Startseite > 1 > Waldorfschule in der Kritik

Waldorfschule in der Kritik

Ein paar Jahre besuchten meine beiden ältesten Söhne Waldorfschule und -Kinderarten. Ausgiebig hatte ich Gelegenheit, in die Wirklichkeit dieser Sektierereinrichtungen einzutauchen. Deshalb bat mich vor sechs Jahren Tanja Krienen, Herausgeberin der mittlerweile eingestellten Zeitschrift Campo de Criptana, ein paar Zeilen zur Waldorfschule zu schreiben. Daraus zitiert:

Ist die Waldorfschule tatsächlich die bessere Lehreinrichtung, nach der viele Eltern suchen? Zumindest sind manch „positive Vorurteile“ über die Waldorfschule nicht totzukriegen: Sie sei antiautoritär, reformpädagogisch und gehe individuell auf jedes Kind ein. Es gäbe eine echte „Schulgemeinschaft“, in der Eltern gar noch Rechte haben.

Gern gehört und mutmaßlich selbst verbreitet werden diese Legenden seit Jahrzehnten von den Anthroposophen selbst, um dann mit ihrer hausinternen Werbung nachzustoßen.

Steiner – der „Reformpädagoge“?

Was aus der Sinnlichkeit, aus Trieb, Begierde, Leidenschaft hervorgeht, das will nur dieses egoistische Individuum. Daher muß der Mensch dieses selbstische Wollen in sich abtöten.“ (Rudolf Steiner, Briefe II, S. 229)

Die Wirklichkeit liegt fernab jeder Reformpädagogik. Deshalb weist die Waldorfschule eine hohe Fluktuationsrate auf, auch bei den Lehrern. Bleiben tun die Eltern, die sich nicht zugestehen wollen, getäuscht worden zu sein. Die, deren Kinder “zu alt” sind und deshalb einen schweren Start in der Staatsschule hätten und somit die “Angelegenheit” nur noch “hinter sich” bringen wollen.

Und schießlich ein Kern von Leuten mit “rosaroter Brille”, welche den “anthroposophischen Kern” bilden bzw. die Gefolgschaft des unatastbaren und uneingeschränkt herrschenden “Lehrerkollegiums”.

Steiner und die innerhalb der Waldorfeinrichtungen allgegenwärtige Tendenz zur bewußten Verdrehung und Lüge:

Alles dasjenige, was wir hier besprechen, das ist dazu da, um dem Lehrer Autorität zu verleihen. Wenn er sich verraten würde, würde er nicht durchkommen.“ (Rudolf Steiner, Erziehungskunst, Seminarbesprechungen, S. 55)

Weitere Realität auf der Waldorfschule, der angeblichen “reformpädagogischen Alternative”: Fütterung der Kinder mit Steinerschen Phantasien – der „Anthroposophie“ – in jedem Unterrichtsfach, eine “Schulgemeinschaft”, in der die Eltern nur Pflichten und das “Lehrerkollegium nur Rechte hat. Fragen gelten als “feindliche Akte” – Lügen, Intrigen und Heuchelei wo man auch hinkommt – eine bedrückende Atmosphäre.

Unfreiheit und Harmoniezwang

Jutta Görg-Herm, die zwölf Jahre Waldorfmutter und sogar neun Jahre lang Klassenlehrerin gewesen ist, empfindet das ähnlich:

Ich erlebte auch, daß kritisches Denken und Nachfragen an der Waldorfschule unerwünscht sind. Ich habe über Jahre miterlebt, wie Harmoniezwang ausgeübt wurde. Ein Zwang, der durch Verunsicherungen arbeitet. Wie können Lehrer Kinder zur Freiheit erziehen, wenn sie selbst diese Freiheit nicht erleben?

Sie kommt zu keinem guten Fazit:

Wer an der Waldorfschule aus der Menge und der Meinung der Mächtigen heraustritt, hat nichts zu lachen. Vielleicht wird nochmals gerüft, ob es ein Ausrutscher war, doch wehe dem, der es noch immer wagt, eine eigene Meinung oder sogar Überzeugung zu haben. Er wird geächtet. Wer überleben will, hat nur die Wahl, seinen Hut zu nehmen oder sich ruhig zu verhalten. Es geht nicht um Recht-haben-wollen oder Intoleranz, sondern um menschliches Würde und um die Freiheit des Denkens. Zu der Realität, wie ich sie erfahren habe, kann ich nur meine Enttäuschung und mein Entsetzen nennen.

“Enttäuscht und verärgert” sind I. und P. Bach:

Wir selbst waren einmal längere Zeit Eltern von Schülern einer Waldorfschule. Zuerst waren wir voll des Lobes, aber nach und nach kam die große Enttäuschung. Nach vielem Ärger haben wir dann unsere Kinder aus dieser Schule herausnehmen können. Der Anschluß an eine Staatsschule gestaltete sich schwierig, aber die Kinder haben ihn dann doch gepackt. Wir können vor den Waldorfschulen aus leidvoller Erfahrung nur warnen.

Es fällt auf, schreibt P. Brenner, der Vater eines Waldorfkindes, …

… daß Steiner zwar den Einfluss des Staates auf die Erziehung der Kinder aufs Schärfste verurteilt, jedoch in seien eigenen Schulen an dessen Stelle einfach sien Lehrerkollegium setztt. Daß die Elternschaft beispielsweise in irgendeiner Weise in Erziehungsfragen mitzureden hätte, ist nirgends vorgesehen. Und so wird es heute in den Waldorfschulen gehandhabt: Ein oft vollständig und undruchdringliches Lehrerkollegium operiert oft unter größter Geheimniskrämerei über die Köpfe sowohl der Eltern als auch der Kinder und der Geldgeber hinweg und fühlt sich kaum zur Rechenschaft schuldig, geschweige denn zur Zusammenarbeit.

Elternmitarbeit dagegen wird verlangt – aber unter den Bedingungen einer kommunikativen Einbahnstraße. Der Forderung, daß jedes selbstständige Denken an der Türe zum Rudolf-Steiner-Paradies abzugeben ist.

Steiner der Alleswisser und Rassist:

Wenn die Neger nach dem Westen auswandern, da können sie nicht mehr soviel Licht und Wärme aufnehmen wie in ihrem Afrika. Daher werden sie kupferrot, werden Indianer. (Rudolf Steiner, Vortrag am 3. 3. 1923 in Dornach)

Wir geben diese Negerromane den schwangeren Frauen zu lesen, da braucht gar nicht dafür gesorgt zu werden, daß Neger nach Europa kommen, damit Mulatten entstehen; da entsteht druch rein geitiges Lesen von Negerromanen eine ganze Anzahl von KIndern in Europa, die ganz grau sind, Mulattenhaare haben, die mulattenähnlich aussehen werden. (Rudolf Steiner, Gesamtausgabe 348, S. 185)

Ein abgeschotteter Bereich

Eltern haben keinen Schutz durch staatliche Regelungen. Selbst langjährige Lehrer, Eltern und Schüler können von heute auf morgen fallengelassen werden wie eine heiße Kartoffel. Die Waldorfschule muß sich nicht legitimieren, nicht auseinandersetzen, keine Gründe angeben. Sie hat quasi Narrenfreiheit und wird zudem noch aus Steuergeldern mitfinanziert.

Kritisch bleibende Eltern, die jedoch an die „positiven Vorurteile“, der Selbstdarstellung der Waldorfschule glauben – und somit im Grunde immer noch keine Ahnung von der „Waldorfpädagogik“ haben – merken dennoch, daß „irgendetwas“ an dieser Schule nicht stimmt. Daß Anspruch und Wirklichkeit nicht übereinstimmen. Sie merken, daß ihnen mit Arroganz gegenübergetreten wird immerfort. Sie letztlich nichts zu melden haben.

Freie Menschen halten es hier nicht länger aus und treffen über kurz oder lang an ihre Grenzen. Meist wird diesen auch deutlich klargemacht, daß sie nicht erwünscht sind. Denn: Nichts ist den Anthroposophen auf ihrer Schule unangenehmer als kritische Eltern, die vielleicht noch andere “anstecken” könnten! Anpassung und Klappe halten ist angesagt.

Was ist zu tun? Bevor Eltern mit dem Gedanken spielen, ihre Kinder in die Weltanschauungschule der Anthroposophen zu schicken, sollten sie nicht von der Eigenwerbund der Waldorfschule ausgehen, die auch in der Öffentlichkeit immer wieder verbreitet wird. Sondern sich mit dem beschäfitgen, was “ausgestiegene” Eltern und Schüler zu sagen haben. Also mit dem, was die Anthroposophie- bzw. Waldorf-Kritik zu bieten hat. Aber sie sollten sich auch die Mühe machen, Rudolf Steiner selbst zu lesen. Leider tut dies so gut wie niemand.

Manch zweifelnde Eltern denken oder hoffen nach den ersten Merkwürdigkeiten anfangs noch, der “pädagogische Ansatz” an sich sei ja gut, nur die “Umsetzung” an “ihrer” Schule sei allerdings “ausbaubar”. Diese oder jene Lehrer wären “ein Problem” usw. Es fällt halt schwer sich einzugesteehen, getäuscht worden zu sein, und das auf der ganzen Linie.

Für Steiner ist das Denken unerwünscht:

Gerade wenn man aus sich selber nachdenkt udn selber Ideen bildet, dann ist das Gehirn voller Unrat, voller Absonderungsprodukte, namentlich Phosphorsäureverbindungen; die schmieren sich dann so durch das Gehirn. (Rudolf Steiner, Die geistig-seelischen Grundkräfte der Erziehungskunst, TB, 604, S. 172/173)

Auch diesen Trend haben die Schullenker erkannt, weshalb von Zeit zu Zeit der eine oder andere Lehrer als “Sündenbock” vor die Türe gesetzt wird; neben dem Herausdrängen mißliebiger Eltern versteht sich. Wer sich nach eigener Erfahrung in und mit diesem System die Mühe macht, die Erfahrungsberichte anderer Eltern und Lehrer zu lesen, der sieht, daß nicht nur in “seiner” Waldorfeinrichtung dieses oder jenes angeblich “nicht stimmt”, sondern all das zur Steinerschen Pädagogik gehört.

Weltanschauliche Kaderschmiede und Sektenschule

Fazit: Das System hat keine Fehler, sondern diese “Fehler” sind unverichtbarer Bestandteil der Anthroposophie selbst. Nach dieser ernüchternden Erkenntnis merken diese Eltern, daß sie nicht die einzigen sind, die sich geäuscht haben und so einfältig waren, sich nicht vorher allseitig über diesen Schultyp und seine weltanschauliche Fundierung informiert zu haben.

Derer gibt es viele. Und sie gehören nicht zu den Dümmsten. Sie wollten das Beste für ihre Kinder und haben ein totalitäres Wahnsystem mit den dazu passenden Menschen vorgefunden, erdacht von einem der vorgab, ein “Menschheitsführer” gewesen zu sein.

Angstmache vor staatlichen Schulen gehört dabei zum Angebot der Waldorf-Propaganda, um die zahlenden Eltern zu verunsichern, bei der Stange zu halten. Doch diese Angst muß niemand haben.

Niemand kann eine Schule empfehlen, die sich bei näherem Hinsehen als eine reine Sektenschule entpuppt und darauf letztendlich ausgerichtet ist, den Eltern ihre Kinder zu entfremden, um sie ganz der steinerschen “Lehre” und ihren heutigen Ideologen zu unterwerfen: der angeblich “freien” Waldorfschule.

Quellen, Literaturverweise und weiterführende Infos:

Sybille-Christin Jacob, Detlef Drewes: Aus der Waldorfschule geplaudert – Warum die Steiner-Pädagogik keine Alternative ist, ISBN 3-932710-28-2

Charlotte Rudolph: Waldorf-Erziehung – Wege zur Versteinerung, ISBN 3-472-61727-6

Susanne Lippert: Steiner und die Waldorfpädagogik – Mythos und Wirklichkeit, ISBN 3-472-04754-2

Martina Kayser, Paul-Albert Wagemann: Wie frei ist die Waldorfschule – Geschichte und Praxis einer pädagogischen Utopie, ISBN 3-453-09147-7

http://rudolf-steiner.blogspot.com/

http://www.bipomat.de/waldorf/kritik/kritik.html

http://www.novo-magazin.de/73/novo7322.htm

  1. Schulte
    September 29, 2009 um 10:49 | #1

    Hallo,

    sehr guter Artikel!

    Das einzige was mir fehlt, ist eine klare Aussage zu Rudolf Steiners Geisteskrankheit: ist doch der Hammer, dass ein Geisteskranker die Autorität der Waldorfschulen ist!

    Wird auch von Waldorfschülern diskutiert, hier:

    http://waldorfblog.wordpress.com/2009/09/22/die-machte-des-lichts-symptome-steinerschen-geisterkenntnis-eine-philosophische-stellungnahme/

    (Danke für Deinen Kommentar und den Link! MfG, Nolde)

  2. Oktober 7, 2009 um 11:41 | #2

    Bravo,

    ein kompetenter Beitrag zur Diskussion um Waldorfschulen.
    Selber waldorflehrergebildet mit praktischer Erfahrung und Kindern in Waldorfschule und Waldorfkindergarten kann ich nur noch davor warnen, sich als normal denkender Mensch in eine Waldorfschule zu begeben. Ich habe mich sogar zur Meinung durchgerungen, Waldorfschulen aus Verfassungsgründen zu verbieten. Ich halte Rudolf Steiner mit seiner Anthroposophie für gefährlich – darauf eine Pädagogik aufzubauen ist eigentlich verrückt.
    In Waldorfschulen gibt es auf jeden Fall alles, nur keine gesicherte Bildungsqualität.
    Diese Schulen werden staatlicherseits vor allem deswegen geduldet, weil sie billiger sind. Kinder und Eltern zahlen den Preis.

    (Hallo, vielen Dank für den Kommentar. Ich bin ebenfalls der Meinung, daß diese Schulstätten der anthroposophischen Sekte verboten, und nicht noch vom Steuerzahler kofinanziert werden sollten. Es gehört jedoch zu den „Freiheiten“ dieser Gesellschaft, daß das nicht passiert, wobei die Staat/Sekte-Verzahnung ihr übriges dürfte. MfG, Nolde)

  3. Oktober 10, 2009 um 8:59 | #3

    Zitate von Rudolf Steiner verdeutlichen am besten die Grundhaltung, die jeder Waldorflehrer sich aneignen soll, um sich in die esoterisch-okkulte Tradition dieser Gründerfigur hineinzustellen. In den für die Waldorfpädagogik als konstituierend geltenden Lehrerkonferenzen finden sich laut Sektenbericht „Anthroposophie und Sektenbegriff“, aus dem ich nun zitiere, folgende Abschnitte:

    An sich ist nicht ausgeschlossen, dass im Kosmos ein Rechenfehler geschieht. Es sind doch lange für einander determiniert die hinuntersteigenden Individualitäten. Es geschehen auch Generationen, für die keine Individualität Lust hat hinunterzukommen und sich mit Leiblichkeit zu verbinden, oder die sie auch gleich am Anfang verlassen. Da treten dann andere Individuen ein, die nicht recht passen.
    Aber dies ist wirklich jetzt sehr häufig, dass ichlose Menschen herumgehen, die eigentlich keine Menschen sind, die nur menschliche Gestalt haben, naturgeistähnliche Wesen, was mannicht erkennt, weil sie in menschlicher Gestalt herumgehen. Sie unterscheiden sich auch sehr wesentlich von den Menschen in bezug auf alles Geistige. Sie können es zum Beispiel nie zu einem Gedächtnis bringen in den Dingen, die Sätze sind. Sie haben eigentlich nur Wortgedächtnis, kein Satzgedächtnis. … Aber wir wollen daws nicht in die Welt hinausposaunen. … Es hat einen furchtbaren Chok hervorgerufen, als ich genötigt war zu sagen, dass ein ganz berühmter Universitätsprofessor, der einen großen Ruf hat, dass der nach einem sehr kurzen Leben zwischen Tod und neuer Geburt ein wiederverkörperter Farbiger war, ein Forscher. … Aber diese Dinge wollen wir nicht der Welt verkünden.

    und:

    Die Rätsel des Lebens sind nicht so einfach. Wenn eine solche Wesenheit durch den Tod geht, dann geht sie zurück in die Natur, woher sie gekommen ist. Der Leichnam zerfällt; eine richtige Auflösung des Ätherleibes ist nicht da, und das Naturwesen geht in die Natur zurück.

    sowie:

    Der ganze Apparat des menschlichen Organismus ist da.

    (Zitate angegeben als Rudolf Steiner: Konferenzen mit den Lehrern der Freien Waldorfschule in Stuttgart 1919 – 1924, GA 300, Konferenz vom 5. 7. 1923)

    Die Lehre von Reinkarnation und Karma, die Steiner mathematisch modelliert als ein hochkompliziertes körperlich-raumzeitlich-dynamisches System mit Naturzusammenhang ansieht, das u.a. von Menschen mit ihren verschiedenen Wesensgliedern und deren Verwandlungen ausgefüllt wird, stellt die unverzichtbare Grundlage der Waldorfpädagogik dar. Rudolf Steiner stellt ein Element dieses Systems dar, er wollte sich z.B. in absehbarer Zeit erneut inkarnieren. Das hat er selber vor seinem Tod mitgeteilt. Inzwischen gibt es jemanden, die sich für diese Reinkarnation Steiners hält. Es soll sich um eine Frau handeln. In der INFO 3 von September 09 und Oktober 09 ist eine entsprechende Anzeige zu finden. Wahrscheinlich ist sie ernst gemeint.

  4. Oktober 16, 2009 um 4:37 | #4

    Da die Praxis der rund 500 Waldorfkindergärten, die mittlerweile in Deutschland arbeiten (Angabe nach Wikipedia) noch viel weniger transparent gemacht ist als diejenige der Waldorfschulen, besteht hier noch einiger Aufklärungsbedarf:

    ausschliesslich Naturspielzeug aus Holz, Wolle und Seide sind zugelassen. Sonst würde das gesamte Spektrum der Naturgeister und Elementarwesen, mit denen Kinder dieser Altersstufe angeblich besonders in Zusammenhang stehen, reissaus nehmen (Steiner hat dazu eine ausgefeilte Theorie), realitätsferne Märchen, Reigen und Singspiele, Verschen und Sprüchelchen, Marionetten- und Puppenspiele bilden vor allem das pädagogische Handwerkszeug im Waldorfkindergarten. Selbstverständlich gibt es nur vegetarisches Essen, das von der Erzieherin (meistens sind es doch Frauen) selbst gekocht wird im Gruppenraum in Gegenwart der Kinder, damit diesen eine häusliche Atmosphäre geboten wird. Da der Waldorfkindergarten auf die nachfolgende Waldorfschule abgestimmt ist, kann die vorschulische Erziehung wohl entfallen.

    Zur neuen Situation der Krippenerziehung in der Bundesrepublik Deutschland wollen nun Anthroposophen im Rahmen eines Treffens der Medizinischen Sektion am Goetheaum vom 2. bis 5. Juni 2010 eine Grundsatzerklärung erarbeiten, die dann auch für ihr auf globalem Niveau arbeitenden Gremium des WIEC (Worldwide Initiative Early Childhood care) neben dem AKK (Arbeitskreis Kleinkindpädagogik der Vereinigung der Waldorfkindergärten in Deutschland) richtungsweisend sein soll.

    Statt auf nationaler Ebene zu arbeiten und sich mit den hiesigen Pädagogik-Kollegen auseinanderzusetzen, setzen Waldorfpädagogen auf ihre internationalen Netzwerke, was die hierzulande sowieso schon stark divergierenden Meinungen sicher nicht weiter zusammenbringt. Wer sich z.B. die Realität der deutschen UNESCO-Waldorfschulen ansieht, von denen man Mustergültigkeit erwarten würde, wird oft enttäuscht werden. Soll es bei den Kindergärten nun auch so gehen?

    (Danke auch für diesen Kommentar. Mit einem Waldorfkindergarten habe ich und eines meiner Kinder bereits Erfahrungen sammeln dürfen. Schlimm, kann man nur sagen. Abwechslungsreiche Spielmöglichkeiten, sinnige Öffnungszeiten für Berufstätige? Fehlanzeige. Stattdessen wurde von der Kleindung bis hin zum Brotbelag alles vorgeschrieben, ständige Beobachtung und Gängelei. Selbstredend herrschte quasi Mützenzwang, irgendwelcher Strahlen wegen, damit das Kind „geerdet“ bleibt oder so ähnlich. Das nur ein Auszug aus meiner Erinnerung an diese Sekteneinrichtung. MfG, Detlef)

  5. Oktober 21, 2009 um 12:18 | #5

    Meine Kinder haben schon Mützen und Schal getragen, wenn es kalt war, und selbstgestrickte Socken liebe ich über alles, die gibts bei uns zu Nikolaus. Es ist auch nicht alles schlecht, was bei Waldorfs zum Alltag gehört. Aufmerksamkeit und Rhythmus und weitere Allgemeingültigkeiten wurden dort jedoch nicht erfunden.

    Meine Kritik richtet sich gegen die Grundauffassungen und die sind in der Pädagogik des Waldorfkindergartens viel subtiler vorhanden als in der Waldorfschule:

    Durch die waldorfspezifische hermetische Früherziehung sollen Weichen fürs Leben gestellt werden, die vor allem technisch-naturwissenschaftlich orientierten Menschen oft nicht ins Konzept passen. Darüber darf jedoch nicht gestritten werden, gilt doch in der Waldorfwelt Steiners Naturwissenschaft, die in der Tradition von Kepler und Goethe steht:

    Die Erde wird als lebendiger Organismus betrachtet, der in Naturreiche untergliedert ist, denen wiederum Naturwesen mit eigenem Willen vorstehen.

    Nach Steiner können z.B. Naturkatastrophen als Folgen menschlichen Fehlverhaltens aufgefasst werden, Menschen müssen sich nämlich mit den verschiedenen Naturgeistern anfreunden und schulden diesen Wohlverhalten. Ansonsten muss mit deren Unmut gerechnet werden, d.h. es passiert vielleicht ein Unglück. Solch animistisches und magisches Denken liegt tatsächlich der Kindergartenpädagogik zugrunde, daher darf kein technisches Spielzeug benutzt werden, werden nur ausgewählte natürliche Materialien zugelassen usw.

    Resultieren tut aus dieser Sichtweise ein subalternes, bisweilen alttestamentarisch erscheinendes Verhalten, das ängstlichem Verharren bei Überliefertem den Vorzug gibt. Antimodern und technikfeindlich (in moderner Technik treffen Naturreiche zusammen, die angeblich Widersacher auf den Plan rufen) lebt man dann in selbstauferlegter Plicht ein Leben in eher weltabgewandtem Einklang mit der Natur, jegliche Aufklärung wird vermieden, sie gilt sogar als schädlich.

    Eltern sollen diesem Ideal in ihrem Privatleben möglichst nahe kommen, lediglich praktische Zugeständnisse an das moderne Leben ausserhalb dieser Normen sind gestattet – an dem ideologischen Fundament darf nicht gerüttelt werden – wer das tut, gilt als nicht geeignet für die Waldorfwelt.

    All diese weltanschaulichen Vorgaben werden jedoch nicht offen verhandelt, sie sind lediglich durch den Namen Freie Waldorfschule gekennzeichnet und das ist irgendwie gemein. Rudolf Steiner mit seiner Anthroposophie hat sich in der Waldorfpädagogik ein Praxisfeld geschaffen, in dem er seine Auffassungen mit Absolutheitsanspruch verbreitet, das sollten Eltern wissen. Eine solche Erklärung vonseiten der Waldorfschule zu hören, kann man sicherlich nicht erwarten.

    Nach neunzig Jahren hat sich an den Grundlagen der Waldorfschule nichts geändert, praktisch gibt es inzwischen eine verstärkte kritische öffentliche Diskussion. An der weiteren internationalen Verbreitung von Waldorfpädagogik scheint diese aber nicht viel zu ändern.

  6. Oktober 26, 2009 um 5:33 | #6

    Die schützende Hülle, die Waldorfschulen angeblich bieten sollen, ist auch äusserlich gefährdet:
    Nur wer Rudolf Steiner selber liest, findet die Stellen in Steiners Werk, die den anthroposophischen
    Einrichtungen wie Waldorfschule und -kindergarten gefährlich werden können. Ich halte nämlich Waldorfschulen nicht nur für verfassungswidrig, sondern auch für besonders gefährdet. Steiners Rassismus, der vor allem im Frankfurter Memorandum (in der Zeitschrift INFO 3 (Anthroposophie im Dialog) 2008 veröffentlicht und beim INFO 3 Verlag zu bestellen) kritisch betrachtet wurde, ist in den letzten Jahren in vielen Veröffentlichungen aufgedeckt worden, doch das sind noch nicht alle Abgründe, die sich in diesem Werk finden lassen: seine Aussagen über andere Religionen als das Christentum sind noch viel schlimmer und stellen mindestens genauso einen Verstoss gegen das Grundgesetz dar wie die Rasseäusserungen. Steiners antijüdische Grundhaltung ist mehr als schlimm, seine Diffamierung des Islam ebenfalls. Über all dies wird Stillschweigen gewahrt.
    Steiner stellt seine eigenen Auffassungen als Geistesblitze oder als ungewöhnlich scharfsinnig erscheinende Erkenntnisse dar, in Wirklichkeit handelt es sich jedoch um strikt reduzierte Simplifizierungen und Pseudoerkenntnisse, die eingängig und durchaus gefährlich sind für den, der keine Möglichkeit zur Relativierung hat – das fundamentalistische Grundproblem eben. Begibt man sich in Steiners intensiv bearbeitete Gedankenwelt hinein, kann sie einem bei entsprechender Auswahl und Interpretation sogar logisch und schlüssig vorkommen, kann sich diese Welt bis zu ihrer Einsicht zeigen.
    Mit Eurythmie und Plastizieren und Musik als praktisch-künstlerischen Tätigkeiten bei der Waldorflehrerausbildung und dem Erlernen der Waldorfmethoden des Unterrichtens entsteht eine eigene Welt, in der man sich bewegen und einrichten kann – nicht zuletzt eine Anpassungsleistung nach meinem Empfinden, aber auch ein In die Falle tappen.
    Auf eine Autorin bin ich noch aufmerksam geworden, deren Bücher ich neben den vielen, die ich schon gelesen habe, mir wohl noch vornehmen werde:
    Cornelia Giese: Rudolf Steiner und die Waldorfschule aus feministischer und religionskritischer Perspektive (1) und: Rudolf Steiner und die Frauen im Zentrum seines Lebens, im Schatten seiner Macht (2).
    Die geschlechtsspezifischen Rollenklischees sind nämlich in der Waldorfwelt nur scheinbar aufgehoben, im Spielzeug und in den Unterrichtsinhalten kommen sie sehr wohl zur Geltung: ein schwieriges Feld alles in allem, das noch lange nicht bearbeitet ist.

  7. chris
    Oktober 28, 2009 um 10:28 | #7

    hi,

    hier ein schockierender bericht aus der waldorfschule: http://www.ruhrbarone.de/wie-gut-sind-waldorfschulen/

    (Danke für den Link! Die Darstellung dort entspricht genau meinen Erfahrungen, die ich zwei Jahre in Waldorfschule- und Kindergarten sammeln durfte: Verlogen und dümmlich-totalitär war so gut wie die gesamte Bagage dort. Dabei kamen sie sich ungemein heilig und wissend vor. Aus dem verlinkten Text sei zitiert, was mir noch gut erinnerlich:

    „Wie ich rückblickend sagen muss, ist das Waldorfsystem raffiniert und an Verlogenheit nicht zu überbieten. … Die Waldorfschule verkauft sich nach außen hin sehr gut. Kennt man sie aber von innen, wird man eines Besseren belehrt. Die große Waldorf-Gemeinschaft lebt nach der Devise: „Bist du nicht für uns, bist du gegen uns.“ Die gegen uns sind, lassen wir außer Acht und entledigen uns dieser Eindringlinge schnellstmöglich, egal wie … Die Wahnvorstellungen Rudolf Steiners werden in der Waldorfschule ausgelebt – mit kräftiger finanzieller Unterstützung des Staates. Dieser lässt diese Sekte schalten und walten, wie es ihr gefällt. Ohne Gegenleistung, ohne Auflagen, ohne wirksame Kontrollen.“

    Ein Verbot sämtlicher anthroposophischer pädagogischer Einrichtungen (Schulen, Kindergärten, Heime usw.) ist dringend geboten. Jahrzehnte DDR haben gezeigt, daß man sehr gut auf diesen Schmarrn verzichten kann. Kaum war die Mauer gefallen, sind diese Sektierer über das Anschlußgebiet hergefallen und haben wie Rattenfänger Eltern angezogen die glaubten, eine schulische Alternative vorzufinden. MfG, Nolde)

  8. Oktober 29, 2009 um 6:21 | #8

    Interessant ist sicher die Rezeption der Waldorfschulen in den neuen Bundesländern.
    Meinen Sie mit Sekte die Freie Christengemeinschaft, die personell eng mit Waldorfschulen zusammenhängt (viele Waldorflehrer und Seminardozenten sind zugleich Christengemeinschaftsfunktionäre) oder die Anthroposophen Dornacher Provenienz?
    Zwischen beiden Gruppierungen gibt es zwar grundlegende Unterschiede, doch die werden nach außen vertuscht: es ist alles in allem ein unglaubliches Insidertum.
    Aber eine andere Frage: Ist nicht auch das Bedürfnis nach Vielfalt oder wenigstens Konkurrenz in der Bildungslandschaft der neuen Bundesländer vorhanden? Wie wirken jahrzehntelange einheitliche Bildungsprogramme, wie fühlt es sich an, wenn der Staat das alleinige Bildungsmonopol besitzt? Aus Prinzip wird hierzulande nämlich genau darauf verzichtet, meiner Meinung nach müsste es jedoch irgendwelche Reglementierungen geben für die Waldorfschule, denn bis jetzt haben diese Schulen und vor allem die Kindergärten zu grosse Freiheiten, was ich nicht gut finde.

    (Antwort: Ich meine die Anthro-Bewegung an sich, nicht irgendeine Gliederung derselben. Daß es ein Bedürfnis nach „Vielfalt und Konkurrenz“ in einem relevanten Ausmaß gibt, kann ich mir nicht vorstellen. Objektiv sehe ich auch kein Bedarf, dieser wird vor allem suggeriert von „alternativen Trägern“ wie jenem, den wir hier am Wickel haben. Keinen kenne ich, der nicht der Meinung ist, die DDR-Schule, das Bildungsystem überhaupt, wäre schlechter als das heutige. Ganz im Gegenteil, wie auch bekannt, daß damals nicht nur Werte vermittelt und erzogen wurde, sondern man auch leistungsmäßig ganz oben lag. Ein Beispiel, an dem man sich andernorts (Finnland) orientiert, wie man die letzten Jahre hörte. – Eine Gesamtschule für das Gros der Schüler funktioniert meines Erachtens jedoch nur, wenn Staat und Gesellschaft weltanschaulich an einen Strang ziehen. Heute kann ich nachvollziehen, daß Eltern von (potenziellen) Gymnasialschülern sich gegen eine „Einheitsschule“ stellen, ich gehöre dazu. – Was jedenfalls gar keine Lücke hinterlassen würde, daß wäre der Wegfall der Anthro-Einrichtungen, kein Mensch ist dafür vor zwanzig Jahren auf die Straße gegangen. Reglementierungen halte ich für nicht ausreichend, zumal die Waldorfianer derlei nicht zulassen würden, da sie keinerlei Abstriche an ihrem Konzept zulassen. – Mir fällt kein Grund ein, den ganzen Laden nicht einfach dicht zu machen, das staatliche Bildungsmonopol durchzusetzen, wozu auch gehört, den partikularistischen Unsinn abzuschaffen, wie er heuer in der BRD existiert. Vielen Dank für Ihre informativen Kommentare! MfG, D. Nolde)

  9. Oktober 30, 2009 um 9:55 | #9

    Dass Waldorfschulen eine starke Lobby haben, ist mir schon klar. Doch Reglementierungen werden sich die jeweiligen Einrichtungen wohl gefallen lassen müssen, wenn sie von Seiten des Staates erlassen werden, es traut sich nur niemand dran! Und die Verquickung von Waldorfschule und -kindergarten mit der Freien Christengemeinschaft ist insofern fatal, als diese Sekte auf die Integrationsbemühungen der christlichen Kirchen rechnen kann, was äusserlich erst mal Stillstand bedeutet, denn man will vorsichtig sein!
    Eltern haben in manchen Waldorfschulen eine interne Aufsicht etabliert, dabei können Eltern weder Lehrer noch Unterrichtskonzept beurteilen und kennen insbesondere nicht die schwierige Grundlagendebatte um Inhalte und Methoden der Waldorfpädagogik: Lehrer, die selber denken, fallen auf und sind bald weg, Anpassung ist genehm. Themen wie Verfassungskonformität sind unbequem und werden eisern verdrängt – schön soll der Unterricht sein, die Schüler sollen zufrieden sein, Harmonie und guter Anschein sollen Unterrichtsqualität garantieren.
    Schöngeistigkeit und Gesellschaftsfähigkeit können aber nicht der Sinn der Schule sein, die nach Meinung vieler Eltern ein Teil einer im weiteren Sinn christlichen Gemeinde darstellen soll. Wer will da streiten?

    (Antwort: Reglementierungen wären vor allem viel zu aufwendig und würden sicherlich nicht zu gewünschten Ergebnissen führen, zumal sich die Frage stellt, warum man diesen ganzen Aufwand betreiben soll, wo es einfacher wäre und dringend geboten ist, diese Einrichtungen schlicht die Lizenz zum Psychoterror zu entziehen. Wer sich dagegegen sträubt, muß sich auch fragen lassen, ob er auch der NPD oder irgendeiner anderen Sekte erlauben würde, ein staatlich bezuschußtes Privatschulnetz aufzuziehen. MfG, Nolde)

  10. Oktober 31, 2009 um 2:30 | #10

    Für ein Verbot mancher Waldorfeinrichtungen gibt es tatsächlich gute Gründe und ich schliesse mich Ihrer Meinung dahingehend an, als wegen der Gleichbehandlung anderen Sekten ebenfalls eine Schullizenz zu erteilen wäre, die dann ähnliche Narrenfreiheit hätten. Also sollte auf die Einhaltung des im Gesetz vorhandenen Rahmens geachtet werden, der derzeit auf kosmische Maße ausgeweitet wird.
    Eltern können Dienstaufsichtsbeschwerden einreichen oder sich an die Sektenbeauftragten der Kirchen wenden, wo es enorm viel Kompetenz gibt.

    (Antwort: Ich denke halt, daß der Aufwand der nötig wäre, damit auch die Kosten, um darauf zu achten, daß unzählige Waldorfsektenschulen den „im Gesetz vorhandenen Rahmen“ einhalten, unzumutbar ist. Die Möglichkeit, daß Eltern „Dienstaufsichtsbeschwerden“ einreichen, macht m. E. auch wenig Sinn, da die damit ingang gesetzten Prozesse lang und zermürbend sein dürften – mit ungewißen Ausgang. Es trifft bei den Anthro-Schulen doch letztlich der Spruch zu, wonach das System keine Fehler hat, sondern selbst grundlegend falsch. Konkurrierende Sekten oder Vereine mit der „Betreuung“ der Waldorfianer zu betrauen, dem kann ich nichts abgewinnen. Die „Kompetenz“ der kirchlichen „Sektenbeauftragten“ liegt doch wohl vor allem darin, ihre subjektive Minderheitenposition als ein objektes Bewertungsmaß auszugeben. Eine Anmaßung, die nur zurückgewiesen werden kann. MfG, Nolde)

  11. 90 Jahre Waldorfschule
    November 1, 2009 um 9:50 | #11

    „Mir fällt kein Grund ein, den ganzen Laden nicht einfach dicht zu machen, das staatliche Bildungsmonopol durchzusetzen, wozu auch gehört, den partikularistischen Unsinn abzuschaffen, wie er heuer in der BRD existiert.“

    Mir schon. Es ist doch gerade die Politik, die die Waldorfschulen durch zahlreiche Sonderregelungen am Leben erhält.

    Das Propaganda-Organ der Waldorf-Sekte, info3, feiert gerade die Unterstützung aller Parteien für den Steiner-Wahnsinn:

    http://www.info3.de/wordpressnews/?p=199

    90 Jahre Waldorfschule: Pädagogen, Experten und Politiker feiern in Stuttgart

    (Da sind wir uns doch einig. Schrieb ich doch, mir fällt kein Grund ein, warum man den Laden nicht einfach dicht machen sollte. MfG, Nolde)

  12. 90 Jahre Waldorfschule
    November 1, 2009 um 9:52 | #12

    P.S.: hat eigentlich auch die NPD zum Waldorf-Geburtstag gratuliert?

    Wäre doch der Auftritt für den NPD-Waldorflehrer Andreas Molau gewesen.

    (Antwort: Vielleicht hat er es ja getan, wer weiß. An seinem kreativen Umgang mit der Wahrheit, einem gewissen Zynismus und dem dazugehörigen Wortschwall ist Molau jedenfalls der passende Pressesprecher von DVU-Chef Faust. MfG, Nolde)

  13. November 2, 2009 um 4:21 | #13

    Die INFO 3 veröffentlicht sogar meine Leserbriefe, die bestimmt einiges Unbehagen auslösen, insofern würde ich die INFO 3 nicht als Propaganda-Organ bezeichnen.
    Immerhin hat sie das Frankfurter Memorandum veröffentlicht, hat Helmut Zander, dessen werkimmanente Kritik von bekennenden Anthroposophen als vernichtend eingestuft wurde, ein Forum geboten, kritisiert Waldorfschulen in ihren Artikeln und kontert Lorenzo Ravagli. Mutiges und ernsthaftes Arbeiten am selbstgesteckten Ziel des Dialogs (mit wem auch immer)
    ist also anzuerkennen, die immer noch bestehende immense Abhängigkeit von der anthroposophischen Welt zeigt sich jedoch spätestens in den Anzeigen. Manchmal frage ich mich, ob das alles ehemalige Waldorfschüler sind, die dort schreiben und aus dieser Gedankenwelt nur schwer herausfinden?
    Mir kommt es auch so vor, dass ein Verbot von Waldorfschulen dermaßen unpopulär ist, dass eine Waldorfrepublik wahrscheinlicher erscheint.
    Es fehlen halt staatliche Sektenkommissonen wie z.B. in Frankreich.
    Mein Vorschlag heisst: staatlichen Politikunterricht (mit staatlich ausgebildeten Lehrern, zugelassenen Lehrbüchern, praktischen Anteilen wie Diskussionsrunden und Parlamentsbesuchen usw.) in der Waldorfschule einzurichten, damit eine gemeinsame Basis zwischen freien und öffentlichen Schulen geschaffen wird, denn der in der Waldorfschule erteilte gesellschaftskundliche Unterricht ist genausoviel und so wenig kontrolliert wie der andere Unterricht auch.

  14. über Anthro-Faschisten
    November 5, 2009 um 11:09 | #14

    Hallo Detlef Nolde,

    Sie waren ja auch mal in der Rechten Szene. Deswegen würde ich mich besonders freuen, wenn Sie den unten stehenden Kommentar zu anthroposophischen Faschisten „begutachten“ könnten. Den Kommentar habe ich hier gefunden: http://waldorfblog.wordpress.com/2009/07/15/ravagli-die-rassen-und-die-rechten/

    „Rudolf Steiner ist nicht der einzige anthroposophische Rassist. Der bekannteste Italienische Anthroposoph, Massimo Scaligero, der auch ins Deutsche übersetzt wurde, war im italienischen Faschismus aktiv.

    Massimo Scaligero wird nach wie vor von Anthroposophen als spirituelle Autorität verehrt, so von Michael Eggert, Betreiber des anthroposophischen blogs “Egoisten” in seinem neuesten Artikel “Die Kraft des Lebens”, siehe:

    http://www.egoisten.de/files/kraft_des_lebens.html

    Michael Eggert ist seit langem bekannt, dass Massimo Scaligero Faschist, Antisemit und Rassist war, spätestens seitdem ich meine von der Italienischen Botschaft durchgesehene Scaligero-Übersetzung auf seinem blog postete:

    Massimo Scaligero, „Coscienza del sangue“ in „La Difesa della Razza“, August 20, 1942, 4:

    „Se esiste una finalità essenziale della dottrina razzista, questa necessariamente consiste in una prassi etico-scientifica che rettifichi i valori della razza, secondo un modello che non occorre inventare ma che già esiste. Ciò può essere realizzato non soltanto attraverso una serie di norme eugeniche e sanitarie, ma anche destando una sensibilità e una coscienza razzista, così che il popolo non accolga passivamente i risultati di un’azione razzista, ma divenga esso stesso consapevole cooperatore di tale azione.“

    Massimo Scaligero, „Bewusstsein des Blutes“ in „Die Verteidigung der Rasse“, 20. August 1942, S. 4:

    „Wenn eine essentielle Zielsetzung der rassistischen Doktrin [i.e: der Rassen-Lehre] existiert, dann besteht diese notwendigerweise in einer ethisch-wissenschaftlichen Praxis, die die Werte der Rasse richtigstellt, gemäss eines Modells, das nicht erfunden werden muss, sondern das bereits existiert. Dies kann nicht nur durch eine Reihe von Normen der Eugenik und der Gesundheit erreicht werden, sondern auch indem eine rassistische Sensibilität und ein rassistisches Bewusstsein [i.e.: ein Rasse-Bewusstsein] erweckt wird, so dass das Volk nicht passiv die Resultate einer rassistischen Aktion aufnimmt, sondern selbst bewusster Mitwirkender dieser Aktion wird.“

    ……………………………………..

    Massimo Scaligero, „Fronte unico ario“ in „La Difesa della Razza“, February 20, 1941, 22:

    „Il movimento anti-ebraico giustamente oggi deve acquisire un’ampiezza supernazionalistica sino a divenire un’intesa di tutti i paesi. Proprio perchè si è mossi da un ideale di universalità che non abolisce ma mantiene e armonizza la differenziazione gerarchica, non si può ammettere l’azione di un gruppo etnico culturale a carattere internazionalistico, quale quello ebraico; tale inamissibilità per i popoli acquista vivente significato sopratutto allorchè alla concezione di una nuova universalità ariana corrisponde il risveglio di quell’elemento etnico-spirituale che inizialmente dette impulso a questo ideale di umanità. Ora, un fronte unico si rende necessario per dare all’universalità dell’ideale ariano uno strumento positivo sul piano dell’azione, in quanto non si tratta di combattere contro una nazione, ma contro una ‘internazionalità’ che è nazione nelle nazioni e si presenta non soltanto sotto l’aspetto di razza, ma sotto quello di religione, di cultura, di modo di pensare, di conoscere, di agire.“

    Massimo Scaligero, „Arische Einheitsfront“ in „Die Verteidigung der Rasse“, 20. Februar 1941, S. 22:

    „Die anti-jüdische Bewegung muss heute richtigerweise eine übernationale Größe erlangen, bis sie zu einem Übereinkommen aller Länder wird. Gerade weil man von einem Ideal der Universalität bewegt [i.e.: angetrieben] ist, das die hierarchischen Differenzierungen nicht abschafft, sondern beibehält und harmonisiert, kann man die Aktion einer ethnisch-kulturellen Gruppe mit internationalistischem Charakter, wie die der jüdischen, nicht zulassen; diese Unzulässigkeit für die Völker erlangt lebende [auch: lebendige] Bedeutung vor allem sobald mit der Konzeption einer neuen arischen Universalität das Erwachen [auch: Wiederaufleben] jenes ethnisch-spirituellen Elementes übereinstimmt, das ursprünglich diesem Ideal der Humanität den Impuls gab. Jetzt ist eine Einheitsfront unentbehrlich, um der Universalität des arischen Ideals ein positives Instrument auf der Ebene des Handelns zu geben, insofern es nicht darum geht, gegen eine Nation zu kämpfen, sondern gegen eine ‘Internationalität’, die Nation in den Nationen ist, und sich nicht nur unter dem Aspekt der Rasse präsentiert, sondern auch unter dem Aspekt der Religion, Kultur, der Denkweise, des Erkennens, des Handelns.“

    Dies sind nur 2 Beispiele, es gibt unzählige andere faschistische Scaligero-Texte. Das Italienische wikipedia wurde von Anthroposophen manipuliert – sie machen aus Scaligero einen Widerstandskämpfer.“

    (Antwort: Danke für Deinen interessanten Beitrag. So tief und speziell in diese Richtung habe ich mich mit dieser Thematik nicht auseinandergesetzt, so daß ich dazu wenig beisteuern kann. Der krude Rassismus des Sektengründers Steiner fügt sich meines Erachtens gut in den „Rest“ dieser „Weltanschauung“. MfG, Detlef)

  15. November 6, 2009 um 10:07 | #15

    Super, wirklich interessant, dieser Aspekt. Die anthroposophischen Machenschaften im Dritten Reich sind noch lange nicht ausgewertet, die Grenze zwischen Anthroposophie und Faschismus ist noch nicht gezogen, der Mangel an politischem Bewusstsein ein Armutszeugnis.
    Über weibliche Aspekte in diesem (nicht nur zeitlichen) Zusammenhang hat Laura Krautkrämer einen Artikel in der INFO 3 vom Oktober 2009 geschrieben.
    Die anthroposophische Einrichtung Loheland hatte es nämlich demnach geschafft, den Nationalsozialismus zu überdauern, was eine Ausnahme darstellt. Über Gründe kann spekuliert werden, es wird jedoch angenommen, dass diese Ausnahme dem Körperkult des Dritten Reiches geschuldet ist – in Loheland gab es eine anthroposophische Gymnastikschule, Eurythmistinnen aus Dornach usw. waren dort aktiv.
    Die europäische Dimension der anthroposophischen gesellschaftlichen Aktivitäten wird darüber ebenfalls ins Blickfeld geraten, denn die Netzwerke der Anthroposophie waren seinerzeit europaweit ausgedehnt.
    Es gibt auch entsprechende Literatur: Uwe Werner: Anthroposophen im Nationalsozialismus (1933 – 1945). Oldenbourg Verlag, München 1999, die von Jens Heisterkamp in seinem Artikel „Schatten der Vergangenheit“ INFO 3 April 1999 durchaus kritisch rezensiert wurde.

  1. Keine Trackbacks bisher.