Odfried Hepp: Vaterland und Mutterleib – Von lebensgefährlicher Indoktrination zur eigenen Erkenntnis

Odfried Herbert Hepp

Odfried Herbert Hepp

Nachdem Odfried Hepp auf meinen Beitrag Der Rebell – Odfried Hepp: Neonazi, Terrorist, Aussteiger aufmerksam geworden war und sich mit mir in Verbindung gesetzt hat, stehen wir in Kontakt.

Es folgt ein Vortrag von ihm (dort die DVDs), den er am 28. 11. 2009 anlässlich der V. Bielefelder Ideenwerkstatt gehalten hat – mit seiner Genehmigung/auf seinem Wunsch hier als Gastbeitrag eingestellt:

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Freunde der Wahrheit und der Menschlichkeit! Ich erlaube mir, Sie alle, die hier anwesend sind, so zu bezeichnen, weil ich überzeugt bin, dass wir an diesem Wochenende hier in Bielefeld zusammengekommen sind, um im Sinne der Wahrheit und der Menschlichkeit einen ernsthaften und nützlichen Beitrag zu leisten zum Thema „Freiheitskampf oder Terrorismus“, ein Thema, das uns praktisch täglich in Form von beunruhigenden Nachrichten über unmenschliche Gewalttaten an unzähligen Brennpunkten aus allen Teilen der Welt entgegentritt.

Bielefelder Ideenwerkstatt

Wir sind hier freundlicherweise eingeladen von der Burschenschaft Normannia-Nibelungen zu Bielefeld im Rahmen der Bielefelder Ideenwerkstatt, wofür ich mich sehr herzlich bedanken möchte! Ich empfinde diese Bezeichnung „Ideenwerkstatt“ als sehr anspruchsvoll und vielversprechend. Ideen bewegen die Welt. Schließlich sind es die Ideen im Kopf eines Menschen, die in höchstem Maße verantwortlich sind für sein eigenes Schicksal und das Schicksal anderer. Dem einen bringen sie Anerkennung und Reichtum, dem anderen Verfolgung, Gefängnis und Tod. Den einen machen sie zum erfolgreichen Wissenschaftler oder Friedenskämpfer, den anderen zum Fanatiker, Attentäter oder Massenmörder. Sie bringen alte Herrschaftssysteme zum Einsturz und schaffen neue.

Deshalb ist die Arbeit, die wir hier tun, m.E. von allergrößter Wichtigkeit und Bedeutung. Entscheidend ist allerdings dabei, wie wir sie tun: wir müssen uns leiten lassen von Wahrhaftigkeit, Gewissenhaftigkeit, Ernsthaftigkeit und höchstem Verantwortungsbewusstsein im Lichte einer für alle gültigen Menschlichkeit. Grundlage muss unter allen Umständen die Beachtung und Anerkennung der universalen Rechte eines jeden Menschen sein. Wenn wir heute über solch schwierige Fragen, die unser Thema sind, diskutieren, dann kann und darf dies nur in größter Betroffenheit und leisen Tönen erfolgen, sonst werden wir dem Leid unzähliger Menschen nicht gerecht, von Opfern und auch von verführten Tätern, die gleichermaßen unserer mitfühlenden Menschlichkeit bedürfen.

Der tibetische Dalai Lama soll an uns Deutsche gerichtet gesagt haben: „Ihr habt so schöne saubere Straßen und so viele Reinigungsdienste! Aber wenn Ihr die Färbung eurer Gedanken sehen könntet, würdet ihr erschrecken über den Schmutz und den Unrat, den ihr bewusst, aber vor allem unbewusst ständig produziert. Und den räumt keiner weg!“ Zitatende

Wir wollen uns diese nicht ganz angenehmen Worte zu Herzen nehmen und unser Bestes versuchen, um unserer Aufgabe gerecht zu werden!

Dabei ist es mir nicht leicht gefallen, die Einladung unserer Gastgeber anzunehmen! Ich hatte mich schon 2002 auf Initiative einer Leipziger Dokumentarfilmfirma bereit erklärt, in Form eines Buches und eines Dokumentarfilmes ausführlich zu meiner Vergangenheit Stellung zu nehmen. Dies tat ich, obwohl es in meiner Familie verständlicherweise erheblichen Widerstand dagegen gab. Leider konnte ich sie nur zu einem kleinen Teil dafür gewinnen, an dem Projekt mitzuarbeiten. Schließlich war man froh, dass inzwischen weitgehend Gras über die Sache gewachsen war. Vor allem befürchtete meine Familie, von der ich in all den Jahren der Haft und danach jede nur denkbare Hilfe und Unterstützung erhielt, mögliche berufliche Nachteile für mich, was nicht unbegründet war, wie sich später herausstellte. Durch das wiederholte Ausstrahlen der Dokumentation verlor ich an meiner Uni einen Lehrauftrag für Arabisch Erstsemester, obwohl ich vorher bereits einige Zeit mit einer halben Stelle im öffentlichen Dienst tätig war. Mein Institutsleiter kannte mich schon jahrelang aus meiner Studienzeit, so dass er trotz Buch und Film mir einen Lehrauftrag anvertraute, den ich mit viel Spaß und Freude durchführte. Es waren Kollegen bzw. Kolleginnen von ihm, die der Meinung waren, dass es nicht zu verantworten sei, wenn man jemanden wie mich junge Abiturienten unterrichten lassen würde.

Trotzdem bin ich damals wie heute der Überzeugung, dass es wichtig ist, sich der Verantwortung zu stellen, und wenn es nur ein einziger Mensch ist, der aus meinen Erfahrungen eine positive Lehre ziehen kann, die ihn von einem falschen Weg abbringt!

Es war auch dieses Mal nicht leicht, wieder in eine Materie einzusteigen, die bereits mehrere Jahrzehnte zurückliegt. Ich habe aber bei der Ausarbeitung dieses Referats wie schon beim Buch- und Filmprojekt wieder andere Aspekte des Themas kennengelernt, die mir vorher nicht so bewusst waren. Zu Buch und Film möchte ich anmerken, dass ich in dem Buch am Ende in einem eigenen Nachwort zu meinem heutigen Denken Stellung nehmen konnte und auch bis zuletzt Gelegenheit hatte, Korrekturen vorzunehmen. Dies war bei dem Film leider nicht der Fall, der zum Schluss sogar mit krassen Falschinformationen endet. Während ich zu dem Buchautor, ein warmherziger, studierter Psychologe, Autor, Journalist und ehemaliger DDR-Bürgerrechtler, ein ausgezeichnetes Verhältnis hatte, war dies im Falle des Filmemachers leider nicht so. Auf viele Leute macht der Film den Eindruck, ich würde völlig gefühl- und reuelos von meiner Vergangenheit berichten. Tatsache ist, dass ich mich bei den Interviews bis auf wenige Ausnahmen nie entspannt und natürlich fühlte. In der gekürzten Fernsehversion fehlen auch wichtige Teile, die allerdings auf der DVD enthalten sind. Ich hatte nie Gelegenheit, meine eigenen Vorstellungen ernsthaft zu diskutieren und einzubringen. Trotzdem bin ich der Leipziger Firma ausdrücklich dankbar, dass sie es mir ermöglichte, an viele Orte meiner Odyssee zurückzukehren und das Geschehene erstmals bewusst und ausführlich zu verarbeiten.

Im folgenden Referat, dem ich den Titel „Vaterland und Mutterleib – von lebensgefährlicher Indoktrination zur eigenen Erkenntnis“ gab, befasse ich mich im mehr theoretischen Teil mit den Begriffen „Volk und Vaterland“, sowie „Blut und Boden“, die uns als Schlagworte des sog. Nationalsozialismus geläufig sind. An mehreren Beispielen erläutere ich die Inhalte der Indoktrination, die mein Weltbild in Kindheit und Jugend prägte und mich zu meinen späteren Taten veranlasste. Ich habe hier dann die Gelegenheit ergriffen, das nachzuholen, was ich eigentlich bereits mit der Filmdokumentation bezweckte: die schonungslose Demaskierung der rechten Volksverhetzer und einiger ihrer historischen Idole und Halbgötter. Schließlich stelle ich bewusst dem hinlänglich missbrauchten Schlagwort „Vaterland“ den Begriff „Mutterleib“ in einer erweiterten Definition gegenüber. Das macht ca. ¾ meines Referats aus. Im letzten, mehr persönlichen Teil, berichte ich kurz über die Hintergründe der Straftaten der Aktionsgruppe, der ich 1982 angehörte, und über meine Verbindung zum Ministerium für Staatssicherheit der ehemaligen DDR.

Prolog:

Beginnen möchte ich aber mit einem zu Herzen gehenden Brief einer jüdischen Mutter, die nach dem Krieg in Israel lebte, an ihre ehemalige deutsche Nachbarin in Berlin:

„Liebe Schicksalsschwester!

Ich schreibe Dir diesen Brief mit großer Freude, nachdem ich von guten Bekannten zufällig erfahren habe, dass es Dich noch gibt und dass Du in Berlin gar nicht weit von der Straße, wo wir einst gute Nachbarn waren, zwar alleine, aber doch bei halbwegs guter Gesundheit in einem Altersheim lebst. Mitten im Krieg hatten wir uns aus den Augen verloren. Ich habe immer viel an Dich gedacht und gehofft, dass Du nicht ganz verzweifelt bist. 1936 waren wir Nachbarn, meine beiden Kinder und Deine vier gingen in den selben Kindergarten und auf die selbe Schule, spielten, lernten und musizierten zusammen, unsere Männer halfen sich gegenseitig. Weihnachten und Chanukka feierten wir gemeinsam mit viel Spaß und Freude. Wir waren begeistert von der Olympiade. Die Nationalsozialisten waren zwar schon 3 Jahre an der Macht und wir wussten, dass sie – gelinde gesagt – nicht gerade judenfreundlich waren. Aber wir hielten ihre Sprüche für übertriebene Propaganda. Wir alle waren froh, dass es wirtschaftlich wieder aufwärts zu gehen schien und dachten nicht im Entferntesten daran, dass nur 9 Jahre später unsere kleine Idylle in einem Albtraum aus Sodom und Gomorrha untergegangen sein würde. Wir beide haben alles verloren, was uns lieb und teuer war. Der Wahnsinn begann am 9. November 1938 für uns unfassbare und grausame Realität zu werden. In dem Land, in dem wir schon über 7 Generationen geachtete und gleichberechtigte Mitbürger waren, wurden wir plötzlich zu Gejagten und Verfolgten, schutz- und rechtlos ausgeliefert einem Mob von fanatisierten und fehlgeleiteten Menschen, die sich von einer nicht für möglich gehaltenen mittelalterlichen Pogromhetze hatten aufwiegeln lassen. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie Du mir geholfen hast, mitten in der Nacht meinen schwerverletzten Mann aus einem Garten neben der brennenden Synagoge nach Hause zu schleppen. Aber selbst nach diesem schrecklichen Ereignis konnten wir uns noch nicht vorstellen, was uns nur wenige Jahre später an grausamstem Schicksal blühte. Zunächst durften unsere Kinder nicht mehr auf die gleiche Schule gehen. Mein Mann musste sein Geschäft schließen, das ohnehin völlig zerstört war. Wir sollten sogar Entschädigung dafür bezahlen, dass uns dies angetan wurde. Für uns begann eine harte Zeit. Ich habe aber nie vergessen, dass Ihr uns immer heimlich geholfen habt, solange dies noch möglich war. Dann begann der Krieg und innerhalb von nur 6 Jahren versank unser geliebtes Berlin in Schutt und Asche. Dein Mann verlor als Sanitätssoldat in Russland sein Leben, Eure Kinder starben bei Luftangriffen auf unsere ehemalige gemeinsame Schule. Im Konzentrationslager wurde ich von meinem Mann und von meinen beiden Mädchen getrennt. Ich überlebte, weil ich spezielle wissenschaftlich-technische Kenntnisse und Fähigkeiten hatte. Bis zuletzt hoffte ich, meine Lieben wiederzusehen, doch bei Kriegsende erhielt ich schreckliche Gewissheit über ihr Schicksal. Ich überlebte körperlich, aber innerlich bin ich tausend Tode gestorben, und ich weiß nicht, wie ich überhaupt so uralt geworden bin. Ich schaue zurück und kann es bis heute nicht fassen, was geschehen ist. Ich schreibe Dir auch, weil ich glaube, dass es unsere Pflicht ist, die nach uns Kommenden zu warnen, damit sie nicht die gleichen Fehler begehen wie wir. Wir haben die doch eigentlich deutlichen Anzeichen des kommenden Unheils nicht ernst genug genommen. Wir haben uns nicht rechtzeitig genug gewehrt gegen volksverhetzende Lügner und Aufwiegler. Wir sahen zu lange tatenlos zu, wie Kinder und Jugendliche mehr und mehr geistig und seelisch vergiftet wurden. Sie selbst konnten ja nicht wissen, dass sie mit dieser organisierten Begeisterung nur vorbereitet wurden, dem inneren und dem äußeren Tod widerstands- und wehrlos ausgesetzt zu werden. Ich glaube, wir dürfen die Erziehung unserer Kinder nicht den Männern überlassen, jedenfalls nicht denjenigen, die kein Gefühl mehr haben für das Seelische, das Weibliche, das Kindliche in jedem Menschen! Wir dürfen nicht zulassen, dass unser Schicksal und das unserer Lieben verleugnet und verschwiegen oder lächerlich gemacht wird. Diejenigen, die zu so etwas fähig sind, wissen wirklich nicht, was sie tun. Wir müssen uns fragen, warum und wodurch ihre Herzen so verhärtet sind.

Meine liebe Herzensschwester, ich freue mich unendlich, dass unser Berlin wieder eine Einheit ist und vielleicht schaffe ich es trotz meines hohen Alters Dich dort wiederzusehen. Ihr habt ja nun schon lange eine Regierung, für die Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Frieden selbstverständliche Handlungsmaximen sind.

Du weißt, dass wir in Israel leider immer noch keinen Frieden haben. Ich lebe hier mit arabischen Nachbarn, zu denen ich ein sehr herzliches Verhältnis habe. Wir hoffen und beten gemeinsam, dass unsere Politiker einen Weg zum Frieden und zur Gerechtigkeit finden. Ich war oft nicht einverstanden mit den harten Reaktionen unserer Regierungen. Wenn man aber sieht, mit welcher Grausamkeit und Leidenschaft sich Muslime, die an ein und den selben Gott glauben, z.B. in Afghanistan, in Pakistan, im Irak und auch bei uns in den Palästinensergebieten gegenseitig umbringen, kann man sich vorstellen, was passieren würde, wenn wir Juden in Israel plötzlich schutz- und wehrlos wären. Wenn wir keinen Ausweg finden aus dem Teufelskreis des politischen und religiösen Fanatismus, den es auf beiden Seiten gibt, dann blüht unseren Kindern und Enkeln möglicherweise ein noch größeres Unglück als es uns bereits geschehen ist. Das möge der liebe Gott verhüten. Aber wie es so schön heißt: „Gott hat keine anderen Hände als die unsrigen, um etwas zum Guten zu ändern!“ Ich hatte es nach der Befreiung nie für möglich gehalten, noch einmal in meinem Leben einer so realen Gefahr wie jetzt in Israel ausgesetzt zu werden. Genauso wenig wie 1936! Haben wir wirklich etwas dazugelernt???

Ich grüße Dich herzlich und freue mich, wenn wir bald bei unseren Kindern sind!“

Ende des Briefes.

Nicht für Sie, liebe Anwesende, aber für schlaue Neonazis, die sich jetzt vielleicht fragen: „Wie kann diese angebliche Deutsch-Israelin 1936 Kinder haben, die schon musizieren, und 70 Jahre später über aktuelle politische Ereignisse Bescheid wissen? Die müsste ja 120 Jahre alt sein.“

Für diese Zeitgenossen hier ganz kurz zum nachrechnen:

1910 geboren, 1928 18 Jahre alt, erstes Kind. Soll vorkommen mit 18. 1930 20 Jahre alt, 2. Kind. 1936 26 Jahre alt, 2 Kinder, 6 und 8 Jahre alt, die schon musizieren, weil sie früh angefangen haben. 70 Jahre später, 2006, fast 96 Jahre alt. Da soll es tatsächlich Frauen geben, die noch klar denken und auch Briefe schreiben können. 2007 gestorben, wieder mit ihren Kindern und ihrem Mann vereint.

Und wissen Sie, was diese liebe alte Jüdin in ihrer herzergreifenden Art dazu sagen würde? „Und wenn’s erfunden wäre, dann wär‘s scheen erfunden!“ Weil das, was sie schreibt, genau der Wahrheit entspricht und weil sie selbst nach diesen grausamen Schicksalsschlägen biblischen Ausmaßes noch an einen gütigen Gott glaubt und ihren Humor und ihre Menschlichkeit bewahrt hat im Gegensatz zu den Alt- und Neonazis.

Für diese ist ja auch das „Tagebuch der Anne Frank“ eine Fälschung. Sie wollen nicht wahrhaben, dass es exemplarisch das Schicksal von Hunderttausenden beschreibt, dass einem die Tränen kommen müssen. Wieso muss ein völlig unschuldiges deutsch-jüdisches Mädchen im Alter von 15 Jahren in einem deutschen Konzentrationslager umkommen?

Es ist wie mit der christlichen Religion der Menschlichkeit. Bei den völkisch-religiösen Anti-Christen habe ich gelernt, dass es ja nicht einmal sicher ist, ob es die Person Jesus Christus historisch überhaupt gegeben hat. Jeder, der aber die Bergpredigt hört oder liest, kann doch nur im Herzen zutiefst berührt sein von dieser Botschaft der Nächstenliebe zu einer Zeit, wo von Menschenrechten und Menschlichkeit sonst noch keine Rede war.

Und einzig darauf kommt es doch an: dass wir unsere Herzen nicht verschließen vor der Wahrheit dieser Schicksale, wie eben z.B. desjenigen von Anne Frank oder dieser lieben Deutsch-Israelin, die allen Grund zu abgrundtiefem Hass hätte, und die sich noch in ihrem hohen Alter Sorgen macht, damit wir oder andere nicht das selbe Schicksal erleiden! Dabei vergessen wir keinen Augenblick die deutschen Kriegs- und Bombenopfer oder die Opfer der Vertreibungen und der Racheaktionen. Aber man darf hier doch nicht Ursache und Wirkung vertauschen. Notwehr kennt kein Gesetz! Uns als deutschem Volk ist nichts geschehen, was wir nicht vorher in unvorstellbarem Ausmaß anderen angetan haben. Wenn mir jemand in tödlicher Absicht an die Gurgel geht, dann gibt es kein Gesetz, das mich bestraft oder moralisch verurteilen kann, wenn ich in meiner Todesangst und Wut den Angreifer in den Abgrund werfe, den er selber aufgetan hat.

Vaterländische Parolen:

Sehr verehrte Seminarteilnehmer, wenn ich Sie fragen würde, was ist das für den Menschen tödlichste Gift, das es gibt, Curare, Zyankali oder das Gift der Kobraschlange, würden wahrscheinlich verschiedene Antworten gegeben werden, aber sie wären alle falsch! Das tödlichste Gift der Weltgeschichte sind vaterländische Parolen! Kein Gift der Welt hat mehr Opfer gefordert als dieses.

Lange schon vor den Nationalsozialisten sagte Gneisenau: „Nichts bildet so schnell wie der Krieg!“ (Kommentar von mir: „…sofern man ihn überlebt…!“)

In dem bekannten Reiterlied von Friedrich Schiller heißt es 1802: „Im Felde da ist der Mann noch was wert, da wird ihm das Herz noch gewogen.“ Und weiter: „Der dem Tod ins Angesicht schauen kann, der Soldat allein, ist der wahre, der freie Mann.“ Und: „Er gräbt und schaufelt so lang er lebt, und gräbt, bis er endlich sein Grab sich gräbt.“

Vielleicht erscheint es Ihnen ziemlich antiquiert oder überholt, was ich Ihnen hier erzähle. Aber aufgrund solcher Ideen, schön verpackt in mitreißende Lieder, sind 1914, also keine 100 Jahre her, Millionen junger Männer mit Begeisterung und Hurra in Tod und Verderben marschiert. Das war noch ahnungslos und naiv. 1939 war die Begeisterung nicht mehr so groß und 1941 überhaupt nicht, wie mir Zeitzeugen versichern. Aber geholfen hat es nichts! Da hat eine perfekt-perfide Propagandamaschinerie dem Kanonenfutter zuvor den ideologischen Unterbau antrainiert.

Und 2002? „Das Vaterland muss auch am Hindukusch verteidigt werden!“ Kann man nicht vergleichen, werden viele sagen. Aber der Verdacht drängt sich auf, dass die Bevölkerung in kleinen unauffälligen Schritten wieder daran gewöhnt werden soll, mehr als fragwürdige Kriegseinsätze, und damit Todesopfer und Verluste, als unvermeidlich hinzunehmen.

Vor kurzem sah ich den türkischen Kinofilm „Nefes – Der Atemzug“, der mich sehr beeindruckt und bewegt hat. Da geht es um eine Kampfeinheit der türkischen Armee, die auf ziemlich verlorenem Posten in den Bergen Kurdistans an der Grenze zum Irak PKK-Terroristen aufspüren soll. Das Vaterland muss auch im hintersten Winkel der unbewohnten Berge verteidigt werden. Gesetz ist Gesetz und Befehl ist Befehl! Die Soldaten müssen vor ihrem gefährlichen Einsatz ein Testament schreiben und angeben, an wen im Falle ihres Todes der Sarg und ihre letzten Habseligkeiten geschickt werden sollen. Da fragt ein einfacher Soldat den Kommandanten: „Kommandant, was sind wir dem Vaterland wert, wenn wir sterben?“ Darauf der Kommandant: „45 Sekunden in den Abendnachrichten und eine Nationalflagge auf dem Sarg!“

Der türkische Kommandant, schauspielerisch großartig und beeindruckend dargestellt, stirbt, bevor er im direkten Gefecht mit seinem kurdischen Gegenspieler den äußeren, körperlichen Tod erleidet, 1000 innere Tode, weil er es nie gewagt hatte, zu der Frau, die er so leidenschaftlich verehrte, zu sagen, wie sehr er sie liebt. Im Angesicht des sicheren Todes fürs Vaterland ist diese Reue sein größter Schmerz. Diese Frau spürt selbst auf 1000 km Entfernung seinen Tod. Sie wird einen Umschlag erhalten mit seinem Liebesgeständnis in Gedichtform.

Zum „Glück“ wissen wir, dass es „süß und ehrenvoll ist, fürs Vaterland zu sterben!“ Zyankali ist im Vergleich dazu Honig im Tee, denn man stirbt dabei nur einmal!

Für die Neonazis, Kriegsfetischisten und Wehrsportler aller Couleur sei hier hinzugefügt: Wer sich an realistischen Kampfszenen mit viel Blut und Sterben berauschen will, kommt in dem Film auch auf seine Kosten!
Übrigens: Der heldenhafte Untergang dieser türkischen Kampfeinheit kam dann in den Abendnachrichten. Es waren sogar 57 Sekunden!

Nur 12 Jahre nach der deutschen Einheit und genau 200 Jahre nach Schillers „Ode an den Heldentod“, wie ich sein Reiterlied genannt habe, hat sich die politische Rhetorik in Deutschland wieder ganz schön gemausert. Da heißt es, wie gesagt: „Die Sicherheit des Vaterlandes muss auch am Hindukusch verteidigt werden!“ Das erinnerte mich sofort an den berühmt-berüchtigten Ausspruch zu Zeiten des Boxeraufstandes in China 1902, also am Anfang des 20. Jahrhunderts: „The Germans to the front!“ Und als die Amerikaner erwarteten, dass wir uns aus Dankbarkeit für die Einheit an ihrem festgefahrenen und sinnlosen Krieg beteiligen, da sind wir marschiert, anstatt uns an die vorher gültige Devise zu halten: „Ein deutscher Soldat hat in einem anderen Land nichts zu suchen!“

Man muss sich ernsthaft fragen, wie jemand mit politisch-historischer Bildung auf die verrückte Idee kommen kann, dass christliche Soldaten aus einem völlig anderen Kulturkreis in einem mittelalterlichen muslimischen Land wie Afghanistan zwischen völlig verfeindeten gemäßigten und radikalen Muslimen Frieden stiften sollen. Das wäre doch, wenn überhaupt, eine Sache der islamischen Länder, dort Soldaten hinzuschicken. Unsere Jungs verbluten schon wieder für einen Wahnsinn, mit dem sie absolut nichts zu tun haben. Die Verantwortlichen geben inzwischen zu, dass sie sich gründlich geirrt haben und dass der Terror, den sie bekämpfen wollten, statt weniger immer mehr wird, aber unsere Soldaten bluten und sterben weiter.

In Afghanistan sind jetzt auch wieder christliche Militärseelsorger dabei. Die müssten sich doch eigentlich mit Hungerstreik am Eingang vom Bundestag festketten??!!

Keiner von uns hat etwas dagegen, wenn Afghanistan geholfen werden soll. Die sollen ihre Polizeileute zu uns schicken, dann werden die hier ausgebildet. Die sollen Regierungsbeamte zu uns schicken, damit sie hier unser politisches Wahlsystem studieren können. Sie sollen humanitäre und technische Hilfe erhalten. Alles in Ordnung! Aber es kann und darf doch nicht sein, dass auch nur ein einziger unserer Jungs dort zwischen die Fronten mittelalterlicher Religionskämpfe gerät und für so einen Wahnsinn fern der Heimat verblutet. Stellen Sie sich doch nur vor, einer unserer Soldaten oder gar Soldatinnen fällt solchen archaischen Religionsfanatikern in die Hände und bekommt vor laufender Kamera den Kopf abgeschnitten! Und da sollen unsere Jungs dann die Nerven behalten und weiter Dienst nach Vorschrift machen. Es kann ihnen aber niemand verübeln, wenn sie bei dieser ständigen Gefahr einen so hohen Adrenalinspiegel bekommen, dass der Finger am Abzug sehr, sehr nervös ist. Dann passiert genau das, was bereits passiert ist, dass nämlich unbeteiligte Zivilisten zu Opfern werden, Stichwort „Kollateralschäden“. Also lässt man zu, dass unsere Jungs, und das sind Menschen aus Fleisch und Blut und keine Roboter, sich schuldig machen, worunter sie ihr ganzes Leben zu leiden haben werden, falls sie dort lebend herauskommen, oder man stellt sie hier sogar noch vor Gericht dafür.

Schlimmer kann die Perversion nicht sein und das nach allem, was jüngste deutsche Geschichte ist. Unsere Soldaten haben dort nichts, aber auch gar nichts verloren!

An dieser Stelle fragen Sie sich vielleicht, was dies mit unserem Thema „Freiheitskampf oder Terrorismus“ zu tun hat. Wir glauben doch, dass unsere Soldaten die Freiheitskämpfer sind, in dem sie sich für Frieden und Demokratie einsetzen, und die Talibankrieger die Terroristen. Diese wiederum glauben genau das Gegenteil. Wir sind die ungläubigen und unreinen Eindringlinge, die sie daran hindern wollen, ihren puritanischen Gottesstaat zu errichten. Für sie sind wir die Terroristen!

Da haben wir bereits ein paar Dutzend Gefallene zu beklagen und unsere Parlamentarier brechen sich einen ab, den Einsatz dort Kriegseinsatz zu nennen, wie es die Wahrheit ist. Man ist nur noch fassungslos. Und die Priester segnen das ab wie schon 1914 und auch 1939. „Gott mit uns!“, wie der Kaiser sagte. Die Wahrheit ist aber, nicht Gott, sondern der Wahnsinn ist schon wieder mit uns, schleichend in den Kopf gekrochen. Sind wir überhaupt noch zu retten??? Wir haben uns bereits so sehr daran gewöhnt, dass wir unempfindlich geworden sind gegen solche Verlust- oder Opfermeldungen.

Wie sagte der türkische Kommandant auf die Frage „Was sind wir dem Vaterland wert?“: „45 Sekunden in den Abendnachrichten und eine Nationalflagge auf dem Sarg!“

War es nicht sogar ein Sozialdemokrat, der gesagt hat: “Die Sicherheit Deutschlands wird auch am Hindukusch verteidigt!”? Den sollte man dort am Fallschirm abwerfen, damit er sein Heldentum vor Ort beweisen kann. Aber das reicht nur für ein paar Stunden Truppenbesuch im streng bewachten Luxushelikopter mit Wärmflasche und Reisetabletten.

Wir erinnern uns an die Worte der Deutsch-Israelin: „Das habe ich nicht für möglich gehalten. Genauso wenig wie 1936. Haben wir wirklich etwas dazugelernt???“

Glaubt hier jemand, der Afghanistan-Einsatz ist was anderes als ein Geschäft? Macht nix! Wir beruhigen uns mit Friedrich Schiller: „Der dem Tod ins Angesicht schauen kann, der Soldat allein ist der wahre, der freie Mann!“ Na dann, auf zum nächsten Krieg! „The Germans to the front!“ Hat 1902 funktioniert, funktioniert 100 Jahre später immer noch. Burschenschafter! Darauf heben wir einen!

Sie kennen ja vielleicht das Lied der Kriegsprofiteure: „Lasst sie kämpfen und krepieren, wir aber regieren und profitieren. Lasst sie schießen und morden, wir verkaufen die Munition und die Orden. Lasst sie sterben für Ruhm und Ehre, wir liefern die Bomben und Gewehre. Gott mit Euch, mit uns das Geld, was kümmert uns das Leid der Welt!“ Hört sich nach Kurt Tucholsky an.

10 000, 100 000 oder 1 Million Proleten weniger. Wen kümmert’s? Wir haben doch sowieso zu viel Bevölkerung. Und solange die Kirche die Waffen und die Bomben segnet, findet der Krieg sogar mit Gottes Einverständnis statt. Und solange die Mütter genügend Nachschub zur Verfügung stellen, können wir Ersatzbataillone an die Front schicken. „Lasst sie sterben für Ruhm und Ehre, wir liefern die Bomben und Gewehre!“

Wer so etwas veröffentlicht, ist ein „Vaterlandsverräter!“

Damit kommen wir zu den Nationalsozialisten. Diese konnten Leute, die sich erlauben, solche unangenehmen Wahrheiten zu sagen, nicht leiden und ließen deshalb ihre Bücher verbrennen. 12 Jahre später brannte dafür ganz Deutschland.

Albert Leo Schlageter:

Eine weitere mehr als fragwürdige vaterländische Parole steht auf dem Grabstein von Albert Leo Schlageter: Deutschland muss leben, auch wenn wir sterben müssen!

Albert Leo Schlageter stammte wie ich aus dem Schwarzwald und war unser großes Vorbild, weil er nach dem I. Weltkrieg Bombenanschläge auf Bahnlinien im Ruhrgebiet verübte, auf denen die französische Besatzungsmacht Kohle und Eisenerz abtransportierte als Teil der Zwangsreparationen aus dem Versailler Diktat oder Vertrag, je nach Sichtweise oder Standpunkt. Schlageter wurde im Mai 1923 im Alter von 28 Jahren von den Franzosen standrechtlich erschossen. Von den Propagandisten der NSDAP wurde er später der erste Nationalsozialist des Dritten Reiches genannt. Dagegen konnte er sich nicht mehr wehren. Schlageter starb mit dem christlichen Kruzifix in der Hand. Sein patriotischer Glaube an Deutschland hat für mich mit der späteren mörderischen SS-Ideologie nichts gemeinsam! Für uns war er absolutes Vorbild und Nationalheld, deshalb benannten wir unsere ja nur kurze Zeit existierende Wehrsportgruppe nach ihm. Ich war 12 Jahre alt, als ich das erste Mal bei der jährlichen Gedenkfeier zu seinem Todestag mit Tränen in den Augen an seinem Grabe stand.

Schlageter war ja einer von vielen Freikorpskämpfern nach dem I. Weltkrieg, deren Erinnerungen in Buchform wir jungen Nationalisten 50 Jahre nach seinem Märtyrertod, wie wir es sahen, mit der allergrößten Begeisterung verschlangen. 30 Jahre nach Ende des II. Weltkriegs betrachteten wir uns als in einer noch viel schmachvolleren Lage befindlich als die Freikorpskämpfer nach dem I. Weltkrieg: Deutschland geteilt, besetzt, ausgeraubt, amputiert, umerzogen, fremdbestimmt und dem völkischen Untergang preisgegeben. Da war es logischerweise nur eine Frage der Zeit, dass aus diesen Ideen konkrete Taten werden mussten!

Auf der Kriegerurkunde meines Großvaters für seine Teilnahme am I. Weltkrieg, in dem er mehrfach schwer verwundet wurde und in dem er nur wenige Monate vor Kriegsende seinen eigenen Vater, meinen Urgroßvater, im Alter von nur 45 Jahren verlor, stand: „Verklungen ist der Waffen Lied, versunken die alte Zeit, in neue Bahn die Jugend tritt, zu brechen der Väter Leid!“ So fühlten wir uns als Erben eines Vermächtnisses, dem wir unter allen Umständen gerecht werden wollten!

Was uns junge „Nationale Freiheitskämpfer“ am meisten wütend machte, war die Tatsache der unerträglichen deutschen Teilung und vor allem die Situation in unserer „Reichshauptstadt Berlin“, wo wir auf den aufgestellten Warnschildern der 4 Siegermächte lesen mussten, welchen Sektor ihrer Besatzungsverwaltung wir gerade verließen und dies mehr als 30 Jahre nach dem Krieg, in denen man uns völkerrechtswidrig einen gerechten Friedensvertrag vorenthalten hatte.

Ein weitere „schöne Parole“ zum Thema „Volk und Vaterland“:

Du bist nichts, dein Volk ist alles!

Wenn aber jeder Einzelne nichts ist, wer ist dann das Volk? Die Summe der Nichtse?? So möchten die geistigen Verführer das Volk gerne haben: kritiklos und blind auf eine Führung vertrauend, die es nach Belieben für ihre ideologisch oder religiös maskierten verbrecherischen Ziele einsetzen kann.

Heldentod:

Der Soldat stirbt den Heldentod, wie es heißt. Was daran heldenhaft sein soll, hat noch niemand schlüssig erklären oder beweisen können. Der Tod des Soldaten ist in jedem Falle grausam und unmenschlich. Wenn er für eine gerechte Sache stirbt, ist es nicht weniger grausam.

Der Soldat kämpft und fällt fürs Vaterland, vielleicht weil er die Ideologie dazu vom Vater hat. Sein letzter verzweifelter Schrei geht aber zu seiner Mutter, von der er seinen kostbaren Mutterleib hat, wie ich unser Seelenzuhause nenne: „Mutter, warum hast Du mich nicht davor bewahren können?“

Gehorsam:

Wer befehlen will, der muss zuerst Gehorchen lernen!

Dieser Kernsatz der nationalsozialistischen Jugenderziehung bedeutete doch in Wirklichkeit: „Lass Dir erst kritik- und willenlos die Nazi-Ideologie ins Gehirn brennen, dann darfst Du diesen lebensgefährlichen Schwachsinn anderen beibringen, die dann deinen Befehlen gehorchen müssen!“ Praktisch alle obskuren Sekten funktionieren nach diesem Indoktrinationsprinzip.

All diesen Parolen ist gemeinsam, dass sie zum Ziel haben, sämtliche menschlichen Regungen der so Dressierten zu unterdrücken und sie fähig zu machen, hart gegen sich selber und grausam gegen erklärte Feinde zu sein. So erzieht man sich ein Volk von Selbstmordattentätern.

Adolf Hitler, der von den NS- und vor allem SS-Ideologen auf den Schild gehobene anti-christliche Gegengott, ein Mensch mit viel angelesenem Wissen, aber ohne jede Herzensbildung, wollte bekanntlich die nach ihm benannte Jugend nach dem Motto „Hart wie Kruppstahl, zäh wie Leder und flink wie Windhunde“ erzogen sehen. Aber das war nicht alles. Sie sollte Entbehrungen ertragen können und opferbereit sein. (‚Ein deutscher Junge weint nicht!’). Sie sollte vor allem das stolze Bewusstsein haben, einer überlegenen Herrenrasse anzugehören, die das Recht hat, andere Völker, die als minderwertig oder feindlich eingestuft wurden, zu verdrängen oder auszurotten. Das erklärte Grundprinzip lautete: „Töte das Schwache, d.h. das Seelische, Weibliche, Kindliche, in Dir ab! Werde stark und grausam, auch gegen Dich selbst!“ Die Vergewaltigung und Unterdrückung der seelischen Zartheit war insgesamt das Kennzeichen dieser unmenschlichen Ideologie.

Vaterland:

Wer oder was ist also dieses imaginäre Vaterland, für das ich mein Leben aus Pflichtbewusstsein oder blinder Begeisterung opfern soll? Wer kann und will mir diesen missbrauchten Begriff glaubwürdig und beweiskräftig definieren? Ist es seine möglichst große Ausdehnung auf der Landkarte? Oder die Summe seiner Geschichte? Oder hat es gar eine eigene Überseele oder einen Volksgeist, der die Geister seiner einzelnen Bürger metaphysisch zusammenfasst? Aber wie man gesehen hat, kann man nicht einmal seinen berühmtesten Geistesgrößen immer und für alle Zeiten uneingeschränkt trauen. Oder würde Friedrich Schiller heute immer noch sagen: „Im Felde, da ist der Mann noch was wert…“ usw., oder: „Der dem Tod ins Angesicht schauen kann, der Soldat allein ist der freie, der wahre Mann!?“

Sie kennen das Gedicht von Ernst Moritz Arndt (1769-1860), geschrieben 1813:

„Was ist des Deutschen Vaterland?“ Gerade für die gesamtdeutsch gesinnten Burschenschaften hatte es eine prägende Bedeutung. In den ersten 5 Strophen werden die damaligen Gebiete, in denen Deutsche wohnten, genannt und gefragt, ob diese Gebiete jeweils für sich des Deutschen Vaterland seien. Das wird immer verneint und am Ende jeder Strophe heißt es: „O nein, o nein, o nein, o nein! Sein Vaterland muss größer sein!“

Die 6. Strophe gibt darauf eine Antwort:

„Was ist des Deutschen Vaterland?
So nenne endlich mir das Land!

(Antwort:)

So weit die deutsche Zunge klingt
Und Gott im Himmel Lieder singt:
Das soll es sein! Das soll es sein!
Das wackrer Deutscher, nenne dein!“

Also, überall, wo Deutsch gesprochen wird, soll des Deutschen Vaterland sein. Aber das wäre noch nicht alles. In der 7. Strophe wird das Herz angesprochen:

Das ist des Deutschen Vaterland,
Wo Eide schwört der Druck der Hand,
Wo Treue hell vom Auge blitzt
Und Liebe warm im Herzen sitzt.
Das soll es sein! Das soll es sein!
Das, wackrer Deutscher, nenne dein!
In der 8. Strophe heißt es dann schon verhängnisvoll:
Das ist des Deutschen Vaterland,
Wo Zorn vertilgt den welschen Tand,
Wo jeder Franzmann heißet Feind,
Wo jeder Deutsche heißet Freund.
Das soll es sein! Das soll es sein!
Das ganze Deutschland soll es sein!

Und die letzte Strophe:

Das ganze Deutschland soll es sein!
O Gott vom Himmel, sieh darein
und gib uns rechten deutschen Mut,
dass wir es lieben treu und gut!
Das soll es sein! Das soll es sein!
Das ganze Deutschland soll es sein!

Diese Zeilen muss man natürlich im historischen Kontext sehen. Aber es ist unbestreitbar, dass die hier verantwortungslos behauptete pauschale Erb- und Erzfeindschaft mit Frankreich in den Köpfen der patriotisch begeisterten Jugend die Bereitschaft für die spätere Tragödie auf den Massenmordschlachtfeldern des I. Weltkrieges im Westen entscheidend förderte.

Es geht nicht darum, die edlen Motive eines gesunden Patriotismus in den Dreck zu ziehen und vor allem nicht darum, das unendliche Leid und die Opfer der damals oder heute Betroffenen gering zu schätzen oder zu verhöhnen. Aber gerade um eine weitere Wiederholung dieses Leides und der Schuld zu verhindern, muss schonungslos die Wahrheit gesagt werden.

Treueeid:

In einem Zeltlager eines der völkischen Jugendbünde, denen ich angehörte, sagte mir mal ein alter SS-Mann, eine treue und geradlinige Seele von Mensch: „Ich habe einmal einen Eid geschworen und den breche ich nicht bis an mein Lebensende!“ Er meinte den Eid auf Adolf Hitler. Sie wissen, der Wahlspruch der SS lautete: „Unsere Ehre heißt Treue!“ Und ihr Fahnenlied: „Wenn alle untreu werden, so bleiben wir doch treu!“

Aber wenn ich erkannt habe, erkannt haben muss, wenn ich nicht blind und herzlos sein will, dass meine Treue für verbrecherische und alles andere als positiv vaterländische Ziele schändlichst missbraucht wurde, dann darf ich nicht mehr an diesem Eid festhalten, denn es geht nicht um die einmal feierlich gesprochenen Worte eines Eides, sondern um seine tatsächliche Auswirkung in der praktischen Umsetzung. Das hatten die Patrioten des 20. Juli 1944 erkannt, leider zu spät und ohne Erfolg. Aber sie haben ein Zeichen gesetzt und sich für ihre späte Erkenntnis geopfert.

Karte Mitteleuropa 1913:

1973, ich war 15 Jahre alt, hing über meinem Bett eine große Wandkarte Mittel-Europas mit dem Deutschen Kaiserreich von 1913. Sie entstammte dem Bestand historischer Wandkarten meines Gymnasiums und war ausgemustert worden. Deutschland reichte hier noch von Elsass-Lothringen bis hoch in den Nordosten ins Memelland, im Norden gehörte Nord-Schleswig noch dazu, im Süden war Süd-Tirol noch ein Teil von Deutsch-Österreich. Ich fragte mich unzählige Male, warum dieses große deutsche Kulturvolk und mit ihm ganz Europa und die halbe Welt innerhalb von ein paar Jahrzehnten die grausam schlimmste Tragödie erleben musste, die sich nur denken lässt.

Heute weiß ich bzw. bin überzeugt davon: Es war nicht, wie mir einstmals beigebracht wurde, die angebliche jüdische Weltverschwörung, die dafür verantwortlich war, es war auch nicht die Übermacht unserer Feinde, denn Deutschland hatte viel mehr Freunde und Verehrer in der Welt als Feinde – und das gilt auch heute noch bzw. wieder, was man bei den zu Herzen gehenden internationalen Feierlichkeiten zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit eindrucksvoll erleben konnte!

Nein! Es war das Überbordwerfen aller abendländisch-christlichen Grundprinzipien der Menschlichkeit und der universellen Menschenrechte zugunsten einer Ideologie des angeblich gerechten oder unausweichlichen Krieges, der Überheblichkeit und einer unglaublichen Anmaßung und Maßlosigkeit gegenüber den meisten unserer Nachbarvölker und einem Großteil unserer eigenen Bevölkerung.

Actio und Reactio:

Niemals zuvor erwies sich das universelle Gesetz: „Das, was Du anderen antust, wird Dir selber angetan!“ oder: „Das, was Du aussendest, kehrt zu Dir zurück!“ in solch grausamer Weise als unerbittliche Wahrheit:
Wir wollten anderen Völkern Land wegnehmen und sie verdrängen, so wurde uns Land weggenommen und ein großer Teil unseres Volkes vertrieben!

Wir brachten mit brutalster Gewalt Millionen fremder Menschen auf grausamste Weise um und hinterließen ihnen verbrannte Erde, so verbluteten und verbrannten dann Millionen unseres eigenen Volkes in einem Sodom und Gomorrha, wie es die Geschichte bis dahin noch nicht gesehen hatte.

Wir zwangen anderen Völkern oder Volksgruppen unsere gnadenlose Herrschaft auf und beuteten sie schamlos aus, so wurden wir selbst das Opfer von Fremdherrschaft und Ausbeutung.
Bei niemand anderem als Adolf Hitler selbst, dem vergotteten Anführer dieser Kriegsideologie, wird die Gültigkeit dieses Gesetzes deutlicher:

Das Gift, das in Form von maßloser Überheblichkeit, blindem Hass und bewusster Verleumdung aus seinem Munde kam, kehrte als tödliches Zyankali zu ihm zurück, und die grausame Gewalt, die von ihm ausging, als Pistolenkugel, die er sich konsequenterweise auch noch selbst verabreichen durfte. Und dies alles unmittelbar nach seiner Hochzeitsnacht auf dem größten Leichenberg der Weltgeschichte mit den triumphierenden Dämonen des Anti-Christen als fröhliche Partygäste.

Dieser Mann, der bis zuletzt glaubte, dass die „Vorsehung“ mit ihm sei, hätte besser vorher die universellen Gesetze dieser göttlichen Instanz genauer studiert, dann wäre er nicht zum „unglückseligsten Sohn des deutschen Volkes“ geworden.

Seinem Propagandaminister und Wegbereiter in die Apokalypse, Joseph Goebbels, erging es nicht besser: Millionen von Eltern hatten ihr Liebstes, ihre Kinder, durch die von ihm verbreitete Kriegs- und Hasspropaganda verloren, so musste er nach dem ruhmlosen Ende seines zum Ersatzgott hochstilisierten Idols seiner Frau, ihren gemeinsamen lieben Kindern und schließlich sich selbst das tödliche Gift verabreichen, das zuvor aus seinem Munde gekommen war.

Kriegsverherrlichung /Kurt Eggers:

Zu meinem 14. Geburtstag bekam ich ein Buch des nationalsozialistischen Kriegsphilosophen Kurt Eggers geschenkt, dessen Inhalt für mich weitreichende Folgen haben sollte („Vater aller Dinge – Ein Buch des Krieges“, Berlin 1943). Es wurde für mich, der ich in meiner Kindheit und Jugend in den völkisch-rechtsradikalen Jugendbünden ja nicht nur unchristlich, sondern bewusst anti-christlich erzogen wurde, zu meiner Ersatzbibel. Vom Originalton dieses Werkes der Kriegsverherrlichung seien hier nur diese kurzen Zitate erwähnt: „So ist gerade der Krieg die hohe Schule des Charakters, da die Not die Kräfte des Willens mobilisiert, um das Notwendige zu tun.“ (S. 40). Oder: „Wer ohne innere Freude und Bereitschaft in den Krieg zieht, wird sich bestenfalls früher oder später einem müden Fatalismus hingeben. Darum wird die Erziehung für den Krieg eine der wesentlichsten Aufgaben jedes verantwortungsbewussten Staates sein.“ (S.13). Oder: „Es bedarf keiner „Rechtfertigung“ des Krieges. Es geht vielmehr darum, dass eine rechte Stellung, ein gerechter Standpunkt zum Kriege gefunden wird.“ (S. 10).

Und schließlich: (Lassen Sie sich bitte dieses kranke, süße Gift langsam auf der Zunge zergehen!): „Die Freude am Kriege wird niemals in den unbeirrbaren Herzen sehnsüchtiger junger Menschen durch Schilderung des Grauens kriegerischer Zustände unterdrückt werden: der junge Mann verwirft alle Einwände der Vorsicht und besteht darauf, der Gefahr ganz persönlich entgegentreten zu dürfen.“ (S. 15).

Sehr verehrte Damen und Herren, ein junger Mensch, der an eine gerechte Sache glaubt und dessen Denken auf diese perverse Art und Weise programmiert wurde und der diese Inhalte ernst nimmt, was soll der anderes als Bombenleger oder Selbstmordattentäter werden???

Man muss Kurt Eggers zumindest zugute halten, dass er nicht einfach nur ein verantwortungsloser und fanatischer Ideologe und Schreibtischtäter wie viele andere war. Er hat in furchtloser Selbstaufopferung seine „brandheißen Ideen“ buchstäblich in die Tat umgesetzt und erlitt an der Ostfront in seinem explodierenden Panzer den sog. Heldentod. Auch hier erfüllte sich das Gesetz: „Wer den Wahnsinn propagiert, der kommt in ihm um!“ Kurt Eggers starb im Feuer seiner eigenen tödlichen Ideen. Seine bedauernswerte Familie hätte ihn wohl lieber lebendig zurück gehabt an Stelle seiner Kriegsorden auf rotem Samt.

Was hatte er aber auch mit seinem Panzer im russischen Mutterland zu suchen?

Kriegslieder:

Was Schiller zum Thema Kriegertum dichtete, haben wir gehört. In einem anderen Lied aus späteren Zeiten heißt es: „Dem Frieden dient das graue Kleid (Anm.: die Uniform) und nicht dem Krieg der Schmerzen! Wir tragen eine neue Zeit in unseren jungen Herzen!“ Die in diesen Liedern enthaltene Verharmlosung oder Verherrlichung der grausamen Wirklichkeit des Krieges ist für junge Menschen, in Friedenszeiten aufgewachsen, nicht so leicht erkennbar. Stehe ich erst einmal im Schützengraben und links und rechts von mir werden meine Kameraden von Granaten und Kugeln zerfetzt, ist es für die Erkenntnis zu spät, dass ich einem mörderischen Wahnsinn zum Opfer gefallen bin.

Große Dichtkunst unserer literarischen Nationalhelden, kann man nicht anders sagen! Oder eben: „Süßes Gift.“ Hätte auch mich fast zum Mörder gemacht oder mir den jungen Hals gekostet. Natürlich weiß ich, dass ich meine Taten selber zu verantworten habe! Aber die Ideen dazu stammten nicht von mir, sondern aus anderen „Ideenwerkstätten“ (Apropos „Ideenwerkstätten!“) „Danke!“ dafür an Friedrich Schiller, „Danke!“ auch an Kurt Eggers und meine Jugenderzieher in den völkisch-nationalen Jugendbünden oder politisch rechtsradikalen Organisationen!

Schreibtischtäter:

Liebe Freunde, Sie werden es kaum glauben, aber für diejenigen verantwortlichen Jugenderzieher von damals, die uns Kindern und Jugendlichen beibrachten, dass SS-Massenmörder und Raubkrieger zu Unrecht verfolgte Vorbilder für Tapferkeit, Heldentum, Vaterlandsliebe und Pflichterfüllung sind, sowie Angriffskriege und Völkermord gerechtfertigte patriotische Handlungen und die Juden Rassenfeinde und lebensunwerte Weltverschwörer, für die bin ich heute ein Verbrecher und Terrorist, von dem sie sich in ihrer kleinbürgerlichen Ruhe und Sicherheit gestört fühlen und dem sie ihre Enkel nicht zur Erziehung anvertrauen würden. Da kann ich nur sagen: Hut ab vor so einer vorbildlichen geistigen Haltung und erzieherischen Höchstleistung! Dabei habe ich nur die Ideen des „Nationalen Befreiungskampfes“ und der geheimen Werwolf-Widerstandskämpfer konsequent umgesetzt, Ideen, die uns von erwachsenen Menschen beigebracht wurden, denen wir als Kinder und Jugendliche ja nichts anderes als vollstes Vertrauen entgegen bringen konnten. Diese biederen Schreibtischtäter, von denen wir lernten, dass die Bücherverbrennungen der sog. Nationalsozialisten und das massenhafte und ungesetzliche Einsperren politischer Gegner in Konzentrationslager sowie der verabscheuungswürdige und verbrecherische Angriff auf unsere jüdischen Mitbürger 1938 gerechtfertigte politische Maßnahmen waren, nehmen für sich gerne die Vorteile unseres demokratischen Rechtsstaates in Anspruch, beklagen sich aber bitter, wenn sie zu Recht für ihre wahrheitswidrige und volksverhetzende Propaganda zur Verantwortung gezogen werden.

Rudolf Hess:

Sehr verehrte Damen und Herren, wie jedermann weiß, wird der Stellvertreter des „Führers“, Rudolf Hess, in der rechten Szene und auch darüber hinaus, als ein politischer Funktionär der NS-Bewegung angesehen, der sich nicht wie viele andere die Hände schmutzig gemacht hat und sogar sein Leben für den Frieden einsetzte, um die Ausuferung des II. Weltkrieges zu verhindern.
Beide Behauptungen sind völlig unwahr, wie leicht zu beweisen ist:

Rudolf Hess könnte als jemand gelten, der als Patriot den Frieden retten wollte, wenn er Deutschland am 10. Mai 1941 nicht in nord-westlicher, sondern in östlicher Richtung verlassen hätte, um die Russen, mit denen ein völkerrechtlich gültiger Nichtangriffs- und Freundschaftsvertrag bestand, vor dem deutschen Überfall zu warnen. Aber das war ganz und gar nicht seine Absicht! Gerade Rudolf Hess war seit frühesten Münchener Kampfzeiten hauptverantwortlich für die kriegerischen Absichten in der Weltanschauung Hitlers im Zusammenhang mit den geopolitischen Landeroberungsplänen im Osten für sein „Volk ohne Raum“. („Volk ohne Raum“ war in den 20er Jahren ein vielgelesenes Buch in völkisch-nationalistischen Kreisen.) Mit seinem Englandflug wollte er dafür sorgen, dass der Erfolg des kurz bevorstehenden Überfalls auf Russland nicht durch einen Zweifrontenkrieg gefährdet würde. Genau wie Hitler hatte er keinerlei Achtung vor den großen polnischen und russischen Kulturvölkern und schon gar nicht vor den dort lebenden Juden, Menschen aus Fleisch und Blut wie Du und ich, mit Gefühlen und Lebensfreude, mit lieben Eltern, Geschwistern und Kindern, denen aus krankhaft wahnsinnigen und abstrusen Motiven das elementarste Lebensrecht abgesprochen wurde.

Darüber hinaus: Wo war Rudolf Hess, als im Juni 1934 die letzten glaubwürdigen Sozialisten in der NS-Bewegung, die allesamt erklärte Gegner eines Krieges mit Russland waren, zusammen mit anderen unbequemen Regimegegnern brutal ermordet wurden?

Wo war Rudolf Hess am 9. November 1938, als sein Parteifreund und oberster Judenhetzer Julius Streicher zusammen mit anderen fanatischen Judenfeinden das blutige Pogrom gegen wehrlose jüdische Mitbürger veranstalteten, das den Anfang vom Ende dieser vom Anti-Christen inspirierten Bewegung einläutete?
Selbst nach dem Ende des Tausendjährigen Reiches, als auch ihm die Wahrheit und Grausamkeit der Konzentrationslager und der Massenmorde durch Originalaufnahmen und Zeugenaussagen bekannt waren, glaubte er noch, dem „größten Sohne des deutschen Volkes“ gedient zu haben, und war der Überzeugung, dass er mit seiner unmenschlichen und verblendeten Weltanschauung vor dem „Richterstuhl des Ewigen“ einen Freispruch erreichen würde. Mit Betroffenheit und Einsicht hätte er noch viel Gutes tun können. Vor allem hätte er verhindert, dass unbelehrbare Alt- und Neo-Nazis ihn in vollkommen verlogener und geschichtsverfälschender Art und Weise zum Symbol eines angeblich friedwilligen und „sauberen“ Nationalsozialisten hätten hochstilisieren können.

Für uns junge „Werwolf-Widerstandskämpfer“, als die wir uns sahen, war Rudolf Hess auch deshalb Idol und Halbgott, weil er der letzte lebende große NS-Führer war, der treueste der Treuen, unschuldig eingekerkert von den verabscheuungswürdigen Unmenschen der Siegermächte. Wir berauschten uns an den historischen Filmaufnahmen seiner Auftritte bei den Parteitagen der NSDAP und an seinen Worten: „Hitler ist Deutschland, so wie Deutschland Hitler ist!“

Gerade weil er im Volk beliebt war und wegen seines unbestreitbar großen Einflusses auf seinen sog. Führer, ist seine Mitschuld am Amoklauf und am Größenwahn Hitlers, dem Hauptverantwortlichen für die größte Tragödie der Weltgeschichte, meiner Überzeugung nach noch größer als diejenige des NS-Propagandisten Goebbels.

Für dieses vermeintliche Idol Rudolf Hess und aufgrund der uns verabreichten wahrhaft lebensgefährlichen Indoktrination wären ich und andere Kameraden noch 1982, also mehr als eine Generation nach dem Krieg, fast zu Massenmördern geworden. Jahrzehntelang kursierten in den Neo- und Altnazikreisen streng geheime Gerüchte über angebliche Befreiungspläne für Rudolf Hess, die von eingeweihten, besonders zuverlässigen Kameraden durchgeführt werden sollten. Aber nie war auch nur das Geringste geschehen, worüber wir „jungen Krieger“, also bereits 2. oder 3. Neonazi-Generation, sehr enttäuscht waren.

1978, ich war gerade 20 Jahre alt, kam ich zusammen mit anderen Kameraden in Berlin-Spandau Rudolf Hess aufregend nahe. Er befand sich wieder mal zur Behandlung im Britischen Militärhospital und wir, eine Handvoll noch unbewaffneter Aktionisten, verschafften uns irgendwie mit falschen Papieren Zutritt zu dem Krankenhaus. Gedacht war nicht an eine großangelegte Befreiungsaktion, für die weder Geld, noch Waffen, noch genügend Personal vorhanden waren, sondern eher an eine friedliche Protestaktion mit Hungerstreik und Presseerklärung. Dazu wollten wir uns in dem Fahrstuhl, mit dem wir sogar bis zu seinem Stockwerk, das natürlich militärisch bewacht war, fahren konnten, verschanzen. Aber wieder einmal zerschlugen sich die Pläne durch die zögerliche oder ängstliche Haltung von beteiligten Kameraden. Immerhin jedoch konnten wir das Gefühl genießen, unserem Idol in „heldenhafter“ Absicht bis vielleicht auf 30 Meter nahe gekommen zu sein.

Nach meinem Libanon-Aufenthalt mit der Wehrsportgruppe Hoffmann und der Waffen- und Sprengstoffausbildung bei der PLO waren wir dann keine solchen ängstlichen Grünschnäbel mehr. Eine Befreiungsaktion für Rudolf Hess kam zwar aus den gleichen Gründen wie früher nicht in Frage. Die Zeit drängte aber aufgrund seines hohen Alters und wir wollten wenigstens ein Fanal setzen, das der Welt zeigen sollte, dass die nationalbewusste deutsche Jugend den „Treuesten Sohn des deutschen Volkes“ und seine Selbstaufopferung auch 37 Jahre nach dem Krieg nicht vergessen hat.

Wir wollten am Eingang des Wachgebäudes in Spandau eine Bombe mit 10 oder 20 Kilogramm Sprengstoff militärischer Herkunft platzieren, um eine möglichst große Anzahl britischer Wachsoldaten umzubringen, die zu dem geplanten Zeitpunkt turnusgemäß Dienst hatten. Wir wollten mit Absicht britische Soldaten treffen, weil für uns die Engländer die Hauptverantwortlichen waren für die in unseren Augen schändliche und völkerrechtswidrige Inhaftierung von Hess. Der Plan stand fest, die Vorbereitungen waren fast abgeschlossen und mir erschien das persönliche Opfer gering im Vergleich zu der „ehrenvollen Tat“, die in die Geschichtsbücher eingehen sollte.

Es war dann unser unglaubliches Glück, dass wir uns gerade in dieser Zeit mit der verhängnisvollen Rolle von Rudolf Hess bei der Ausschaltung der letzten Sozialisten in der NSDAP und bei der ideologischen Rechtfertigung des Eroberungskrieges im Osten näher auseinandersetzten, was zur Folge hatte, dass Rudolf Hess für uns plötzlich nicht länger Vorbild und Idol sein konnte. Wir bliesen die Aktion ab, verfassten unseren Ausstieg aus der Neo-Nazi-Szene, den wir „Abschied vom Hitlerismus“ nannten und wandten uns ganz unseren neu definierten nationalrevolutionären und anti-imperialistischen Zielen zu. In unserer bisherigen politischen Heimat galten wir seither als Abtrünnige und Verräter.

Liebe Freunde, was hätte es bedeutet, wenn wir diesen geplanten Anschlag tatsächlich erfolgreich durchgeführt hätten? Es hätte bedeutet, dass wir als junge deutsche Menschen mehr als eine Generation nach dem Krieg anderen jungen Menschen, die eigentlich genauso wie wir nichts mit diesem ganzen Wahnsinn des Weltkrieges zu tun hatten, Leben oder Gesundheit geraubt hätten, aufgrund einer verantwortungslosen Indoktrination, die uns Kindern und Jugendlichen von Erwachsenen, die es besser hätten wissen müssen, verabreicht wurde. Der Wahnsinn und das Leid wären fortgezeugt worden, um neue Wunden aufzureißen und neue unerträgliche Schmerzen zu verursachen, die ihrerseits wiederum nach Rache und Vergeltung schreien. Die dafür verantwortlichen Schreibtischtäter sind zum Teil bis heute aktiv.

Zum Thema Rudolf Hess möchte ich abschließend sagen, dass es ihm immerhin vergönnt war, dem Galgen in Nürnberg zu entkommen und mit Sonderbehandlung 93 Jahre alt zu werden, ein Alter, das viele, für deren Tod oder Unglück er zumindest ideologisch an herausragender Stelle mitverantwortlich war, vielleicht auch gerne erreicht hätten.

Jürgen Rieger, der erst kürzlich verstorbene NPD-Funktionär, Rassenideologe und Rechtsanwalt, war, wie man gerne glaubt, ein liebevoller Familienvater, genauso wie Kurt Eggers oder die SS-Massenmörder Heinrich Himmler oder Reinhard Heydrich. In der Neonazi-Szene war er aber hauptverantwortlich für die schon fast religiöse Verehrung und wahrheitswidrige Reinwaschung von Rudolf Hess und für entsprechende Veranstaltungen. Anwalt für Deutschland, wie er in der Szene genannt wird, war er aus den genannten Gründen aber mit Sicherheit nicht.

Genauso wenig wie Rudolf Hess, kann auch er für ehrliche und wahrheitsliebende Patrioten und ganz besonders für die demokratisch und christlich-humanistisch gesinnte Jugend in Deutschland absolut kein Vorbild sein, denn die hat die grausamste Lektion unserer Geschichte längst unwiderruflich begriffen:

>>Wer den Teufel einlädt und zu seinem Ersatzgott und Führer macht, der bekommt ihn auch und zwar mit allen „Segnungen“ der Hölle.<<

Die heutigen alten und neuen Nazis fordere ich deshalb auf, zu Wahrheit und Menschlichkeit zurückzukehren und in einer Art positiver Gehirnwäsche diese alten Tod und Verderben bringenden, kranken Ideen aus ihren Köpfen und vor allem aus ihren Herzen zu entfernen.

Kriegsschuldfrage:

Bezüglich der Schuld am Ausbruch des II. Weltkrieges und vor allem bezüglich der Rechtfertigung für den Überfall auf die Sowjetunion werden in der rechten Szene gerne Behauptungen verbreitet, dass die Wehrmacht, wie inzwischen bewiesen sei, nur einem kurz bevorstehenden Angriff der Roten Armee zuvorgekommen sei. Diese fadenscheinige Schutzbehauptung ist in mehrfacher Hinsicht absurd. Tatsache ist, dass der zwischen beiden Ländern bestehende, völkerrechtlich gültige Nichtangriffs- und Freundschaftspakt einseitig und in brutalster Weise von der nationalsozialistischen Seite gebrochen wurde. Hitler interessierte die Einhaltung von Verträgen erklärtermaßen immer nur so lange, wie sie seinen tatsächlichen Absichten nützten. Der russische Soldat, heldenhaft in der Verteidigung von Mütterchen Russland, taugt nicht zum Angriffskrieg. Selbst wenn es derartige russische Pläne gegeben haben sollte, wäre ein russischer Angriff an der viel kürzeren deutschen Front als es später der Fall war im konzentrierten Abwehrfeuer der bestens ausgerüsteten Wehrmacht stecken geblieben. Stalin dachte nicht daran, den auch für die Sowjetunion vorteilhaften Pakt zu brechen. Er schenkte sogar den ersten Geheimdienstmeldungen über den bevorstehenden deutschen Angriff keinen Glauben, zu abstrus und unwahrscheinlich erschienen ihm diese. Von ihm stammt auch der Satz: „Die Hitlers kommen und gehen, das deutsche Volk aber bleibt bestehen!“ Vielleicht glaubte auch er noch an die kommunistische Weltrevolution, aber im Gegensatz zu Hitler hatte er eine Hochachtung vor dem deutschen Volk. Auch hier brauchen wir keiner Kriegspropaganda der Siegermächte Glauben zu schenken. Es genügt vollkommen, die NS- und vor allem SS-Originalliteratur in die Hand zu nehmen, um zu erfahren, was die großgermanischen Rassekrieger mit Europa vom Atlantik bis zum Ural vorhatten. Das Fehlen jeglicher Menschlichkeit und die völlige Missachtung aller rechtlichen Normen und Werte der modernen Zivilisation schließen die damaligen und heutigen Anhänger dieser rassistischen Raubkriegerideologie automatisch aus der menschlichen Gesellschaft aus. Nach einem gewonnenen Krieg, und auch das wissen wir aus Originaldokumenten und Aussagen, hätte die SS alle möglichen und tatsächlichen ideologischen und religiösen Gegner brutal ausgeschaltet. Die SS war ja bekanntlich nicht nur Ideologie, sondern ausdrücklich auch rassistische Religion, und zwar erklärtermaßen Ersatzreligion für die christliche Religion der Menschlichkeit und des Mitgefühls. In den völkisch-rechtsradikalen Jugendbünden lernten wir von alten SS-Leuten den Spruch: „Christentum ist Judentum für Nichtjuden!“ Das sollte bedeuten, dass durch das exportierte Christentum und dessen Botschaft einer völker- und rasseübergreifenden Menschlichkeit die Abwehrkraft der nicht-jüdischen Völker und Rassen gebrochen werden sollte, um der angeblichen jüdischen Weltverschwörung mit ihrem Plan, letzten Endes alle anderen Völker der Erde zu beherrschen und auszubeuten, zum Sieg zu verhelfen. Das gleiche galt dann auch für den Marxismus-Bolschewismus mit seinen angeblich fast ausschließlich jüdischen Anführern.

Aus diesem Grunde glaubten Hitler und die SS unter ihrem Halbgott Himmler das Recht zu haben, das große polnische und das russische Kulturvolk mit ihrer angeblichen jüdischen Führung und Unterwanderung zu überfallen, zu vertreiben und zu versklaven und was die Juden betrifft, sogar vollständig auszurotten, soweit man ihrer habhaft werden konnte. Bei der brutalen Entschlossenheit der SS-Rassisten, die Juden soweit als möglich auszurotten, versteht man, warum vor allem jüdische Wissenschaftler in der Entwicklung der Atombombe das letzte Mittel der Notwehr sahen, um sich dagegen zur Wehr zu setzen. Wie wir alle wissen, waren die Atombomben, die auf Japan abgeworfen wurden, für Deutschland gedacht, wenn uns nicht die Kapitulation gerade noch rechtzeitig davor bewahrt hätte.

In der Auseinandersetzung um die ideologische Ausrichtung der NSDAP sagte Hitler schon 1932 zu Otto Strasser, dem Vertreter der tatsächlich sozialistischen Richtung in der Partei:

Zitat:

Die nordische Rasse hat das Recht die Welt zu regieren; und dieses Recht wird das Leitprinzip unserer Außenpolitik werden. Sehen Sie, warum irgendeine Allianz mit Russland, eine Gemeinschaft von Slawen und Tataren mit einem jüdischen Kopf, ausgeschlossen ist. Ich habe diese Slawen in meiner Heimat kennengelernt. Wenn ein deutscher Kopf sie regiert, kann Deutschland mit ihnen gemeinsame Sache machen, wie es zur Zeit Bismarcks der Fall war. Heute wäre dies ein Verbrechen.

Was wir tun müssen, ist die Schaffung einer neuen Klasse von Herrenmenschen, die sich nicht wie Sie von der Moral des Mitleids leiten lassen. Jene die regieren, müssen wissen, dass sie das Recht zum Kommandieren haben, weil sie einer höheren Rasse angehören. Sie müssen dieses Recht behalten und es ohne Rücksicht konsolidieren.“ Ende des Zitats.

Da fragt man sich, wo bei den Neo-Nazis von heute der Verstand und die Wahrheitsliebe geblieben sind, jedenfalls nicht im Kopf und im Herzen, wo sie hingehören. Deutlicher kann man seine verbrecherischen Absichten nicht formulieren!

Dass die russische Führung angesichts eines solchen unberechenbaren und wahnsinnigen Vertragspartners möglicherweise auch Pläne für den Fall B oder C in der Schublade hatte, wäre ihr nicht zu verübeln. Das deutsche Volk versklaven oder vernichten wollte sie aber mit absoluter Sicherheit nicht!

Was den Konflikt 1939 mit Polen angeht, möchte ich nur kurz hinzufügen: Überall da, wo die Grenzen zwischen Völkern fließend sind, gibt es nach erfolgter Staatenbildung Volksgruppen- bzw. Minderheitenprobleme oder Grenzstreitigkeiten. Wären wir als Humanisten und Christenmenschen und mit Hochachtung auf die Polen zugegangen, dann hätte man auch gemeinsam Lösungen für diese Probleme finden können, wenn man nur wirklich gewollt hätte.

Blut und Boden:

Nach den Plänen der SS-Rassekrieger sollten bis zum Ural einmal 300 Millionen nordisch-germanische Wehrbauern den eroberten Boden bestellen, einen Boden, millionenfach getränkt mit dem Blut der verdrängten, vernichteten oder versklavten Slawen, Tataren und Juden. Und nun stellen Sie sich vor, wie wir tagtäglich das Brot essen würden, dessen Korn wir von dieser blutgetränkten Erde geerntet hätten, da wird einem allein von dieser Vorstellung ganz schlecht dabei. Danke an Mütterchen Russland, die das verhindert hat, und die großartige slawische Volksseele.

Wie gesagt, das ist keine alliierte Siegerpropaganda! Von diesen Plänen lesen wir in der SS-Originalliteratur, und die SS wäre bei einem gewonnenen Krieg die alleinherrschende Macht gewesen.

Nachdem die großgermanischen SS-Rassekrieger und Blitzkriegstrategen trotz ihrer beispiellosen und perfektionierten militärischen Brutalität aber weder Leningrad, noch Moskau, noch Stalingrad erobern konnten, stellten sie ihren gescheiterten Raubkrieg als Abwehrkampf gegen die angebliche jüdisch-bolschewistische Bedrohung dar. Der einfache Wehrmachtssoldat hatte von diesen Vorgängen und Plänen im Hintergrund kaum eine Ahnung und keine andere Wahl, als sich seinem grausamen Schicksal zu ergeben.

In den national-völkischen Jugendbünden sangen wir über eine Generation nach diesen Ereignissen immer noch die Kampf- und Kriegslieder der deutschen Wehrmacht und der Waffen-SS. In einem dieser Lieder heißt es: „Nun brausen nach Osten die Heere ins russische Land hinein. Kameraden, nun an die Gewehre! Der Sieg wird unser sein!“

Allein diese absolut unbestreitbare Tatsache der von den SS-Rassestrategen versuchten, aber am erbitterten Widerstand der vorher unterschätzten und verächtlich gemachten Roten Armee gescheiterten kriegerischen Landnahme im Osten sollte jede wahrheitswidrige oder fadenscheinige Argumentation von Rechtsextremisten bezüglich Kriegsschuldfrage und Völkermord sofort verstummen lassen. Wer diese Tatsachen trotzdem leugnet oder verharmlost, ist kein Anwalt für Deutschland, sondern Anwalt der Lüge, der Schande und der Unmenschlichkeit!

Erinnern wir uns hier nochmals an die entlarvenden Worte Adolf Hitlers 1932 an Otto Strasser: „Die nordische Rasse hat das Recht die Welt zu regieren; und dieses Recht wird das Leitprinzip unserer Außenpolitik werden.“ usw.

Wem das nicht reicht, der kann sich den noch unglaublicheren Originalton des SS-Anführers Heinrich Himmler in seiner Posener Rede vom 4. Oktober 1943 bei der SS-Gruppenführertagung anhören. Zitat: „Ein Grundsatz muss für den SS-Mann absolut gelten: ehrlich, anständig, treu und kameradschaftlich haben wir zu Angehörigen unseres eigenen Blutes zu sein und zu sonst niemandem. Wie es den Russen geht, wie es den Tschechen geht, ist mir total gleichgültig. Das, was in den Völkern an gutem Blut unserer Art vorhanden ist, werden wir uns holen, indem wir ihnen, wenn notwendig, die Kinder rauben und sie bei uns großziehen. Ob die anderen Völker in Wohlstand leben oder ob sie verrecken vor Hunger, das interessiert mich nur soweit, als wir sie als Sklaven für unsere Kultur brauchen, anders interessiert mich das nicht. Ob bei dem Bau eines Panzergrabens 10.000 russische Weiber an Entkräftung umfallen oder nicht, interessiert mich nur insoweit, als der Panzergraben für Deutschland fertig wird. (…)“ Zitatende.

Auch an Himmler erfüllte sich das Gesetz: Das tödliche Gift, das aus seinem Munde kam, kehrte in Form einer selbst verabreichten Zyankalikapsel wieder zu ihm zurück!

Liebe Freunde, was ist passiert mit einem Menschen, der in der Lage ist, so einen perversen Wahnsinn von sich zu geben? Hat ihm jemand Herz und Seele geraubt und abgeschaltet? Stammen solche kranken Ideen von Dämonen, vom Teufel oder Anti-Christen selbst oder gar von Außerirdischen? Denn mit Menschentum hat dies nichts mehr zu tun! In welchen „Ideenwerkstätten“ ist so etwas ausgebrütet worden? Bestimmt nicht in Bielefeld! Aber wo dann?

Und Leute, die heute noch so etwas verteidigen oder verharmlosen, wagen es, sich „Anwalt für Deutschland“ zu nennen. Aus welcher Psychiatrie sind die ausgebrochen? Das sind die gleichen Leute, die ohne rot zu werden, behaupten, beim WTC-Anschlag in New York wären vorher alle Juden gewarnt worden, deshalb habe es keine jüdischen Opfer gegeben. Damit wollen sie behaupten, dass der Anschlag in Wahrheit von den Juden selbst und dem israelischen Geheimdienst organisiert worden sei. Oder die Beifall klatschen, wenn ein angeblicher ägyptischer Historiker behauptet, es habe nach wissenschaftlichen Erkenntnissen ca. 200 000 bis 300 000 jüdische Kriegsopfer gegeben, gestorben an Seuchen und natürlicher Altersschwäche, manche „Wissenschaftler“ sprächen sogar nur von 5000 Opfern. Meine Damen und Herren, 5000 Opfer, das ist eine Zahl, welche SS-Einsatzgruppen mühelos an einem einzigen Tag erreichten. Originalton Himmler: „Von Euch werden die meisten wissen, was es heißt, wenn 100 Leichen beisammenliegen, wenn 500 daliegen oder wenn 1000 daliegen. Dies durchgehalten zu haben, und dabei – abgesehen von Ausnahmen menschlicher Schwächen – anständig geblieben zu sein, das hat uns hart gemacht.“ Zitatende.

In dieser Posener Rede Himmlers, die im Originalton überliefert ist, ist m.E. alles enthalten, was man über diese Ideologie, die sich „Nationalsozialismus“ nannte, wissen muss. Ich weiß nicht, wie viele Neonazis sich schon einmal die Mühe gemacht haben, diese Rede zu lesen oder sich anzuhören. Wer auch nach Kenntnis ihres Inhaltes immer noch nicht geheilt ist, kann nicht mehr als zurechnungsfähig bezeichnet werden.
Die deutsche und europäische Tragödie haben wir niemand anderem zu verdanken als der schwarzmagischen SS und ihrer mörderischen Totenkopfreligion.

Und wer insgesamt nach diesen eindeutigen und nachprüfbaren Informationen immer noch Rechtsextremist oder Neonazi bleiben möchte, dem ist nicht zu helfen. Er muss sich dann aber im Klaren sein, dass er sich selbst aus jeder Gemeinschaft ausschließt, in der Menschlichkeit und Menschenrechte gelten!

Es ist völlig unfassbar, dass erwachsene und oft sogar studierte Leute uns Kindern und Jugendlichen gegenüber eine Generation nach Kriegsende die krankhaft-verbrecherischen Inhalte dieser menschenverachtenden Ideologie und ihre Leitbilder als vorbildlich und nachahmenswert darstellten.

Mutterleib:

Verehrte Damen und Herren, genug von den lebensgefährlichen Parolen bezüglich Volk und Vaterland, Blut und Boden!

Ich nenne den Leib eines Menschen Mutterleib, weil man ihn von seiner Mutter hat. Der Anteil des Vaters ist bekanntlich mikroskopisch klein. Auch die Mühen der Entstehung sind unproportional verteilt. 2 oder 20 Minuten Spaß im Vergleich zu 9 Monaten Sorge und Last plus die Geburtsschmerzen und die anschließende jahrelange intensive Betreuung.

Mein Vaterland kann ich nur durch die Sinne meines kostbaren Mutterleibes wahrnehmen. Dem Vaterlande diene ich absolut nicht, wenn ich meinen Mutterleib sinnloserweise physischen Gewalten aussetze, gegen die zu kämpfen er nicht geschaffen ist. Wir haben nur einen Mutterleib, und der ist gedacht für Lust und Liebe, Geist und Kreativität, Musik und Tanz und nicht für Bomben und Granaten! Vor allem ist er nicht dazu da, der unersättlichen Gier von Kriegsprofiteuren oder dem unerträglichen Hass und Wahnsinn von Fanatikern und Aufhetzern geopfert zu werden! Er ist nicht dafür da, unter Missachtung der seelischen Bedürfnisse abgerichtet und dressiert zu werden, um dann einem Wahnsinn, der sich Heldentum nennt, ausgeliefert zu werden. Oder haben die Männer vielleicht doch einen Gendefekt? Steht bei ihnen an der Stelle in der DNS-Struktur, wo „Lust und Liebe“ stehen sollte, anstatt dessen „Frust und Hiebe?“ Bei der massiven Neigung patriarchalischer Männergesellschaften zu literarisch-religiös verherrlichten Massen(selbst)mordphilosophien kommt dieser Verdacht schon auf. Dies sollte vielleicht mal wissenschaftlich untersucht werden, bevor es ganz zu spät ist. Hätten jedenfalls Frauen und Mütter in Deutschland die Macht gehabt, dann hätten sie mit Sicherheit nicht ihre liebevoll und in zärtlichster Fürsorge aufgezogenen Kinder nach Polen, Russland oder in jüdische Wohngebiete geschickt, um die Kinder der dortigen Mütter tot zu schießen!

Dieser kostbare Mutterleib, in Liebe, Lebenslust und tiefstem Gottvertrauen gezeugt, – jedenfalls wenn es gemacht wurde, wie es sein soll, – bietet unserer himmlischen Seele ein irdisches Zuhause und gibt uns die Möglichkeit, all die großartigen Erfahrungen zu machen, die das wahre Menschsein hier auf dieser wundervollen Erde mit sich bringt.

Auch Adolf Hitler und Heinrich Himmler waren mal kleine Jungs. Waren es aber auch lebenslustige, vom Herzen her fröhliche Kinder? Wann und wie sind diese mutterleibfeindlichen Ideen in sie eingedrungen? Wer oder was war dafür verantwortlich, dass ihre weibliche, kindliche Seite, ihre Seele, so gefühllos und lieblos wurde und aufnahmebereit für derart dunkle und zerstörerische Vorstellungen?

Nur eine Wissenschaft, die uns genau Aufschluss gibt über die Zusammenhänge und die Wechselwirkungen zwischen der geistigen, der körperlichen und der seelischen Ebene und deren jeweiliger Einbindung in die Geistige Welt und das lebendige Ganze, kann uns hier weiterhelfen. Die Antwort, die ich für mich gefunden zu haben glaube, lautet: Wenn wir zur Welt kommen, besteht zur Mutter lebenslang auch nach Abtrennung der Nabelschnur eine unsichtbare und schützende geistig-seelische Verbindung. Wenn diese stark und gesund ist, bewahrt sie uns Kinder vor schlimmen Verletzungen und Unglücken und später vor lebensfeindlichen Einstellungen. Entscheidend ist hier aber das Selbstbewusstsein der Mutter und ihre eigene aktive Verbindung zum Bewusstsein der lebendigen Mutter Erde, der Kindergöttin Gaia, wie ich sie nennen möchte.

Sämtliche patriarchalischen Herrschaftssysteme in der Geschichte der Menschheit haben auf unterschiedliche Art und Weise immer wieder versucht, diese zwei lebenswichtigsten Verbindungen, zwischen Mutter und Kind und zwischen der Frau und der Lebensquelle Mutter Erde sowie ihre natürliche bestimmende Rolle in der Familie, zu schwächen oder am besten ganz zu unterdrücken. Die „nationalsozialistische“ Jugenderziehung und ihre gesteigerte Perversion, der mörderische und selbstmörderische SS-Männlichkeitswahn und seine Totenkopfreligion, waren die letzte konzentrierte Anstrengung dieser Kräfte, die totale Macht zu erobern, um die Erdgöttin Gaia, deren Kinder wir sind, endgültig zu beherrschen. Dies ist zum Glück, aber unter großen Opfern verhindert worden. Wenn wir jetzt die richtigen Lehren daraus ziehen, haben wir eine Chance, das lust- und liebefeindliche, kriegslüsterne Patriarchat (History – His Story) hinter uns zu lassen, um endlich in die friedvolle Ära der Göttin (Her Story), das Wassermannzeitalter, zu gelangen, wenn Sie mir diese mehr esoterische Sichtweise der dargestellten Thematik erlauben wollen.

Biographie / Eigene Taten:

Liebe Freunde, im jetzt folgenden mehr persönlichen Teil meines Referats möchte ich kurz zu ein paar Schwerpunkten meiner Geschichte Stellung nehmen, die für Sie und unser Thema von Interesse sein dürften.
Wer sich darüber hinaus aus irgendwelchen Gründen für Einzelheiten meiner Biographie oder meiner früheren Aktivitäten interessiert, kann das Buch von Yury Winterberg, im Lübbe-Verlag erschienen, konsultieren oder sich auch persönlich an mich wenden.

Bundesrepublik Deutschland:

1977 habe ich als Wehrpflichtiger das Bundeswehrgelöbnis verweigert: „Ich gelobe, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen!“ Meine Begründung war, dass ich nicht einem Staat treu dienen kann, der unter Verletzung des Selbstbestimmungsrechtes meines Volkes, dessen Rechte und Freiheit ich tapfer verteidigen soll, entstanden ist. Heute haben wir eine völlig andere Situation. Deutschland ist wieder eine Einheit, wir haben einen Friedensvertrag und die Besatzungstruppen sind abgezogen. Die Verluste, die wir seit 1914 erlitten haben, sind zum größten Teil fahrlässig oder absichtlich selbst verschuldet. Aufgrund dieser schmerzhaften historischen Lektionen profitieren wir heute aber alle von den hohen rechtlichen, ökonomischen und humanitären Standards, die unsere entwickelte Zivilgesellschaft ausmachen, um die uns nicht wenige in der Welt beneiden. Wir haben viele gute Freunde in aller Welt und die große Chance, uns dieser Freundschaft und Bewunderung würdig zu erweisen. Es lohnt sich, für unser Land und unsere freiheitliche Wirtschafts- und Rechtsordnung einzutreten und die Lehren aus unserer Geschichte ernst zu nehmen!

Verräter:

Für die rechtsradikale Szene bin ich heute selbstverständlich ein Verräter. Verräter am deutschen Volk sind aber in Wirklichkeit diejenigen, die es unter völliger Missachtung von Menschen- und Völkerrecht in diese beispiellose Katastrophe gestürzt haben und jene sogenannten Nationalen, die bis heute nichts daraus gelernt haben und immer noch junge Menschen hemmungslos mit diesem geistigen Gift des sog. Nationalsozialismus infizieren, der in Wahrheit das genaue Gegenteil eines gesunden Patriotismus war und mit „Sozialismus“ schon rein gar nichts zu tun hatte.

Liebe Freunde, bei all diesen zugegebenerweise harten, aber m.E. doch notwendigen Worten wollen wir nicht vergessen, wie viele der damals Lebenden in Schicksalsumstände hineingezwungen wurden, die sie selber niemals freiwillig gewählt hätten, und wie viele von ihnen bis zuletzt immer nur an eine gute und gerechte Sache geglaubt und dafür ihr Leben, ihre Gesundheit und ihr Hab und Gut geopfert haben oder aber mit dem Verlust von liebsten Familienangehörigen, Bekannten und Freunden bestraft wurden. Sie brauchen selbstverständlich weder in mir noch in irgend jemand anderem einen Lehrmeister und Richter, denn sie haben ihre Lektionen auf die bitterste und schmerzvollste Art und Weise lernen müssen, die sich denken lässt. Nach dem Kriege waren sie es, die in geduldiger und entbehrungsreicher Arbeit in beiden Teilen des übrig gebliebenen Deutschland retteten, was noch zu retten war und die Grundlagen schufen für das Leben der Generationen nach ihnen.

Neonazis:

Liebe Freunde, so ein Neonazi ist ja auch nur ein Mensch wie jeder von uns, nur dass er auf der falschen Spur läuft, allerdings auf einer sehr gefährlichen. Bei den festgefahrenen Ansichten, die er hat: Wie will man den beeindrucken? Vorschlag: Man nehme eine Beißzange und zwicke ihm nur 5 Sekunden vorsichtig in eine Hand. Er wird einen kleinen Schmerzensschrei von sich geben. Dann sagt man zu ihm: „Nur damit Du ungefähr weißt, was es bedeutet, wenn Du vom „Heldentum an allen Fronten“ erzählst. Das war jetzt nur wie ein Minigranatsplitter. Hast Du Lust auf mehr?“ Wirkt vielleicht besser als KZ-Filme anschauen lassen.

Die Neo-Nazis glauben, sie wären noch die einzigen echten Patrioten in Deutschland. Die Wahrheit ist genau umgekehrt: sie sind die einzigen, die mit Sicherheit keine Patrioten sind, sondern eine Schande für das wahre, das humanistische Deutschland! Die Themengebiete, mit denen sie in doch eher naiven Bevölkerungskreisen zu punkten versuchen, betreffen ja tatsächlich z.T. real existierende Probleme oder Phänomene in unserem Land. Aber da sind diese hemmungslosen Geschichtsfälscher und Gewaltverherrlicher nun die Allerletzten, denen man bei der Lösung dieser Probleme auch nur die geringste Verantwortung übertragen dürfte. Bei der entwickelten Zivilgesellschaft, die wir heute sind, wird dies auch niemals wieder geschehen.

Ich halte ein Verbot der NPD als älteste Neonazi-Organisation und Sammelbecken mit Identifikationscharakter für absolut notwendig und gerechtfertigt. Die Strategie des Bundesamtes für Verfassungsschutz einer Direktansprache von Jugendlichen, bevor sie Straftaten begehen oder sich noch mehr radikalisieren, halte ich für vielversprechend und wirksam.

Ich möchte hier ausdrücklich betonen, dass es mir bewusst ist, dass man die Angehörigen der rechten politischen Szene nicht über einen Kamm scheren kann. Diejenigen, die sich durch meine Ausführungen zu Unrecht in eine falsche Ecke gestellt sehen, fordere ich aber hiermit auf, zu meiner Argumentation ernsthaft Stellung zu beziehen und sich eindeutig von dem nationalistischen Gift in allen seinen Erscheinungsformen zu distanzieren!

Banküberfälle:

Viele Leute sind zu Recht der Meinung: man kann ja radikale politische Ansichten vertreten, deswegen muss man aber nicht gleich Bomben legen und Banken überfallen. Dazu möchte ich Ihnen folgendes erläutern:

1981/82 gingen in Deutschland Hunderttausende auf die Straßen, um gegen die NATO-Nachrüstung und die Stationierung weiterer Atomraketen in unserem Land zu protestieren. Viele von diesen Menschen hatten vorher noch nie an einer politischen Demonstration teilgenommen. Diese aufgeheizte Atmosphäre hielten wir für äußerst günstig, um mit der legalen politischen Organisation, deren Gründung wir für das Jahr 1983 geplant hatten, so schnell als möglich an die Öffentlichkeit zu treten. Schließlich hatten wir uns, wie wir überzeugt waren, von dem Müll unserer alten Weltanschauung getrennt und betrachteten uns als eher linksgerichtete Nationalrevolutionäre mit der Bereitschaft, mit allen progressiven Kräften zusammen zu arbeiten, die grundsätzlich die gleichen Ziele hatten. Dazu gehörten in erster Linie die Befreiung von der amerikanischen Vorherrschaft in Europa und der Kampf gegen die gefährliche Aufrüstungspolitik der USA. In diesem Zusammenhang betrachteten wir die Aktivisten der RAF durchaus als Vorbilder, allerdings waren wir der Meinung, dass sie niemals Rückhalt in der breiten Bevölkerung finden würden, weil erstens ihre politchinesischen Erklärungen kaum jemand verstand und zweitens sie aus ideologischen Gründen nicht erkannt hatten, dass sie das patriotische Thema, d.h. der Kampf um die Einheit Deutschlands, hätten besetzen müssen, um erfolgreich zu sein. Diese Lücke wollten wir mit unserem neuen politischen Programm schließen.

Da wir mit diesem aufgrund der günstigen Situation so schnell und so professionell als möglich an die Öffentlichkeit treten wollten, brauchten wir entsprechende Geldmittel. Vorbild waren uns dabei die Sandinisten in Nicaragua, die wir als links, patriotisch und antiamerikanisch einstuften. Auch die Sandinisten hatten ihre Revolution u.a. mit Banküberfällen finanziert nach dem Motto: „Das Geld des Volkes für die Sache des Volkes!“ So besorgten wir im Laufe des Jahres 1982 durch Banküberfälle das nötige Geld, um im nächsten Jahr, 1983, unsere neue politische Organisation mit Büros in den größten deutschen Städten zu gründen.

Als der Anführer der Sandinisten, Daniel Ortega, in Nicaragua nach deren Machtübernahme Präsident geworden war und seinen Antrittsbesuch bei der englischen Queen absolvierte, soll er sich für die Banküberfälle auf die „Bank of England“ in Managua entschuldigt haben. Soviel ich weiß, hatte sich die Queen nicht geweigert, ihm einen gebührenden Empfang zu bereiten. Er hatte nichts anderes gemacht als wir: Banküberfälle und Bombenanschläge auf die US-Armee. (Humorvoll gemeinte Anmerkung: Präsident kann ich also noch werden…, nur nicht vielleicht in Deutschland, da gelten strengere Sitten, aber das ist auch gut so, denn wir sind schließlich keine „Bananenrepublik“!)

Bombenanschläge:

Bei unseren Bombenanschlägen verhält es sich etwas anders. Ich hatte nie an den Erfolg einer terroristischen Strategie geglaubt. Gerade die RAF war das beste Beispiel dafür. Selbst mit einer professionellen Struktur und einer konspirativen Unterstützerszene, besten Verbindungen ins Ausland und ein paar Dutzend zu allem entschlossener Aktivisten, war sie trotz einer Reihe schwerster Anschläge auf oberster politischer und militärischer Ebene nicht in der Lage, den Staat wirklich ins Wanken zu bringen.

Aufgrund der NATO-Nachrüstung gab es in diesen Jahren verstärkt Anschläge der RAF und der Revolutionären Zellen gegen die US-Armee. Ein Teil unserer Gruppe, zu dem ich nicht gehörte, begann ohne Absprache in Eigeninitiative, mit primitiven Mitteln Brandanschläge auf PKWs von Angehörigen der US-Streitkräfte zu verüben, die nur Sachschaden verursachten. Diese hatten wider Erwarten eine so große Schockwirkung, dass amerikanische Kommentatoren sogar den Abzug ihrer Soldaten aus Deutschland forderten, wenn die deutschen Sicherheitsbehörden nicht in der Lage wären, diesen Terror zu stoppen. Denn es war eine neue Qualität des Terrors: Die RAF griff nur ausgewählte Ziele auf höchster Ebene an, die man mit einem gewissen Aufwand besser schützen konnte als vorher. Die Revolutionären Zellen und andere linksautonome Gruppen versuchten bei ihren Aktionen erklärtermaßen, jede Personengefährdung auszuschließen. Jetzt aber wurden auf unterster Ebene Wohngebiete der US-Soldaten angegriffen und diese samt ihren Familien verunsichert, die man in ihrer Masse nicht so einfach beschützen konnte. Aufgrund dieser Aufregung entschlossen wir uns als gesamte Gruppe, einmalig einen Mehrfachanschlag nach dem Vorbild der IRA auf die US-Streitkräfte zu verüben. Ausgerechnet in meinem Fall wurde ein US-Soldat schwer verletzt. Er musste 2 Wochen im Krankenhaus verbringen und war nach 4 Wochen wieder im Dienst, musste aber Nachbehandlungen über sich ergehen lassen. Für diese Tat, die mir menschlich sehr leid tut, wurde ich zu 9 Jahren Haft verurteilt. Wir hatten großes Glück gehabt, dass nicht noch Schlimmeres passiert war!

Gefängnis – Rechtsstaat:

Für meine Taten wurde ich in 3 verschiedenen Strafprozessen zu insgesamt fast 14 Jahren Haft verurteilt. Davon verbüßte ich knapp 10 Jahre. Anders als oft behauptet wird, wurde ich niemals vor Ablauf von 2/3 der Strafe aus dem Gefängnis entlassen, was bei guter Führung der Normalfall ist. Ich habe auch nur ein einziges Mal als Hauptzeuge gegen einen ehemaligen Kameraden ausgesagt. Dieser wollte uns 1982 den Sprengstoff für den geplanten schweren Anschlag in Berlin-Spandau liefern. Mit meiner Aussage wollte ich vor allem verhindern, dass mit seinen Sprengstoffvorräten andere Menschen als Täter sich schuldig machen oder als Opfer zu Schaden kommen würden. Einen Strafnachlass oder eine Hafterleichterung erhielt ich wg. dieser Aussage nicht. Der Betroffene selbst hat dann einige Jahre später seine noch unbekannten Sprengstoffdepots freiwillig der Polizei übergeben, weil auch er eingesehen hatte, dass damit nichts Positives zu erreichen war. Vielleicht hat aber die Tatsache, dass er durch meine Aussage ins Rampenlicht der Öffentlichkeit und der Behörden geraten war, dazu beigetragen, dass er sich nicht mehr traute, Anschläge zu begehen oder für solche das Material zu liefern und schließlich dazu, dass er sich freiwillig davon trennte. Die vergleichsweise kurze Haftzeit, die er deswegen verbüßte, ist angesichts dessen, was bereits passiert war, aber vor allem was noch hätte passieren können, menschlich auf jeden Fall vertretbar.

Was meinen eigenen Aufenthalt im Gefängnis betrifft, kann ich sagen, dass ich durch keine andere Erfahrung mehr davon hätte überzeugt werden können, dass wir in einem Rechtsstaat mit sehr hohen menschenrechtlichen und humanitären Standards leben. Ich wurde von den Justizbeamten in allen Haftanstalten immer anständig und korrekt behandelt. Das gleiche gilt für die BKA- bzw. LKA-Beamten, mit denen ich zu tun hatte! Ich kann aus eigener Erfahrung behaupten: Jeder bekommt in unserer Justiz eine Chance, wenn er sie wirklich nutzen will!

DDR/MfS:

Viele Leute haben sich gefragt, wie ich zu einer Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Staatssicherheit der DDR gekommen bin. Nach meiner Rückkehr aus dem Libanon im Juni 1981 war ich bis Mitte Dezember 1981 in Haft. Nach meiner Entlassung versuchten mich obskure Leute aus der Neonazi-Szene anzuwerben für schwere terroristische Anschläge gegen die DDR und das MfS. Diese Leute behaupteten, mit dem BND in Kontakt zu stehen. Diese versuchte Anwerbung erfolgte „konspirativerweise“ mit der normalen Post, die bei mir mit Sicherheit überwacht wurde. Was sollte ich von so einem Schwachsinn halten? Entweder sollte ich in eine Falle gelockt werden oder die Absender waren nicht zurechnungsfähig. Durch mein Zusammentreffen auch mit marxistischen PLO-Aktivisten im Libanon und meiner beginnenden Abwendung vom sog. Nationalsozialismus hatte sich meine Einstellung zur DDR, zur Sowjetunion und allgemein zum Kommunismus entscheidend verändert. Zusammen mit anderen gleichgesinnten Kameraden betrachteten wir die DDR nicht mehr als Feind, sondern sogar als das bessere Nachkriegsdeutschland. Wir definierten uns nicht mehr als Neonazis und Antikommunisten, sondern als anti-imperialistische Nationalrevolutionäre, für die einzig und allein die Sowjetunion und mit ihr die DDR als Bündnispartner in Frage kamen im Kampf gegen die amerikanische Hegemonialpolitik in Europa.

Deshalb setzte ich mich spontan in den Zug nach West-Berlin, fuhr mit der U-Bahn nach Ost-Berlin und mit dem Taxi direkt zum MfS. Dort wurde ich von 2 überaus sympathischen Mitarbeitern empfangen, denen ich den Grund meines Kommens erklärte. Ich sagte, dass ich mit diesen angeblichen oder tatsächlichen Plänen auf keinen Fall etwas zu tun haben wollte, wer auch immer dahinter stecken sollte. Die MfS-Mitarbeiter bedankten sich und fragten mich, ob ich bereit wäre, ihnen in dieser Angelegenheit ggf. weitere Informationen zu liefern und ob ich dafür Geld haben wollte. Ich erklärte mich dazu bereit, wollte aber ausdrücklich kein Geld, weil ich aus ehrlicher Überzeugung angereist war. So kam es im Laufe des Jahres 1982 zu 3 oder 4 Treffen in Ost-Berlin, in denen ich über Neuigkeiten berichtete, ohne allerdings nur ein einziges Wort zu verlieren über die illegalen Aktivitäten unserer inzwischen gebildeten Aktionsgruppe. Diese Tatsache des Verschweigens bedauere ich bis heute, denn andernfalls wäre mir, meiner Familie und anderen Betroffenen einiges erspart geblieben!

Nach dem Auffliegen unserer Gruppe im Februar 1983 konnte ich mich mit unwahrscheinlichem Glück nach Ost-Berlin retten. Die für mich zuständige MfS-Abteilung hatte nun ein riesiges Problem am Hals. Durch meine glaubwürdige Zusammenarbeit in der anderen Angelegenheit hatte ich einige Pluspunkte auf dem Habenkonto. Aber durch mein Verschweigen unserer schweren Straftaten gegen die Interessen der BRD und der USA bestand die Gefahr, dass mein Aufenthalt in der DDR und meine vorherige Zusammenarbeit mit dem MfS zu einem skandalösen Politikum mit unabsehbaren Folgen werden könnten. Trotz dieses Risikos entschied sich die Führung des Ministeriums für Staatssicherheit dafür, mir zu helfen. Ich möchte sogar so weit gehen und behaupten, dass das MfS mir dadurch das Leben gerettet hat. Denn ich weiß nicht, was geschehen wäre, wenn ich vor meiner längeren Haftzeit nicht die Gelegenheit gehabt hätte, Abstand zu gewinnen und in Freiheit lebenswichtige Erfahrungen zu machen, um die anschließende Isolation halbwegs gesund zu überstehen. Nach ca. 6 Monaten konspirativen Aufenthalts verließ ich die DDR gemäß gemeinsam festgelegtem Plan in Richtung Naher Osten.

Es waren nicht meine ehemaligen Jugenderzieher, sondern Mitarbeiter des MfS, mit denen zusammen ich das erste Mal ein ehemaliges Konzentrationslager besuchte und einen Eindruck von der Unmenschlichkeit solcher Einrichtungen gewann. Mein damaliger Führungsoffizier und seine Kollegen setzten sich in langen geduldigen Gesprächen mit meiner bisherigen Weltanschauung auseinander. Ich war beeindruckt von ihrer hohen humanistischen Bildung und ihrer unwiderlegbaren marxistischen Geschichtsanalyse. Ich las das Kommunistische Manifest und war erstaunt, dass es, anders als ich es durch die Nazipropaganda in Erinnerung hatte, ein Dokument des Humanismus und der wissenschaftlich überzeugenden Analyse des kapitalistischen Systems und seiner zyklischen Kriegsnotwendigkeit war. Ich las Bücher über den antifaschistischen deutschen Kundschafter in Japan Richard Sorge, der Russland – leider vergeblich – vor dem deutschen Überfall gewarnt hatte, sowie Bücher von ehemaligen Hitlerjungen oder Parteigenossen, die nach dem Krieg zu überzeugten Sozialisten und Kommunisten geworden waren. Die MfS-Mitarbeiter erklärten mir, dass sie meine Handlungsmotive zwar nachvollziehen konnten, lehnten aber unsere Aktionen strikt als anarchistisch und schädlich für den berechtigten antiimperialistischen Kampf ab. Sie bewiesen dies durch historische Beispiele von anarchistischen Gewalttaten aus der Zeit vor der Oktoberrevolution, die nur der konterrevolutionären Repression und der verstärkten Verfolgung der organisierten Partei der Arbeiter und Bauern gedient hatten.

Schnell wurde mir klar, auf welch illusionärem Holzweg wir uns befunden hatten. Beeindruckt durch viele Ausflüge an historische Stätten in der DDR und immer mehr überzeugt von der politisch-historischen Sichtweise meiner Gastgeber und angetan vom Auftreten der Freien Deutschen Jugend FDJ, wurde mir der ostdeutsche Staat endlich zu dem Vaterland, zu dem ich mich anders als in Westdeutschland aktuell bekennen konnte. Die Schaffung der Deutschen Demokratischen Republik war und ist für mich der historisch mehr als berechtigte Versuch aufrechter deutscher Kommunisten und Humanisten, eine gerechte gesellschaftliche Form des Sozialismus aufzubauen und alles dafür zu tun, den Frieden zu erhalten und ein Wiederaufleben des Tod und Verderben bringenden Faschismus unter anderer Flagge mit allen Mitteln zu verhindern.

Die meisten haben heute vergessen, dass die deutsche Teilung keine Idee der Sowjetunion war, sondern der Westalliierten, die bekanntlich gerne die Dienste von nützlichen Alt-Nazis und Antikommunisten in Anspruch nahmen. So ist der BND nach dem Kriege aus einer ehemaligen Nazi-Spionageorganisation hervorgegangen. Viele Alt- und Neonazis, die sich in Westdeutschland frei bewegen konnten, haben von Anfang an auch mit der Hilfe von westlichen Geheimdiensten versucht, den Aufbau der jungen DDR mit allen Mitteln zu sabotieren. Gegen diese subversive Untergrundtätigkeit, die hohen Schaden anrichtete, wurde das Ministerium für Staatssicherheit gegründet, und nicht umgekehrt! Aus dem gleichen Grunde war es unvermeidbar, die innerdeutsche Grenze hermetisch abzuriegeln.

Wenn es wie die Gauck- oder Birthler-Behörde für die Stasi-Unterlagen auch eine Behörde für die BND-Unterlagen gäbe, möchte ich nicht wissen, was da alles ans Tageslicht käme! Angesichts der Alt- und Neonazi-Umtriebe, die im Gegensatz zur DDR in der alten Bundesrepublik möglich waren und bekanntlich nicht wenige Opfer kosteten, erscheint die einseitige Verleumdung der ehemaligen DDR als Unrechtsstaat als äußerst fragwürdig, historisch unhaltbar und eher als Erfolg fortgesetzter Nazipropaganda. In der DDR gab es keine Aufmärsche von SS-Traditionsverbänden und keine Literatur, die deren Untaten auch noch verherrlichte! Wie viele Jahrzehnte seit den Anfängen der Bundesrepublik konnten sich Alt- und Neonazis in West-Deutschland frei bewegen, unzählige Organisationen gründen, öffentliche Ämter begleiten und ihre revanchistische Schundliteratur verbreiten und damit die Köpfe junger Menschen vergiften? Das hat es in der DDR nicht gegeben!

In der DDR wäre ich kein Terrorist geworden und viele andere auch nicht! Wie viele rechte Militärdiktaturen hat die BRD-Rüstungsindustrie in Mittel- und Südamerika und in der Dritten Welt gegen die dortigen Befreiungsorganisationen am Leben erhalten? Wie viele Alt-Nazis waren daran mit Wissen und womöglich Unterstützung einschlägig bekannter BRD-Behörden beteiligt? Wie viele Opfer hat dies verursacht? Wie viele Menschen starben durch Waffen und Munition, die in Westdeutschland hergestellt wurden? Jedenfalls unendlich viel mehr als an der innerdeutschen Grenze! War nicht unter anderem genau dieser Umstand ein wesentlicher Grund für die Entstehung der RAF??? Ich finde es mehr als erstaunlich und bezeichnend, dass diese Zusammenhänge heute in der öffentlichen Diskussion unisono unterschlagen werden.

Die äußere Form der DDR existiert zwar nicht mehr. Das Scheitern des Versuchs, eine gerechte sozialistische und friedliebende Gesellschaft auf deutschem Boden aufzubauen, ist aber m. E. genau wie die Problematik der ehemaligen innerdeutschen Grenze nicht auf den Mangel an gutem Willen der DDR-Führung, sondern bekanntlich auf internationale Zusammenhänge und Entwicklungen zurückzuführen. Dennoch waren die Anstrengungen und Opfer der von den Nazis – was auch viele vergessen – grausam dezimierten Kommunisten nicht umsonst gewesen! 40 Jahre wurde der Frieden erhalten und den revanchistischen Bestrebungen von Alt- und Neonazis erfolgreich ein Riegel vorgeschoben.

Der in dieser Zeit in der DDR herangebildete demokratisch-humanistische und antifaschistisch aufgeklärte Bürgergeist ist fester Bestandteil unserer heutigen gesamtdeutschen Zivilgesellschaft geworden. Das gewaltlose Ende der DDR ist der beste Beweis für die grundsätzlich friedliche und humanistische Ausrichtung der ehemaligen DDR, ihrer Parteien und Organe. Wenn man diese Tatsachen in einer historisch korrekten und gerechten Analyse berücksichtigt, stehen die DDR und das Ministerium für Staatssicherheit im Vergleich zu ihren westlichen Entsprechungen in einem Lichte da, vor dem sie sich nicht zu verstecken brauchen!

Epilog:

Das Wunder von Bern

Zum Schluss: 1954, nur 9 Jahre nach der größten und grausamsten Katastrophe in der Menschheitsgeschichte vollbringen gerade mal zwei Dutzend deutsche Sportsfreunde das uns allen bekannte sog. Wunder von Bern und zeigen der Welt damit, wie man mit friedlichen und fairen Mitteln zu berechtigter Geltung und Anerkennung kommen kann. Die Helden von Bern, und hier möchte man das Wort Helden in sportlicher Hinsicht gerne gelten lassen, haben damit nicht nur dem deutschen Nachkriegswirtschaftswunder einen entscheidenden emotionalen Schub gegeben, indem sie den geschlagenen und demoralisierten Überlebenden neuen Mut und Selbstachtung vermittelten, sondern der Welt vor allem das wahre Gesicht des deutschen Volkes gezeigt, das von den sog. Nationalsozialisten in so beschämender Weise verunstaltet wurde. Und dieses wahre Gesicht wird mit keinen anderen Worten besser zum Ausdruck gebracht als: Völkerfreundschaft, Frieden, Wahrheit und Menschlichkeit. Ich danke Ihnen!

9 Gedanken zu “Odfried Hepp: Vaterland und Mutterleib – Von lebensgefährlicher Indoktrination zur eigenen Erkenntnis

  1. Hallo Odfried,

    an dieser Stelle noch einmal recht herzlichen Dank für Deinen Beitrag und Zustimmung zur Grundaussage Deines Vortrages, insbesondere zu folgenden Feststellungen:

    (…) Für die rechtsradikale Szene bin ich heute selbstverständlich ein Verräter. Verräter am deutschen Volk sind aber in Wirklichkeit diejenigen, die es unter völliger Missachtung von Menschen- und Völkerrecht in diese beispiellose Katastrophe gestürzt haben und jene sogenannten Nationalen, die bis heute nichts daraus gelernt haben und immer noch junge Menschen hemmungslos mit diesem geistigen Gift des sog. Nationalsozialismus infizieren, der in Wahrheit das genaue Gegenteil eines gesunden Patriotismus war und mit „Sozialismus“ schon rein gar nichts zu tun hatte.

    (…) Die Neo-Nazis glauben, sie wären noch die einzigen echten Patrioten in Deutschland. Die Wahrheit ist genau umgekehrt: sie sind die einzigen, die mit Sicherheit keine Patrioten sind, sondern eine Schande für das wahre, das humanistische Deutschland! Die Themengebiete, mit denen sie in doch eher naiven Bevölkerungskreisen zu punkten versuchen, betreffen ja tatsächlich z.T. real existierende Probleme oder Phänomene in unserem Land. Aber da sind diese hemmungslosen Geschichtsfälscher und Gewaltverherrlicher nun die Allerletzten, denen man bei der Lösung dieser Probleme auch nur die geringste Verantwortung übertragen dürfte. (…)

    Ich halte ein Verbot der NPD als älteste Neonazi-Organisation und Sammelbecken mit Identifikationscharakter für absolut notwendig und gerechtfertigt. Die Strategie des Bundesamtes für Verfassungsschutz einer Direktansprache von Jugendlichen, bevor sie Straftaten begehen oder sich noch mehr radikalisieren, halte ich für vielversprechend und wirksam. (…)

    Woran zeigt sich dieser „gesamtdeutsche Zivilgesellschaft“ bzw. „aufgeklärte Bürgergeist“ konkret?

    Grüße

    Detlef

  2. Lieber Detlef,

    woran sich der „in der DDR herangebildete demokratisch-humanistische und antifaschistisch aufgeklärte Bürgergeist ist fester Bestandteil unserer heutigen gesamtdeutschen Zivilgesellschaft“ zeigt?

    Zum Beispiel darin, dass die Dresdener Bevölkerung beim diesjährigen Gedenktag der Zerstörung Dresdens den Neonazis keine Chance ließ, dieses alliierte Kriegsverbrechen, was es ohne jeden Zweifel war, für sich zu instrumentalisieren. Die Tür zur Hölle hatten die Nazis aufgestoßen. Die Dämonen, die sie damit einluden, ihr teuflisches Werk zu tun, kamen natürlich nicht nur aus Deutschland. Beim gebildeten Teil des deutschen Volkes werden die Neonazis bis in alle Ewigkeit keine Chance mehr bekommen. Und das ist meiner Überzeugung nach ein wesentliches Verdienst der antifaschistischen Geschichtsaufklärung der ehemaligen DDR!

    —–

    (Hallo Odfried, Danke für die Antwort. Inhaltlich stimme ich Dir zu. Nur meine ich, kann nicht pauschal von „Dresdner Bevölkerung“ gesprochen werden, denn diese enthielt sich wohl in ihrer Mehrheit jedweder Demonstriererei.

    Negativ ist, daß die „Dresden-nazifrei“-Bewegten die einstigen Opferzahlen immer mehr herunterrechnen und dazu meist noch leugnen, daß es sich um ein alliertes Kriegsverbrechen handelt oder mit Leute kooperieren, die das tun.

    Mit anderen Worten: Weder mit der perversen, neo-nazistischen Opferinstrumentalisierung noch dem offiziellen – und in deren Schlepptau „links“chaotischem – Gegenstück kann ich etwas anfangen.

    Beste Grüße, Detlef)

  3. Zitat Odfried Hepp:

    Der in dieser Zeit in der DDR herangebildete demokratisch-humanistische und antifaschistisch aufgeklärte Bürgergeist ist fester Bestandteil unserer heutigen gesamtdeutschen Zivilgesellschaft geworden. Das gewaltlose Ende der DDR ist der beste Beweis für die grundsätzlich friedliche und humanistische Ausrichtung der ehemaligen DDR, ihrer Parteien und Organe. Wenn man diese Tatsachen in einer historisch korrekten und gerechten Analyse berücksichtigt, stehen die DDR und das Ministerium für Staatssicherheit im Vergleich zu ihren westlichen Entsprechungen in einem Lichte da, vor dem sie sich nicht zu verstecken brauchen!

    Wie naiv muss man eigentlich sein, um zu einer derartigen Meinung zu gelangen?

    In der DDR herrschte ein militaristischer Geist, der die gesamte Gesellschaft vergiftete. Es gab ein Pflichtfach „Wehrerziehung“ an den Schulen, ein Zivilersatzdienst sowie die Möglichkeit zur Wehrdienstverweigerung wie in der BRD existierte überhaupt nicht.

    Die DDR-Lehrlinge mussten während ihrer Lehrausbildung eine vormilitärische Ausbildung im Rahmen der sog. „GST“-Organisation absolvieren.

    Das nur als ein ganz kleiner Ausschnitt zu dem von Herrn Hepp behaupteten „friedlichen Geist“ der DDR.

    —–
    (Hallo Michael, „friedlicher Geist“ und militärischer Schutz des Friedens resp. der heimischen Ordnung sind kein Widerspruch, alles andere wäre pazifistische Traumtänzerei. Ein anderes Thema ist, wie man die DDR an sich bewertet und hier ist Odfried als jemand, der in dieser nicht gelebt hat vermutlich positiv befangen bzw. immer noch der DDR-Propaganda aufgesessen und Du, der in der DDR negative Erfahrungen gesammelt hat, halt negativ.

    Beste Grüße, Detlef)

  4. Gegenfrage an Michael Baatz:

    Wie naiv und ahnungslos muss man sein in Bezug auf die Mittel, mit denen der menschenfeindliche Kapitalismus von Anfang an jeden Versuch, ein sozialistisches und humanistisches Gesellschaftssystem als menschenfreundliche und sozial gerechte Alternative aufzubauen, zu ersticken suchte, dass man die aus historischen Gründen mehr als bitter notwendige Erziehung zur wachsamen Wehrhaftigkeit gegen das kapitalistisch-imperialistische System mit seiner immanenten Kriegsprofitpolitik der Realität zum Hohn als „militaristisch“ bezeichnet??? Ansonsten siehe Anmerkung Nolde.

  5. Die DDR war ein Marionettenstaat der früheren Sowjetunion und ist untergegangen.

    Der „Warschauer Pakt“ als Militärbündniss verfolgte bis Mitte der 80iger Jahre die Strategie, den „Gegner auf seinem eigenen Territorium“ zu vernichten und hatte also keineswegs die Absicht, nur zu Verteidigungszwecken gegen einen Angriff gewappnet zu sein. Die Grenzanlagen der DDR waren z.Bsp. als militärische Wehranlagen kaum brauchbar.

    Die Argumentation von Odfried Hepp und Detlef Nolde entspricht der typischen Phraseologie des „Kalten Krieges“, der ebenfalls längst vorbei.

    Wenn es sich bei Nolde und Hepp um 80jährige ehemalige MfS-Obere oder berentete SED-Grössen handeln würde, könnte ich dieses „Weltbild“ zumindest menschlich verstehen.
    Deshalb – ein herzliches „Guten Morgen in der Gegenwart“.

    Ich habe übrigends nirgendwo behauptet, das die BRD pazifistisch wäre – insofern geht diese Gegenfrage völlig ins Leere.

    Was als militaristisch definiert ist, kann man im Wörterbuch nachschlagen.

    Ideologische Glaubensfragen sind für mich völlig belanglos.

    Zum Thema Ahnungslosigkeit: Die DDR hat nachweislich in den 70/80iger Jahren Waffen, Munition und Ausrüstung nach Äthopien, Mosambik, Angola geliefert.

    Wie „humanistisch“ und „menschenfreundlich“ die DDR angeblich war, bleibt immer eine Frage der jeweiligen Perspektive.

    Es ist aber geradezu lachhaft, die sang-und klanglose Kapitulation der DDR-Sicherheitskräfte im Herbst 1989 als Beweis für eine „humanistische“ Gesinnung anzuführen.

    Es war einfach reiner Opportunismus und Feigheit vor den Konsequenzen.

    Letztlich wusste doch damals jeder, das die DDR ohne das Eingreifen der Sowjet-Truppen verloren und zum Untergang verurteilt war. Dieser Staat war innerlich morsch und brach unter dem Druck von Demonstrationen zusammen – oder habt ihr das alles schon vergessen und verdrängt??

    Eine der Ursachen siehe hier: http://www.chronik-der-mauer.de/index.php/de/Media/TextPopup/id/593077/month/Oktober/oldAction/Detail/oldModule/Chronical/year/1989

  6. Aus meinem Referat dürfte klar und deutlich hervorgehen, dass ich mich voll und ganz zur heutigen Bundesrepublik Deutschland bekenne und dass ich davon überzeugt bin, dass wir Deutsche niemals in unserer Geschichte in einem Land mit größeren individuellen Freiheitsrechten und humanitären Standards gelebt haben. Bei allem, was man kritisieren kann und muss, darf man nicht vergessen, welchen politischen Persönlichkeiten und Parteien dies zu verdanken ist. Die friedlich untergegangene DDR hatte bei den gegebenen machtpolitischen Verhältnissen praktisch von vornherein keine Überlebenschance. Die Deutsche Einheit stellt für mich zunächst auch ein viel höheres Gut dar als alles andere. Die geistigen und politischen Einstellungen, die durch die hinzugekommenen ehemaligen DDR-Bürger in die gesellschaftliche Diskussion der erweiterten Bundesrepublik mit eingeflossen sind, haben sich aber schon deutlich bemerkbar gemacht und werden dies weiterhin tun. Ein rückwärtsgewandtes nostalgisches Nachtrauern ist Zeitverschwendung.

    Nach allem, was geschehen ist, bin ich der Überzeugung, dass die Regierung unter Helmut Kohl diese einzigartige historische Chance der Einheit, angesichts der zahlreichen Gegner der Einheit klugerweise auf Maximalforderungen verzichtend, durch geschicktes und zupackendes Handeln genutzt und dem Deutschen Volk vor allem in psychologischer Hinsicht eine akzeptable Basis geschaffen hat, um in Zukunft wieder als gleichberechtigter Partner in der Völkergemeinschaft mitwirken zu können. Auf noch besseren Konditionen (Thema Friedensvertrag usw.) zu bestehen und die 2+4-Verhandlungen dadurch zu verzögern oder zum Scheitern zu bringen, hätte den von der Entwicklung überraschten Gegnern der Einheit Gelegenheit gegeben sich zu formieren und die Einheit zu sabotieren.

    Nach der mit menschlichem Maß nicht fassbaren Katastrophe des II. Weltkrieges und seinen zwangsläufigen negativen Folgen ist diese glückliche Entwicklung meines Erachtens ein Geschenk der Götter für das Deutsche Volk und EUROPA und ein Sieg der Kräfte der Gerechtigkeit und der Positiven Kosmischen Ordnung gegen die Chaosmächte und naturgesetzlichen Feinde des uns heiligen deutschen Volksgeistes, zu welchem für mich die patriotischen deutschen Kommunisten und sozialistischen Nationalrevolutionäre viel mehr gehören als die damaligen oder heutigen sogenannten „Nationalsozialisten“ und Chauvinisten aller Couleur.

    Diese heutige Situation mit allen ihren positiven und negativen Aspekten gilt es nun mit frischem Mut weiter zu entwickeln. Über die tagespolitische Momentaufnahme hinaus ist dabei der geistig-weltanschauliche Blickwinkel auf den Kampf um die positiv-menschliche Weiterentwicklung und – wenn möglich – Vollendung der Schöpfung gegen den Widerstand der geistig-seelischen Widersacherkräfte der Chaosmächte nicht aus den Augen zu verlieren. In dieser unerbittlichen Auseinandersetzung gewinnt nämlich die Rolle des selbstbewussten Deutschen Volksgeistes mit seiner unbestechlichen und unbeirrbaren Wahrhaftigkeit und Geradlinigkeit zum Wohle der gesamten Menschheit ihre entscheidende spirituelle Bedeutung. Darüber sollten wir uns einig sein oder durch ernsthaftes Ringen um Wahrheit und Klarheit einig werden, dann haben wir sogar noch einmal die Chance, in einer Welt des sozialen und ökologischen Überlebenskampfes unter uns ein so hohes Gut wie die einstmals vorhandene herzliche Volksbrüderlichkeit zu verwirklichen, d.h. eine volksgemeinschaftliche Gesinnung und Lebensform anstatt seelenlosem Anonymkapitalismus mit computergesteuerten Menschen, die nur noch als Strichcodes mit wirtschaftlichem Wert oder Unwert verwaltet werden.

  7. Zur DDR: Sie war der historische Probelauf für eine lebenswerte deutsche Gesellschaft mit entmachteten Ausbeuterstrukturen, aber mit ungünstigen internationalen Rahmenbedingungen. Die Aufgabe besteht nun darin, Ernst zu machen für das ganze Deutschland und darum zu kämpfen, dass der deutsche Michel aufwacht zum alten Sozialistenbewusstsein „Alle Räder stehen still, wenn unser starker Arm es will!“ (Von der von der Industrie aufgekauften SPD schmählich verraten…) Ich halte z. B. die durch alle Reihen gehende Empörung über das der Finanzkrise zugrunde liegende profitgierige und rücksichtslose Verhalten der nationalen und internationalen Bank- und Industriemanager für ein bemerkenswertes Zeichen dafür, dass sich im trägen Volksbewusstsein etwas tut.

    Zur BRD: Immerhin hatte sich die Regierung unter Gerhard Schröder erfolgreich geweigert, den US-Angriffskrieg gegen den Irak zumindest offen zu unterstützen, aus patriotischer Sicht eine unter den gegebenen Umständen herausragende Leistung! Dies entsprach doch auch dem tatsächlichen Mehrheitswillen des deutschen Volkes. Sein sonstiges Versagen in sozialpolitischer Hinsicht steht auf einem anderen Blatt. Aber die außenpolitische Linie, die er gefahren ist, zeugte doch von einem gesunden Maß an deutschem Selbstbewusstsein.

    Detlef, da wir beide selbst aufgrund unserer Vergangenheit darauf angewiesen sind, dass man uns außer mit vernichtender und übelwollender Kritik auch mit Wohlwollen und dem Zugeständnis ehrlicher und guter Absichten begegnet, müssen wir dies auch für andere politische Zeitgenossen gelten lassen, die ihre eigene liberale, grüne, christ- oder sozialdemokratische Sicht der Dinge haben und die genau wie wir Zwängen oder Irrtümern unterworfen sind oder waren, die ihr Denken und Handeln beeinflussten.

    Es kann sich nur etwas zum Positiven hin verändern, wenn sich im Bewusstsein der Leute etwas verändert und das ist nunmal ein langwieriger Prozess. Ich finde es nicht gut, die BRD pauschal negativ zu sehen, da machen wir uns nur unnötig selbst zu einer Sekte. Meine Verwandtschaft in Thüringen schimpft auch über manche zum Himmel schreienden Auswirkungen des BRD-Kapitalismus in ihrem Bereich (z.B. die Schließung von vorher profitablen DDR-Großbetrieben nach dem subventionierten Verkauf an Wessikapitalisten, die die Produktion gerade noch eine kurze Schamfrist lang weiterführten und dann mit neuen Maschinen und wertvollem DDR-Knowhow in den Westen desertierten), aber den gesamtdeutschen Reisepass will trotzdem keiner hergeben.

    Ja, ich bekenne mich voll und ganz zur heutigen BRD, das bedeutet für mich, dass wir dieses UNSERE Land eben nicht den internationalen Profitgeiern, Anonymkapitalisten und Kriegsgewinnlern überlassen, sondern darum kämpfen, dass der „Michel“ an Arbeiter- und gesundem patriotischen Selbstbewusstsein gewinnt und sich so seiner wahren Volksmacht bewusst wird. Nach der friedlich erkämpften äußeren Deutschen Einheit, soweit sie realistisch möglich war, stehen wir im Kampf um die innere, geistige Einheit Deutschlands trotz aller historischer Erfahrung immer noch bzw. wieder am Anfang, aber das ist unser Schicksal seit Jahrhunderten!

    Lassen wir uns aber niemals wieder dazu hinreißen, Menschen mit anderer politischer Gesinnung in unserem Land mit Verleumdung oder einer einseitigen, undifferenzierten Beurteilung entgegen zu treten. Etwas schlecht zu reden ist leicht, etwas besser zu machen ist unendlich viel schwerer. Ich setze mich mit ALLEN an einen Tisch, die guten Willens sind! Dies steht für mich höher als noch so große politische Meinungsverschiedenheiten. Andernfalls bekommen wir, wenn erst einmal die Krise dramatische Formen angenommen hat, was nicht völlig unwahrscheinlich ist, irakische Verhältnisse.

    In diesem Sinne können wir uns den Schweizer Rütli-Schwur zu Herzen nehmen:

    Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern,

    in keiner Not uns trennen und Gefahr.

    Wir wollen frei sein, wie die Väter waren,

    eher den Tod, als in der Knechtschaft leben.

    Wir wollen trauen auf den höchsten Gott

    und uns nicht fürchten vor der Macht der Menschen.

    In diesem Sinne herzliche Grüße,

    Odfried.

    —–

    (Hallo Odfried, Danke für Deine ausführlichen Kommentare und Ergänzungen. Ich sehe allerdings keinen Grund, den Imperialismus nicht so zu definieren, wie Lenin das tat. Demnach ist die BRD – da in hohem Maße monopolkapitalistisch organisiert, dabei global verflochten und an Kriegszügen für das Kapital beteiligt – ein imperialistischer Staat.

    Interessante Einblicke hat übrigens Jürgen Roth mit seinen Büchern gegeben.

    Daß „sich die Regierung unter Gerhard Schröder erfolgreich geweigert“ hat, „den US-Angriffskrieg gegen den Irak zumindest offen zu unterstützen“, ist meines Erachtens keine „unter den gegebenen Umständen herausragende Leistung“, denn sehr wohl hat man den Krieg des „großen Bruders“ mitgetragen, allein schon durch die Nutzung der hiesigen US-Militärstützpunkte.

    Hier kann man etwas über „Gerhard Schröders Anbiederung, ja Hechelei nach Kriegsbeteiligung in Afghanistan“ nachlesen, dort sind weitere seiner Lügen dokumentiert, auch bzgl. des Krieges gegen Jugoslawien und den Irak. Seine Rolle beim Abbau des als Schaufenster zur DDR aufgebauten BRD-„Sozialstaates“ dürfte ebenso bekannt sein.

    Stern, 17. Jan. 2006:

    Seinen Austritt aus der SPD nach 39-jähriger Mitgliedschaft bezeichnete Lafontaine im stern-Interview als „zwingend notwendig“. Schmerzhaft sei unter anderem für ihn gewesen, „wie die SPD-Genossen im Bundestag ihre Hände für völkerrechtswidrige Kriege hoben und damit in Kauf nahmen, dass Unschuldige gemordet und gefoltert würden“. Im Zusammenhang mit dem Irak-Krieg wirft Lafontaine der Schröder-Fischer-Regierung „Heuchelei“ vor, denn sie habe „beim Krieg doch mitgemacht“. Rot-Grün habe mit gespaltener Zunge geredet“ und „das Volk getäuscht“.

    Schröders „außenpolitische Linie“ zeigte sich also darin, daß die BRD alle Kriege der USA direkt und indirekt unterstützte. Dazu paßt seine „zweite Karriere“ des „Altkanzlers“: Im Dienste des Rothschild-Imperiums.

    Konform gehe ich mit Deiner Auffassung, daß man „Menschen mit anderer politischer Gesinnung in unserem Land“ nicht mit „Verleumdung oder einer einseitigen, undifferenzierten Beurteilung entgegen treten“ sollte, wie das einst die Nazis und Kommunisten taten und das leider bisweilen auch heuer üblich ist.

    Freundschaftliche Grüße

    Detlef)

  8. Grüß Dich Detlef Nolde,

    einige Punkte bei „unserem“ Hepp sind nicht ganz „koscher“; will es klar auf den Punkt bringen: Odfried Hepp scheint sich gerne bei (irgend?)einem „Großen Bruder“ anzulehnen, anstatt eigenständige Denkprozesse zu vertiefen und dann auch standzuhalten, ohne gleich vom jeweiligen Zeitgeist umgehaucht/umgeweht zu werden.

    Erst bei den pösen Rechten, dann bei der Stasi 1.0 hat er sich durch seine oben aufgeführten Selbstentblößungen längst als entweder (/oder auch!) Übernahme-Kandidat bei den „Rosenholz“-Dateien zum CIA (USA-NSA) „qualifiziert“ und dürfte entweder dort oder – durchgereicht zum hilfswilligen – Bundesamt für Verfassungsschmutz (des einstigen Spions Otto John) in Köln-Chorweiler auf der Soldliste stehen. Was die für „Leichen im Keller“ haben ist spätestens seit dem Taschenbuch eines ehemaligen Mitarbeiters vom BfV („Köln 4713“) oder der Geschichte mit dem „Celler Loch“ in Niedersachsen und – zuletzt öffentlich bekanntgeworden – der Kampfsportschule „Hak Pao“ in Solingen bei Köln, wo die späteren „Täter“ für das Ding in Remscheid, Obere Wernerstraße, mit Todesfolgen leider sogar „heißgemacht“ worden waren. Von einem einschlägig vorbestraften Mitarbeiter des Bundesamtes für Verfassungsschutz natürlich! Der zuständige Staatssekretär des Inneren, Hans Neusel, entblödete sich damals nicht, in eine WDR-Kamera dazu sein brennendes Interesse an der Legendrierung der Sache zu bekunden.

    Danke, ich kann jetzt unseren völkerfreundschaftenden Genossen Hepp noch besser einschablonieren, leider! – Bitte, achte auf Deine Freunde, dann brauchst Du keine Feinde, die Dich aufbauen und beischleifen bei Deiner eigenen Charakterverfeinerung.

    Dein oller Turbo.
    (Muß gerade eben mein verdammt schnelles Pferd besteigen, weil Wahrheit braucht sowas.)

    —–
    (Hallo Turbo, es ist Unsinn und sicherlich Deiner braun-ideologischen Positionierung zuzuschreiben wenn Du da meinst, daß Odfried Hepp „sich gerne bei (irgend?)einem „Großen Bruder“ anzulehnen“ scheint, „anstatt eigenständige Denkprozesse zu vertiefen und dann auch standzuhalten, ohne gleich vom jeweiligen Zeitgeist umgehaucht/umgeweht zu werden“, denn dafür sehe ich keine Anhaltspunkte. Dein Problem mit ihm dürfte vielmehr sein, daß er sich vom Neo-Nazismus losgelöst hat und öffentlich dazu steht. Im Gegensatz zu Dir („Norbert aus Köln“?) steht er mit seinem Klarnamen zu seiner Meinung, braucht sich also nicht hinter einem Pseudonym zu verstecken. Grüße, Detlef)

  9. Das intellektuelle und inhaltliche Niveau des obigen Beitrags mögen andere beurteilen. Er bietet mir jedenfalls einen willkommenen Anlass, zum Thema Behörden und Geheimdienste eindeutig Stellung zu beziehen:

    Anders als oft fälschlicherweise behauptet, war ich niemals Mitarbeiter oder Zuträger einer Bundes- oder Landesbehörde der Bundesrepublik Deutschland (BKA, LKA, BND, BAfVS, LAfVS, MAD etc.) oder eines westlichen Geheimdienstes. Ich habe mich auch zu keiner Zeit um einen solchen Kontakt bemüht! Richtig ist, wie in meinem Referat klar und deutlich geschildert, dass ich von 1982 bis 1985 aus vollster Überzeugung freiwillig mit dem Ministerium für Staatssicherheit MfS der ehemaligen DDR zusammengearbeitet habe, ohne dabei jemals meine eigene persönliche Überzeugung über Bord zu werfen. Außerdem hatte ich zwischen 1980 und 1985 Kontakt zum Geheimdienst der Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO.

    Auf Grund meiner in der Öffentlichkeit bekannten Vergangenheit und nicht zuletzt wegen meiner ausgeprägten eigenen politischen Überzeugung bin ich heute für egal welchen Geheimdienst völlig uninteressant und unbrauchbar.

    Ich habe nach meiner zu Recht verbüßten, zusammengerechnet fast 10-jährigen Haft, in der ich sowohl in Frankreich als auch in Deutschland von den Beamten der Justiz und der Polizei immer und ohne jede Einschränkung anständig behandelt wurde, an einer großen deutschen Universität ein Diplom in Angewandter Sprach- und Kulturwissenschaft erworben (Gesamtnote: sehr gut) inklusive einer juristischen Fachausbildung (Schriftliche Prüfung in Völker- und Europarecht, Note 1,0 / Mündliche Prüfung in Strafverfahrensrecht, Note 1,0). Meine Diplomarbeit (Note 1,3) habe ich bei einem anerkannten Professor für internationale Rechtsfragen geschrieben. Dies nur als informeller Hintergrund für meine im Folgenden nochmals in eindeutiger Form zum Ausdruck gebrachten heutigen Einstellung zu unserem Land, der Bundesrepublik Deutschland, zu seinem politischen System und seinen Behörden:

    Wie ich sowohl in meinem Referat als auch schon im Nachwort meiner Biographie von Yury Winterberg und ebenfalls in diesem Blog deutlich gemacht habe, stehe ich heute, ich wiederhole mich absichtlich, voll und ganz zur Bundesrepublik Deutschland und zu seiner Verfassung. Ich würde jederzeit mit jeder Bundesbehörde zusammenarbeiten, wenn es darum ginge, Straftaten gegen die Verfassung zu verhindern oder aufzuklären, auch mit dem BND, der heute mit dem BND von 1960 oder 1970 (Kalter Krieg usw.) nicht mehr zu vergleichen ist. Ich habe nicht nur die Mitarbeiter des MfS der DDR, sondern auch sämtliche Mitarbeiter der oben genannten Bundes- oder Landesbehörden, mit denen ich zwangsläufig zu tun hatte, als anständige, aufgeschlossene, demokratische und humanistische Menschen mit Niveau kennengelernt, die meisten von ihnen Familienväter oder auch Mütter ohne jede Rambo- bzw. James-Bond-Allüren oder ähnliches.

    Geheimdienstarbeit im extremistischen Milieu an vorderster Front ist ein schwieriges Geschäft, bei dem Fehleinschätzungen und Fehlschläge unvermeidlich sind. In jeder großen Organisation gibt es Fähige und Unfähige, schwarze Schafe und faule Eier oder Leute, die ihre Kompetenzen überschreiten. Das ist menschlich und nicht zu vermeiden, auch nicht beim Verfassungsschutz und ähnlichen Sicherheitsbehörden. Wenn der Kollege „Turbooverkill“ bei einer großen Firma arbeitet, bei der sich irgendwann herausstellt, dass 5% der Führungsleute korrupt sind und weitere 3% aus dem Internet kinderpornographisches Material heruntergeladen haben, bedeutet dies ja auch nicht, dass „Turbooverkill“ ebenfalls korrupt oder pädophil ist und die Firma im Ganzen nichts taugt. Pauschalisierungen gehen immer an der Realität vorbei!

    Nach den negativen Erfahrungen in der Weimarer Republik, die letztendlich zwischen den Mühlsteinen des Links- und Rechtsextremismus zerrieben wurde und in der die demokratischen republiktreuen Kräfte noch zu unerfahren, zu wenig gefestigt und zu zerstritten waren, um die anschließende Katastrophe vorauszuahnen und zu verhindern, ist es heute die verantwortungsvolle Aufgabe des Bundesamtes für Verfassungsschutz und der Landesämter, Extremisten aller Richtungen im Auge zu behalten, um genau so eine verhängnisvolle antidemokratische Entwicklung wie damals in der Weimarer Republik zu verhindern. Dies geschieht auch zum Wohle von Jugendlichen, die – aufgehetzt durch verantwortungslose und ignorante ideologische Schreibtischtäter – auf dem besten Wege sind, irgendwann schwere Straftaten zu begehen, aber durch eine rechtzeitige Ansprache durch den VS davor bewahrt werden, sich und andere unglücklich zu machen.

    Ich war lange genug im Ausland, um einen Vergleich zu haben zwischen den z.T. äußerst rückständigen politischen und verfassungsrechtlichen Verhältnissen in anderen Ländern und denjenigen in unserer Bundesrepublik Deutschland. Dabei meine ich nicht nur Länder in Nahost oder Nordafrika. Man braucht in Europa nicht weit zu reisen, um in Länder zu kommen, die in Fragen der Rechtssicherheit, des geregelten und funktionierenden Rechtsweges für jeden Bürger und der verfassungsmäßig garantierten Menschenrechte von den Standards in unserem Land noch himmelweit entfernt sind. Unser funktionierendes politisches und rechtliches System bei allem, was man kritisieren kann und muss, schlecht zu reden und zu verleumden (…“Verfassungsschmutz“…), zeugt nicht von historischem und demokratischem Verantwortungsbewusstsein und von Kenntnis der nationalen und internationalen Gegebenheiten.

    Ich bin der festen Überzeugung, dass über alle politischen Meinungsverschiedenheiten hinweg innerhalb des demokratischen Spektrums unter allen Umständen Einigkeit darüber bestehen muss, dass der heutige innergesellschaftliche Friede nicht durch unverantwortliche politisch-extremistische Agitation und Volksverhetzung aufs Spiel gesetzt werden darf. Dann bleibt immer noch genügend Spielraum für eine ernsthafte und konstruktive politische Streitkultur im Rahmen einer sich ständig weiter entwickelnden selbstbewussten und demokratischen Zivilgesellschaft. Nach dem unerwarteten historischen Geschenk der Deutschen Einheit ist es nicht zuletzt höchste patriotische Pflicht, das schon Erreichte nicht wieder zu verspielen, sondern kreativ weiter zu entwickeln. Dafür braucht es keine extremistischen Hinterzimmerrevolutionäre, für deren abstruse Ideen sich ohnehin kein Mensch interessiert, sondern engagierte und beherzte Menschen mit hoher Bildung und Verantwortungsbewusstsein.

    Ich bringe mich hier in diesem Diskussionsforum bewusst und absichtlich in dieser Form der politischen und auch spirituellen Positionierung ein, nicht weil ich davon den geringsten Nutzen hätte, sondern weil es für ernsthafte sozialistische Patrioten mit geistigem Niveau und kulturell-humanistischem Anspruch wichtig ist, zwischen sich und dem Dunstkreis notorisch anarchistischer Staats- und Verfassungsfeinde, ob rechts oder links, einen klaren Trennstrich zu ziehen. Andernfalls werden sie auf Dauer keine Chance haben, bei einer Mehrheit der gebildeten Bürger unseres Landes Gehör zu finden, was aber Voraussetzung für politischen Erfolg ist.

    Mit besten Grüßen,

    Odfried Hepp

    P.S.: Man sieht, wie schwierig es ist, schon bei einer geringen Anzahl von Menschen in wichtigen Fragen Übereinstimmung zu erzielen. 10 Leute, 10 Meinungen.
    Daran ist bis jetzt noch jeder Sozialismus gescheitert, ob als großer Staat oder als kleinste Kommune. Wie wollen wir dieses Grundsatzproblem lösen???
    Dazu demnächst mehr…

    —–
    (Hallo Odfried, vielen Dank für diese Klarstellungen, die Neonazis freilich nicht davon abhalten wird, weiter ihre Lügen über Dich zu verbreiten. Wenn Du bekennst, daß Du „jederzeit mit jeder Bundesbehörde zusammenarbeiten“ würdest wenn es darum ginge, „Straftaten gegen die Verfassung zu verhindern oder aufzuklären, dann muß der von Nazis ausgehende Anwurf, man würde um sie zu bekämpfen mit BRD-Organen zusammenarbeiten, wirkungslos bleiben, da man sich ja offen dazu bekennt – abgesehen davon, daß Nazis sich nicht scheuen würden ihre Drohungen wahr zu machen, „Aussteiger“ und damit „Verräter“ am „Tag X“ an die Wand zu stellen. Was erwarten diese Leute da eigentlich? Daß man nicht mit denen kooperiert wenn nötig, die sie ebenfalls zum Feind haben?

    Richtig auch Deine Feststellung, daß es für …

    … ernsthafte sozialistische Patrioten … wichtig ist, zwischen sich und dem Dunstkreis notorisch anarchistischer Staats- und Verfassungsfeinde, ob rechts oder links, einen klaren Trennstrich zu ziehen.

    Freundschaftliche Grüße

    Detlef)

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