Über Knechtsseligkeit, Sklavenmoral und Naivität – hier gefunden:
Mr. Block, als Holzkopf auch hierzulande bekannt …
“Mr. Block ist legendär, er ist repräsentativ für die Art von Sklaven, die in den selben Bahnen denken wie ihre Herren. Mr. Block besitzt nichts, aber er spricht mit dem Standpunkt eines Millionärs; er ist patriotisch ohne väterliches Erbe; er ist ein gesetzestreuer Ausgestoßener der die Hand leckt, die ihn ohrfeigt und den Stiefel küsst, der ihn tritt … die Personifizierung von allem, was ein Arbeiter nicht sein sollte.”
Der deutsche Auswanderer Ernest Riebe hat diesen und andere Cartoons gezeichnet. Sie erschienen ab 1913 in den Zeitungen der IWW in den USA.
–> Quelle und weitere Infos zur kämpferischen Gewerkschaft “Wobblies”: http://www.wobblies.de/?p=593
Passend dazu, gefunden bei Burkhard Schröder:
BITTE REVOLUTIONIEREN ZU DÜRFEN
Feynsinn erklärt die deutsche Leitkultur: “Er möchte gern politisch streiken dürfen, der Frank Bsirske. (…) Jedenfalls gibt es keinen Grund, es nicht einfach zu tun. Das ist übrigens der Unterschied zu den Franzosen: Die stellen nicht erst einen Antrag auf Erlaubnis zum Aufbegehren.”
Man muss aber hinzufügen: Ein Gewerkschafts-Bonze wie Bsirske ist der Letzte, der streiken würde. Die Forderung ist nur billiger Populismus. Und von “Kulturen” kann man sich auch keine Scheibe abschneiden. Die Deutschen sollten zunächst mal Staat und Kirche trennen. Dann sehen wir weiter.

Ich möchte das Vorgehen des Chefs nicht als “Vollschleimen” bezeichnen. Er selbst würde – anders als in diesem Cartoon – von “Motivieren” reden. Was ist daran auszusetzen? Beide sind glücklich, der Chef wie der Arbeiter. Letzterer macht seine Arbeit jetzt noch besser. Und Arbeit ist doch nichts Schlechtes!
Oder stört die Hierarchie? Aber Hierarchien müssen sein. Nicht nur zwischen Mann und Frau, Erwachsener und Kind, sondern auch in einem Wirtschaftsunternehmen. Wenn alle nur befehlen wollen, dann arbeitet keiner mehr.
Zweifellos gibt es auch zerstörerische Hierarchien. Die sind gegeben bei
1. inkompetenter Führung, oder bei
2.Über/Unter-Qualifizierung oder Widerspenstigkeit der Geführten.
Ein derartiger Fall geht aber aus dem Cartoon nicht hervor. Vielmehr scheint der Autor des Cartoons die Hierarchie als Prinzip infrage zu stellen.
In diesem Cartoon gehts nicht um Hierarchien, sondern zunächst einmal um unterbezahlte Arbeit und darum, wie man einen “Holzkopf” durch Schmeicheleien davon abhält, sich eine besser bezahlte zu suchen, wie er es eigentlich vorhatte.
Nun gut, ich als Arbeitgeber (der ich zeitweilig war) würde es genauso machen wie der im Cartoon. Und zwar mit gutem Gewissen. Ich halte es einfach für ethisch hochstehender, einen Menschen zu würdigen, anstatt ihn zu kaufen.
Man kann natürlich einwenden, daß das, was ich jetzt als Würdigung bezeichnet habe, nichts anderes sei als eine betrügerische, zweckorientierte Schmeichelei. Aber gibt es überhaupt einen Unterschied zwischen einem aufbauenden Lob und einer zweckorientierten Schmeichelei?
Nehmen wir an, ich würde meinem Sohn sagen: “Junge, das hast du aber gut gemacht!”. Ein Dritter könnte nun den Einwand bringen, daß ich mich damit nur um eine höhere Taschengeldzahlung drücken wollte.
Ich würde dann antworten: Forderungen nach höherem Taschengeld würde mein Sohn überhaupt nur stellen, wenn er nicht genügend gelobt, ermutigt, geliebt wird. Der Wunsch nach (mehr) Geld tritt immer dann auf, wenn wahre menschliche Bedürfnisse nicht erfüllt werden. Es ist ein Ersatzbedürfnis. Oder Ausdruck von Materialismus.
Wenn der Arbeitnehmer wirklich so schlecht entlohnt wird, daß er und seine Familie Mangel leiden, dann wird der Chef mit seinem Lob gar nichts erreichen! Er erreicht hier nur deshalb etwas, weil die Forderung nach höherer Entlohnung offensichtlich aus einem Mangel an Würdigung seiner Arbeit resultiert.
Zu diesem Erkenntnisstand konnte ich nur deswegen gelangen, weil ich, wie gesagt, selbst (für wenige Jahre) Arbeitgeber gewesen bin. Bis dahin habe ich, wenn ich für jemanden arbeite, mich allein schon dadurch als Opfer gesehen – und zugleich als Bessermensch. Genau so, wie der Feminismus Frauen sieht: Als unterdrückte und zugleich bessere Wesen. Wenn ein Unternehmer Pleite machte, empfand ich Schadenfreude, und ging zum nächsten, von dem ich ebenfalls hoffte, daß er seine gerechte Strafe empfangen würde. Für mich stand fest, daß ein Unternehmer seine Angestellten grundsätzlich verachtet, selbst dann, wenn er sie – zweckorientiert, natürlich – doch einmal lobt.
Ich hoffe, Herr Nolde, daß Sie meinen Beitrag nicht als mutwillige Provokation bewerten. Ich habe einfach nur aus Erfahrung gelernt und kann ehrlicherweise nicht anders reden, als ich es hiermit tue.
Der Arbeiter wurde ja nicht “gewürdigt”, sondern verarscht bzw. hat das mit sich machen lassen, statt seine Arbeitskraft irgendwo zu einem besseren Preis zu verkaufen, wie er es offenbar vorhatte. Wenn der Kapitalist denn nämlich tatsächlich so begeistert gewesen wäre, hätte er den Arbeitslohn erhöht und seine Anerkennung offen kundgetan.
Und nein, ich bedanke mich für Ihren Kommentar, sehe ihn mitnichten als Provokation bzw. betrachte korrekt übermittelte “Provokationen” gar nicht mal als schlecht an, denn es kommt ja immer drauf an, zu was man provoziert wird, z. B. zum Überdenken der eigenen Ansichten oder Taten. Ich kann mit anderen Meinung gut also prinzipiell gut umgehen und versuche immer, daraus etwas zu lernen.
An einer moralischen Verurteilung von Kapitalisten oder Höherbewertung des Arbeiters ist mir nicht gelegen. Es geht auch nicht um eine gleichmacherische Ablehnung von Hierarchien und sinnvoller Aufgaben(ver)teilungen, sondern einer Wirtschaftsordnung, die nicht nur tatsächlich nach Leistung und Können – für die Gesellschaft! – entlohnt, sondern den Bedarf des Volkes und nicht das Profitstreben des Kapitals als Maßstab des Handelns ansieht.
Beides ist im Kapitalismus nicht der Fall, es geht also um die Produktionsverhältnisse. Im obigen Cartoon jedoch noch nicht mal darum, da handelt es sich um die Sicht von Gewerkschaftlern, die zumeist nichts weiter wollen, als den Kapitalismus für die Arbeiter erträglicher zu machen, und da wiederum kommt man ums moralisieren oftmals nicht herum, so fruchtlos und vom Grundübel ablenkend das auch sein mag.
Halten wir also fest: Der abhängig Beschäftigte wollte “seine Arbeitskraft zu einem besseren Preis verkaufen”. Das ist, meine ich, eine so schäbige Einstellung, daß er es eigentlich verdient, entlassen zu werden. Ich würde ihn sogar vorbeugend entlassen, weil ich damit rechnen müßte, daß er mir – eventuell zu einem unpassenden, betriebs-ruinierenden Zeitpunkt – zuvorkäme.
Ich sehe das immer in Parallele zum Eheverhältnis. Irgendeine Frau sagte und schrieb mal: Wenn eine Frau nach der dritten Scheidung noch keinen Porsche fährt, dann hat sie etwas falsch gemacht. Sie hat sich also nicht teuer genug verkauft. Würde ich merken würde, daß meine Frau in diese Richtung “sich verbessern” wollte, dann würde ich vorbeugend handeln, genau so, wie ich das mit einem Angestellten auch täte.
Ich hatte zu meinen Angestellten ein fürsorgliches Verhältnis, etwa wie wenn es meine eigenen Kinder wären. Ich habe ihnen geholfen, wo ich konnte. Allerdings habe ich auch gemerkt, daß zuviel Geld die Moral der Arbeiter nicht erhöht, im Gegenteil! Das ist ja bei Kindern genauso. Eltern, die sich nicht wirklich um ihre Kinder kümmern können oder wollen, kompensieren das mit Geld. Zunächst werden die Kinder dadurch ruhiggestellt, aber später werden sie anspruchsvoll, aufsässig und undankbar. Und das mit einem gewissen Recht.
Ich halte die Gewerkschaftsbewegung für ähnlich destruktiv wie die Scheidungsindustrie mit ihrer Beförderung der Unterhaltsklagen. Sicher gibt es gewissenlose Ausbeuter unter den Unternehmern, die einfach nur bis zum Geht-nicht-mehr abschöpfen wollen – ebenso wie es abhängig Beschäftigte gibt, denen es erstmal ganz egal ist, ob der Betrieb aufgrund ihrer “berechtigten” Forderungen schließen muß.
Es fehlt an Opferbereitschaft auf allen Seiten. Man möchte keine Opfer erbringen, aber als Opfer gelten, d.h. Ansprüche stellen. Darum ist für mich das wahre Christentum so attraktiv. Es hat, solange es lebendig war, unsere Verhältnisse vor den gröbsten Entartungen weitgehend bewahrt.
Insbesondere seit dem Ende des Realsozialismus (also dem Wegfall der Systemkonkurrenz) steigen die Profite der Kapitalisten stetig an – ebenso die Preise resp. Lebenshaltungskosten. Parallel dazu sanken die Reallöhne und der Sozialstaat wurde demontiert, denn er hatte seinen Zweck (Blendung der eigenen wie der DDR-Bürger) erfüllt.
Und dann sollen diejenigen Opfer bringen, die sowieso schon immer weniger zur Verfügung haben nur zu dem Zweck, damit ihr Lohnsklavenhalter weiter seinen Profit maximieren kann, also zum Wohle des Kapitals?
Mit Verlaub, das ist eine Verhöhnung der Ausgebeuteten und Verzerrung der objektiven Tatsachen und ich meine, daß kaum noch jemand auf einstige Volksgemeinschafts- und Sozialpartnerschaftsparolen hereinfällt.
Deshalb kann man an den deutschen Gewerkschaften nur kritisieren und sie dafür verurteilen, daß sie den letzten Rest an kämpferischer Haltung verloren haben und immer offensichtlicher die Interessen der herrschenden Klasse erfüllen, weshalb sie es verdient haben, daß ihnen die Mitglieder davon laufen.
Über den nur-gewerkschaftlichen Ansatz hinaus wäre es notwendig, den ökonomischen in den politischen Streik umzuwandeln und die Gesellschaftsordnung vom Kopf auf die Füße zu stellen, ein parasitäres und zudem immer mehr unsere natürlichen Lebensgrundlagen zerstörendes System abzuwickeln, die bisherigen Profiteure ihrer sozialen Funktion zu entheben und eine sozialistische Ordnung zu errichten.
Und das, ich wiederhole mich, richtet sich nicht per se gegen Hierarchien und Autoritäten (was in der DDR ja auch nicht der Fall war, also nicht westlinken oder anarchistischen Spinnereien darüber, was Sozialismus bedeutet, aufsitzen), sondern tatsächlich das Gemeinwohl im Focus hat, was im Kapitalismus immer nur vorgegeben wird aber systembedingt gar nicht möglich sein kann.
Dazu kann ich weiter nichts sagen. Ich selbst habe mich nicht als “Kapitalist” gefühlt und bin auch nicht so bewertet worden.
Was hingegen auf nationaler und internationaler Ebene abläuft, das ist für mich weitgehend undurchsichtig, und, ehrlich gesagt, sogar ziemlich uninteressant, weil zu abstrakt. Es macht mir Mühe, diese Zusammenhänge zu durchdringen. Wäre ich in der DDR aufgewachsen, dann wäre ich natürlich in einer Weise sozialisiert worden, daß ich mit diesen Denkmustern (und Tatsachen, wenn es welche sind) jetzt vertraut wäre. Um allerdings zu wissen, was wirklich abläuft, würde ich es – die Möglichkeit und Mittel vorausgesetzt – vorziehen, in diese Welt praktisch einzusteigen. Dazu müßte man nur die entsprechenden Begabungen haben, auch das Interesse am Geld, und all das fehlt mir.
Aber aus der Sicht des Praktikers und Betroffenen sieht es sicher immer anders aus als aus der Sicht des Theoretikers. Wobei die Zwangsbelehrung innerhalb eines Staates, in welchem Erfahrungen mit dem kapitalistischen System von vornherein gar nicht gemacht werden können, sich auch nicht gerade günstig auf den Realitätssinn auswirken dürfte.
Wie gesagt, ich bin mit meiner Weisheit hier am Ende. Erfahrungen auf der Ebene “der Herrschenden” fehlen mir, und die Dogmatik ist mir zu abstrakt. Übrigens will ich mich nicht darauf versteifen, daß das Leben in der DDR weniger angenehm gewesen sei als das jetzt der Fall ist.
Es geht nicht darum wie man sich fühlt, denn “Unternehmer” und “Arbeitgeber” sind lediglich Kosenamen, die sich die Kapitalisten selbst gegeben haben, hört sich rgendwie gönnerhaft an, edel. Davon ab geht es nicht um diese (ich will also nicht personalisieren, moralisieren), sonderm dem System an sich.
Sich theoretisch mit einer Sache beschäftigt zu haben bedeutet nicht, deshalb kein “Praktiker” und “Betroffener” sein zu können, ob als Kapitalist, Lohnabhängiger oder Sozialleistungsbezieher. Irgendwie muß jeder “Praktiker” und “Betroffener” sein, um in dieser Gesellschaft überleben zu können.
Umgedreht ist nicht jeder “Praktiker” und “Betroffene” automatisch auch jemand, der sich seiner sozialen Position bewußt ist, Aussagen über die Welt um sich herum und deren Funktionieren machen könnte. Er ist insofern ein Rädchen im Getriebe und denkt, wenn überhaupt, nur in deren, den vorgegebenen Kategorien.
Entscheidend ist also politische Bildung, dazu genügend praktische d. h. Lebenserfahrung, ein offenes Herangehen wie Interesse an einer gerechten resp. richtigen Ordnung ohne Rücksicht auf allgemein verbreitete Ansichten und allerlei Bornierungen.
Nicht unwichtig auch am eigenen Leibe erfahren zu haben, wie es sich als Hungerlöhner und Sozialleistungsbezieher lebt, während die Reichen immer Reicher werden. Daraus wiederum kann ein Umdenken erfolgen, sich politisches Bewußtsein eintwickeln.
Seit jeher tappen also Millionen Nur-”Praktiker” und “Betroffene” im dunkeln wenn es darum geht, politische Sachverhalte und ihre Rolle auch nur ansatzweise zu durchdringen, was der Grund ist, daß die Herrschenden gut mit der Demokratie leben können, keine offene, terroristische Diktatur nötig haben.