechisierten Schulen eine genügende Anzahl von Schulen in der Muttersprache.
Gegen die Säuberung des staatlichen Apparates und der staatlichen Unternehmungen von Angehörigen der unterdrückten Nationen.
Gegen die nationale Unterdrückung in der Armee. …
Kampf dem bürgerlich-sozialfaschistischen Betrug mit der Losung ‚Kulturautonomie‘.
Kampf dem Betrug mit der Losung ‚Autonomie‘ … im deutschen Teil von Böhmen.
Kampf dem imperialistischen Betrug mit der tschechoslowakischen Staatsidee.
«

Der tschechische Abgeordnete Vaclav Kopecky, Mitglied der KP der Tsch., forderte am 27. März 1931 vor dem Abgeordnetenhaus das Recht aller Deutschen, auch der Sudetendeutschen, in einem Staat zu leben. Er sagte u.a.:

»… Wir tschechischen Kommunisten … erklären … daß wir … das Selbstbestimmungsrecht bis zur Abtrennung der vom tschechischen IMPERIALISMUS unterdrückten Teile des deutschen Volkes bis zur letzten Konsequenz wahren und durchsetzen werden. Wir erklären weiter, daß wir in gleicher Entschlossenheit das Recht schützen und durchsetzen werden, alle Teile des deutschen Volkes in einem Staat zu vereinigen…«.
Aus: www.mitteleuropa.de

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Eine politische Legende:

Die Massenvertreibung der Tschechen aus dem Sudetengebiet
nach dem Abkommen von München 1938

von Edith Bergler, Bayreuth

Der tschechoslowakische Staatspräsident Edvard Benesch und die Tschechoslowakische Regierung hatten die Sudetengebiete bereits am 21. September 1938 freigegeben. Daher trafen sich am 29. Septpember 1938 in München der britische Premierminister Neville Chamberlain, der französische Ministerpräsident Edouard Daladier, der italienische Diktator Benito Mussolini und Adolf Hitler, um die Bedingungen und Modalitäten dieser Gebietsabtretung im sogenannten „Abkommen von München“ schriftlich zu fixieren und zu unterzeichnen.

Wegen der bereits erfolgten Gebietsabtretung beginnt der Vertragstext:

„Deutschland, das Vereinigte Königreich, Frankreich und Italien sind unter Berücksichtigung des Abkommens, das hinsichtlich der Abtretung des sudetendeutschen Gebiets bereits grundsätzlich erzielt wurde, über folgende Bedingungen und Modalitäten dieser Abtretung und über die danach zu ergreifenden Maßnahmen übereingekommen…:“

* Räumung der Sudetengebiete vom 1. bis 10. Oktober, wobei die Tschechoslowakische Regierung die Verantwortung dafür trägt, daß die Räumung ohne Beschädigung verläuft;
* Vorgesehenes halbjährlich gültiges Optionsrecht, nach dem Übertritte von Deutschen in das Abtretungsgebiet und von Tschechen aus diesem möglich waren. Regelung laut Vertrag vom 20. November 1938
* Entlassung Sudetendeutscher aus militärischen und polizeilichen Verbänden innerhalb eines Monats auf Wunsch
* Entlassung aus politischen Günden verhafteter Sudetendeutscher innerhalb eines Monats.

Vertragsgemäß hatten tschechoslowakische Militär- und Polizeiverbände das Sudetengebiet bis zum 10. Oktober zu räumen.

Aus dieser Vorschrift versuchen bis heute gewisse tschechische Kreise, Politiker der Bundesregierung und wenig informierte Wissenschaftler eine „Massenvertreibung“ der Tschechen aus dem Sudetengebiet zu konstruieren, mit der die Vertreibung von mehr als 3 Millionen Sudetendeutschen 1945/46 gerechtfertigt werden soll.

Dazu äußerte sich im Jahr 1992, in dem der „Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Tschechischen und Slowakischen Föderativen Republik über gute Nachbarschaft und freundliche Zusammenarbeit“ entstand, der Prager Historiker Jan Křen am 31. Juni in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung:

Die sogenannte „Vertreibung der Tschechen“ aus den Grenzgebieten, die in der Debatte um den Nachbarschaftsvertrag zum Politikum geworden ist, ist weder ein organisierter Akt der Deutschen noch der Tschechen gewesen. 200.000 bis 300.000 Tschechen, vor allem Polizisten, Verwaltungsbeamte und Funktionäre der tschechischen Grenzlandbewegung, sind damals aus Furcht vor den Henlein-Anhängern geflohen. Die meisten sind zu Fuß unterwegs gewesen, da es sich oft nur um Distanzen von wenigen Kilometern gehandelt hat. Etwa die gleiche Anzahl Tschechen ist zurückgeblieben. Einige tausend sind sogar zurückgekehrt, da die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse im Binnenland sehr schlecht waren.“

Der zum Abkommen von München gehörende „Vertrag zwischen dem Deutschen Reich und der Tschechoslowakischen Republik über Staatsangehörigkeits- und Optionsfragen“ vom 20. November 1938 ermöglichte bis zum 10. Juli 1939 Übertritte von Tschechen aus dem Abtretungsgebiet und von Deutschen in dieses, wobei Tschechen und Deutsche, die sich vor 1910 im jetzt andersnationalen Gebiet niedergelassen hatten, unberührt blieben.

§12 dieses Vertrags schrieb die Mitnahme oder das Nachholen des gesamten beweglichen Besitzes für Tschechen und Deutsche vor.

Die Transportkosten der umsiedelnden tschechoslowakischen Staatsangestellten regelte eine Maßnahme des Verkehrsministeriums vom 18. Januar 1939: „… Laut Erlaß haben Staatsangestellte freie Wahl, wie sie umsiedeln wollen. Die Kosten erstattet das Verkehrsministerium…“ (Veröffentlicht in der Zeitung České slovo am 25. Januar 1939).

Diese galt hauptsächlich für Staatsdiener, die nach der Sprachenverordnung von 1920 in das deutschsprachige Sudetengebiet zugezogen waren und Zehntausende altösterreichische Beamte wegen deren mangelnder Tschechischkenntnisse in die Arbeitslosigkeit gedrängt hatten. Tschechisch war die Amtssprache in der am 28. Oktober 1918 erstmals gegründeten Tschechoslowakei geworden, die aus den österreichischen Landesteilen Böhmen, Mähren, Österreich-Schlesien und der Slowakei gebildet worden war.

In Folge dieser Verordnung waren im Jahr 1930 in der Bezirkshauptstadt Eger/Cheb 35,2% aller Stellen für Staatsbedienstete mit Tschechen besetzt. Der tschechische Anteil der Gesamtbevölkerung des Bezirks betrug aber nur 7,1%.

Das Verfassungsgericht der Tschechischen Republik in Brünn verwendete in einer Entscheidung vom 16. März 1995 für diesen Vorgang nicht mehr den falschen Terminus „Vertreibung“, sondern sprach von einem „zwangsweisen Weggang“ (nucený odchod).

Wäre es bei diesem „zwangsweisen Weggang“ eines Teils der Tschechen aus den Sudetengebieten auch nur zu einem einzigen Verbrechen gekommen, das im weitesten Sinn mit den Greueltaten verglichen werden könnte, die sich bei der Austreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei ereigneten, hätte es in einer einzigen der etwa 3.700 sudetendeutschen Gemeinden eine äußerliche Kennzeichnung von Tschechen gegeben, wie das nach Kriegsende für die Deutschen in der Tschechoslowakei vorgeschrieben war, und hätte ein einziger der über 50 damaligen Landräte im Sudetengebiet eine Vertreibungsanordnung in Plakatform oder in Handzetteln herausgegeben, so wie das bei der Vertreibung der Deutschen gehandhabt wurde, wäre dies mit Sicherheit tausendfach publiziert worden.

Quelle: Fritz Peter Habel, Eine politische Legende, München 1996

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Die Errichtung des Protektorats vor 60 Jahren

Am 15. März 1939 wurde das „Reichsprotektorat Böhmen und Mähren“ errichtet. Dieser Vorgang gilt als einer der Auslöser des Zweiten Weltkrieges. Er dient den Tschechen aber auch als Rechtfertigung für die Vertreibung der Sudetendeutschen. Dabei hat die Protektoratsfrage, wie der Völkerrechtler Ermacora feststellte, nichts mit dem Sudetenproblem zu tun. Die meisten Sudetendeutschen haben im Gegenteil die Besetzung der „Resttschechei“ mißbilligt. Da sie dafür dennoch schwer büßen mußten, möchten sie wissen, wie es zu diesem Schritt kam. Dabei muß an folgendes erinnert werden:

1. Die Tschechoslowakei war eine der schreiendsten Fehlkonstruktionen der Versailler Friedenskonferenz. Die 1938 in München versammelten Staatsmänner versäumten es, eine europäische Gesamtlösung herbeizuführen. Ersatzweise unterzeichneten Chamberlain und Hitler am 30. September 1938 einen Freundschafts- und Konsultationsvertrag, gegen den der britische Premier jedoch schon im Januar 1939 verstieß, als er bei seinem Italienbesuch von eventuellen militärischen Maßnahmen gegen Deutschland sprach. Hitler, der davon erfuhr, sah die sicherheitspolitischen Folgen, zumal Prag gerade seine Bitte um Verkleinerung ihrer überdimensionierten Streitmacht abgelehnt hatte. Diese umfaßte 36 Divisionen und 1.582 Flugzeuge und war nach wie vor von deutschfeindlicher „Benesch-Mentalität“ durchdrungen. Seit dem Vertrag mit der Sowjetunion (1935) war die CSR außerdem militärisch und ideologisch ganz ins bolschewistische Fahrwasser geraten. Nach der Verlegung etlicher sowjetischer Geschwader dorthin war sie nicht nur „Flugzeugmutterschiff des Westens“ (Frankreichs Luftfahrtminister Pierre Cot), sondern auch ein solches des Ostens.

2. Hitler wird verdächtigt, das Münchner Abkommen als Mißerfolg betrachtet zu haben, da es ihn an der „Zerschlagung“ der ganzen CSR gehindert habe. Diese Auffassung beruht auf fehlerhafter oder voreingenommener Auswertung der Quellen. Hitler wollte volks- und nicht machtpolitische Grenzen. Diese und die Auflösung der „Resttschechei“ hätte er schon im Oktober 1938 haben können, als die Ungarn mit Annexions- und die Slowaken mit Separationswünschen an ihn herantraten. Chamberlain selbst betonte, daß Hitlers Ziele streng begrenzt seien. Hitler handelte erst, als die Ereignisse das Münchner Abkommen schon zerstört hatten.

3. England hatte schon im November 1938 Frankreichs Plan, der CSR eine Bestandsgarantie zu geben, hintertrieben. Deutschland warnte London und Paris am 28. Februar 1939 in einer formellen Note vor dem drohenden Zerfall der CSR. Beide schwiegen dazu. Chamberlain, der die deutschen Pläne seit dem 13. März 1939 genau kannte, wollte sich nicht in „Angelegenheiten, die andere Länder unmittelbarer angehen“ einmischen. Das erfuhr Ribbentrop am 14. März 1939 spät abends durch den britischen Botschafter in Berlin, Henderson. Britische Kontakte mit den USA lassen allerdings ganz andere Schlüsse zu.

4. Hacha stand 1939 vor einem Scherbenhaufen. Die Slowakei hatte sich von der CSR losgesagt und wurde sofort von mehreren Staaten als neues Völkerrechtssubjekt anerkannt. Deutsche Verbände sicherten am 14. März 1939 Mährisch Ostrau vor polnischem Zugriff. Polen und Ungarn strebten eine gemeinsame Grenze an, um Deutschland den Weg nach Südosteuropa und Rußland den nach Mitteleuropa zu verlegen. Daher besetzte Ungarn am selben Tag mit heimlicher Unterstützung Polens Ruthenien und wollte die Slowakei zu seinem Protektorat machen. Als sich Hitler am 12. März 1938 entschloß, die „Resttschechei“ zu besetzen, wollte er auch dem zuvorkommen. In Prag planten Vlajka-Faschisten und solche um Radola Gajda einen Staatsstreich, was Deutschland aber ablehnte. Hacha fürchtete die Auflehnung Beneš-treuer Generäle, deren gute Beziehungen zur SU bekannt waren.

5. Hacha bat auf Anraten Hendersons und mit Billigung seines Kabinetts Hitler um ein Gespräch, dem dieser zustimmte. In Berlin vertraute Hacha Ribbentrop im Hotel Adlon schon vorweg an, daß er „das Schicksal der CSR in die Hände des Führers legen“ wolle. Dieses meldete Ribbentrop Hitler, der Anweisung gab, ein entsprechendes Schriftstück vorzubereiten. Als Hacha zwei Stunden später in die Reichskanzlei kam, erklärte er in seiner Einleitungsrede, daß er sich schon im Oktober 1938 gefragt habe, „ob es für die CSR überhaupt ein Glück sei, ein selbständiger Staat zu sein“. Damit kam er Hitlers Absichten weit entgegen und mußte nicht erst unter brutalen Druck gesetzt werden, wie der französische Botschafter Coulondre als Nicht-Augenzeuge behauptete. Korrekte Behandlung bestätigen Hacha selbst gegenüber Molotow und die Staatssekretäre Ernst von Weizsäcker und Otto Meißner als Augenzeugen sowie die Tochter Hachas, Milada Radlova (IMT-Verhör). Meißner hält sogar ein Einlenken Hitlers für möglich, wenn Hacha die Unterschrift verweigert und an die einstigen Garantieabsichten Frankreichs und Englands erinnert hätte. Ebenso hätten Hacha und Chvalkovsky jederzeit das Gespräch abbrechen und von ihrer Berliner Botschaft aus die internationale Staatenwelt alarmieren können. Doch nichts dergleichen geschah. Die Beendigung des Protektorats bot Deutschland im Herbst 1939 dreimal an, zuletzt im Dezember über die US-Botschaft in Oslo.

6. Chamberlain, der die Zusammenhänge genau kannte, äußerte sich am 15. März 1939 maßvoll zu Hitlers Vorgehen, was die meisten Tories billigten. Seine Untätigkeit entschuldigte er damit, „daß der Staat, dessen Grenzen wir zu garantieren beabsichtigten, von innen her zerbrach“. Den Umschwung leitete am 17. März 1939 die Tilea-Lüge ein, die Hitler Welteroberungspläne unterstellen sollte und von Halifax und Vansittart schon vorher mit dem rumänischen Gesandten verabredet worden war. Chamberlain gab den Sinneswandel Englands am selben Tag in Birmingham in einer von Halifax vorbereiteten Rede bekannt. Im Hintergrund stand Roosevelt, der den Briten am 16. März 1939 in einer Note ultimativ den Entzug jeder Hilfe androhte, falls kein Politikwechsel erfolge. Die UdSSR hingegen vollzog eine de-facto-Anerkennung des Protektorats, als sie den tschechischen Botschafter Zdenek Fierlinger veranlaßte, Moskau am 15. Dezember 1939 zu verlassen und sein Botschaftsgebäude dem Deutschen Reich zu übergeben. Die Prager Sowjetbotschaft war schon im Mai 1939 zur Handelsmission herabgestuft und der Sowjetbotschaft in Berlin unterstellt worden.

7. Das Protektorat wurde nicht annektiert. Seine Grenze blieb gegenüber dem Reich sorgsam abgeschottet, um die Gefühle der Tschechen nicht durch deutschen Massenbesuch zu verletzen. Der Reiseverkehr mit anderen Staaten wurde nicht eingeschränkt. Dank der tschechischen Kollaborationsbereitschaft genügten 5.000 deutsche Polizisten, um das Land zu kontrollieren. Die Eingriffe in Verwaltung und Kultur waren begrenzt. Sogar eine Armee von 7.000 Mann blieb bestehen. Das tschechische Exil in London befürchtete schließlich, daß ein von Deutschland geplantes Plebiszit über verbesserte Autonomiebestimmungen bei ihren Landsleuten im Protektorat Erfolg haben könnte. Chvalkovsky bestätigte in Nürnberg, daß Hitler die Protektoratszusagen eingehalten habe, soweit es die Verhältnisse zuließen.

8. Hacha wurde am 13. Mai 1945 verhaftet und am 27. Juni 1945 im Prager Gefängnis Pankraz von drei Uniformierten mit Gummiknüppeln erschlagen (Aussage des Mithäftlings Dr. Fritz Köllner). Er wurde in Sträflingskleidung in den Sarg gelegt. Seiner Beisetzung im Familiengrab wohnten nur seine Tochter Milada und deren geschiedener Ehemann Radl bei. Der Grabstein blieb bis heute ohne Namensinschrift (Reuven Assor, Sudetenland 1996/I, S. 94 ff). Der Außenminister Hachas, Chvalkovsky, wurde erschossen.

9. Oft wird folgendes vergessen: Die Tschechen gehörten 1919 zu den Mitunterzeichnern des Versailler Vertrages, der Millionen Deutsche unter Fremdherrschaft zwang. Die Welt billigte, daß Polen das zu 96% deutsche Danzig begehrte und Ungarn die national fremde Karpatho-Ukraine besetzte. Großbritannien hatte alleine zwischen 1915 und 1923 dreißig internationale Verträge gebrochen, herrschte über 550 Millionen Nichtbriten und hatte erst 1936 Ägypten zu einem „ungleichen“ Vertrag über die Stationierung von Truppen gezwungen. Dennoch trat es als politischer Sittenrichter auf. Halifax bekennt in seinen Memoiren, schon 1936 zum Krieg entschlossen gewesen zu sein und nur auf einen Anlaß gewartet zu haben.

Quelle, vollständiger Text u. weitere Belege: http://www.mitteleuropa.de/protektorat.htm

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Nach dem zweiten Weltkrieg –

Rassistischer Terror gegen Deutsche in Böhmen und Mähren

Deutsche wurden zu minderklassigen Menschen:
Kennzeichnungspflicht: weiße Armbinde mit schwarzem N (Nemec = Deutscher). Kommt das nicht bekannt vor??
Lebensmittelkarten mit geringeren Rationen
Benützungsverbot öffentlicher Verkehrsmittel
Der Lärm der Kanonen verstummte. Friede breitete sich aus.

Doch jetzt, nach Kriegsende, setzte ein blutiger Terror gegen die deutsche Bevölkerung ein, gleichgültig ob sie Nazi waren oder nicht; auch Sozialdemokraten und KZ-Opfer wurden verfolgt. Alle rassistischen Haßaufrufe wurden gnadenlos befolgt. Die deutsche Bevölkerung wurde der Kleider beraubt und mußte die Barrikaden wegräumen. Junge Soldaten wurden an Laternenpfählen gehängt. Frauen wurden verfolgt und vergewaltigt.

Die deutsche Bevölkerung wurde aus ihren Wohnungen getrieben, in Stadien interniert und ohne Versorgung festgehalten. Deutsche Menschen wurden als lebende Fackeln, Kopf nach unten, auf Laternenpfähle gehängt, als Benes am 13. 5. 1945 nach Prag kam. Bestialische Massaker wurden in der ganzen Stadt verübt. Kinder wurden gequält, erschlagen und in die Elbe geworfen.

Hetzreden stachelten die tschechische Bevökerung auf: Benes am 3. 6. 1945: „Werft die Deutschen aus ihren Wohnungen! Schafft Platz für unsere Leute!“

Im ganzen Land kam es zu unmenschlichen Grausamkeiten durch den tschechischen Mob. Junge Leute wurden auf offener Straße als lebende Fackeln verbrannt. 27.000 „Selbstmorde“ von Deutschen wurden von den tschechischen Amtsstellen gemeldet. Deutsche Verwundete wurden aus den Krankenhäusern geworfen oder in den Betten erschossen, Krankenschwestern geschändet.

Die Ermordeten und Mißhandelten wurden am Straßenrand verscharrt. Dort liegen sie heute noch. Niemand kennt ihre Gräber.

Der Brünner Todesmarsch

Am Fronleichnamstag 1945 begann eine besonders unmenschliche Vertreibung. Am 31. Mai 1945 wurde die gesamte deutsche Bevölkerung, ca. 60.000, der Stadt Brünn (heute Brno) von brutalen Schlägern zusammengetrieben und aus der Stadt verjagt. Wer nicht schnell genug weiterkam, wurde erschlagen. Noch in der Stadt gab es die ersten 500 Toten. Die Menschen wurden in Viererreihen in einem 15 km langen Zug von den Bewachern weitergetrieben. Alte Leute, die sich nicht mehr hochprügeln ließen, wurden erschlagen oder erschossen. Wasser wurde aus Gräben entnommen, in dem die Leichen lagen. Ruhr breitete sich aus. Unvorstellbare Leiden mußten erduldet werden, bis man die österreichische Grenze bei Drasenhofen erreichte.

Ca. 6.000 — 10.000 Menschen wurden auf diesem Marsch von den tschechischen Wächtern -Menschen??- ermordet! Ihre Gräber sind heute noch entlang der „Brünnerstraße“ zu sehen!

Das Massaker von Aussig

Das Julipogrom
31. Juli 1945: Um die in Potsdam tagende Drei-Mächte-Konferenz zu bewegen, die Vertreibung auf den Tisch zu bringen, wurde von tschechischen Stellen eine Explosion in einem Munitionslager in Aussig (heute Usti nad Laben) inszeniert. Die schon vorher nach Aussig beorderte Militäreinheit übte grausame „Rache“: ca. 1000 – 2700 Menschen wurden brutal erschlagen oder erschossen!

Die Vertreibung aus der Heimat

Überall im Lande wurde die deutsche Bevölkerung unter blutigem Terror und brutaler Gewalt aus ihren Heimatorten vertrieben. Unter Zurücklassung des Eigentums mußte sie ihre Heimat verlassen.

3,5 Millionen Menschen
wurden aus ihrer Heimat vertrieben!
241.000 wurden während der Vertreibung
ermordet oder starben an Folgen von Mißhandlungen!

Nur wenige mußten bleiben: Facharbeiter der Industrie, Zwangsarbeiter in Steinbrüchen und Urangruben. Sie starben fast alle binnen kurzer Zeit.

Die Schuld der Deutschen:
Eine Geschichtslüge!

Des öfteren wird behauptet, die Deutschen seien an den Greueln selbst schuld, sie wären zu Recht bestraft worden, da sie die Tschechen 1938/39 auch aus den deutschen Sudetenländern vertrieben hätten da sie in der Nazizeit die Tschechen so brutal unterdrückten, wie sie selbst 1918 bis 1938 unterdrückt worden wären.

Zu der ersten Behauptung gibt es eine umfassende wissenschaftliche Untersuchung, die auf Grund des Studiums von zahlreichen zeithistorischen Quellen sowie der Zeugenaussagen tschechischer und deutscher Zeitzeugen beweist, daß es

1938/39 keine Vertreibung von Tschechen aus den deutschen Sudetenländern gegeben hat!

In den geschlossenen deutschen Gebieten („Sudetenland“) lebten 1918:

ca 3,1 Millionen Deutsche (3,5 Mio in der ganzen CSR)
sowie 200.000 Tschechen.
Im Sudetenland 1938:
3,3 Mio. Deutsche,
700.000 Tschechen.

Die Zahl der Tschechen stieg also von 200.000 im Jahr 1919 durch Zuwanderung aus den tschechischen Gebieten auf 700.000. Sie waren meist Beamte (Post, Bahn, Polizei, Lehrer, Militär).

Ca 300.000 tschechische Zuwanderer (sowie auch Juden und sozialdemokratische Deutsche) verließen mit ihren Familien das Sudetenland noch vor dem Einmarsch der Nazi-Truppen am 1.10.1938, ohne Zwang und ohne Greueltaten. Das war keine Vertreibung!

Die restlichen 400.000 Tschechen lebten bis Kriegsende im deutschen Gebiet. Dies als Massenvertreibung zu bezeichnen, ist schlicht falsch!

Ca 120 Personen wurden ausgewiesen. Das war keine Vertreibung! Die Nazis steckten ca. 5000 deutsche und tschechische Sozialdemokraten, Kommunisten und Kirchenmänner ins KZ, sie kamen aber größtenteils nach kurzer Zeit wieder frei.

Vertrieben wurden die Juden! Ihr schreckliches Schicksal ist bekannt. Die Überlebenden des Holocausts blieben aber auch nach 1945 bis heute vertrieben!

Wiedergutmachung an deutschen und jüdischen Vertriebenen tut Not! Tschechien hat hier akuten Handlungsbedarf!

ca. 10.000 Tschechen wurden Opfer des nationalsozialistischen Regimes. Greuel gab es im Dorf Lidice, als die Nazis nach der Ermordung von Heydrich die männlichen Bewohner erschossen. Aber die Kinder wurden nach Deutschland gebracht, und nicht in die Elbe geworfen oder an Türen genagelt!

4. 6. 1949: Die sozialistische Wiener Arbeiterzeitung schrieb:

„Nichts haben wir so sehr bedauert wie die Tatsache, daß wir 1945/46 zur Austreibung der Sudetendeutschen schweigen mußten. Wir haben gehört, wie rasender Nationalhaß Menschen die Hände abgehackt, lebende Fackeln entzündet, Kindern die Köpfe zerschmettert, Zehntausende unter entsetzlichen Bedingungen in KZs gesperrt, Hunderttausende von Haus und Hof vertrieben, kurz sie genauso behandelt hat wie die Nazi nicht die Tschechen, sondern die Juden behandelt hatten.“
Quelle u. vollst. Text: Akademische Burschenschaft ALDANIA Wien

Weitere Infos zum Thema:
www.mitteleuropa.de/gesetze
www.mitteleuropa.de/sudetenl
www.witikobund.de
www.deutscherosten.de
www.schoenhengstgau.de

Die Vertreibung der Deutschen aus Osteuropa am Beispiel der Tschechoslowakei
Eine marxistische Position zu einem linken Tabu:
www.agmarxismus.net

Die Linke und die Benes-Dekrete:
http://www.agmarxismus.net

Notwendiger oder gefährlicher Geschichtsrevisionismus?
http://www.bruchlinien.at/

Vertreibungsholocaust am deutschen Volk:
www.mies-pilsen.de

Völkerrechtler Prof. Dr. Alfred de Zayas: „Vertreibung ist Völkermord“:
http://www.mitteleuropa.de/zayas01.htm

  1. März 7, 2009 um 7:39 | #1

    Rolf-Josef Eibicht:

    Das Ur-Altreich der Sudentendeutschen und Schlesier

    Am Ostrand des deutschen Sprachraumes wurde eine Siedlungskultur unterbrochen, die im Falle Böhmens, Mährens und Schlesiens in ununterbrochener Folge zwei Jahrtausende gedauert hatte.

    Bereits im 15. Jahrhundert, als mit den Hussiten und Taboriten ein völkisches Erwachen der Tschechen erkennbar geworden war, hatten diese erstmalig in den Sudetengebieten versucht, einen territorialen Anspruch zu erheben. Was damals nicht gelingen konnte, das bewirkten 500 Jahre später zwei verlorene Weltkriege und eine Reihe Irritationen, Desinformationen und Manipulationen in der Geschichtsdarstellung.

    Der aus dem Boden gestampfte tschecho-slowakische Staat, in den man auch die dreieinhalb Millionen Sudetendeutschen gepreßt hatte, erklärte diese zu Staatsbürgern minderen Rechts, die angeblich zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert von tschechischen Fürsten als Immigranten und Kolonisten ins Land gerufen worden wären.

    Mit dieser Geschichtslüge hatte Prag die „moralische Grundlage“ zur Hand für den Hinauswurf der angestammten Bevölkerung.

    Der Philosoph Arthur Schopenhauer sagt, jeder Irrtum, der falsch stehenbleibt, müsse früher oder später Schaden stiften. In diesem Falle geht der „Irrtum“ vor allem auf das Konto des Panslawisten und Geschichtsschreibers Frantisek Palacky (1798-1876), der im vorigen Jahrhundert diese Kolonisationslüge und andere Unwahrheiten in die tschechische Nationalgeschichte geschrieben hat.

    Galileo Galilei stellt zu solchem fest: „Wer die Wahrheit nicht weiß, ist bloß ein Dummkopf – wer sie aber weiß und dennoch Lügen spricht, der ist ein Verbrecher.“ Ein solches Urteil kann freilich nur für Leute gelten, die mit der komplexen Materie vertraut sind.

    In der Politik, der Publizistik oder auch der Landsmannschaft wäre meines Erachtens ein Menetekel erst dann erkennbar, wenn die erste Reichsgründung in der kelto-germanisch-deutschen Geschichte, die im Jahre 9 vor Christi Geburt durch den Markomannenfürsten Marbod erfolgte, etwa übergangen werden würde.

    Sie wird nämlich im Jahre 1991 zweitausend Jahre alt. Diese erste Reichsgründung steht zugleich für das 2000jährige Jubiläum der Besiedlung der böhmisch-mährisch-schlesischen Gebiete durch Germanen, die sich mit den dort schon 400 Jahren länger anwesend gewesenen keltischen Bojern zu den heutigen Sudetendeutschen gemischt haben.

    Zum ersten Male erwähnt werden die Markomannen, ein Teilstamm der germanischen Sweben, von dem römischen Feldherrn und Staatsmann Gajus Julius Cäsar, und zwar in seinen Berichten über den Gallischen Krieg im 1. Jahrhundert v. Chr. Die zweite Erwähnung stammt aus dem Jahre 9 vor Christus, als der römische Feldherr Drusus den Markomannen in der Gegend von Bad Nauheim eine Niederlage beibrachte.

    Dieses Ereignis dürfte der äußere Anlaß für Marbod gewesen sein, seinen Stamm in die natürliche Festung Böhmen zu führen. Allerdings ist auch nicht auszuschließen, daß die dort lebenden keltischen Bojer die Markomannen zur Stärkung der Abwehrkraft gegen die expandierenden Römer herbeigerufen haben. Jedenfalls haben die Kelten beim Eintreffen der Germanen das Land nicht verlassen.

    Das Reich der Markomannen

    Mit seinem Reich schuf König Marbod in Böhmen, Mähren und Schlesien ein wehrhaftes Staatswesen, das – wie wir aus zahlreichen römischen Quellen wissen – das Weltreich Rom vier Jahrhunderte militärisch in Atem gehalten hat. Als Kernstämme gehörten ihm an: die Markomannen, der swebische Bruderstamm der Quaden, ein Teil der Wandalen und nicht zuletzt die Bojer.

    An bekannten Gefolgsstämmen kamen hinzu: zeitweise die in Thüringen lebenden Hermunduren (ein anderer swebischer Teilstamm), die Semnonen (noch ein Teilstamm der Sweben), sowie rund 200 Jahre lang die Langobarden. Dieser Germanenstamm aus dem Gebiet der Wesermündung durchquerte Böhmen auf einer Nord-Süd-Wanderung mit dem Ziel Italien. Gebietsmäßig erstreckte sich das Markomannenreich über Böhmen, Mähren, Schlesien, den nördlichen Teil Niederösterreichs und die Westslowakei.

    Dem „Chronikon Altinate“, einer Quelle des 10. Jahrhunderts, ist zu entnehmen, daß diese Gebiete dann im 5. Jahrhundert unter die Herrschaft des Hunnenkönigs Attila gerieten. Ein Teil der Bevölkerung ist damals vor den Hunnen geflüchtet – der andere geblieben. Viele Völker haben im Lauf der Geschichte ein ähnliches Schicksal zu tragen gehabt. Der Name der Markomannen schließlich begegnet uns letztmalig in der „Gotengeschichte des Jordanes“ aus dem Jahr 551 nach Christus.

    Sein Verschwinden hängt wohl weniger mit dem Auszug der Langobarden zusammen, der um diese Zeit erfolgte, als mit dem abermaligen Einfall eines mongolischen Reitervolkes in die Sudetengebiete: der Awaren. Im Gefolge dieser awarischen Eindringlinge – wie zuvor wahrscheinlich schon im Troß der Hunnen – sind die Vorfahren der heutigen Tschechen ins Land gekommen.

    Erster Holocaust in Europa

    Soweit die offizielle Lesart, wie sie in den Geschichtsbüchern steht. Der Grund, weswegen die tatsächlichen Eindringlinge hinter den Awaren versteckt werden, ist möglicherweise auf die Verwirrung zurückzuführen, die der Namenswechsel der Hunnen lange verursacht hatte.

    Dieses vitale Volk hatte sich nämlich nach dem Tod Attilas und seinem Rückzug aus Europa am Wolgabogen in Südrußland niedergelassen, ein neues Reich gegründet und sich den Namen „Chasaren“ zugelegt. Nachdem es alle Völker ringsherum unterworfen hatte, begann es bald weiter zu expandieren und im 7. Jahrhundert einen Kriegszug ins Donaugebiet zu unternehmen.

    Nach alter hunnischer Sitte nahmen die Chasaren bei ihren Kriegszügen Sklaven für Kriegsdienste mit, in diesem Fall sogar vier komplette kaukasische Stämme mit Frauen und Kindern. Diesen oblag es, den Heerbann auf dem Marsch zu versorgen und ihre chasarischen Herren bei Laune zu halten. In Mähren und der Westslowakei setzten sie sich dann für rund 200 Jahre fest und behielten Land und Leute unter der Knute.

    Als einzig erhalten gebliebenem Geschichtswerk aus dieser Zeit, das der Quellenstürmerei im Mittelalter entgangen ist, wird in der „Chronik Fredegars und der Frankenkönige“ anschaulich über dieses weithin unbekannte Kapitel berichtet. Im Jahre 830 schüttelten die kaukasischen Sklaven schließlich ihr Joch ab und nahmen blutige Rache an ihren Unterdrückern, die mittlerweile den jüdischen Glauben angenommen hatten.

    Dabei vernichteten sie auch die dortigen chasarischen Siedlungen mit Kind und Kegel so gründlich, daß rund 600 Jahre lang nichts von jüdischem Leben in Böhmen, Mähren und der Slowakei mehr zeugte. Anschließend gründeten sie einen eigenen Staat, den sie in einem Anflug von Größenwahn „Großmährisches Reich“ nannten, weil sie auch Böhmen und die Restslowakei dazuerobert hatten. Von Karl dem Großen und den Ungarn ist dieses Staatengebilde 907 endgültig liquidiert worden.

    Nach der Zerschlagung des Sklavenstaates dürften die eingeschleppten kaukasischen Stämme, bei denen es sich zweifelsfrei um die Frühtschechen handelt, bei der einheimischen Bevölkerung lange in einem ähnlichen Abhängigkeitsverhältnis gestanden haben, d.h. „Unfreie“ gewesen sein. Eine eigene Oberschicht haben sie jedenfalls nicht gehabt.

    Nur so ist zu erklären, daß der Chronist Karls des Großen, Einhard, rund 250 Jahre später nur von germanischen Namen in Böhmen zu berichten wußte. Auch die „Xantener Annalen“ berichten zum Jahre 846 nur von „Böhmen, die wir Wenden (also Wandalen) heißen.“ Von Einhard ist dann aber ein Wort überliefert, das 1000 Jahre später falsch interpretiert werden sollte und allergrößte Irritationen hervorgerufen hat.

    “Slawen” – Legende

    Einhard schreibt zum Jahr 805 nach Christus: „Im selben Jahr schickte Karl sein Heer mit seinem Sohn Karl ins Land der Sclavi, welche Behaimi genannt werden.“ Dieses war natürlich mißverständlich. Andererseits können die frühtschechischen Unfreien im Lande kaum ein so großes Gewicht gehabt haben, daß Einhard die Sudetengebiete nach ihnen als „Land der Sclavi“ genannt hat.

    Als Volksgruppenbezeichnung kann „Sclavi“ also nicht gemeint gewesen sein, zumal der Begriff dafür – so wie wir ihn heute kennen – erst im 18. Jahrhundert durch einen Schreibfehler bei der Übersetzung des deutschen Historikers August-Ludwig Schlözer (1735-1809) entstanden ist. Schlözer hat bei „Sclavi“ einfach das „c“ vergessen und ist damit zum Erfinder der „Slawen“ geworden.

    Ein Partizipant an diesem kardinalen Mißverständnis war der deutsche Philosoph Johann-Gottfried Herder, der darum sein „Slawenkapitel“ entwickelte und die Legende von den Slawen wissenschaftlich absicherte.

    Die Wahrheit aber ist: Zur Zeit Karls des Großen hat man unter „Sclavi“ schlicht das Gegenteil von Christen verstanden, nämlich Ungläubige, Ungetaufte oder Heiden. Auch im frühen Judentum hat man diesesn Ausdruck gekannt und für Leute anderen Glaubens gebraucht. Aufgrund des Einhardschen Berichts haben sich dann auch vierzig Jahre später „vierzehn behaimische Herzöge“ dieses Makels entledigt und sich in Regensburg taufen lassen.

    Die Tschechen aber haben diesen Schreibfehler trefflich zu nutzen gewußt, fortan „Sclavi“ als „Slawen“ interpretiert und daraus ein Totschlagargument entwickelt, das lange Zeit jeden Zweifel an ihrem Erstgeburtsanspruch auf Böhmen, Mähren und Schlesien im Keime erstickte.

    Irrlehre wird geglaubt

    Kein Wunder, daß die Sudetendeutschen inzwischen zu einem hohen Prozentsatz selbst glauben, ihre Vorfahren wären – von tschechischen Fürsten gerufen – als eine Art Gastarbeiter in die Sudetengebiete gekommen. Dieses völlig auf dem Kopf stehende Bild ist so verbreitet, daß es inhaltlich kaum noch in Frage gestellt wird. Stellvertretend für alle anderen sei hier nur ein Vertreter dieser Schule genannt, der auf deutscher Seite entscheidend zu dieser Meinungsbildung beigetragen hat:

    Der Prager Universitätsprofessor Dr. Wilhelm Wostry. Wostrys Glaubensbekenntnis lautete: „Nichts kann an der Tatsache etwas ändern, daß alle Quellen des 9. Jahrhunderts – sobald sie die Nationalität der Einwohner Böhmens und Mährens erwähnen – Land und Leute als slawisch bezeichnen. Der Wissensstand des hochangesehenen Universitätsprofessors ist offenbar keinesweg so umfassend gewesen, sonst könnte er sich keine solch hochnotpeinliche Blöße gegeben haben.

    Der große Physiker Max Planck hat Phänomene dieser Art folgendermaßen charakterisiert: „Irrlehren der Wissenschaft brauchen 50 Jahre und länger, bis sie durch neue Erkenntnisse abgelöst werden, weil nicht nur die alten Professoren aussterben müssen, sondern auch ihre Schüler!“

    Der bedeutendste Vertreter des sudetendeutschen Standpunktes war der deutsch-jüdische Landesarchivdirektor aus Brünn, Prof. Dr. Bertold Bretholz, eine seltene Mischung aus hoher Fachkompetenz, bemerkenswerter Zivilcourage und feinem Gespür für unredliche Absichten. Er scheint geahnt zu haben, was für die angestammte Bevölkerung auf dem Spiele stand und setzte den „Kolonisationstheoretikern“ daher seine „Kontinuitätsthese“ entgegen: “Das deutsche Volk in Böhmen und Mähren ist nicht zurückzuführen auf eine spätere Kolonisation, sondern auf uralte, durch nichts unterbrochene Ansässigkeit zuerst germanischer, dann deutscher Stämme.”

    Im Jahre 1922 veröffentlichte Bretholz, der zuvor schon einige größere Geschichtswerke über Böhmen und Mähren geschrieben hatte, seine berühmtgewordene Streitschrift „Palacky´s Kolonisationstheorie“.

    Wegweiser aus dem Lügengewirr

    Obgleich Bretholz damals noch nicht wissen konnte, daß sechzig Jahre später sowohl die „Slawenlegende“ geplatzt ist, als auch die „Chronik des Cosmas“ – auf der die gesamte tschechische Frühgeschichte basiert – als Fälschung dasteht, ist es ihm in dieser Streitschrift trotzdem gelungen, seine „Kontinuitätsthese“ schlüssig und fundiert zu entwickeln.

    Diese 23-seitige Broschüre, deren Inhalt niemals widerlegt werden konnte und der seine Aktualität bis heute erhalten hat, gehört als geistiges Rüstzeug in die Hand jedes bewußten Sudetendeutschen. Bertold Bretholz selbst, der den Sudetendeutschen die von Gott gegebene Heimat vergeblich zu erhalten versuchte, hat weder das Münchner Abkommen noch die Austreibung erlebt. Er ist 1936 im Alter von 74 Jahren in Brünn gestorben. Seine berühmte Streitschrift aber, die heute so aktuell ist wie damals, ist geblieben. Sie harrt ihres Einsatzes als Wegweiser aus dem babylonischen Lügengewirr.“

    Literaturhinweise:
    Die Chronik Fredegars und der Frankenkönige.
    Phaidon-Verlag, Essen und Stuttgart 1986
    Der dreizehnte Stamm.
    Gustav Lübbe-Verlag, Bergisch-Gladbach 1989

    (Quelle: Rolf-Josef Eibicht/Anne Hipp: Der Vertreibungs-Holocaust – Politik zur Wiedergutmachung eines Jahrtausend-Verbrechens, Riesa 2000, Seite 103 – 107)

  2. Sozialist
    Oktober 11, 2009 um 2:00 | #2

    @Detlef Nolde

    Die von dir verlinkten Texte

    „Die Vertreibung der Deutschen aus Osteuropa am Beispiel der Tschechoslowakei – Eine marxistische Position zu einem linken Tabu“

    und

    „Die Linke und die Benes-Dekrete“

    beschreiben sehr gut und ausführlich unseren internationalistischen Standpunkt, den allerdings auch der KPD(O)-Vorsitzende

    August Thalheimer in seiner Verurteiltung der Potsdamer Beschlüsse

    vertrat.

    Ich möchte in diesem Zusammenhang auf diesen vorigen Monat in der „Linken Zeitung“ erschienenen Text mit der Überschrift

    „Die Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei: Antifaschismus oder Chauvinismus?“

    hinweisen, der einen weiteren kleinen Lichtblick darstellt und aufzeigt, wie wichtig auch deine Beiträge die letzten Jahre über diesbezüglich waren.

    Ein paar Zitate daraus:

    Die Position der hiesigen Linken, die die Vertreibung der Deutschen nach dem 2. Weltkrieg unterstützen, folgt keiner ernsthaften Überlegung, sondern einem quasi biologischen Reflex. Auf der einen Seite zeigt sie die fortgesetzte mentale Abhängigkeit von der Sowjetunion unter Stalin. Diese Abhängigkeit folgt einerseits dem allzu simplen Leitsatz „Der Feind meines Feindes ist mein Freund“. [...]

    Die gleichen Kreise verwechseln denn auch die objektiv antifaschistische Auswirkung des Ergebnisses des 2. Weltkriegs mit den Zielen dieses Krieges seitens der bourgeoisen oder bürokratischen Herrschenden der Anti-Hitlerkoalition. Auf dieser Ebene nämlich war der 2. Weltkrieg nicht in erster Linie ein antifaschistischer, sondern ein weiterer imperialistischer Verteilungskrieg.

    Sein Ergebnis – die zwischen den Siegern ausgehandelte Aufteilung der Welt mit weitgehend garantierter Besitzstandswahrung – hatte deshalb keinerlei bis heute zu verteidigende höhere Weihen im Sinne der weltweiten Selbstbefreiung der werktätigen Massen. Speziell für die deutsche Linke gilt, dass das Ausmaß ihrer emotionalen Abhängigkeit vom großen Bruder in Moskau ihrer gesellschaftlichen Isolation im eigenen Land entsprach. [...]

    Das nationale Problem der seit rund 1.000 Jahren auf dem Boden der späteren Tschechoslowakei ansässigen Deutschen war bevor es Ergebnis der Nazi-Besatzung und des Zweiten Weltkriegs wurde, das Ergebnis des Ersten Weltkriegs. Die Niederlage der Achsenmächte, unter ihnen Österreich-Ungarn, ermöglichte es der tschechoslowakischen Nationalbewegung, auf einem Teil der kuk-Monarchie ihren Nationalstaat zu gründen.

    Dessen Grenzen jedoch schlossen die deutsche Bevölkerung Böhmen und Mährens und insbesondere des Sudentenlandes ein, und zwar gegen deren erklärten Willen. Bereits der Name des neuen Staates machte deutlich, dass er als ein slawischer Staat verstanden wurde, in dem den zahlenmäßig den Deutschen (3,3 Mio) unterlegenen Slowaken (2,3 Mio) eine größere Rolle eingeräumt werden sollte als den Deutschen, die 23,4% der Gesamtbevölkerung stellten.

    Die Inkorporation der mehrheitlich – bis zu 95% – von Deutschen besiedelten Gebiete in die CSR geschah gegen den Willen der Betroffen und entsprechend zum Teil unter Einsatz offener Gewalt. So proklamierten die Abgeordneten aus Deutsch-Böhmen ihr Gebiet am 29. 10. 1918 als ‘eigenberechtigte Provinz des Staates Deutsch-Österreich’ und setzten eine Landesregierung ein, ein Beispiel, dem andere sudetendeutsche Landesteile folgten.

    Am 14. Dezember jedoch marschierten bereits tschechische Truppen in Reichenberg, die größte Stadt Deutsch-Böhmens, ein. Am 4. 3. des folgenden Jahres kam es dann in mehreren Städten zum Einsatz tschechischer Milizionäre gegen deutschsprachige Demonstranten, die friedlich für den Verbleib bei Österreich eintraten. Die schwersten Zwischenfälle fanden in Kaaden, Sternberg, Karlsbad und Eger statt.

    Dabei gab es auf Seiten der Demonstranten mindestens 54 Tote und 107 Verletzte. Am 10. 9. 1919 wurden dann im Frieden von St. Germain-en-Laye die Grenzen der Tschechoslowakischen Republik völkerrechtlich sanktioniert, obgleich sie dem Selbstbestimmungsrecht der Nationen widersprachen. Eine Volksabstimmung wurde von den Alliierten abgelehnt und von den Tschechen gewaltsam verhindert.

    [...] So berichtet beispielsweise R. Kuba in einem Leserbrief an das ‘Neues Deutschland’ (26. 3. 02): „Ich erinnere mich aber auch an den Unmut in meinem Geburtsort mit 3.000 Einwohnern, darunter 200 Tschechen, als für sechs zugewanderte tschechische Kolonistenfamilien eine eigene Schule gebaut wurde, während für die Sanierung der deutschen Schule das Geld fehlte. Einer meiner Onkel, der bei der Bahn beschäftigt war, wurde mit Anfang 40 pensioniert, um die Stelle für einen Tschechen freizumachen.“

    In einem weiteren Leserbrief im ND v. 26. 3. 2002 berichtet ein Dr. Reifenberger, Sohn eines Ortsvorsitzenden der KPC und Kreisobmanns in Tachau, dass bereits 1919 an die tschechische Minderheit in den deutschen Gebieten gerichtete Flugblätter kursiert seien mit der Aufforderung, nur tschechische Waren zu kaufen und tschechische Ärzte etc. zu konsultieren.

    Nicht nur die Berichte von Sudetendeutschen deuten darauf hin, dass es sich hier keineswegs um Ausnahmefälle handelt.

    Diese Politik war in der Tat die logische Folge der Grundhaltung des verspäteten bürgerlichen Nationalismus der tschechischen Seite. Masaryk – einer der Gründer der panslawistischen ‘Jungtschechen’ in der kuk-Monarchie – hatte schließlich in der o.a. Ausgabe des ‘Matin’ seine Ausführungen wie folgt abgeschlossen: „Im übrigen bin ich davon überzeugt, dass eine sehr rasche Entgermanisierung dieser Gebiete vor sich gehen wird.“ [...]

    Wenn im übrigen E. Benes, bereits zur Zeit der Staatsgründung Ministerpräsident, die Vertreibung der Deutschen und Ungarn – d.h. der nicht-slawischen Bevölkerungsgruppen – mit deren ‘Verrat’ an der Tschechoslowakei begründete, dann ‘übersah’ er dabei die Tatsache, dass auch die tschechische und slowakische Nationalbewegung ‘Verrat’ geübt hatte, und zwar am Staat Österreich-Ungarn.

    Ungeachtet dieser Vorgeschichte erklärte die ‘Sudetendeutsche Heimatfront’, d.h. die gemeinhin und so auch von W. Röhr als ‘faschistisch’ bezeichnete deutschnationale Organisation der Sudetendeutschen unter Führung Konrad Henleins bei ihrer Gründung, voll auf dem Boden des neuen Staates zu stehen und eine Lösung der Probleme auf innenpolitischem Wege zu erstreben.

    Die 1935 in ‘Sudetendeutsche Partei’ umbenannte Heimatfront hatte zwar einen starken faschistischen Flügel, Henlein selbst jedoch stand vor dem ‘Anschluß’ dem eben diese ursprüngliche ‘aktivistische’ Position vertretenden ‘Kameradschaftsbund’ nahe. Noch 1938 forderte Henlein, der ein Jahr nach der Machtübertragung an Hitler im Deutschen Reich erklärt hatte, dass seine Partei ein grundsätzlicher Unterschied vom Nationalsozialismus – die Verteidigung der Freiheit des Individuums nämlich – trenne, eine Autonomie nach schweizer Vorbild.

    [...] Die im Sudetenland lebenden Deutschen hatten den höchsten Anteil an Arbeitern in der Tschechoslowakischen Republik und eine lange sozialistische Tradition. Die Sozialdemokratische und die Kommunistische Partei erreichten hier 1920 zusammen fast 50% der Stimmen. Die Wirtschaftskrise 1929, die besonders die hier zentrierte Leichtindustrie traf, und die antideutsche Diskriminierung durch die tschechische Bourgeoisie führte besonders hier zu einer hohen Arbeitslosigkeit, während gleichzeitig nach 1933 ‘im Reich’ Vollbeschäftigung herrschte – aus welchen Gründen auch immer.

    Auf dieser Basis erreichte Henlein 1935 fast 63% der Stimmen, die SP 15% und die KP 6%. Bis zum Schluß stimmten 400.000 Sudetendeutsche gegen Henlein. Nach dem Münchener Abkommen, das das Sudetenland an das Deutsche Reich gab, mußten die Aktivsten von ihnen in die Tschechoslowakei fliehen, die allerdings 20.000 von diesen wieder an die Gestapo auslieferte und 10.000 anderen am Betreten des Landes hinderte.

    40.000 Sudetendeutsche kamen in Nazi-KZs, wo etwa 20.000 starben. Henleins Erfolg basierte in erster Linie auf sozialer Demagogie. 1943 sagte der sudetendeutsche Kommunist Bruno Köhler über ‘Radio Moskau’: „Hitler kam in das Sudetenland, und wird auch wieder gehen. Aber das Sudetenland und die Sudetendeutschen werden bleiben.“

    Zu den Gründen für diese Einschätzung gehört wohl der, dass etwa der spätere tschechoslowakische Minister Ripkas in seinem Buch ‘Munich Before and After’ und KPC-Führer Klement Gottwald in der ‘Pravda’ v.26.10.1943 übereinstimmend die Auffassung vertraten, dass die Mehrzahl der Sudetendeutschen keineswegs mit dem Faschismus sympathisierten.

    Zwei Jahre später jedoch sagte Gottwald: „Die neue Republik wird ein slawischer Staat sein, eine Republik der Tschechen und der Slowaken.“ Der Informationsminister Vaclav Kopecky sagte am 25. 5. 45 in ‘Radio Prag’:

    „Die tschechoslowakische Armee ist schon bereit für die Säuberung der Grenzgebiete der Republik von Deutschen und Ungarn und für die Rückgabe der Reichtümer dieser slawischen Gebiete in die Hände der Tschechen und Slowaken.“

    In Liberec (Reichenberg) sagte der gleiche KP-Minister: „…Wir werden nicht nur die Stadt, sondern die ganze Gegend entgermanisieren… damit der Siegergeist des Slawentums von den Grenzen des Landes bis hinein ins Innere herrscht.“ Keine Rede also von Antifaschismus, sondern von völkischem Chauvinismus.

    Als Mitglieder der KP in Bodenbach eine zweisprachige Tageszeitung ‘Rudy Prapor – Rote Fahne’ zu publizieren begannen, wurde diese sofort vom stalinistischen Innenminister Vaclav Nosek wegen des deutschen Teils sofort verboten. Gluckstein faßt zusammen:

    „Die Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei kann nicht als Ergebnis des spontanen Volkshasses erklärt werden. Die Mehrheit der Slowaken, die keine Teutonen sind, sondern Slawen, unterstützte Tiso, den Marionettenherrscher der Nazis in der Slowakei, nicht weniger bereitwillig als die Mehrheit der Sudetendeutschen Henlein.

    Die Zahl der slowakischen politischen Gefangenen, die in Nazi-KZs starben, war kleiner als die der Sudetendeutschen, und es gab auch unter den Tschechen relativ weniger Opfer.“

    Das Projekt der bereits bei der Staatsgründung ins Auge gefasste ‘Entgermanisierung’ erhielt durch die deutsche Besetzung und die Unterstützung der Mehrzahl der Sudetendeutschen für Henleins Partei, die nach dem ‘Anschluß’ eng mit dem Hitler-Regime kollaborierte – wobei die Frage, wie weit das ihrer eigentlichen Neigung entsprach für diese Zeit angesichts des diktatorischen Charakters dieses Regimes sekundär ist – scheinbar größere Legitimität.

    Das Wüten des Faschismus war aber zweifellos nicht der wirkliche Grund.

    Zu den Gründen für die staatlichen Vertreibungsmaßnahmen gegen die deutsche Bevölkerung gehörte der gemeinsame Versuch der tschechoslowakischen Bourgeoisie und Stalinisten, das erwachende revolutionäre Bewußtsein der Volksmassen und insbesondere der Arbeiterklasse durch Anfachung des Chauvinismus zu neutralisieren und gleichzeitig den größten Teil der Industriebetriebe, die sich im Besitz von Deutschen befanden, zu verstaatlichen und damit der stalinistischen Bürokratie eine ökonomische Basis zu schaffen.

    Für Stalins UdSSR ging es darüber hinaus auch darum, einen möglichst stabilen Puffergürtel gegenüber den ehemaligen imperialistischen Verbündeten der Anti-Hitler-Koalition zu schaffen.

    Die nationalistische Kollektivschuld-These diente als Begründung für Taten, die in Wirklichkeit ganz anderen Ursprung hatten. Diese These ist natürlich für Antinationalisten und das heißt für Marxisten unhaltbar, und das nicht nur, weil sie politisch den Interessen der Herrschenden an nationaler Spaltung der weltweiten Arbeiterklasse dient, sondern in erster Linie, weil sie sachlich falsch ist.

    Es ist, um beim deutschen Beispiel zu bleiben, eine offensichtliche Tatsache, daß keineswegs alle deutschen Opfer der Vertreibung auch Täter der faschistischen Verbrechen waren. Dagegen mag man etwa Stefan Hermlin anführen, der von Millionen Deutschen spricht, die nicht mordeten und folterten, aber die Mörder und Folterer duldeten.

    Wenn aber bereits die Duldung – oder genauer gesagt das Nicht-Widerstandleisten – ausreicht, um einen zum Täter zu machen, dann ist weltweit die Zahl der Menschen, die nicht Täter bei irgendeinem im Namen ihrer ethnischen, nationalen oder religiösen Gruppe begangenen Verbrechen waren, überaus gering.

    In der Tat könnte man beispielsweise fragen, ob denn nicht die Polen, Russen, Ukrainer oder Balten, die keinen Widerstand gegen die in ihren Ländern endemischen antijüdischen Pogrome lange vor der Nazi-Zeit geleistet haben, ihrerseits ‘Täter’ waren und deshalb keine Opfer der ebenfalls antisemitischen Nazis sein konnten. Es liegt auf der Hand, dass das Unsinn ist.

    Wir wundern uns zu sehen, daß ein Großteil der die moralisch so bewegten deutschen ‘Linken’ sich offenbar überhaupt nicht vorstellen kann, was es für Menschen – und insbesondere für solche ohne eine klare ideologische und organisatorische Alternative – bedeutet, in einer Diktatur Widerstand leisten zu sollen. Das wundert uns insbesondere, da doch die Beispiele der mangelnden Zivilcourage innerhalb der bürgerlichen Demokratien und sogar innerhalb linker Zusammenhänge Legion sind.

    Erklärungsbedürftig ist in Wirklichkeit leider nicht, wieso die Mehrheit der deutschen Bevölkerung zumindest nach 1933 gegen den Faschismus nicht den Mund aufgemacht hat, sondern wie es trotz der Zerschlagung ihrer Parteien und Gewerkschaften dennoch so viel – wenngleich bei weitem nicht genug – Widerstand (gerade auch von Seiten der Arbeiterklasse) gab.

    Das hat wohlbemerkt überhaupt nichts mit einer Beweihräucherung der Arbeiterklasse zu tun. In nichtrevolutionären Zeiten ist auch das in der Arbeiterklasse vorherrschende Bewußtsein stets mehr oder weniger das der Herrschenden. Wäre das nicht so, dann wären die Herrschenden nicht länger an der Macht.

    [...] So und so können die politische Optionen der Betroffenen nicht die Vertreibung einer ganzen nationalen Gruppe von ihrem Boden rechtfertigen. Daß einer der lautstärksten Befürworter solcher chauvinistische Verbrechen, der sozialdemokratische Ministerpräsident der CSR, Milos Zeman, sich gegenüber der israelischen Zeitung ‘Haaretz’ im Februar 2002 für die Ausweisung der Palästinenser aus den 1967 besetzten Gebieten aussprach, ist dann nur noch logisch.

    Völkermord auch ungeschminkt auch so zu bezeichnen, hat also nichts mit „rechts“, „faschistisch“, „nationalistisch“ oder „revanchistisch“ zu tun.

    Wer das tut und den Genozid in Ost- und Sudetendeutschland rechtfertigt, ist weder ein „Linker“ noch ein Mensch, der etwas mit Gerechtigkeit oder Humanismus am Hut hat.

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