Richard Scheringer und die Aufbrucharbeitskreise

Richard Scheringer

Richard Scheringer

Funktionäre und Mitglieder der NSDAP und nationalrevolutionärer Freikorps erkannten einst die soziale und nationale Demagogie ihrer Führer und wechselten zur KPD.

In diesem Kontext stehen die Aufbrucharbeitskreise:

Natürlich gab es unter den Mitgliedern und Anhängern des Arbeitskreises unterschiedliche Auffassungen über die Veränderung der bestehenden gesellschaftlichen Zustände sowie über die Zusammenarbeit mit progressiven Parteien und Organisationen. Eine Gruppe um Josef Römer, Richard Scheringer und Bodo Uhse rang sich zur Erkenntnis durch, daß nach dem Bruch mit der bürgerlichen Vergangenheit der Eintritt in die Partei der Arbeiterklasse folgen müsse. … Die Bildung des Aufbruch-Arbeitskreises wurde durch das Bekenntnis des ehemaligen Reichswehrleutnants Richard Scheringer zum Kommunismus wesentlich gefördert.

Richard Scheringer, der über das Verhalten Hitlers im Prozeß gegen ihn und seine beiden Mitangeklagten enttäuscht war, traf auf der Festung Gollnow mit Kommunisten zusammen. Sie öffneten ihm die Augen über den wahren Charakter der Nazipartei. Am 19. März 1931 verlas der kommunistische Abgeordnete Hans Kippenberger in der Reichstagssitzung eine Erklärung Scheringers:

„Wir und mit uns die breiten Massen des Volkes glaubten unsere Idee in der NSDAP verkörpert. Wer heute die praktische Politik der nationalsozialistischen Führer mit ihren radikalen Phrasen vergleicht, erkennt, daß ihre Handlungen im schärfsten Gegensatz zu dem stehen, was sie reden und schreiben und was wir von ihnen erwarten… Es gibt keinen Zweifel mehr: Die Freiheit steht allein bei den revolutionären Arbeitern, Bauern und Soldaten. Hier ist der Platz aller ehrlichen Kämpfer , nicht bei den Garden der Reaktion. Ich sage mich daher endgültig von Hitler und dem Faschismus los und reihe mich als Soldat ein in die Front des wehrhaften Proletariats.

Damit erregte Scheringer erhebliches Aufsehen, und er erhielt viele Zuschriften aus allen Schichten der Bevölkerung. Sein „Fall“ ging durch die Presse. Weil er den Nazis den Fehdehandshuh hingeworfen hatte, wurde er gerade von dort heftig attackiert. Der „Völkische Beobachter“ entlarvte selbst die antikapitalistische Demagogie der Nazipartei, als er zum Schritt Scheringers schrieb:

„Beseitigung des kapitalistischen Systems! Das ist seit Jahrzehnten und noch länger nicht viel mehr als ein Schlagwort. Ein junger Soldat, der seit einem Jahr Politik treibt, kann das nicht wissen.“

Nach dem Prozeß vor dem Leipziger Reichsgericht hatten sich sogenannte Scheringer-Komitees gebildet, die durch ihr Wirken in der Öffentlichkeit der Forderung nach einer Amnestie für Scheringer Nachdruck verleihen wollten. Graf Stenbock-Fermor gründete ein solches überparteiliches Komitee in Berlin. Ihm schlossen sich Persönlichkeiten verschiedener politischer Richtungen an, darunter Lion Feuchtwanger, Ludwig Renn, Bodo Uhse, Bruno von Salomon und Otto Strasser. Etwa zur gleichen Zeit bildete sich jedoch der Aufbruch-Arbeitskreis, den auch Richard Scheringer unterstützte. Ein Teil der Angehörigen des Scheringer-Komitees schloß sich ihm an, und die Komitees lösten sich auf.

Die KPD unterstützte sowohl die Bildung als auch die Tätigkeit des Aufbruch-Arbeitskreises. Zu seiner Anleitung entstanden beim ZK der Partei und bei einigen Bezirksleitungen sogenannte Aufbruch-Kommissionen. Durch eine zielgerichtete Arbeit konnten gewisse Vorbehalte unter Kommunisten gegenüber einer Zusammenarbeit mit ehemaligen Reichswehr-bzw. Polizeioffizieren und SA-Funktionären abgebaut werden.

Der KPD war daran gelegen, daß sich der Aufbruch-Arbeitskreis vor allem an diejenigen Offiziere der Reichswehr bzw. der Polizei und an solche SA-Führer wandte, die sich als nationalrevolutionär bezeichneten und im Glauben, der Nation zu dienen, dem Faschismus folgten.

Ihnen galt es klarzumachen, daß der Faschismus nicht Mittler zwischen Bourgeoisie und Arbeiterklasse, sondern reaktionärstes Klasseninstrument des Finanzkapitals war. Weil jedoch die faschistische und großbürgerliche Presse die Mitglieder des Arbeitskreises schamlos diffamierte und als Verräter verschrie, brachten die meisten Symphatisanten Scheringers und des Aufbruch-Arbeitskreises nicht die Konsequenz auf, sich offen zur Mitarbeit zu bekennen.

Andere, die zwar erkannten, daß nur die Arbeiterklasse und ihre revolutionäre Partei eine echte Alternative gegen die Gefahr des Faschismus bot, vermochten sich noch nicht aus ihrer sozialen Verwurzelung zu lösen und den Schritt zur Annäherung an die Arbeiterklasse zu vollziehen. Außerdem war die Entwicklung antifaschistischer und antiimperialistischer Auffassungen bei den im Spannungsfeld zwischen Monopolkapital und Arbeiterklasse stehenden Mittelschichten vielen Gegenwirkungen ausgesetzt. Die deutsche Reaktion besaß ein hochorganisiertes System geistiger Manipulierung dieser Schichten, in dem Antikommunismus und Nationalismus die Stützen darstellten. Unter diesen Umständen fand der Aufbruch-Arbeitskreis keine breite Basis.

Im April 1932 übernahm Dr. Josef Römer die Leitung des Aufbruch-Arbeitskreises. Josef Römer hatte sein politisches Wirken als Freikorpsführer begonnen. In einem langwierigen Prozeß vollzog er in den Klassenkämpfen der Weimarer Republik seinen Übergang auf die Seite der Arbeiterklasse. Im April 1932 wurde er Mitglied der KPD. Josef Römer stand nach 1933 aktiv im antifaschistischem Widerstand, gemeinsam mit Robert Uhrig leitete er eine weitverzweigte Organisation. Am 25. September 1944 wurde er im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet. …

Zur Propagierung seiner Ideen und Ziele gab der Aufbruch-Arbeitskreis eine Monatszeitschrift heraus. Sie erschien erstmals im Juli 1931 unter dem Titel „Aufbruch. Kampfblatt im Sinne des Reichswehrleutnants a.D. Richard Scheringer“. Im Untertitel bezeichnete sie sich später als Zeitschrift für Wehrpolitik und Rüstungsprobleme, für Fragen des Krieges, für Kampf gegen den Faschismus. Als Herausgeber und Schriftleiter zeichneten zuerst Willi Korn, danach Rudolf Rehm und ab Mai 1932 Josef Römer verantwortlich. Mitarbeiter waren u.a. Karl Diebitsch, Hans Kippenberger, Ludwig Renn, Bruno von Salomon, Ernst Schneller, Alexander Stenbock-Fermor und Bodo Uhse. …

Die Zeitschrift „Aufbruch“ erschien im Berliner Verlag Lübke. Mit verschiedenen Aufsätzen und Berichten zu militärpolitischen und politischen Problemen des Klassenkampfes sowie zu aktuellen Tagesfragen, besonders auf sozialökonomischem Gebiet, wandte sie sich im antifaschistischen Sinne aufklärend an Kreise des Mittelstands, an Anhänger der Nazis, an Offiziere der Reichswehr und Polizei.

Andere Hauptthemen waren die nationale Frage sowie Probleme des Versailller Vertrages. Zu den aktivsten Autoren der Zeitschrift gehörten Josef Römer, Richard Scheringer und Alexander Stenbock-Fermor.

Das Juli/August-Heft von 1932 enthielt u.a. den Artikel „Um den deutschen Osten“, in dem Beppo Römer nachwies, daß es der deutschen Reaktion im Osten nicht um eine „nationale Befreiung“, sondern um Geschäft und Profit ging. Hans Kippenberger analysierte im Aufsatz „13 Jahre Versailles“, wie die Nazis das Nationalgefühl des deutschen Volkes mißbrauchten.

Dokumentenauszüge belegten den Kampf der KPD um die nationale und soziale Befreiung des deutschen Volkes. …

Aus: „Geschichte der Militärpolitik der KPD“ (1918-1945), Militärverlag der DDR, 1.Auflage 1987, S. 226-230

Die Aufbruch-Arbeitskreise (AAK) enstanden im Zusammenhang mit dem Übertritt des ehemaligen Reichswehrleutnants Richard Scheringer von der NSDAP zur KPD.

Scheringer hatte gemeinsam mit seinen Kameraden Hans Ludin und Hans Friedrich Wendt in der Reichswehr nationalsozialistische Propaganda betrieben und versucht, illegale NSDAP-Zellen aufzubauen. Im September und Oktober 1930 wurde ihnen deshalb vor dem Reichsgericht in Leipig der Prozeß gemacht. Hitler, als Zeuge geladen, leistete seinen Legalitätseid und schwor, daß die NSDAP nicht das geringste Interesse an einer Zersetzung der Reichswehr habe. Vielmehr wolle sie dafür sorgen, „daß aus der jetzigen Reichswehr die große deutsche Volksarmee hervorgeht“.

Die drei Angeklagten wurden dennoch zu Festungshaft verurteilt.
Scheringer wurde zur Strafverbüßung nach Gollnow verlegt. Dort traf er auf kommunistische Häftlinge, die ebenfalls wegen Reichswehr – oder Polizeizersetzung einsaßen. Unter ihnen befand sich auch der Chef des Ressorts Reichswehr (des konspirativen militärpolitischen Apparats der KPD – Anm. d. Red.), Rudolf Schwarz.

In tage – und wochenlangen Diskussionen gelang es Schwarz, bei Scheringer den Nimbus zu zerstören, daß die NSDAP eine nationale Partei sei, der es allein um legitime Interessen des deutschen Volkes gehe. Letzte Gewißheit holte sich Scheringer durch einen Besuch bei Hitler und Goebbels. Als er in die Festung zurückkehrte, pfiff er die Internationale, das vereinbarte Zeichen, daß er nun endgülig mit der Nazipartei gebrochen und sich zum Eintritt in die KPD entschlossen habe. Scheringer begründete seine Entscheidung damit, daß sich die Nationalsozialisten vom Sozialismus abgewandt und mit den Westmächten gegen Sowjetrußland verbündet hätten.

Am 19. März 1931 machte Kippenberger diesen Schritt publik, indem er während der Wehrdebatte im Reichstag eine entsprechende Erklärung Scheringers verlas. Dieser Entschluß eines Reichswehrleutnants sorgte vor allem unter Militärs sowie in patriotisch denkenden Kreisen des Kleinbürgertums bis hinein in die NSDAP für beträchtliches Aufsehen.
Weitesgehend auf Initiative der KPD enstanden daraufhin Komitees, die sich vorangig aus Schriftstellern, Journalisten und ehemaligen Offizieren zusammensetzten und die Amnestierung Scheringers verlangten.

Dem Berliner Komitee gehörten Alexander Graf Stenbock-Fermor, Ludwig Renn (Vieth von Golßenau), Lion Feuchtwanger, Bodo Uhse und Bruno von Salomon an.

Obwohl die KPD-Führung mit dem „Scheringer-Kurs“ bei weitem nicht die zersetzende Wirkung auf die SA und Reichswehr erzielte, die sie sich vermutlich von dieser spektakulären Aktion erhofft hatte, gelang es ihr dadurch, in bislang für sie kaum erreichbare gesellschaftliche Kreise einzudringen und diese für die nachrichtendienstliche Arbeit (des militärpolitischen Apparates- Anm. d. Red.) zu nutzen.

Die Komitees boten beachtliche Möglichkeiten, mit national gesinnten Persönlichkeiten ins Gespräch zu kommen, die Vorbehalte gegenüber linkem Gedankengut besaßen und nicht als KPD-Symphatisanten galten.

Die KPD war deshalb bestrebt, selbst nicht zu stark als Partei in den Vordergrund zu treten und vor allem über solche Personen Einfluß auf die Komiteearbeit zu nehmen, deren Zusammenarbeit mit der KPD in der Öffentlichkeit kaum oder überhaupt nicht bekannt war.

Hierfür kamen vor allem die Verbindungs– und Vertrauenslaute des militärpolitischen Apparates in Frage, die aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Bildung oder ihrer beruflichen Tätigkeit in diesen Kreisen akzeptiert wurden.

Daraus erklärt sich auch nicht zuletzt die Schlüsselrolle, die Kippenberger bei der Herausbildung und Entwicklung der Aufbruch-Arbeitskreise spielte.
Um den Zusammenhalt der Komitees zu festigen und ihren Einfluß zu stärken, bereitete Kippenberger im April 1931 die Herausgabe der Zeitschrift „Aufbruch. Kampfblatt im Sinne des Leutnants a.D. Richard Scheringer“ vor. Er gab dieser Schrift einen bewußt überparteilichen Charakter, was auch durch die Art und Weise ihrer Finanzierung dokumentiert wurde. Sie erfolgte über den Verkauf von Anteilscheinen, wobei darauf geachtet wurde, daß kein Käufer soviel Anteilscheine erhielt, daß er die Richtung des Blattes bestimmen konnte.

Als Herausgeber fungierte Polizeioberleutnant a.D. Gerhard Giesecke und als Verlagsleiter zunächst der ehemalige stellvertretende NSDAP-Gauleiter von Brandenburg, Rudolf Rehm, und ab 1932 der ehemalige Führer des Freikorps Oberland, Hauptmann a.D. Josef Römer. Alle drei waren zum Teil bereits seit Jahren insgeheim für den militärpolitischen Apparat der KPD tätig. …

Aus: „Der Nachrichtendienst der KPD 1919-1937“, Dietz-Verlag Berlin 1993, Seite 231-236

Nationalistische Aktivisten, Anhänger und Wähler aus dem rechten Lager, vor allem aus der noch heterogenen nationalsozialistischen Bewegung, sollten angesprochen und bewegt werden, die Fronten, dem Vorbild Scheringers folgend, von rechts nach links zu wechseln.

Einzelne Nationalsozialisten hatten bereits 1929/30 die Fronten gewechselt, so der eng mit den Nationalsozialisten kooperiernden Schleswig-Holsteinischen Landvolkbewegung kommende Schriftsteller Bodo Uhse, der ehemalige nationalsozialistische Führungsschulleiter Wilhelm Korn, der stellvertretende Gauführer Berlin-Brandenburg der NSDAP Rudolf Rehm und der ehemalige Gaupropagandaleiter der NSDAP Lorf. Sie waren mit Otto Strasser Mitte Juli 1930 aus der NSDAP ausgetreten und hatten sich später der KPD zugewandt. … Im November 1931 traten einige Hitlerjugendführer aus Berlin-Kreuzberg und Mitglieder der Strasser-Jugend in die Kommunistische Jugend ein.

Eindeutig war die Absage an die schillernden Pläne einer „Dritten Front“ wie sie von Otto Strasser, aber auch zeitweise von Hans Zehrer in der von ihm herausgegebenen Zeitschrift „Die Tat“ vertreten wurden. Die Strassersche „Schwarze Front“, eine Absplitterung der NSDAP, galt in der KPD als eine „Aufnahmestellung für die meuternde SA“, die den Übergang in die „Rote Front“ verhindere. Im „Aufbruch“ wurde jedes Zusammengehen mit den „nationalen Sozialisten“ verworfen.

Aus: „Aufbruch“ – Dokumentation einer Zeitschrift zwischen den Fronten, Susanne Römer, Hans Coppi, Verlag Dietmar Fölbach 2001


Abrechnung

Von Rudolf Rehm, ehem. stellvertr. Gauleiter der NSDAP

Wenn mir die Aufgabe gestellt würde, das Programm der NSDAP zu widerlegen, dann müte als erstes die Rückfrage kommen: Welches Programm? Die 25 Punkte, kommentiert von Rosenberg? Oder das Federsche? Vielleicht das, welches der Gauleiter Kube dem Großgrundbesitz predigt, oder das, mit welchem der Freiherr von Wangenheim die rebellierenden Jungbauern zu beschwichtigen versucht? Die Programmauslegungen des Dr. Goebbels, revolutionär für die SA-Proleten eingefärbt, die Erklärungen die der Abgeordnete Wagner den Industriellen auftischt? Oder das von Otto Strasser Gereinigte?

Es gibt kein nationalsozialistisches Programm! Frick hat nun sogar mit Solz die Programmlosigkeit hervorgehoben. Es gibt nur einen Programmentwurf, der so dehnbar ist, daß jeder getrost die Einhaltung des „Programms“ beschwören kann. Hitler hat diesen Programmentwurf nicht verrraten, wenn er dessen Faschismus zum Programm macht. Dr. Otto Strasser kann trotzdem mit Hitler auf derselben ideologischen Grundlage stehen, obwohl sie oft meilenweit auseinander scheinen.

Man hütete sich in München und Berlin wohlweislich, dies Programmentwurfgerippe wirklich auszufüllen und wo die äußere Fragestellung dies erfordert, benutzt man fremde Kräfte; Kräfte, die mit Sozialismus nichts zu tunhaben. Wo wirklich sozialistische Forderungen vorhanden waren, sind sie dem Marxismus entlehnt aber so verfälscht, daß sie für die herrschende Klasse, für den Kapitalismus ungefährlich sind. Italien bleibt, mangels eigener geistiger Masse, das zu kopierende Vorbild. Der „Völkische Beobachter“ vom 19. Juni 1931 bestätigt das endgültig, indem er vom Nationalsozialismus als eigener Wirschaftsorm nicht mehr spricht, sondern nachfolgende drei Wirtschaftssysteme als sich bekämpfend aufzählt:

1. den russischen Kommunismus,
2. den liberalistischen Kapitalismus,
3. die gebundene Wirtschaftsführung Italiens.

Mit anderen Ausdrück nennt der „Völkische Beobachter“ als die ideale Wirtschaftsform „den in seinen Auswüchsen durch Staatsgesetze beschränkten Kapitalismus.“

Vom Kampf gegen den Kapitalismus ist keine Rede mehr, da ja eben die Beherrscher der Produktionsmittel, die Kapitalisten den Staat beherrschen und die Nazis den Trägern des Systems empfehlen „sich in der Profitsucht Beschränkung aufzuerlegen!“ …

Viele meiner Freunde, die mit mir den Weg zur kommunistischen Partei gefunden haben, aber auch viele, die heute noch bei der Hakenkreuzfahne stehen, sind damals zur NSDAP gestoßen, weil sie an eine Bewegung glaubten, die das wieder gut machen wollte, was die SPD 1918 verschuldet hatte: Den Verrat am Sozialismus. Weil die SPD „marxistisch“ genannt wurde, und wir weder Marx noch Lenin kannten, bekämpfen wir nicht nur die SPD allein, sondern auch den Marxismus.

So kämpften wir 5 Jahre und mehr, wie wir glaubten, für den „wahren Sozialismus“, in Wirklichkeit aber „für die gebundene Wirtschaftsführung im kapitalistischen System!“ Damals glaubten wir allerdings noch den Worten des Demagogen Goebbels, die er uns in dem Buch „Wege ins Dritte Reich“ einhämmerte: „Es ist die historische Aufgabe des deutschen Arbeiters Deutschland frei zu machen. Wir geben ihm die Kraft dazu, indem wir ihm Deutschland zum Besitz geben.“

Das ist lange her! Nicht lang genug, daß alle es schon vergessen hätten, aber lang genug, daß es heute mit frecher Stirn von allen Führern der NSDAP verleugnet wird.

Das Wort sozialistisch im Namen der NSDAP ist nur noch ein Beiwort ohne Sinn, außer dem, die vom Elend des Kapitalismus rebellisch gewordenen zu ködern und zu mißbrauchen. Trotzdem werden die fanatischen Anhänger Hitlers, bei denen zum großen Teil das kritische Bewußtsein durch „Glauben“ ersetzt ist, den Beweis des Verrats am Sozialismus mit taktischen Notwendigkeiten entschuldigen. Zwiespältigkeit ist aber eine schlechte Basis für den politischen Kampf. …

Aus: „Aufbruch. Kampfblatt im Sinne des Leutnants a.D. Scheringer“, Juli 1931, Nr. 1, S. 11-12

Die NSDAP hat scheinrevolutionäre Parolen auf ihr Banner geschrieben. Ihr Kernstück ist die Lüge von der Volksgemeinschaft aller Deutschen. In Wirklichkeit besorgt die Politik der NSDAP die Geschäfte des Bürgertums, des Kapitalismus. Unser besondere Aufgabe wird es sein müssen, alle diese Zusammenhänge den ehrlichen Elementen der SA aufzuzeigen, ihnen bei ihrer Loslösung aus ihrer konterrevolutionären Stellung behilflich zu sein und sie an die Front des revolutionären, nationalen und sozialen Befreiungskampfes heranzuführen.

Vor allem aber werden wir immer wieder den SA-Leuten sagen müssen, daß sie den ganzen Schritt tun müssen, keine halben, daß nicht die Rückkehr zur Ausgangsstellung des NS vom Jahre 1921, nicht die Sammlung auf dem unhaltbaren Posten einer neuen Zwischengruppe zwischen den beiden Klassenfronten, sondern nur der entschlossene Sprung ins Lager der kämpfenden revolutionären Arbeiterschaft sie zu wirklichen Kämpfern macht um des deutschen Volkes nationale und soziale Befreiung.

Aus: Hans Hubert von Ranke („Ludwig Bayer“), Freikorps Oberland, KPD-Funktionär in: „Aufbruch“, 2. Jg, 1932, Seite 6


Volksgenossen!

… Die rasende Zuspitzung der Situation erfordert entschlossenes und rücksichtsloses Handeln aller, die es mit dem Volke ehrlich meinen. Die Hitler und Goebbels, die Strasser, Stennes und Seldte gehören nicht dazu. Sie sind Verräter an der sozialen und nationalen Sache. … Statt Führer im Sturm gegen das System zu sein, mißbrauchen sie beste Elemente des Volkes im konterrevolutionären Sinne. Große Teile der Jugend, Soldaten, Arbeiter und Intellektuelle, die früher den Fahnen jener Demagogen folgten, haben das erkannt.

… Jetzt gilt es den revolutionären Weg Lenins zu beschreiten. Scheringer gab uns ein Beispiel. Am 18. März stellte er sich bedingungslos unter die Sturmfahnen des kämpfenden Proletariats!

Nationalisten! Hunderte aus Eueren Reihen stehen schon hinter uns. Morgen werden es Tausende sein. Mut Kameraden! Brecht zu uns durch! Werdet der historischen Stunde gerecht! …

Vorwärts für die sozialistische Revolution!

In Übereinstimmung mit unserem Kameraden Scheringer: gez.: v. Boettischer, Ltn. a.D., Danzig, Gieseke, Pol.-Oberltn. a.D., Berlin, Hacke, Reichswehroberltn. a.D., Freiburg i.B., Fülle, Hauptmann a.D., Gera, Tartsch, Oberltn. a.D., Berlin, Herder, Oberltn. a.D., ehem. Stahlhelmgauführer, Frankfurt a.M., Grubitz, Oberltn. a.D., Wilmersdorf, Konrad, ehem. nat. soz. Sturmführer, Korn, Ltn. a.D., ehem. nat. soz. Führerschulleiter, Berlin, Lenk, ehem. Reichsspielscharleiter der N.S.D.A.P., Rehm, ehem. stellv. Gauleiter der N.S.D.A.P. Brandenburg, Schmid-Wildbad, ehem. nat. soz. Sturmführer und Gauredner, Graf Stenbock-Fermor, Berlin, ehem. Baltikumkämpfer

Aus: „Aufbruch“ – Kampfblatt im Sinne des Leutnants a. D. Scheringer, Juli 1931, 1. Jahrgang, Nr. 1

Das Echo!

Pressestimmen!

Wir hatten kaum erwarten dürfen, daß der Aufruf der 13 Offiziere und ehem. Führer in nationalen Verbänden in so starkem Maße das Interesse der gesamten politischen Öffentlichkeit finden würde. Nachdem in der Zwischenzeit immer „neue Scheringers“ den Weg zur revolutionären Front des Kommunismus finden, gewinnt eine zusammenfassende Bertrachtung der Pressestimmen zu dem „Aufruf der 13“ besonderen Reiz. Die nationalsozialistische Presse tobte. Das Berliner faschistische Organ schrie:

„Gemeine Verräter als Paradepferde der KPD.“
und drohte mit „Volksgerichten“!

Herr Hitler ließ dreist durch seine Kanzlei erklären:
„Nach Durchsicht unserer Kartei stellen wir fest: Unter den Unterzeichnern des Aufrufs befindet sich überhaupt nur ein ehemaliges Mitglied der NSDAP.“

Wir veröffentlichen an anderer Stelle eine genaue Liste der ehem. Nazis die zu den Unterzeichnern gehörten; wenn wir auch allerdings verstehen, daß es Hitler besonders trifft, wenn ehem. Führer seiner „stolzen“ Partei demonstrieren, daß die Ohrfeige die Scheringer dem „Braunhäuslern“ verabreichte, keine Folge der „Haftpsychose“ war, so sollte er seine kostbare Kartei im braunen Haus doch nicht so diskreditieren, und bei seinem Sekretär Heß geschicktere Lügen bestellen.

Das „Monatsblatt“ schreibt dazu:
„Die Hitlerpartei dagegen verrät sofort die Unsauberkeit und Schwäche ihrer Stellung, indem sie diese Offiziere auf das Unflätigste beschimpft und ihnen die persönliche Ehrenhaftigkeit abstreitet.

Es ist kein Zweifel daran erlaubt, daß die meisten dieser Offiziere aus lautersten Idealismus handeln. Wer die Brücken zur Vergangenheit abbricht, wer sich bürgerlicher Verfemung und völliger Verkennung aussetzt, wer mit diesem Übertritt ein ungeheures Wagnis auf sich nimmt, der handelt eben aus der Überzeugung heraus, daß sein eigenes Ich nichts, das Ziel dagegen alles bedeutet. Eine Auseinandersetzung mit diesen Offizieren kann daher nur über das Ziel, niemals über den Weg erfolgen.“

Ansonsten: Verleumdung, Gift, Katzenjammer, das war die Resonanz auf den „Aufruf der 13“ in der gesamten Presse von Breitscheid bis Hitler. Wir sind mit dem Echo zufrieden!
Aus: „Aufbruch“ – Kampfblatt im Sinne des Leutnant a. D. Scheringer, Aug. Sept. 1931, S. 5

Das ZK. der KPD. an Scheringer

Lieber Genosse Scheringer!

… Ein minutenlanger Sturm der Begeisterung brach los, als der Führer des revolutionären Freiheitskampfes in Deutschland, Ernst Thälmann, die unlösbare Verbundenheit der proletarischen Freiheitsarmee mit der Armee der Opfer der bürgerlichen Justiz verkündete und als der Name „Scheringer“ fiel. Das Leipziger Urteil wurde zehntausendfach verflucht, die

Begeisterung über Dein mutiges und unerschrockenes Auftreten

vor dem Senat des Reichsgerichts ballte sich zu einem stürmischen Appell und zu einem einzigen Schwur: Heraus mit all Opfern der Reaktion!

Es gibt keinen Arbeiter und keinen ausgepreßten Werktätigen auch außerhalb der Reihen der Kommunistischen Partei, der die Tendenz Deiner Verurteilung wegen „literarischen Hochverrats“ und wegen Deines Bekenntnisses zum proletarischen Kampf um die nationale uns soziale Befreiung nicht versteht. … Nur die Kommunistische Partei ist die Gefahr für den Kapitalismus – das hat der Leipziger Urteilsspruch noch einmal bewiesen.

… Dein kühnes Auftreten vor den Schranken des bürgerlichen Gerichts angesichts einer drohenden langjährigen Freiheitsstrafe wird im Bewußtsein Deiner ehemaligen Kameraden von der S.A. noch deutlicher und überzeugender als Dein Übergang zur Kommunistischen Partei vom März des vergangenen Jahres, die Gewißheit verstärken, daß nur in den Reihen des klassenbewußten Proletariats Platz und Möglichkeiten für revolutionäre Überzeugung und Tatkraft sind.

Noch immer haben alle großen revolutionären Bewegungen aus dem Lager der Konterrevolution so manchen wirklichen

Kämpfer mit heißem Herzen und ehrlicher Überzeugung herübergerissen

und in die Reihe der kämpfenden Massen eingegliedert. … Die Kommunistische Partei Deutschlands ist stolz, diesen Prozeß des Übergangs der ehrlichen Aktivisten und Rebellen aus dem Lager der Bourgeoisie auf die Seite des Proletariats auch für den Sieg der deutschen Revolution herbeigeführt und beschleunigt zu haben. Sie ist stolz darauf, durch Dein Auftreten vor dem Reichsgericht bewiesen zu haben, daß es die Ernstesten und Ehrlichsten sind, die diesen Weg gehen.

Mit der unerschütterlichen Zuversicht für den Sieg des Sozialismus, bekennen wir uns Stunde für Stunde zum Kommunismus.

Mit revolutionärem Gruß

Zentralkomitee der KPD.

Aus: Aufbruch – Kampfblatt im Sinne des Leutnants a.D. Scheringer, Nr. 3, Mai 1932

Von 1945 bis zum Verbot der Partei 1956 gehörte Richard Scheringer der KPD-Landesleitung an und vertrat die Partei als Landtagsabgeordneter im bayerischen Verfassungsausschuß. Scheringer organisierte Proteste von Landwirten gegen die Beschlagnahmung ihres Bodens zum Bau von Militärflughäfen. Der von ihm geführte Gesamtdeutsche Arbeitskreis für Land- und Forstwirtschaft wurde als kommunistische Tarnorganisation verboten. Wegen seiner Mitarbeit am »Programm zur nationalen Wiedervereinigung Deutschland« verurteilte der Bundesgerichtshof Scheringer zu zwei Jahren Gefängnis unter Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte. Zwischen 1972 und 1982 vertrat Scheringer die DKP im Köschinger Gemeinderat.

Richard Scheringer starb am 9. Mai 1986. Er hinterließ elf Kinder. 22mal hat er für seine politische Überzeugung im Gefängnis gesessen. »Aber es war ein Leben mit viel Liebe, viel Freundschaft, vielen Kindern, über Irrtum und Schuld hinweg in Richtung auf das große Ziel, einmal, in einem sozialistischen Vaterland ›mit freiem Volk auf freiem Grund zu stehen‹. Das ist das große Los.«

Aus: www.marxistische-bibliothek.de

Alles anders –

eine Partei, die sich heute KPD nennt:

Hat das ZK in absoluter Übereinstimmung mit Nachdruck den in unserer Partei bestehenden Grundsatz bekräftigt, weder Angehörige noch ehemals aktive Mitglieder faschistischer Organisationen und ihrer heutigen Nachfolger in unsere Reihen eindringen zu lassen.

Aus: Die Rote Fahne, Nr. 3., März 2007

Linker Lichtblick?

Vielleicht wäre es sogar möglich, jene Elemente aus dem Anhang der radikalen Rechten zu filtern, denen wirklicher Sozialismus wichtiger ist als Sozialchauvinismus, die sich am Wohl aller Menschen orientieren statt in völkisch-rassistischen Kategorien zu denken? Das setzt aber zumindest einen Kern einer gut organisierten, aktiven revolutionären antiimperialistischen Linken voraus, die den Opfern des Kapitalismus eine Alternative bieten kann. Diesen Kern gilt es unverzüglich zu schaffen. Denn der Boden dafür ist zwar vorhanden, doch er wird von anderen bestellt und könnte daher auch ausgelaugt werden. Die Zeit ist jedenfalls knapp.

(www.bruchlinien.at)

Literatur:
– Susanne Römer, Hans Coppi (Hrsg.): Aufbruch. Dokumentation einer Zeitschrift zwischen den Fronten, Koblenz 2001
– Richard Scheringer: Das große Los. Unter Soldaten, Bauern und Rebellen. Damnitz Verlag 1979
– Richard Scheringer, Grüner Baum auf rotem Grund, Damitz Verlag 1983
– Richard Scheringer, W. Sprenger, Arbeiter und Bauern gegen Bosse und Banken – Bauernprobleme der BRD in marxistischer Sicht

Advertisements

9 Gedanken zu “Richard Scheringer und die Aufbrucharbeitskreise

    • Hallo Tobi,

      ich kannte diese Seite bereits, Danke trotzdem. Wie Du vielleicht anhand der Antworten von Norbert Gernhardt (sascha313) gemerkt hast, vereinigt er in sich einen Mix aus Stalinismus und Linkssektierertum. In seinem eigenen Jargon gesprochen:

      Er hat sich in einen Schematismus und Dogmatismus verrannt, der es ihm unmöglich macht, die objektive Realität zur Kenntnis zu nehmen und Antworten im Sinne des arbeitenden deutschen Volkes zu finden.

      Er ist der imperialistischen Ideologie des Kosmopolitismus verfallen (was er als Internationalismus ausgibt), weshalb er den nationalen Nihilismus propagiert, die nationale Frage negiert. Deshalb beruft er sich zu Unrecht auf Ernst Thälmann, denn dieser betonte immer wieder wie wichtig es ist, die sozialen wie die davon losgelöst existierenden nationalen Interessen des deutschen Volkes zu vertreten.

      Gernhardt setzt freilich auch nicht um, was Kommunisten unter dem Stichwort „Kritik und Selbstkritik“ zu sollten, wenn es um die hausgemachten Gründe für den Untergang des Realsozialismus unter Führung kommunistischer Parteien geht.

      Daraus folgt, daß er stalinistische Massenverbrechen leugnet, deren Opfer – nicht zuletzt die deutschen – verhöhnt und die gegenwärtige Einwanderung in die BRD nicht als eine Agenda des Kapitals erkennt, welche damit Massen an Neukonsumenten importiert, um den Profit zu steigern, sondern den legitimen Widerstand der Deutschen dagegen als „nazistisch“ kriminalisiert.

      Damit begibt er sich auf die Seite der deutschen Monopolbourgeoisie, die er angeblich bekämpft.

      Dieser Kommunistendarsteller ist – wie viele, wenn nicht alle seiner Genossen in der BRD – eine Schande für all jene Kommunisten, die einst zugleich Patrioten waren, wie Ernst Thälmann, August Thalheimer, Richard Scheringer usw.

      Letztlich bleibt zu sagen, daß der Marxismus-Leninismus als Gesamtheit alles andere als eine Wissenschaft ist, vielmehr handelt es sich um eine Spielart des Idealismus, also Wunschdenken.

      So ist vorprogammiert, daß ein Sozialismus unter Führung von Kommunisten scheitern muß, die nicht Avantgarde der Arbeiterklasse (wie eingebildet), sondern bestenfalls Nachtrab sind. Wenn nicht gar nützliche Idioten des Kapitals, wie das heute der Fall ist, wenn sie dem eigenen Volk bei der Vertretung seiner nationalen Interessen in den Rücken fallen, die letztlich auch die sozialen berühren.

      Hugo Chavez hat festgestellt (22. 7. 08, Tribuna Popular), daß die Sozialistische Einheitspartei Venezuelas PSUV “nicht die Banner des Marxismus-Leninismus ergreifen wird, weil er ein Dogma ist, weil er schon vorbei ist”. Ergo: Der Sozialismus ist nicht mit Marxismus-Leninismus/Kommunismus gleichzusetzen.

      Er fuhr fort, “wer nicht damit einverstanden ist, hat alle Freiheit, wenn er nicht hier bleiben will, zur Kommunistischen Partei zu gehen”, bei der er bereits “konterrevolutionäres Verhalten” ausgemacht hat. Also bei jenen, die sich immer als die “revolutionäre Vorhut” gerieren.

      So lag es auch Nahe, daß die Kommunisten versuchten, den Menschen entsprechend ihrer Ideologie sich zurechtzubiegen und wenn das nicht funktionierte, zu brutalen Gewaltmaßnahmen überging, wovon auch ehemalige Kommunisten berichten, wie ich in diesem Beitrag zusammengefaßt habe.

      So schlußfolgere ich, daß ein neuer Sozialismus nicht aufgebaut werden kann unter kommunistischer Führung, erst recht nicht durch Stalinisten.

      Wie diese sich in Europa jedoch gebärden, braucht man sich darüber auch keine Gedanken machen, denn wer sich der randgruppen- und fremdentümelnden also kleinbürgerlichen Sektiererei hingegeben hat und Verbrecher wie Stalin bejubelt, wird nie eine Massenbasis bekommen.

      Ernst Thälmann und seine Genossen würden sich beim heutigen Zustand der deutschen Kommune im Grabe umdrehen, erst recht wenn sie mitbekämen, wie ihre Namen dafür mißbraucht werden. Thälmann würde von diesen Sektierern vermutlich als Querfront-Nazi oder ähnliches diskreditiert, fände sich nirgends im politischen Spektrum mehr wieder.

      Mit dem Thema „Linksnationalismus“ hat dieser Typ nichts zu tun, ganz im Gegenteil.

      Grüße

      Detlef

  1. Ja das stimmt allerdings, aber was sehr interessant ist Detlef das einer seiner Genossen ein Kommentar von mir gefallen hat das genau das Weltbild der fremdentümelnden Sektierer widerspricht

    https://sascha313.wordpress.com/2015/07/10/brd-provoziert-fluechtlingsstroeme-nach-europa/

    Ich habe da einen Beitrag der dir bekannt sein sollte gepostet. Es ist nämlich einer der Identitären Bewegung wo mal auf Facebook gepostet wurde. Nur habe ich natürlich auf Saschas Blog keine Quellenangabe gemacht 😉

    • Hallo Tobi,

      guter Kommentar von Dir „drüben“ (von der „IB“), jedoch hat Norbert Gernhardt aka sascha313 nicht geantwortet. Entweder, weil er ihn nicht gelesen oder verstanden hat. Lediglich ein „Harry 56“, der als Antwort einen zwar nicht uninteressanten Film verlinkte, jedoch zum Thema selbst nichts beisteuerte.

      Ich habe 20 Jahre lang als DDR-Bürger meine Erfahrungen mit Betonköpfen wie Gernhardt gemacht, die maßgeblich dafür verantwortlich waren, daß die DDR untergegangen ist und die Idee des Sozialismus einen erheblichen Ansehensverlust erlitten hat. Von Selbstkritik hört man jedoch nichts, schuld sind immer die anderen.

      Von 2006 an bin ich gut zwei Jahre lang in diese Welt eingetaucht (hier gehe ich ansatzweise darauf ein), um mir ein eigenes Bild vom Zustand der sozialistischen Bewegung in der BRD zu machen und zu einem Ergebnis zu kommen, was freilich nicht überraschte, nämlich, daß wir es mit einer Mischung aus Sektierertum und Opportunismus zu tun haben.

      Das ist eine Szenerie von Möchtegern-Intellektuellen, die jeden Bezug zum Leben des arbeitenden Volkes verloren haben und deshalb auch die nationale Frage negieren und jedwede nationale Regung in unserem Volk mit der Nazi-Keule bearbeiten, womit sie die nützlichen Idioten der regierenden imperialen Rechten sind.

      Dazu gehört auch Norbert „sascha313“ Gernhardt, der auf seinem Blog vor allem das einstige Politische Wörterbuch der DDR zitiert, also keinen wirklich neuen, wichtigen Impuls liefert. Das tut ein deutscher Sozialist nur, wenn er kraftvoll die nationale Frage anpackt, also nicht lasch und verkürzt wie der Macher der Webseite Die Rote Fahne.

      Grüße

      Detlef

      • Ja da hast du recht. Mit dem Stalinist Norbert Gernhard alias „Sascha“ ist kein zukünftiger Sozialismus zu machen. Hab da aber noch eine Frage an dich Detlef, nämlich was du von Stalins Vorgänger Lenin so hältst? Immerhin gab es unter seiner Regierung eine Wolgadeutsche Republik innerhalb der RSFSR, die erst unter Stalin mit Gewalt aufgelöst und deren Bewohner in Gulags verschleppt und ausgehungert unter dem Vorwurf mit dem Hitlerfaschismus zu Kollaborieren.

        Grüße

        Tobi

        • Wenn auch der Terror mit Stalin so richtig Fahrt annahm, begann er jedoch bereits unter Lenin – hier ist der Mord an die Zarenfamilie nur ein Beispiel. Auch in punkto „nationale Frage“ setzte er zwar richtig erscheinende Akzente – Du hast die Wolgadeutsche Republik erwähnt -, jedoch war er doch wohl eher von der Geringschätzung des Nationalen erfaßt, der Grundkrankheit der marxistischen Linken – eine Schwachstelle, die von den Rechten frühzeitig erkannt und genutzt wurde. Andererseits gibt es stimmige Aussagen von Lenin:

          “Der Patriotismus ist eins der tiefsten Gefühle, die durch das jahrhunderte- und jahrtausendelange Bestehen voneinander gesonderter Vaterländer eingewurzelt ist.” (W. I. Lenin, Sämtl. Werke, Bd. 23, S. 371)

          Andererseits stellt sich die Frage, ob ein Sozialist, der sich nicht als Marxist-Leninist also Kommunist begreift, sich den dort üblichen Personenkult und Auslegungstheater anpassen muß. Ich meine nicht. Insofern ist es beinahe egal, was Marx, Engels und Lenin zur nationalen Frage sagten, zumal damals nicht vorauszusehen war, welche Probleme uns heute diesbezüglich beschäftigen. Freilich gibt es etliche nationale Bekenntnisse kommunistischer Herkunft, ob von Ernst Thälmann, August Thalheimer oder der DDR allgemein.

          Im „Kleinen Politischen Wörterbuch“ (DDR 1986) heißt es:

          „Im Ergebnis dieses Prozesses entsteht eine internationale Gemeinschaft gleichberechtigter sozialistischer Nationen. Bürgerlich-kosmopolitische Vorstellungen von der Schaffung eines übernationalen „Weltstaates“ haben mit der Theorie und dem sozialistischen Internationalismus nichts gemein. Sie spielen nur dem Imperialismus in die Hände und richten sich objektiv gegen die freie Entwicklung der sozialistischen Nationen und der national befreiten Staaten.“

          Als Linksnationaler kann man getrost undogmatisch, jedoch Kurs halten gen Sozialismus, an die Sache herangehen, braucht sich nicht an den sektiererisch anmutenden Auslegungsdebatten der Kommunisten beteiligen. Wir können positive, brauchbare Aspekte überall heraussuchen, wie es für uns heute nützlich erscheint, ob diese von Engels, Lenin, Thälmann, Scheringer, Niekisch, Paetel oder wem auch immer stammen.

          Sozialistisches Wollen ist keine Erfindung von Marx/Engels/Lenin und Kommunismus ist kein „wissenschaftlicher Sozialismus“, sondern eine bloßes Konstrukt aus Theorien. Die kommunistische Formationslehre (“Historischer Materialismus”) gar, wonach dem Kapitalismus “gesetzmäßig” der Sozialismus und schließlich Kommunismus (die “Kommunistische Gesellschaftsformation”) folgt, ist schlichtweg Wunschdenken (Idealismus).

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s