Wurde Papst Paul I ermordet?

Wurde Papst Johannes Paul I Opfer eines verbrecherischen Klüngels, weil er mit der „Vatikan GmbH & Co. KG“ aufräumen wollte?

Paul VI. starb am 6. August 1978, das Konklave begann am 26. August. Mit Unterstützung der Kardinäle aus der »Dritten Welt« wurde bereits im vierten Wahlgang der Patriarch von Venedig, Kardinal Albino Luciani, mit 99 von 111 Stimmen zum Papst gewählt. Er nahm den Namen Johannes Paul I. an. Die Wahl Lucianis, eingefädelt von Kardinal Giovanni Benelli, Erzbischof von Florenz und rechte Hand des verstorbenen Paul VI., war eine komplette Überraschung nicht nur für die katholische Welt.

Ein »lächelnder Papst«, absolut atypisch für einen hohen Kirchenfunktionär, dazu von hoher Intelligenz und seltener Genügsamkeit. Luciani war der Sohn eines Maurers und als Priester in erster Linie Seelsorger, er blieb bescheiden und demütig, lebte sein Armutsideal tatsächlich und sorgte sich um die Existenzbedingungen der ihm anvertrauten Gläubigen.

Luciani hatte nie im Apparat des Vatikan in Rom gearbeitet. Da er kein Intrigant war, hielt die Kurie ihn für naiv und glaubte, mit ihm leichtes Spiel zu haben. Doch sehr bald merkte sie, daß es diesem Papst ernst damit war, die korruptesten Funktionäre abzulösen und entschiedener als Paul VI. die auf das II. Vatikanum zurückgehenden Reformen durchzusetzen.

Der Vatikan litt an zwei Krebsgeschwüren. Das erste war die Vatikanbank IOR unter Erzbischof Paul Marcinkus, den abzusetzen Paul VI. nicht den Mut gehabt hatte. Die Vatikanbank wusch inzwischen Gelder selbst der Mafia, profitierte in Millionenhöhe von Aktienfälschung und war vor allem mit der Ambrosiano-Bank in Betrugsgeschäfte verwickelt, für die der Name des Vatikans Garantien bot. Die IOR unter Marcinkus war auch Komplize beim betrügerischen Bankrott der Banco Ambrosiano und der Veruntreuung von 1,3 Milliarden Dollar. Das zweite Krebsgeschwür bildete die faschistische Freimaurerloge P2 unter Lucio Gelli, deren Angehörige entscheidende Posten im Vatikan beherrschten.

Aber vielleicht war es auch ein einziges Krebsgeschwür, und die Verquickung mit der Bank und die Durchdringung durch die P2 stellten ein und dasselbe korrupte Netz dar.

Am Tage nach seiner Wahl erklärte Johannes Paul I., er widme sein Pontifikat den Verkündigungen des II. Vatikanischen Konzils. Am Morgen des 29. September 1978 wurde er tot aufgefunden. Er hat nur 33 Tage amtiert. Als letzter hatte ihn der Kardinalstaatssekretär Jean Villot gesehen, der später bestätigte, der Papst habe vor Gesundheit gestrotzt. Todesursache und Todeszeit wurden nie geklärt, eine Autopsie verweigerte die Kurie. Dieses Verhalten begünstigte die alsbald erhobenen Vorwürfe, der Papst sei ermordet worden, die bis heute nicht widerlegt werden konnten.

Johannes Paul I. wollte am 29. September einige wichtige Entscheidungen bekanntgeben. Kardinalstaatssekretär Villot hatte am Abend zuvor die Liste der vorgesehenen Ernennungen, Pensionierungen und Versetzungen erhalten. Abgelöst werden sollten Villot selbst, der krank war und ein halbes Jahr später starb, der korrupte Leiter der Vatikanbank IOR, Erzbischof Marcinkus samt seinen Komplizen Luigi Mennini, Pellegrino de Strobel und dem Sekretär der Bank Donato de Bonis, der Kardinalvikar von Rom, Ugo Poletti, Kardinal Sebastiano Baggio, der korrupte Erzbischof von Chicago, der reichsten Diözese der Welt, Kardinal John Cody und andere. Villot erkannte sofort den gemeinsamen Nenner aller auf dieser Liste Genannten: Sie waren direkt oder indirekt mit der Geheimloge P 2 verbunden.

Paul VI. hatte 1968 mit seiner Enzyklika Humane vitae allen Katholiken eine künstliche Geburtenregelung streng verboten. Luciani war entschlossen, in dieser für die katholischen Gläubigen in aller Welt wichtigen Frage eine Kurskorrektur vorzunehmen. Villot war strikt dagegen.

Von den für den 29. September vorbereiteten Änderungen waren also eine Reihe mächtiger Männer bedroht, und sie waren entschlossen, sie zu verhindern, in erster Linie die Bankchefs der Vatikanbank, Marcinkus, der Ambrosiana-Bank, Calvi, und der nach New York geflüchtete bankrotte Bankier Michele Sindona sowie der die Fäden ziehende Chef der Loge P2, Lucio Gelli. Die Gründe für die Ermordung Lucianis sind nicht unabhängig von der Wahl seines Nachfolgers zu sehen.

Warum Karol Wojtyla gewählt wurde
Am 15. Oktober 1978 trat in Rom das Konklave zusammen. Nach einem erbitterten Ringen erreichte der Kandidat des reformatorischen Lagers, Kardinal Benelli, im achten Wahlgang beinahe die Zweidrittelmehrheit, es fehlten ihm neun Stimmen. Unter einem Papst Benelli wären jene von Luciani vorbereiteten Entscheidungen zweifellos vollzogen worden. Als Benellis Sieg drohte, zog Kardinal König eine schon für die vorige Papstwahl bereitgehaltene Trumpfkarte aus der Tasche: Karol Wojtyla, Erzbischof von Kraków. Der Mann wurde gewählt, nannte sich Johannes Paul II. und hätte alle Möglichkeiten gehabt, in die Tat umzusetzen, was sein Vorgänger wollte. Er hielt das Belastungsmaterial in den Händen, studierte die Berichte über die vatikanischen Finanzen. Er kannte die Wahrheit und unternahm nichts. Die käuflichen Würdenträger amtierten weiter, die illegalen Geschäfte der Vatikanbank florierten auch fürderhin. Der Mord an Johannes Paul I. war nicht vergeblich gewesen.

Die Kräfte, die hinter der Kandidatur Wojtylas standen, hatten sich nicht verrechnet. Sie wollten einen konservativen Papst, der das II.Vatikanum zurücknahm, die vorherigen Zustände restaurierte und die Autorität der Kurie befestigte. Zugleich suchten sie nach einem Kandidaten, der die Kirche dem Volke präsentieren und Massen für sie mobilisieren konnte. Er sollte sie wie Luciani mit seinem Lächeln bezaubern, ohne sich jedoch für ihre Interessen einzusetzen.

Quelle u. vollst. Artikel: junge Welt vom 4. 4. 05

Buchtipp:

David A.Yallop
IM NAMEN GOTTES? Der mysteriöse Tod des 33-Tage-Papstes Johannes Pauls l. – Tatsachen und Hintergründe

Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf., München 1984, ISBN 3-426-03812-9

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6 Gedanken zu “Wurde Papst Paul I ermordet?

  1. DIE SEXUELLEN ÜBERGRIFFE DER KATHOLIKEN HABEN DIE ÖFFENTLICHKEIT WACH GERÜTTELT —- EIN ZEICHEN, DASS DAS BUCH „IM NAMEN GOTTES“ UNBEKANNT BLIEB. UND DIE GLÄUBIGEN IN IHRER DUMMHEIT.

  2. Interessanter Bericht. – Ich habe irgendwo einmal gelesen, dass sich damals ein paar Kardinäle der Konklave zusammentaten, um Johannes Paul I „ein wenig früher zu Gott“ zu schicken, als dieser das eigentlich geplant hatte. Da keiner dieser Verschwörer den Mut aufbrachte, dass Gift in das Glas warmer Milch zu tun, die Luciani jeden Abend trank, soll einer der Kardinäle vorgeschlagen haben: „Wer von uns den Mut dazu aufbringt, diese Tat zu begehen, soll der kommende Papst werden!“….. Angeblich waren unter anderem auch Wojtyla und Ratzinger Teil dieser Verschwörung! Wir werden es wohl niemals beweisen können, aber die Geschichte macht schon irgendwie Sinn…

  3. Es ist eine große Schande, wie sich die (für sich beanspruchende) allein selig machende und w a h r e (?) Kirche verhält. Halte es mit den Mächtigen, so bleibst Du an der Macht. Verurteile die Schwulen nicht -, grenze die Neu-Verheirateten (Letizia von Spanien, Christian Wulf etc.) nicht aus und gehe mit Wichtigen normal um, wenn Du weiterhin 2000 Jahre und mehr existieren willst. Alle anderen verdamme Du in
    Deine Hölle (mit vorgeschaltetem Fegefeuer).

    Ich wüßte nicht, wer die Version der Römischen Kirche bei Papst J.P.I für wahr nimmt. Aber wenn es einen Gott gibt, wird er irgendwann Gerechtigkeit üben, vielleicht im Himmel unter all den Heiligen und Seligen, die Wojtila – zur Belohnung so ernannt oder zu Kardinälen, Erzbischöfen gemacht – und diese „heiligen“ Leute dort hin geschickt hat.

    Wenn der Vatikan und seine Kardinäle nicht gemordet hätten, wären sie – wiederum als Hüter der Wahrheit – mit Vehemenz bemüht gewesen, per Obdukzie etc. die Wahrheit bei Luciani ans Licht zu bringen, statt dessen wurden überall und noch heute nur Nebelkerzen geworfen.

  4. „Im Namen Gottes“ beschreibt u. a. , dass Johannes Paul I. sich von den Investitionen in die Firma Serono trennte, die Antibabypillen herstellt(e), weil sich das nicht mit dem katholischen Konzept der nur natürlichen Geburtenkontrolle vertrug.

    Das nenne ich konsequent. Was sonst noch in dem Buch von Yallop beschrieben wird, ist sehr interessant, insbesondere der zeitliche Ablauf in der Todesnacht und in den frühen Morgenstunden des liebenswürdigen Menschen Johannes Paul I.

    Jedoch kann auch Yallop hinsichtlich einer gewaltsamen Tötung des Papstes natürlich keine Beweise vorlegen. Es ist und bleibt bestenfalls ein Indizienbeweis, den er akribisch herausgearbeitet hat.

    ——–

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