Im Gedenken an Hitler-Attentäter Georg Elser

georg_elserHeute feiern Nazis im In- und Ausland den Geburtstag ihres „Führers“. Anlaß für mich, an den antifaschistischen Widerstandskämpfer Georg Elser zu erinnern, dessen Bombenattentat auf Hitler am 8. November 1939 leider nicht von Erfolg gekrönt war. So brach herein, was er verhindern wollte: Millionenfaches Leid viele Jahre lang.

Kaum bekannt ist, daß am 11. November 1939 die Sowjetregierung dem Nazi-Botschafter Friedrich-Werner von der Schulenburg „ihr Bedauern und ihre Entrüstung über den ruchlosen Anschlag von München, ihre Freude über die glückliche Errettung Adolf Hitlers aus der Lebensgefahr und ihr Beileid für die Opfer des Attentats“ ausdrückte.

Dazu paßt, daß Georg Elser in der DDR konsequent ignoriert wurde.

Die antifaschistischen Widerständler, (Kriegsdienst-)Verweigerer, Saboteure und Deserteure sind in jedem Falle unvergessen, sie standen für das andere Deutschland, Widerstand und Zivilcourage gegen eine kriminelle Obrigkeit.

Vorab an jene, die Georg Elser dafür verurteilen, weil er Gewalt angewandt hat gegen die Obrigkeit:

Die brutalstmöglichen Gewalttäter stellten damals eine Regierung, die bereits ungezählte Verbrechen begangen hat und sich anschickte, noch größere zu verüben, was Georg Elser zum Bombenattentäter hat werden lassen.

Das „Recht, was damals 1939 im Deutschen Reich herrschte, ist deshalb für mich relativ belanglos, weil die übelsten Rechtsbrecher jene waren, die zu jener Zeit bestimmten, was als Recht und Unrecht zu gelten hätte.

Georg Elser wäre dann jemand, der eine Todesstrafe an den mehrfachen Mörder Hitler und seine Mittäter selbsttätig zu vollstrecken trachtete; zudem, aus Notwehr heraus handeld den finalen Rettungsschuß setzen wollte, um Millionen von Menschenleben zu retten.

Über die Tyrannentötung:

Letztes Motiv der Tyrannentötung kann nur „Notwehr“ sein.

Erstes Ziel des Volkes muss es sein, durch passiven Widerstand den Tyrannen zur Gesinnungsänderung zu bewegen. Führt dies auf Dauer nicht zu einer Linderung der Tyrannenherrschaft, so steht einem Volk das aktive Widerstandsrecht zur Verfügung, das aber auch dann noch prinzipiell die Tyrannentötung ausschließt, da zunächst versucht werden muss, den Tyrannen festzunehmen und unschädlich zu machen (z. B. vor ein unabhängiges Gericht zu stellen).

Besteht keine Aussicht auf Erfolg einer „Unschädlichmachung“ des Tyrannen auf unblutige Art und Weise, darf als „ultima ratio“ die Tötung des Tyrannen in Erwägung gezogen werden. Eine weitere Voraussetzung für die sittliche Legitimität der Tyrannentötung unter den bislang genannten Bedingungen ist jedoch die gewissenhafte Prüfung mit Gleichgesinnten, ob die Beendigung der Schreckensherrschaft nicht ohne die Tötung des Tyrannen herbeigeführt werden kann.

www.georg-elser.de + www.syndikalismusforschung.de/marelser.htm

Buchtipp:

Der lautlose Aufstand. Bericht über die Widerstandsbewegung des deutschen Volkes 1933-1945 – nach den Originalberichten zahlreicher Widerstandsgruppen, nach den Forschungsergebnissen der Organisationen, nach den Ermittlungen amtlicher Stellen, nach umfrangreichen Briefmaterial, nach Akten des Volksgerichtshofes, nach Abschriften aus Gestapodokumenten. Herausgegeben von Günther Weisenborn, Rowohlt Verlag GmbH

Themenverwandt:

https://detlefnolde.wordpress.com/2011/02/14/deserteure-sind-keine-verbrecher/

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5 Gedanken zu “Im Gedenken an Hitler-Attentäter Georg Elser

  1. Nachdem ich mir nun einige Seiten im Internet durchlas, stellt sich heraus, dass Georg Elsner erst Anfang der 90er einer Würdigung erfuhr, eigentlich sehr beschämend! Offensichtlich wollte vorher niemand Kapital aus seiner Heldentat schlagen, was sich aus der Person Elsners begründet. Für die eine Seite war er wohl „zuwenig“ Kommunist und für die andere „zuviel“? Ich weiß es schlicht nicht, denn plausibel wär es auch nicht, wenn man die lange Liste Widerständler betrachtet, die von einer und von beiden Seiten Anerkennung fanden.

    Selbst wenn Georg Elsner in Zukunft öfter genannt werden sollte, bleibt er wohl ein „stiller Held“ zumal wie ich las, dass seine Motive für die Tat unklar blieben und für eine „Ausschlachtung“ zu wenigen Leuten an bestimmender Stelle Material anbot. Hat vielleicht den Vorteil als gewertete „Randperson“ nie „vor den Karren“ gespannt worden zu sein, was womöglich auch nie im Interesse Georg Elsners war?

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