Gastbeitrag: Die Fehler des Sozialismus in der DDR

Militärparade zum 40-jährigen Bestehen der DDR 40 Jahre DDRZur Diskussion gestellt sei folgender Beitrag, den ich dem Blog weckruf.wordpress.com entnommen habe:

Die Fehler des Sozialismus in der DDR:

Nichtbeachtung der im Volk gewachsenen Traditionen und Mentalitäten, Bindungen, Handlungs- und Verhaltensweisen

Übertragungen der politischen und gesellschaftlichen Praxis der Sowjetunion auf Deutschland, obwohl hier ganz andere Bedingungen herrschten

Verunglimpfung von Konservatismus und Bürgertum

Einrichtung der sozialistischen Gesellschaftsordnung mit Zwang statt mit Diplomatie und geschickter Propaganda

Fehlen jeglichen volksdemokratischen Elements auf Entscheidungsebene (Volksbegehren, Volksinitiative etc.)

übergroße Zentralisierung, damit einhergehende Mißachtung der Eigeninitiative

Unterordnung aller politischen und gesellschaftlichen Fragen unter die Parteidoktrin („Die Partei hat immer recht!“)

Mangelnde Kritikfähigkeit der Partei- und Staatsührung

Verweigerung, den Sozialismus realen Gegebenheiten anzupassen, Verweigerung von Reformen

Unehrlichkeit gegenüber dem Volk hinsichtlich des erreichbaren Konsumstandards – damit Verschenken der Chance, das Volk aufgrund eines Zusammengehörigkeitsgefühls zu regieren, das seine „Einmauerung“ überflüssig gemacht hätte

Fehler in der wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Zusammenarbeit mit den anderen sozialistischen, aber auch kapitalistischen Staaten

„Sich-in-die-Tasche-Lügen“ bei Fragen der Planerfüllung – wichtigster Grund des Zusammenbruchs und Untergangs der DDR

zu große und unnötige Angst vor dem Westen einerseits und der UdSSR andererseits

„Das Auge siegt mit!“ – zu wenig Beachtung der Konzeption eines „Sozialismus mit attraktivem Antlitz!“

Unfähigkeit, das Volk gefühlsmäßig in den Staat einzubinden

Was fehlt in der Auflistung? Terror gegen Andersdenkende, keine legale d.h. ungefährliche Möglichkeit, die DDR bzw. den Ostblock zu verlassen, das Fehlen jeder Rechtsstaatlichkeit, Arroganz und Heuchelei der Herrschenden usw. und sicherlich habe ich hier noch etwas vergessen.

Verweise:

Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft e. V.

Vereinigung der Opfer des Stalinismus e. V.

Bücher zum Thema:

Klaus Huhn: Raubzug Ost – Wie die Treuhand die DDR plünderte

Siegfried Wenzel: Was war die DDR wert? Und wo ist dieser Wert geblieben?

Rolf Henrich: Der vormundschaftliche Staat – Vom Versagen des real existierenden Sozialismus

Andre Baganz: Endstation Bautzen II –  Zehn Jahre Lebenlänglich

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15 Gedanken zu “Gastbeitrag: Die Fehler des Sozialismus in der DDR

  1. Frau S. Wagenknecht (Linkspartei) nennt folgende Ursachen für den Zusammenbruch der DDR:
    (Quelle: http://www.glasnost.de/pol/wagen.html)

    * wirtschaftliche Stagnation,
    * zunehmende Differenz gegenüber dem vom Kapitalismus erreichten technischen Stand
    * produktionshemmende Leitungsstrukturen,
    * zunehmende Entfremdung der Bevölkerung gegenüber ihrem Staat,
    * die Abkehr vom Leistungsprinzip und
    * eine Politik der Gleichmacherei,
    * Verschiebung in der Klassenbasis der SED auf die untersten Schichten der Arbeiterklasse
    * Verschwinden sozialistischer Ziele und Ideen aus dem öffentlichen Bewußtsein
    * Vernachlässigung der Wissenschaften und der Kultur
    * hilfloses Schwanken und auf allernächste Zwecke beschränktes Lavieren“

  2. Es ist richtig, die Menschen der DDR sind vom Regen in die Traufe gekommen, aber deshalb das sozialimperialistische DDR-Regime zu verharmlosen geht zu weit!

    Der Sozialismus wurde von den dort herrschenden Cliquen an der Macht schon 1956 verraten. Existenzangst gab es sehr wohl, auch Arbeitsterror und den nicht zu knapp, siehe die KZ-ähnlichen Jugendwerkhöfe. Im Gegensatz zu Albanien waren die Sozialleistungen nicht kostenlos. Wer nicht arbeitete oder arbeiten konnte war auch nicht sozialversichert. Gut eine private Krankenversicherung bei der Staatlichen Versicherung der DDR kostete nur 10 Mark im Monat, aber wer sich dieserhalb dem Arbeitszwang entzog und länger als ein paar Monate keine Arbeit aufnahm wurde wegen angeblichen asozialen Lebenswandels eingesperrt, auch dann wenn er gar nicht asozial war, kriminell wurde oder so, oder er einfach keine Arbeit bekam weil er auf einer geheimen Abschußliste stand.

    Auch mit dem menschlichen Arbeiten in der DDR war es so eine Sache. Es ist richtig, die Mehrheit der Arbeiter und Bauern hatte in der DDR humanere Arbeitsbedingungen als jetzt. Solche Mißstände, wie keine Mittagsverpflegung und daß die Pausen nicht gewährt werden, wie im Arbeitsalltag jetzt, die gab es nicht. Aber wer den Cliquen an der Macht in der DDR nicht paßte, der wurde schikaniert. Oft fielen diesem Terror die aufrechtesten Marxisten-Leninisten zum Opfer. Kleinbürgerliche Geschäftemacher aber und alte Nazis konnten sich dagegen gut in diesem sozialfaschistischen System einrichten, man denke da nur an den alten Wehrmachtsoffizier Willi Stoph, zweiter Mann im Staate, oder an die Inhaber von Kommisionsbetrieben, die ähnlich den Millionären hierzulande ein Schmarotzerdasein führten durch Ausbeutung ihrer Arbeitnehmer.

    Diese kleinbürgerlichen Schichten kopierten gern den Lebensstil der westdeutschen Bürgerlichen (Haus, Wochenendhaus am See, Segelboot, Urlaub auf der Krim), die Arbeiterklasse dagegen wohnte in der Platte.
    Die gesamte führende Fundktionärsschicht ahmte diese westliche private Lebensweise nach. Mit der Zeit korrumpierten diese führenden Cliquen immer mehr, mit Sozialismus hatte das Ganze immer weniger zutun.

    Auch der sogenannte Schild und Schwert der Partei, das Ministerium für Staatssicherheit kümmerte sich ab den 60er Jahren immer weniger um den Schutz des Sozialismus, sondern diese Typen nutzten ihre Macht zur persönlichen Bereicherung schamlos aus. Nicht umsonst waren es die Mitarbeiter der Stasi die nach der Wende horrende Gelder hatten um sich selbst eine neue Existenz im Kapitalismus zu schaffen. Kein normaler Arbeiter oder Ingenieur hatte nach der Währungsreform 1990 das Geld um sich eine Tankstelle zu kaufen, eine Sicherheitsfirma aufzumachen, sich Häuser und Grundstücke zu kaufen, aber die Mehrzahl der Mitarbeiter des MfS konnten es. Fast alle sind im neuen System glänzend angekommen. Wenn sie sich nicht erfolgreich selbständig gemacht haben, dann sitzen sie heute auf einträglichen Stellen in Arbeitsämtern und sonstigen Einrichtungen, auch im öffentlichen Dienst. Otto-Normalbürger der ehemaligen DDR wischt sich dagegen die Nase und kehrt eventuell die Straße im 1-Euro-Job, währenddessen ein ehemaliger Stasimann mit dem Mercedes an ihm vorbeifährt zu einer Dienstbesprechung mit seinem bayerischen Geschäftspartner, eventuell einem CSU-Mitglied. Eine private Arbeitsvermittlung, eine Zeitarbeitsfirma oder Sicherheitsfirma ist ein bekanntes heutiges Tätigkeitsfeld von Stasileuten, dies ist bekannt. Gerade in diesen Bereichen werden die Arbeitnehmer besonders schlimm ausgebeutet.

    Diese ehemaligen Funktionäre des DDR“Sozialismus“ waren nie Sozialisten und sind es jetzt erst recht nicht! Gerade im heutigen Raubtierkapitalismus fühlen sie sich sauwohl. Dies kommt ihrer Mentalität sehr entgegen.

    (Ausnahmen bestätigen die Regel, wie in allen Dingen)

    „Weg mit den volksfeindlichen Cliquen an der Macht in den Ländern des sowjetischen Sozialimperialismus!“ – Aufruf von Radio Tirana (Sendeprotokoll aus dem Jahre 1979)

    Über den sozialimperialistischen Charakter der DDR nach 1956 anbei ein Link betreffs der Verfolgung von Kommunisten in der DDR durch die SED und die Stasi:
    http://www.trend.infopartisan.net/trd0501/t050501.html

  3. Genau dieser Punkt scheint mir der ENTSCHEIDENDE Fehler gewesen zu sein. Hatte man damals so wenig Vertrauen in das eigene Volk? Glaubte man damals wirklich, daß alle DDR-Bürger sich vom kapitalistischen Schein hätten blenden lassen und dem Land den Rücken gezeigt hätten? Das Volk hätte auf Reisen sehr wohl die Schattenseiten einer kapitalistischen Gesellschaft gesehen und erkannt. Diese Erkenntnis hätte eher eine Identifizierung als eine Abkehrung vom System bewirkt. Und was die betrifft, die eh gehen wollten, die hätte man nicht aufhalten dürfen, denn letztendlich haben die der DDR während ihrer „Wartezeit“ eher volkswirtschaftlich und moralisch geschadet!

    • Ja sehe ich genauso. Wenn man aber unbedingt meinte die Mauer müsse sein, dann bräuchte die DDR eine gut-überzeugende Propaganda, die das Volk vom Nachteil des Kapitalismus aufgeklärt hätte. Oder genauer gesagt, eine Vorhersage wäre nötig gewesen. Hätte doch nur Honecker gewusst, was genau der damalige Bundeskanzler Kohl für Euro-Fanatiker gewesen war und was genau es sich mit dieser Imperialen EG (die EU gab es erst nach der DDR) auf sich hatte. In was für eine Krise das alles enden würde, hätte damals nur das DDR-Volk gewusst, gebe es keine imperialistische Wiedervereinigung mit dem US-Vasellen BRD und die DDR gebe es in gemäßigter Form noch heute 😉

      • Besser noch als eine gute Propaganda wäre eine Lebenswirklichkeit, die es dann überflüssig macht, daß die Leute massenweise davonlaufen. Und wer dann noch gehen will, den sollte man halt lassen. Über den Kapitalismus an sich wurde man in der DDR schon aufgeklärt, jedoch hat das niemanden in der DDR der gehen wollte von seinem Ansinnen abgehalten, zumal die Realität in der BRD damals noch eine weitaus andere, angenehmere war als heute und die Glaubwürdigkeit der DDR-Oberen praktisch nicht gegeben war. Die Mehrheit der Mitteldeutschen hätte also so oder so sich für die Abwicklung der DDR entschieden, woraus man als jemand, dem eine Gesellschaft jenseits des Kapitalismus vorschwebt, nur lernen kann.

        • Ja schon, aber war nicht etwa Westberlin das Schlupfloch wo die meisten Bürger aus der DDR flüchteten? Hab dir doch mal in einem anderen Beitrag geschrieben, was passiert wäre wenn Stalin während des 2. WK gestorben wäre. Ein gewisser Lawrenti Beria wäre vermutlich an die Macht gekommen. In einem anderen Blog wurde darüber mal diskutiert das Deutschland Pommern, Ostbrandenburg und Schlesien behalten hätte (außer Ostpreußen un die Sudetenlande). Ein Einfallsloch Westberlin hätte es nicht gegeben, meinte der Administrator, weil Beria sich nicht darüber eingelassen hätte die Reichshauptsadt in seiner Zone ebenfalls in vier Sektoren aufteilen zu lassen. Vermutlich wäre er schlauer gewesen. In Wikipedia steht drin, das dieser sich für die Deutsche Einheit unter Neutralität und Demokratie eingesetzt hätte. Hätte aber nichts gebracht, weil man die Stalin-Noten ja auch abgelehnt hatte. Leider gibt es dieses Forum wo das diskutiert wurde nicht mehr. Hab schon paar mal versucht, wieder auf dieser Seite drauf zu gehen, doch irgendwie ist der Link defekt oder der Blog existiert einfach nicht mehr. Schade, dieser war SEHR interessant. Egal da ging man stark davon aus. Aber eine Entstalinisierte DDR und Sowjetunion war auch Kacke. Da es nur noch eine Bürokratisierung war. Aber es muss doch besser gewesen wäre wenn Ernst Thälmann den Krieg überlebt hätte. In Nordkorea hat es auch sehr geholfen das eine starke Führung den Sozialismus bis heute noch am Leben erhält. Auch wenn diese dortige Diktatur des Proletariats schon brutal ist, aber Daumen hoch das es diesen Staat noch gibt. Und außerdem muss man ja nicht alles glauben was da in den Medien berichtet wird. Die sind doch alle Pro-Kapitalistisch eingestellt. Außerdem kannte Ernst Thälmann Lenin kennen gelernt. Nur mit Stalin wars glaube nicht so. Dieser setzte sich auch nicht viel für seine Auslieferung während des Hitler-Stalin-Paktes ein. Wenn Ernst Thälmann an die Macht gekommen wäre, sei es vorm 2. WK oder danach, es hätte ein besseres kommunistisches Deutschland gegeben.

          • Ob mit oder ohne Westberlin, einen Stalinismus mit oder ohne Stalin (wie er ja nach dem Tode Stalins existierte), viele Mitteldeutsche hätten bzw. haben versucht, gen Westen der kommunistischen Diktatur zu entfliehen. Meine Erinnerung daran ist noch gegenwärtig.

            In Nordkorea hält sich die stalinistische Diktatur auch deshalb so lange, weil das Volk weitestgehend abgeschottet ist von anderweitigen Informationen und eine brutale Diktatur ausgeübt wird, die jeden Fluchtversuch wie einst im Ostblock im Kugelhagel ersticken und tatsächliche oder vermeintliche Gegner in Gefängnisse und Lager schmoren läßt oder kurzerhand tötet.

            Es waren Kommunisten, die der „Sache des Sozialismus“ den schwersten Schaden zugefügt haben und das bis heute tun. Ihr Führungsanspruch ist schon von daher reinste Anmaßung und man hätte zukünftig sicherzustellen, daß diese Leute keine Rolle beim Aufbau des Sozialismus spielen, was auch heißt, deren Ideologie als bloßen Idealismus, der der Lebenswirklichkeit nicht gerecht wird, herauszustellen.

            –> Kommunismus-Kritik / Aussteiger berichten

  4. Ok da muss man dir nur Recht geben. Das Problem an sich war jedenfalls auch, dass Stalin antideutsch eingestellt war. Er wollte Rache an den Deutschen ausüben. Deshalb auch diese Vertreibung aus Ostdeutschland. Wäre dieser Mann von Anfang an deutschfreundlich, hätte sich bestimmt eine bessere und größere DDR (mit Ostdeutschland) entwickelt. Zumal das es in der Sowjetunion bis zum Überfall der Nazis autonome Räterepubliken für Deutsche gab. Vielleicht hätte eine DDR dann mit Pommern, Schlesien, Ostpreußen und Posen die dann größer als die BRD besser da gestanden und sich auch schon 1948 gründen müssen (also früher als die Bonner Republik). Mit einer besseren Lebensweise natürlich auch, wie du schon erwähnt hast. In der DDR gabs bestimmt auch kein Farbfernseher oder? Das trug auch zur schlechten Lebenswirklichkeit bei. Und ein Deutscher Sozialismus hätte auch entstehen müssen. Am besten nach der Entstalinisierung. So wie die Sozialistische Volksrepublik Albanien, diese hatte sich später (aber erst ganz später) zu einem eigenen Sozialismus unter Enver Hoxha bekannt.

    • Ob eine größere DDR dazu geführt hätte, daß die Verhältnisse in ihr dazu angetan gewesen wären, daß man die eigenen Bürger nicht hätte mit Gewalt dazu zwingen müssen, gen Westen zu flüchten, ist die Frage. Vermutlich nur dann wie Du andeutest, wenn sie ein attraktiverer, freierer und halt nichtstalinistischer sich zu ganz Deutschland bekennender souveräner Staat gewesen wäre. Das wiederum paßte nicht zu den damals gegebenen Machtverhältnissen des dominierenden Sowjetsystems.

  5. Noch immer kann man hören, daß man als wehrpflichtiger DDR-Bürger sich dem Dienst an der Grenze zur BRD und Westberlin nicht entziehen konnte, wenn man dorthin befördert wurde. Doch das ist unwahr. Wenn man äußerte, daß man damit Probleme hat, kam man woanders hin. Denn der Staat wollte keine unzuverlässigen Kantonisten, sondern willige Vollstrecker.

    Weiter wird behauptet, daß man nicht hätte danebenschiessen können, wenn man denn Grenzsoldat war. Auch das ist eine Lüge jener, die ihre eigene Dummheit und Gewissenlosigkeit auf eine höhere Gewalt abwälzen wollen, wie das bei Opportunisten auf die sich jede totalitäre Diktatur stützen kann, so üblich ist.

    Die dreisteste Lüge kommt von den Stalinisten die immer noch erklären, die Mauer hätte nicht dazu gedient, die „eigenen“ Bürger wie Leibeigene im Staate zu halten und bei Fluchtversuch auf sie wie Hasen zu schießen, es hätte sich um eine normales, übliches Grenzregime gehandelt.

    In der Jungen Freiheit Nr. 8/14 vom 14. Februar heißt es dazu von Friedrich-Wilhelm Schlomann auf Seite 20:

    Vor jenem 13. August 1961 flohen wenigstens 2,5 Millionenn DDR-Bewohner in den Westen. Nach dem Bau der Mauer und dem immer weiteren Ausbau der Grenzabsperrungen wurden von „Grenzverletzern“ allgemein neunzig Prozent gestellt. Der Befehl, eine solche Flucht zu verhindern, gab den Grenzsoldaten praktisch einen „Lizenz zum Töten“. (…)

    Man konnte sich sehr wohl dem Dienst in den grenzsicherenden Einheiten entziehen. Ebenso sind keine Fälle bekannt, daß Grenzsoldaten bestraft wurden, die eine Flucht nicht verhindern konnten – der erforderliche Vorsatz (also absichtlich danebengeschossen zu haben) war kaum nachzuweisen.

    (…) Von der Errichtung des „anrtifaschistischen Schutzwalls“ bis Herbst 1989 mußten mindestsns 1,676 Menschen ihren Versuch, in den Westen zu gelangen, mit dem Leben bezahlen. Andererseits gab es 40.104 erfolgreiche „Sperrbrecher“. 84.249 DDR-Bewohner wurden als „Grenzverletzer“ verhaftet, die Gesamtzahl der wegen versuchter Republikflucht Verurteilten schätzt der Autor (Peter Joachim Lapp: Grenzregime der DDR. Helios Verlag) auf zehntausend. Von den Grenzsoldaten desertierten 2.789. Über die Ostblockstaaten flohen knapp 8.000 DDR-Bürger, als noch schwieriger erwies sich der Weg über die Ostsee. (…)

    Der Schießbefehl kam bereits 1960 auf. Er verlangte das Schießen, „wenn keine andere Möglichkeit zur Verhinderung der Flucht bestand“. Bei hohem Staatbesuch in der DDR wurde er ausgesetzt; endgültig aufgehoben wurde er aber erst am 17. November 1989. Eigentlich hätte Ost-Berlin ihn spätestens bei Unterzeichnung der KSZE-Schlußakte in Helsinki 1975 einstellen müssen. Bis zuletzt wurden Mauerschützen aber mit Geldprämien, Medailien und vorzeitiger Beförderung belohnt.

    • Danke für Deinen Kommentar. Ich kann Deine Aussagen aus eigenen Erleben in der DDR nur bestätigen und kenne die Ausreden und Mythen der Täter von einst und es ist eine Schande, mit welchen lächerlichen Strafen diese Leute davongekommen sind. Selbst habe ich damals sowohl den Dienst in der NVA als auch den als Bausoldat verweigert, war also sog. Totalverweigerer. Als Grenzer hätte man mich nicht genommen, weil politisch auffällig und zudem noch mit Westverwandtschaft.

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