Was macht “unsere” angeblich “soziale” Marktwirtschaft aus? Ist sie am Ende gar eine Leidkultur, die man überwinden sollte?
Was ist mit tätsächlichen Werten wie Solidarität, Gerechtigkeitssinn, Offenheit, Fragen nach dem Sinn des Tuns, Heiterkeit, Sinn für Muße und Freude am Schönen, dem Spiel?
Statt Grundfragen zu stellen, jammern “linke” und “rechte” Systemerhalter und ihr bornierter Anhang nach sinnlosen und schädlichen “Arbeitsplätzen” und fehlendem “Wachstum”.
Bei dem Grad an Entfremdung und Irreleitung verwundert es nicht, daß “Arbeit” von ahd. arabeit(i) herstammt, was soviel wie “Mühsal, Not” bedeutet und “Fleiß” von ahd. vliz sich herleitet, was ursprünglich “Streit, Kampf, Ärgernis” bedeutet.
Leid und Elend ist in die Welt gekommen, weil zu viele nicht frägen, was sie machen, wofür sie es machen, wem es nutzt.
Egal welche Arbeit, Hauptsache Du hast Arbeit! lautet die Botschaft der kapitalistischen “Leistungsgesellschaft”. Und was dann dabei rum kommt, ist egal: Uranmunition, Werbemüll, Pharmadreck. Es geht nur darum, Profit zu erwirtschaften, und Menschen sind dazu die Ressourcen aus Fleisch und Blut.
Soll der Mensch überhaupt eine Chance haben, muß die Marktwirtschaft abgeschafft werden. Dazu ist eine grundlegende Wertkritik unerläßlich, wie sie leider nur von wenigen Sozialisten betrieben wird. Stattdessen überläßt man dieses Feld Gruppierungen wie den Antideutschen und Linkssektierern.
“Es wird zuviel gearbeitet auf der Welt. Ein immenser Schaden wird durch den Glauben angerichtet, daß Arbeit eine Tugend ist.” Bertrand Russel
Heinrich Droege in “Vom Aberwitz unseres Arbeitsethos”:
Bei Karl Marx – auch er ein Kind seiner Zeit – finden wir dann einen hohen Stellenwert der Arbeit in seiner Auseinandersetzung mit der Arbeitstheorie von Hegel, aber bei ihm auch schon die Forderung, die Arbeit so minimal wie möglich zu halten, die Forderung nach “Nicht-Arbeitszeit”, nach “free time”, die Voraussetzung ist für “Mußezeit als Zeit für künsterlische, wissenschaftliche Ausbildung, für Spiel und Spaß, für das “Reich der Faulheit”, wo alleine der Mensch er selbst ist.
“Das Reich der Freiheit beginnt in der Tat erst da, wo das Arbeiten, das durch Not und äußere Zweckmäßigkeit bestimmt ist, aufhört”, formuliert der späte Marx. Als erster hat wohl Paul Lafarque auch ein proletarisches Arbeitsethos diagnostiziert und verdammt: “Diese Sucht ist die Liebe zur Arbeit, die rasende, bis zur Erschöpfung der Individuen und ihrer Nachkommenschaft gehende Arbeitssucht.”
Muße, Müßiggang, Faulheit waren immer Wunschträume des in seiner Arbeit entmenschlichten Menschen, immer der Wunsch, sich weniger zu placken. … In Thomas Morus “Utopia” (1516) ist Arbeit zwar Pflicht für alle, um so die soziale Gleichheit aller zu garantieren, aber Morus fordert einen Arbeitstag von höchstens 6 Stunden. Tomaso Campanella in seiner Renaissance-Utopie vom “Sonnenstaat” einen vierstündigen Arbeitstag.
Heute, wo viele der Utopien der Menschheit greifbar sind, und wo Erwerbsarbeit Mangelware ist, müssen wir uns an Lafarque erinnern, der einen Arbeitstag von 3 Stunden forderte, denn dank der Maschinen … fordert er eine strikte Rationalisierung der Arbeit. “… man muß, um Arbeit für alle zu haben, sie rationieren wie Wasser auf einem Schiff in Not.” Arbeit fordert er, darf nur mehr Beiwerk sein zu “Muße und Freiheit”.
Es gab immer denkende Menschen, die fehlgeleitete Aktivitäten in Frage stellten, es gab Warner, es gab Verweigerer, Schopenhauer und Nietzsche, Büchner und Lafarque … Sie wurden unterdrückt oder als Irre abgetan.
Nicht Sachen sind das Wichtigste in unserem Leben, sondern Personen, nicht unsere virtuelle, künstliche Welt ist wichtig, sondern die Natur und wir in ihr. …
Volker Wollny in seinem Artikel “Paul Lafargue und das Recht auf Faulheit”:
Ist Arbeitslosigkeit ein Problem?
Die derzeitige Massenarbeitslosigkeit wird gemeinhin immer noch als eines der größten Probleme angesehen, denen wir heute gegenüber stehen. Dieser (scheinbare) Konsens wird aber mittlerweile von immer mehr kompetenten Leuten in Frage gestellt bzw. sogar abgelehnt.
Arbeit im klassischen Sinne wird in Zukunft immer weniger notwendig sein, so dass nicht mehr jeder einen Arbeitsplatz haben kann. Der wohl prominenteste Vertreter der neuen Sichtweise ist Götz Werner, von der Drogeriemarkt-Kette “dm” der vor allem für seine Forderung nach einem Bedingungslosen Grundeinkommen bekannt ist.
In diesem Zusammenhang ist auch Paul Lafargues Schrift “Das Recht auf Faulheit” zu einem interessanten Dokument geworden, weil Lafargues Überlegungen auch noch – und gerade – heute, aufzeigen, welcher Wurm in unserem System steckt.
Wie verhindert man Verelendung durch Massenarbeitslosigkeit?
Um Probleme zu lösen, muss man erkennen, um was es wirklich geht. Es geht daher zunächst darum die Verlogenheit eines Systems zu entlarven, welches so tut, als ob jeder Arbeit haben könnte, den Arbeitslosen für selbst schuldig an seiner Misere erklärtt und entsprechend bestraft. Dem kommt die herrschende Auffassung entgegen, dass es der Lebenszweck des Menschen sei zu arbeiten und die Arbeit ein erstrebenswertes Gut.
Das aber ist schlichtweg Humbug, denn grundsätzlich dienen fortschrittliche Errungenschaften wie Maschinen und verbesserte Arbeitstechniken dazu, die menschliche Arbeit zu erleichtern und teilweise oder sogar ganz überflüssig zu machen. Arbeitslosigkeit ist also tatsächlich an sich kein Problem. Sie wird nur zu einem solchen, weil man diejenigen Menschen vom Konsum ausschließt, deren Mithilfe bei der Produktion nicht mehr benötigt wird und den wenigen, die man noch braucht, immer mehr Leistung für immer weniger Lohn abpresst.
[...]
Technischer Fortschritt muss uns von Arbeit entlasten
Moderne Maschinen und Produktionsmethoden werden gerne als Jobkiller bezeichnet, weil sie Arbeitsplätze kosten. Das kann jedoch nicht der Sinn der technischen Entwicklung sein, wie schon Paul Lafargue vor über 125 Jahren feststellte, sondern sie soll mehr Wohlstand mit weniger Arbeit schaffen:
Je mehr sich die Maschine vervollkommnet und mit beständig wachsender Schnelligkeit und Präzision die menschliche Arbeit verdrängt, verdoppelt der Arbeiter noch seine Anstrengungen, anstatt seine Ruhe entsprechend zu vermehren, als wollte er mit den Maschinen wetteifern. O törichte und mörderische Konkurrenz!
Genau das passiert heute noch Natürlich gibt es durch diesen Effekt immer mehr Waren, die von immer weniger Leuten gekauft werden können, weil immer weniger Arbeit haben, denn die vielen Waren können von immer weniger Leuten hergestellt werden:
Und da die europäischen Arbeiter, vor Hunger und Kälte zitternd, sich weigern, die Stoffe, die sie weben, zu tragen, den Wein, den sie ernten, zu trinken, so sehen sich die armen Fabrikanten genötigt, wie Wiesel in ferne Länder zu laufen und dort Leute zu suchen, die sie tragen und trinken.
Künstlich erzeugte und unnötige Arbeit
“Ein unnötige Arbeit ist keine Arbeit”, weiß ein schwäbisches Sprichwort, welches im Grunde aussagt, dass eine Arbeit immer einen Sinn in Form eines Ergebnisses haben muss. Das ist natürlich vollkommen richtig, aber nicht im Sinne des Kapitalisten, der ja an der Arbeit anderer verdient. Deswegen ist er auch nicht daran interessiert, haltbare Dinge herzustellen, denn einen Gegenstand, der ein Leben lang hält, kann er ja pro Person nur einmal verkaufen. Deswegen werden Waren heute so hergestellt, dass sie nur ein begrenzte Zeit halten und auch möglichst nicht zu reparieren sind. Ganze Heerscharen von Ingenieuren sind damit beschäftigt, Produkte so zu gestalten, das sie nur ein begrenzte Zeit halten und dann neu angeschafft werden müssen. Auch das gab es bereits zu Paul Lafargues Zeiten:
Anstatt der Seidenfaser ihre Einfachheit und natürliche Geschmeidigkeit zu lassen, überläd man sie in Lyon mit Mineralsalzen, die ihr Gewicht geben, sie aber brüchig und wenig brauchbar macht. Alle unsere Produkte sind verfälscht, um ihren Absatz zu erleichtern und ihre Haltbarkeit zu verkürzen.
Er wird sogar noch deutlicher, indem er mit beißendem Sarkasmus erläutert, was der Sinn der künstlich verkürzten Produktlebensdauer ist:
Diese Fälschungen, die einzig und allein menschlichen Rücksichten entspringen, jedoch den Fabrikanten, die sie praktizieren, famose Profite eintragen, sind zwar für die Qualität der Waren von verderblichster Wirkung, sind zwar eine unerschöpfliche Quelle von Vergeudung menschlicher Arbeit, aber sie kennzeichnen doch die geniale Menschenliebe der Bourgeois und die schreckliche Perversität der Arbeiter, die, um ihre lasterhafte Arbeitssucht zu befriedigen, die Herren Industriellen veranlassen, die Stimme ihres Gewissens zu ersticken und sogar die Regeln der kaufmännischen Ehrbarkeit zu verletzen.
Wie soll es weitergehen?
Fakt ist, dass unsere moderne Industrie die menschliche Arbeit bereits zu einem großen Teil überflüssig gemacht hat. Es gibt ganz einfach nicht mehr genug Arbeit um es jedem zu ermöglichen, acht oder mehr Stunden am Tag zu arbeiten. Dass das so ist, sieht man daran, dass diejenigen, die noch Arbeit haben, in der Lage sind, die anderen mit zu versorgen.
In der heutigen Situation werden sowohl die Arbeitslosen betrogen, als auch diejenigen, die noch Arbeit haben. Den Arbeitslosen entält man ihren Anteil an den Früchten des in früheren Zeiten geschaffenen vor indem man sie einfach ausgeschlossen hat.
Die anderen betrügt man darum, indem man ihnen nicht den Lohn bezahlt, der ihnen zusteht und sie länger arbeiten lässt als es nötig wäre. Das dies so ist, sieht man daran, dass trotz des angeblich so schlechten Standortes Deutschland in den ach so schlechten letzten Jahren die Unterrnehmensgewinne kräftig gestiegen sind, während die Einkommen der Arbeiter immer schlechter wurden.
Eine Verbesserung kann es nur durch eine radikale Veränderung der Verhältnisse geben. Ob dies durch eine radikalen Umverteilung der Arbeit durch erhebliche Arbeitszeitverkürzung möglich ist, oder ob man besser die Idee des bedingslosen Grundeinkommens und der Freiwilligkeit der Arbeit umsetzt, mag vorerst noch dahin gestellt sein. Fakt ist jedoch, dass wir unverschämt belogen werden, wenn man uns erzählt, dass wir für immer weniger Gegenleistung immer mehr arbeiten müssen um “international konkurrenzfähig” zu bleiben.
Wir müssen also umdenken und uns von der Vorstellung verabschieden, dass Arbeit der Sinndes Lebens sei. Vor dem Hintergrund der modernen technischen Möglichkeiten und der heutigen Produktivität klingt auch Paul Lafargues Forderung keineswegs mehr utopisch:
Wenn die Arbeiterklasse sich das Laster, welches sie beherrscht und ihre Natur herabwürdigt, gründlich aus dem Kopf schlagen und sich in ihrer furchtbaren Kraft erheben wird, nicht um die »Menschenrechte« zu verlangen, die nur die Rechte der kapitalistischen Ausbeutung sind, nicht um das »Recht auf Arbeit« zu fordern, das nur das Recht auf Elend ist, sondern um ein ehernes Gesetz zu schmieden, das jedermann verbietet, mehr als drei Stunden pro Tag zu arbeiten, dann wird die alte Erde, zitternd vor Wonne, in ihrem Inneren eine neue Welt sich regen fühlen — aber wie soll man von einem durch die kapitalistische Moral verdorbenen Proletariat einen männlichen Entschluß verlangen!
Vollständigen Beitrag lesen: http://selbstversorger-blog.over-blog.de/article-26754674.html
Aus dem Manifest gegen die Arbeit:
Sozialisten und Konservative, Demokraten und Faschisten haben sich bis aufs Messer bekämpft, aber trotz aller Todfeindschaft immer gemeinsam dem Arbeitsgötzen geopfert. “Die Müßiggänger schiebt beiseite” hieß es im Text der internationalen Arbeiterhymne – und “Arbeit macht frei” echote es schauerlich über dem Tor von Auschwitz. Die pluralistischen Nachkriegs-Demokratien schworen erst recht auf die immerwährende Diktatur der Arbeit. … Am Ende des 20. Jahrhunderts haben sich alle ideologischen Gegensätze nahezu verflüchtigt. Übrig geblieben ist das gnadenlose gemeinsame Dogma, die Arbeit sei die natürliche Bestimmung des Menschen. …
Was und wofür und mit welchen Folgen produziert wird, ist dem Verkäufer der Ware Arbeitskraft letzten Endes genauso herzlich egal wie dem Käufer. Die Arbeiter der Atomkraftwerke und der Chemiefabriken protestieren am lautesten, wenn ihre tickenden Zeitbomben entschärft werden sollen. Und die “Beschäftigten” von Volkswagen, Ford oder Toyota sind die fanatischsten Anhänger des automobilen Selbstmordprogramms.
Nicht etwa bloß deswegen, weil sie sich gezwungenermaßen verkaufen müssen, um überhaupt leben zu “dürfen”, sondern weil sie sich tatsächlich mit diesem bornierten Dasein identifizieren. Soziologen, Gewerkschaftern, Pfarrern und anderen Berufstheologen der “sozialen Frage” gilt das als Beweis für den ethisch-moralischen Wert der Arbeit. Arbeit bildet Persönlichkeit, sagen sie.
Zu recht. Nämlich die Persönlichkeit von Zombis der Warenproduktion, die sich ein Leben außerhalb ihrer heißgeliebten Tretmühle gar nicht mehr vorstellen können, für die sie sich tagtäglich selber zurichten.
Weitere Texte u. Bücher zum Thema:
Kurz, Lohoff, Trenkle: Feierabend! Elf Attacken gegen die Arbeit
Paul Lafargue: Das Recht auf Faulheit – Widerlegung des “Rechts auf Arbeit” von 1848
Zehn Argumente gegen den Arbeitswahn (und weitere Texte)
Fetisch Arbeit
Bertrand Russel: Lob des Müßiggangs, DTV-Verlag
Vom Glück der Faulheit, Langsame leben länger, So teilen sie ihre Lebensenergie richtig ein, Herbig Verlag
H. Droege: Faulheit adelt, Texte gegen den herrschenden Arbeitsethos, Aarachne Verlag
Braig, Renz: Die Kunst, weniger zu arbeiten, Argon Verlag
Ludwig Unruh, Hauptsache Arbeit? Zum Verhältnis von Arbeit und menschlicher Emanzipation
Guillaume Paoli: Mehr Zuckerbrot, weniger Peitsche, Aufrufe, Manifeste und Faulheitspapiere der Glücklichen Arbeitslosen
Robert Kurz: Schwarzbuch des Kapitalismus – Ein Abgesang auf die Marktwirtschaft
Die Arbeit bekommt immer mehr alles gute Gewissen auf ihre Seite: der Hang zur Freude nennt sich bereits “Bedürfnis der Erholung” und fängt an, sich vor sich selber zu schämen. “Man ist es seiner Gesundheit schuldig” – so redet man, wenn man auf einer Landpartie ertappt wird. Ja es könnte bald so weit kommen, daß man einem Hange zur vita contemplativa (das heißt zum Spazierengehen mit Gedanken und Freunden) nicht ohne Selbstverachtung und schlechtes Gewissen nachgäbe. (Friedrich Nietzsche, Muße und Müßiggang, 1882)

Gut Detlef, daß Du Dich immer noch nicht mit dem bornierten Arbeiterbewegungsmarxismus anfreunden konntest! Wertkonservativismus und Wertkritik müssen sich halt nicht widersprechen. Das eine ist erhaltenswert, das andere gehört auf den Müll.
Wenn man sich ansieht und -hört, wie sich dieser Wahn in die Köpfe der deutschen Arbeitsmonaden gefressen hat, die da zur Freunde ihrer Ausbeuter von “Arbeitsmoral” daherreden und die “Arbeislosigkeit” als “gesellschaftliches Problem” bezeichnen, kann man nur den Kopf schütteln.
Ohrenbetäubende Blätterpusterei und Rasenmäheridiotie, das scheinen mir Synomyme der deutschen Leidkultur zu sein, umrahmt von schlechter Laune, Obrigkeitsgläubigkeit, Blockwartmentalität und allerlei anderen Borniertheiten.
Kein Wunder, daß der deutsche Spießer oft auch Hunde(gefangen)halter ist, um am wehrlosen Geschöpf seine verdrängten Aggressionen und Neurosen auszulassen und asozialerweise seine Umwelt mit den daraus resultierenden braunen Hinterlassenschaften zu “beglücken”.
Patriotismus heißt für mich, daß Beste für das Land zu wollen, in dem ich gerade lebe. Das heißt nicht, allerlei offenbar typisch deutschen Schwachsinn abzufinden. Ganz im Gegenteil! Demographische Entwicklung und Migration dürften hier auf lange Sicht zu einer Erhöhung der Lebensqualität beitragen.
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(Antwort Detlef Nolde: Echter Patriotismus wäre tatsächlich das Anliegen, “sein Land” von Marktwirtschaft/Konkurrenz/Wachstums-/Profitwahn zu befreien.
MfG)
Naja, ich weiß nicht, was ich davon halten soll, ehrlich gesagt. Natürlich bin ich nicht der Meinung, dass Arbeitslosigkeit in jedem Fall selbstverschuldet ist, die meisten, die ich kenne, würden gerne arbeiten, finden aber keine. Sei es, weil sie zu alt sind (“alt” ist man für den Arbeitsmarkt oft schon ab 45!), chronisch krank, oder unter – bzw. überqualifiziert. Letztere sind nämlich zu teuer.
Aber was wäre die Alternative? Dass die Leute, die noch Arbeit haben, für die anderen mitschuften sollen?
“Fakt ist jedoch, dass wir unverschämt belogen werden, wenn man uns erzählt, dass wir für immer weniger Gegenleistung immer mehr arbeiten müssen um “international konkurrenzfähig” zu bleiben.”
Und das ist das eigentliche Problem. Denn würde man die Arbeit auf mehrere verteilen, müsste niemand mehr als 8 Stunden am Tag arbeiten. Die Frage ist aber, wer die alle bezahlen soll? Hat jemand Vorschläge?
Es ist auf jeden Fall schrecklich, dass viele trotz Vollzeitjobs damit sich und ihre Familien nicht mehr ernähren können!
Wenn ich dann die Sprüche von Westerwelle von wegen “spätrömischer Dekadenz” höre, wird mir speiübel.
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(Anm. Nolde: Das mit dem “wer das alles bezahlen soll” ist m. E. der herrschenden Logik geschuldet. Wir sollten jedoch völlig von vorne anfangen und feststellen, daß mit immer weniger Aufwand immer größere Mengen an allen möglichen Gütern produziert werden könnten, so daß selbst bei steigender Bevölkerung (was in den Industrienationen gar nicht der Fall) für jeden genug da wäre, um ein materiell gut ausgestattes Leben führen zu können, wobei die vorhandene, notwendig-nützliche Arbeit (vieles ist im Kapitalismus das Gegenteil und gehört abgeschafft) auf alle arbeitsfähigen Schultern gerecht verteilt werden muß, womit wir dann möglicherweise eine “Vollbeschäftigung” bei deutlich geringerer Arbeitszeit und idealerweise nicht das Maß an Entfremdung von der (oftmals nicht nur unsinnigen sondern auch streßigen und unterbezahlten) Arbeit haben, wie das heuer vielfach der Fall.
Damit wiederum wäre Arbeit nicht mehr nur bloße Lohnarbeit egal für was oder wen, sondern gesellschaftlich nützliches Tätigsein in jeder Hinsicht. Daß man für all das nicht nur neue Produktions- sprich Aneignungs-, Verteilungs- und Eigentumsverhältnisse und ein völlig neues Geldsystem benötigt, sondern auch ein neues Denken, welches nicht mehr borniert die Arbeit als solche verherrlicht und den Müßiggang verurteilt (außer bei den Kapitalisten und ihrem Umfeld wohlgemerkt), sondern die Arbeit nur dann würdigt, wenn sie sinnhaft und gerecht verteilt und die Faulheit, die Muße ebenso.
Dann kämen evtl. auch wieder die Tugendwörter “Arbeitsmoral” zur positiven Geltung, aber nicht mehr in der pervertierten Form als Züchtigungsinstrument, wie insbesondere in Deutschland die Kapitalisten sie weiten Teilen der Arbeiterschaft aufzwingen konnten, als Sklavenmoral nämlich. Mein Beitrag dient letztlich also dazu, den zerstörerischen und zutiefst ungerechten Charakter des Kapitalismus offenzulegen und aufzuzeigen, wie radikal der Schnitt für eine echte Wende sein müßte.
Und dazu gehört auch eine tiefgehende Wertkritik, auch wenn gerade die in der kapitalistischen Arbeitstretmühle sich befindenden (ob Manager oder Prolet) das nicht verstehen wollen, obwohl es nur einer einfachen, ja kindlichen Herangehensweise bedarf, um die Idiotie dieser Gesellschaftsordnung zu erkennen. MfG)
[...] Verfasst von lupo cattivo am 26/02/2010 Quelle: Detlef Nolde [...]
Blöd wie die meisten Leute sind halten sie den per se für “faul”, der auf die Existenz sinnloser und gesellschaftlich wie ökologisch schädlicher Arbeit wie darauf verweist, dass die übrig bleibende gesellschaftlich nützliche Arbeit gerecht auf alle arbeitsfähigen Schultern verteilt werden sollte wie es auch Tatsache ist, dass heute mit immer geringeren Aufwand immer mehr produziert werden kann, womit es ein durchsichtiges “Argument” der herrschenden Klasse ist (deren “Faulheit” interessiert die geBILDeten bornierten (“Mittelstands”-)Proleten nicht), dass die damit einhergehende mutmassliche Absenkung der Arbeitszeit bei vollen Lohnausgleich bwz. Mindestlohn von 12 Euro netto nicht “finanzier” bzw. -umsetzbar wäre, was in einer Marktwirtschaft wo Konkurrenzdruck und Profit im Mittelpunkt des Interesses steht, tatsächlich so bzw. sehr schwierig ist, weshalb der Sozialismus auf der Tagesordnung steht. Für wen und wie gearbeitet wird, was produziert, das ist dem Pöbel wie dem Kapitalisten egal, das nennt man dialektische Einheit von Volk und Herrscher … Es ist Perlen vor die Säue, das dem Pöbel begreiflich zu machen, denn abstrahieren also politisch Denken ist nicht deren Stärke, es muß sich an die Gebildeten gewendet werden.
—–
(Anm. Nolde: So ist es, ich habe das erst vor zwei Wochen in einem absurden Kneipen”gespräch” erlebt. Wer fleißig oder sein kann, aber entsprechende Wertkritik übt und meint, daß notwendige Arbeit und Freizeit in einem normalen Verhältnis zueinander stehen müssen, muß dann also doch irgendwie faul sein – ein Kurzschluß beim arbeitsmoralisierenden “mündigen Bürger” also, der dann oftmals in Aggressivität sich äußert, weil sie spüren, daß sie auf dem Holzweg, gar mit ihrem Leben unzufrieden sind.
Die meisten Arbeitslosen sind in den Augen dieser Typen die das “Glück” haben, “in Lohn und Brot” zu stehen, sowieso faul (ein Schimpfwort für Degenerierte, die immerzu beschäftigt werden wollen, weil ihnen sonst vor innerer Leere “die Decke auf den Kopf fällt”) bzw. “selbst schuld”. So lassen sie sich von den Bonzen, ihren geliebten Ausbeutern und deren Medien aufhetzen und das Denken abnehmen. Mit nur wenigen Menschen kann man sich überhaupt normal unterhalten, alles andere erscheint tatsächlich sinnlos und nervig.
Oder ist es am Ende dann doch nicht, denn sicherlich nimmt sich der ein oder andere des Themas noch einmal zu Hause an, so wie ich damit begonnen habe, mich noch einmal ausführlicher mit dieser Thematik zu beschäftigen. Allerdings auch das wieder mit dem Ergebnis, daß “Perlen vor die Säue” öfters der Fall ist, als man sich das eingestehen wollte. MfG
Richtig: Nicht “Arbeitsplätze schaffen”, sondern unnütze und schädliche Arbeit abschaffen! Das geht aber nur in einer weithin dezentralisierten, von Marktwirtschaft (optimalerweise auch dem Geld!) befreiten Wirtschaftsordnung, in der Konkurrenz und das Streben nach Maximalprofit beseitigt sind. Dazu ist es nötig, “unsere” Werteordnung vom Kopf auf die Füsse zu stellen, den Müssiggang zu rehabilitieren, die Verherrlichung der Arbeit und den Fortschrittswahn sich als idiotisch zu entlarven.
Man sollte mal eine Liste aller sinnlosen Tätigkeit (Arbeit) aufmachen: Waffenexportindustrie, das Gros der Pharmaindstrie inkl. der daran angeschlossenen Ärzteschaft (nicht nur Psyichater, Onkologen usw.) und des “Wissenschaftsbetriebs”, ebenso viele viele Lehrer, da ein Grosteil dessen, was die armen Kinder in der Schule lernen müssen, schlicht sinnlos ist, grosse Teile der Automobilindustrie, da das Nahverkehrsystem nichts mehr kostet, besser ausgebaut wird und weite Wege zur Arbeit nicht mehr existieren, viele Fernfahrer, da vieles dezentral(er) organisiert wird, die gesamte Werbebranche, viele Mitarbeiter in reaktionären und Schundmedien, viele Beamte und Angestellte des Staates, die sinnlose und schädliche “Arbeit” verrichten, ob in Jobcentern oder im Repressionsapparat. Diese Liste liesse sich sicherlich noch fortsetzen …
Und all diese machen nichts sinnvolles bzw. produktives (ganz im Gegenteil) und haben trotzdem Wohnung, Essen usw. usf. Werden diese nun “arbeitslos”, könnten sie all jenen restlichen Werktätigen, die etwas sinnvolles machen (Bauern, Strassenbahnfahrer, Lebensmittelverteiler, Handwerker, Metzger, Bierbrauer, Winzer usw.), ein Stückweit ihre Arbeit abnehmen, so dass jeder Arbeitsfähige etwas zu tun hätte aber sagen wir mal lediglich 3 Stunden pro Tag in einer fünf Tage Arbeitswochen – wenn überhaupt, womöglich noch viel weniger.
Zu tun wäre erst einmal, würde man all die hässlichen, nicht mehr benötigten Bürobauten und -Fabriken und Autobahnen abreissen, da dann wieder die Natur ansiedeln usw. usf. Mit “unserem” jetztigen System wird es jedoch immer mehr bergab gehen …
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(Anm. Nolde: Danke für Deinen engagierten Beitrag! Man müßte tatsächlich einmal eine Liste von Tätigkeiten erstellen, die sinnlos und schädlich sind, und deren Verrichter trotzdem Essen, Trinken und ein Dach über den Kopf haben. Es würde wohl ein Buch draus werden!
Es ist also genug für alle da und jeder bräuchte nur ein paar Stunden die Woche schaffen (um das Unwort “arbeiten” an dieser Stelle einmal zu vermeiden), den tatsächlich sinnvoll-Tätigen viele Stunden Tätigsein wegnehmen, ihnen damit Frei-Zeit schenkend.
Dafür müßte jedoch alles umgemodelt werden, vom Bewußtsein der seit dem 18. Jahrhundert erfolgreich auf der Grundlage Luthers-Arbeitsvergötterung umerzogenen einst freien Menschen zu Lohnsklaven bis hin selbstredend zu den Eigentums- und Machtverhältnissen. MfG)
Toller Beitrag!
Hier ein paar Zitate aus “Die Kunst weniger zu arbeiten” von Braig und Renz:
Seite 39:
Passend dazu, Seite 44:
Für dumme Fragen/Frager gibt es auf Seite 91 gute Antwortmöglichkeiten:
Kommunisten und Kapitalisten Hand in Hand – Seite 121 – 122:
Eine Frage, die sich viele bonrierte Arbeitsmonanden gar nicht stellen, lieber wird nach unten getreten, auf die Arbeitslosen, grad dann, wenn sie nicht in Sack und Asche gehen – Seite 174:
Interessant in diesem Kontext, was Ernst Betha in seinem 1913 erschienenen Buch “Die Erde und unsere Ahnen” geschrieben hat:
Ich finde, wie sich unschwer erraten läßt, diese Theorie sehr anheimelnd und spür in mir, daß sie stimmt
Wir stammen vom Riesenfaultier ab oder haben eine gemeinsame Wurzel, und sowohl der Jetztmensch wie das kleine, uns bekannt Faultier sind Degenerationserscheinungen.
Wenn dem so ist, dann ist das “Arbeitstier”, wie es seit den Arbeitshäusern des 18. Jahrhunderts herangezüchtet wurde von Psychopathen, die Degeneration par excellence. Und wir, die wir uns unwillkürlich mit dem Faultier verbunden fühlen, Nachtmenschen (vornehmlich Kneipen und Bars
) sind, unsere Faulheit zulassen, die Keimzellen eines neuen Morgens?
Noch ein gutes Buch:
Susanne Reinker: Die Faultier-Strategie, Econ Verlag
—–
(Anm. Detlef Nolde: Danke für den letztgenannten Buchtipp, sehr gut!
In der DDR hat man trotz allem Kult um Arbeit und Arbeiter doch noch sehr viel mehr Ruhe “auf Arbeit” gehabt und Freiheiten, auch “mal blau zu machen”. Dazu im Buch “Elf Attacken gegen die Arbeit” zitiert:
Das Buch von Betha habe ich vor vielen Jahren einmal gelesen, das mit dem Faultier darin fand ich ebenfalls sehr gut, und vor allem, wie auch in “Faultier-Strategie” festgehalten wurde: Wenn nötig, kann es auch richtig zupacken, seine Klauen ausfahren!
Eugen Roth, 1895 – 1976:
Grüße)
Grad entdeckt:
[...] nämlich wäre, wie oben bereits angedeutet, weder Antikommunismus noch Antikapitalismus noch möglich in diesem Lande, weil es in der Vergangenheit blutige Verfolgungen und Morde begangen [...]