Sarrazin ein Volkstribun?

Volkstribun Sarrazin?

Volkstribun Sarrazin?

Sarrazins Aussagen zu Hartz-IV-Empfängern und „Ossis“ sollten in der laufenden ausländerpolitischen Debatte nicht vergessen werden. Ist er tatsächlich der Volkstribun, für den ihn viele halten?

Ihm kommt es offenbar gar nicht in den Sinn, daß er es sein könnte, der bislang keine Bereicherung für die Gesellschaft darstellte und nicht der türkische Gemüsehändler.

Ebenso blendet er aus, daß seine Partei, die SPD, und damit auch er selbst für alle Mißstände in diesem Land verantwortlich ist – nicht zuletzt jene ausländerpolitischen, die er nun vollmundig anprangert.

Er war als Finanzsenator im Berliner Senat und als Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank beschäftigt. Seiner Meinung nach können sich ALG-II-Empfänger für weniger als vier Euro pro Tag ernähren und er sagte über ihre Heizgewohnheit: „Hartz-IV-Empfänger sind erstens mehr zu Hause; zweitens haben sie es gerne warm, und drittens regulieren viele die Temperatur mit dem Fenster“. Die Rentenerhöhung vom Juli 2009 nannte er eine „völlig unsinnige Massnahme“

Er verdingt sich neuerdings als “FOCUS-Online-Experte” und bejubelt in diesem Beitrag die Hartz-IV-Gesetze und Ex-SPD-Kanzler Gerhard Schröder als einen “großen Reformer”.

Weiter führt er aus, daß “das Niveau der Grundsicherung so niedrig sein muß, daß materielle Arbeitsanreize bestehen bleiben” und ergänzt, daß ALG-II-Bezieher “nicht im klassischen Sinne arm” sind, denn es werden angeblich “Ausgaben für die Ernährung zugrunde gelegt, die den durchschnittlichen Ausgaben der Bevölkerung entsprechen”. Sarrazin meint also, ca. 2,70 € täglich für Essen und Trinken eines Kindes bis 6 Jahre (wer über 18 ist darf täglich ca. 4,40 € verprassen) wären genug.

Da ALG-II ausreichend ist hält er die „Armenspeisungen“ der sog. “Tafeln” für grundfalsch, weil sie “vor allem Unselbständigkeit und Selbstmitleid fördert”. Denn: Die Hartz-IV-Bezieher sind “durchaus in der Lage, für eine gesunde und Ausgewogene Ernährung selbst zu sorgen, wenn sie Grundzüge des Kochens beherrschen und sich der damit verbundenen Mühe unterziehen. Besser wären laut Sarrazin “Angebote für Kochkurse und Schulungen in Haushaltsführung”.

Und dieser Typ erhält auch noch Beifall aus der Masse des deutschen Volkes heraus und es verwundert nicht, daß der angebliche “Linke” Jürgen Elsässer sich ihn als Kanzler wünscht und “Konferenzen” mit ihm abhält. So preist Elsässer am 26. August 2010 den staatsmonopolistischen Kapitalismus:

„Kooperation von Staat und Grosskonzernen = Faschismus (gem. Moussolini)“ Diese Definition ist viel zu grob. Eine gewisse Kooperation ist sinnvoll, gerade für die Renaissance des „rheinischen Kapitalismus“ und seiner sozialen Komponenten.

Es ist übrigens nur konsequent, daß Sarrazin sich weigert, die SPD zu verlassen, denn die SPD ist spätestens am 4. August 1914 eine Partei des Arbeiter- und Volksverrats, als sie den Kriegskrediten zustimmte. Und zwar vollzählig. Karl Liebknecht fand erst bei der zweiten Abstimmung zur Bewilligung weiterer Kriegskredite am 2. Dezember 1914 den Mut, als einziger im Reichstag dagegen zu stimmen.

Die SPD hatte sich aus einer Gegnerin der herrschenden Ordnung in eine ihrer Stützen verwandelt. Nur vier Jahre später sollte sie die Verantwortung dafür übernehmen – erwähnt sei nur der “Bluthund Noske” -, das kapitalistische Regime vor dem Untergang zu bewahren, indem sie sich gegen die revolutionären Arbeiter und Soldatenräte positionierte.

Vermutlich wäre das ganze 20. Jahrhundert völlig anders verlaufen, hätte die SPD am 4. August 1914 nicht kapituliert, sie sich nach dem Krieg nicht zum Hiwi der Reaktion machen lassen und konsequent gegen die Hitler-Diktatur gekämpft.

Denn sie verfügte mit dem zwei Millionen Mitglieder zählenden Reichsbanner über eine Wehrorganisation, die aktiv hätte werden können, wobei sie die dazu nötigen Waffen von der bis Mitte 1932 sozialdemokratisch geführten preußischen Polizei hätte erhalten können.

Das Sündenregister der SPD ist damit keineswegs erschöpft. Keine zwei Monate nach ihrem Nein zum Ermächtigungsgesetz Hitlers sagten die noch im Reichstag verbliebenen Sozialdemokraten am 17. Mai 1933 dann Ja zu Hitlers heuchlerischer Friedensrede, als er sein außenpolitisches Programm verkündete.

Und nach 1945? Da vereinigte sich die mitteldeutsche SPD mit der KPD und ward fortan die SED in der DDR. Im Westen fungierte sie als Vasallenpartei der Westalliierten, die im Laufe der Zeit gehörig dazu beitrug – u.a. mithilfe der ihr quasi angeschlossenen opportunistischer Gewerkschaften -, die bürgerliche Ordnung erneut zu festigen.

Gerhard Schröder mit Hartz IV und dergleichen mehr ist insofern die Fortsetzung einer Politik, die seit über hundert Jahren Arbeiterinteressen mit Füßen tritt.

Nein, Sarrazin ist kein Volkstribun, er hat sich nicht zu einem Politiker gewandelt, der die nationalen und sozialen Interessen der deutschen Volksmassen im Blick hat. Wäre dem so, täte er aus der SPD austreten, seine Mitschuld bereuen, das deutsche Volk um Entschuldigung bitten und als aktives Mitglied in der AfD tätige Reue üben.

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5 Gedanken zu “Sarrazin ein Volkstribun?

  1. Ich habe mir also das Machwerk dieses Subjektes selbstverständlich nicht gekauft. Da schenke ich das Geld lieber dem nächstbesten „Unterschichtler“ meines Vertrauens, als es diesem überbezahlten Gierlappen in den Rachen zu schmeißen.

    Die Begabung eines Mozart hat dieser Bankenlurch die Frechheit zu erwähnen. Dabei ist doch gerade das ein Paradebeispiel für das Gegenteil. Denn so einen hohen „sozioökonomischen“ Status hatte sein Vater nicht und hat er selber nie wirklich erreicht! Vielmehr starb er hochverschuldet in Armut, wo ähnliche Gauner wie dieser scheingebildete Cretin ihn hingebracht haben. Soviel dazu, daß Leistung sich lohnt.

    Abschließend noch zu seinem elenden Statusgelabere: Wer sich erhebt wird erniedrigt werden und wer meint hoch gestiegen zu sein, kann verdammt tief fallen. Um es mit den Worten eines einst populären deutschen Blödelbarden auszudrücken: „Umso tiefer man fällt, desto öfter dutzt man auf!“ (Mike Krüger) – Denken Sie einmal darüber nach, Herr „Doktor“ Sarrazin.

  2. Bin grad bei dir unterwegs und habe viele interessante Beiträge gefunden.

    Hier übrigens noch ein Zitat aus dem Sarrazin-Buch, der sich übrigens gar nicht mehr einbekommt im Lob an die ach so intelligenten Juden und trotzdem über sein „Judengen“ gestolpert ist …

    Thilo Sarrazin, 5. Kapitel „Arbeit und Politik – Über Leistungsbereitschaft und Arbeitsanreize“, Seite 174 und 175:

    Die früheren, eher ständisch orientierten und auf ererbten Privilegien aufbauenden Gesellschaften banden einen großen Teil der Begabten in ihrer jeweiligen Schicht. Je größer die Durchlässigkeit einer Gesellschaft wurde, je „meritokratischer“ sie wurde, um so mehr paßte sich die soziale Schichtung den Begabungsprofilen an. Die unteren Schichten gaben die Begabteren nach oben ab, und die oberen Schichten die weniger Begabten nach unten. Diese Differenzierung erfolgte um so radikaler, je mehr Chancengleichheit in einer Gesellschaft herrscht – eine Problematik, die grundsätzlich unaufhebbar ist. Die Annahme, Chancengleichheit können Ungleichheiten aufheben, ist also ein großer Irrtum. In Wirklichkeit wirkt die Chancengleichheit verschärfend in einem bitteren Sinne: in einer wirklich chancengleichen Gesellschaft ist jemand nur noch au Gründen „unten“, die in seiner Person liegen.

    In Deutschland beobachten wir schon seit vielen Jahren die allmähliche Verfestigung und das beständige Wachstum einer weitgehend funktions- und arbeitslosen Unterklasse. Aus den bereits beschriebenen Gründen treibt ein relativ hohes garantiertes Grundeinkommen diese weniger Leistungsstarken in die Nichtbeschäftigung und bindet sie dort. Der moderne Sozialstaat speziell deutscher Prägung tut aber obendrein einiges dafür, daß die weniger Qualifizierten und weniger Tüchtigen tendenziell fruchtbarer sind als die Qualifizierteren und Tüchtigeren: die materielle Sorge für die Kinder wird ihnen vollständig abgenommen. Für jedes Kind erhalten die Eltern 322 Euro monatlich als vom Staat garantiertes soziales Existenzminimum. Dies ist ein maßgeblicher Grund dafür, daß die Unterschicht deutlich mehr Kinder bekommt als die mittlere und obere Schicht. Für einen großen Teil dieser Kinder ist der Mißerfolg mit ihrer Geburt bereits besiegelt: sie erben (1) gemäß den Mendelschen Gesetzen die intellektuelle Ausstattung ihrer Eltern und werden (2) durch deren Bildungsferne und generelle Grunddisposition benachteiligt (siehe dazu auch Kapitel 6).

    Die Probleme einer verfestigten und nicht ausreichend in den produktiven Kreislauf integrierten Unterschicht überlagern sich zudem mit den ungelösten Integrationsproblemen eines großen Teils der Migranten aus der Türkei, Afrika sowie dem Nahen und Mittleren Osten. Aber sie sind mit diesen Problemen nicht deckungsgleich.

    Der Kerl nennt den Kapitalismus eine „chancengleiche Gesellschaft“ und schreibt Allen, die im Konkurrenzkampf (als einem kapitalistischen Prinzip) auf dem sog. Arbeitsmarkt unterliegen auch noch die Schuld zu.

    Die fortgesetzte Spaltung des Volks in Oben und Unten, Reich und Arm ist auch eine Folge der Entwicklung der Warenproduktion und der Einführung des Geldes. Und mit „ein relativ hohes garantiertes Grundeinkommen“ meint der Sozialhetzer allen Ernstes die sog. Hartz 4-Leistungssätze.

    Es ist den Sozialhetzern dabei gelungen, in der Öffentlichkeit das Bild von verkommenen Familien (die es natürlich auch gibt), die Kindergeld u.a. für Alkohol oder Konsumartikel ausgeben, zu verfestigen.

    Wenn die deutsche Unterschicht „deutlich mehr Kinder bekommt als die mittlere und obere Schicht“, liegt für Sarrazin die Lösung bekanntlich in der Zuwanderung osteuropäischer Juden, Chinesen, Inder, und Vietnamesen mit ihrer angeblich höheren Intelligenz …

    Wir lesen im 4. Kapitel „Armut und Ungleichheit – Viele gute Absichten, wenig Mut zur Wahrheit“:

    3. Wenn der Regelsatz eine ausgewogene, abwechslungsreiche und ausreichende Ernährung erlaubt, dann haben die Empfänger von Transferzahlungen, die sich und ihre Kinder nicht gesund und in jeder Hinsicht adäquat ernähren, kein Einkommens- oder Armuts-, sonder ein Verhaltensproblem. Damit wird aus einer Forderung an die Gesellschaft eine Forderung an das Individuum und aus der Gesellschaftskritik eine Individualkritik.

    Dieser letzte Punkt ist es, der Aggression und Wut auslöst, weil man damit wider den Stachel löckt, weil man das Individuum in die Pflicht nimmt und nicht, wie es üblich geworden ist, auf ungleiche Chancen verweist.

    Für jedes individuelle Verhalten lassen sich auch gesellschaftliche Ursachen benennen, doch man darf das Individuum nicht grundsätzlich von der Verantwortung für sein Verhalten freisprechen. Dazu neigen wir aber in der Armutsdiskussion, und in großen Teilen der Armutsforschung ist das nicht anders.

    Warum dann aber die langen Schlangen vor den Essensausgaben der Tafeln, wenn doch der Regelsatz ausreicht? Die Antwort ist ganz einfach: Wo es etwas umsonst gibt, wird das Gesamtbudget entlastet. Würde man DVD’s und Geräte der Unterhaltungselektronik umsonst an Hartz-IV-Empfänger ausgeben, würden sich noch längere Schlangen bilden. Solch eine Ausgabestelle würde aber der für Wohltäter so attraktive biblisch-emotionale Appeal fehlen, den eine öffentliche Speisung hat.

    Die Essensausgaben und Suppenküchen verfolgen einen guten Zweck und sind Ausdruck eines löblichen privaten Engagements. Das soll gar nicht bestritten werden. Aber das Geld wäre besser investiert in Kochkurse, Hauswirtschaftskurse und Verhaltenstraining für die Unterschicht. Weshalb soll eine Hartz-IV-Familie noch die Anstrengung auf sich nehmen, den Essenseinkauf zu planen, selbst zu kochen und gemeinsam zu essen, wenn es alles umsonst und bereits fertig gekocht in der Suppenküche nebenan gibt? Hier wird Fehlverhalten bestätigt und perpetuiert, anstatt seine Ursachen zu bekämpfen. Ungefestigte Menschen, die nicht planen, nicht mit Geld umgehen, nicht kochen können und denen es an Willensstärke fehlt, die brauchen Suppenküchen, der Rest der Transferempfänger braucht sie nicht. Aber auch den ungefestigten Menschen würde ein Verhaltenstraining mehr helfen als die Unterstützung ihrer Schwächen.

    Wer frei ist, nicht von staatlicher Unterstützung abhängt, sondern sich selber tummelt, fühlt sich in der Regel glücklicher als jemand, der vom Staat Alimente fürs Nichtstun bekommt. Nur leider erkennt man das Glück oft erst, wenn man es verloren hat – und manchmal selbst dann nicht. Natürlich ist es angenehm, im warmen Bett zu bleiben, wenn beim Nachbarn um 6 Uhr morgens der Wecker klingelt. Es ist angenehm, um 9 Uhr das Frühstücksfernsehen einzuschalten, während der andere hinter dem zugigen Tresen einer Imbißbude Kaffee aufgießt. Aber nach Dienstschluß wird er es sein, der sich wohler fühlt und dem das Feierabendbier besser schmeckt. Gerade die weniger Ehrgeizigen, weniger planvoll Handelnden werden durch die staatlichen Transfers zu einem bequemen Leben verführt, das ihnen allmählich ihren Stolz nimmt, ihre Kräfte lähmt, ihre Begabungen verschmäht und an ihrem Selbstbewußtsein nagt. Das auszusprechen und auf Abhilfe zu sinnen, ist nicht paternalistisch und arrogant, wie viele meinen, sondern geboten – es sei denn, man hält es für verantwortungsvoll, Bedürftigen den Ausstieg aus ihren gesellschaftlichen Zusammenhängen möglichst bequem zu machen.

    Sarrazin als durch und durch widerlicher Heuchler nun auch in der Rolle des Oberschichten-Demagogen gegen Teile des eigenen Volkes.

    Die Verantwortung für niedere soziale Stellung, mangelnde Leistungsbereitschaft und Mißerfolg im Konkurrenzkampf auf dem sog. Arbeitsmarkt wird auf den Einzelnen abgeschoben und endet im bloßen Appell, das eigene Verhalten zu ändern.

    Die sozialen Probleme werden zu individuellen erklärt, das Verursacherprinzip nach dem politischen u. gesamtgesellschaftlichen Rahmen, aus dem Probleme über die Zeit erst entstanden sind, wird außer Kraft gesetzt.

    Der Hinweis auf die Schar der “Sozialpolitiker, Sozialverbände und überhaupt die ganze Schicht der Funktionäre, Wissenschaftler und Publizisten”, welche die Gegenwartszustände befördert hätten u. nun zuwenig auf Änderung hinwirkten, ist eine Entlastungserklärung für den hauptverantwortlichen Staat und erweckt außerdem den Eindruck, die Unterschichten hätten quasi eine “Lobby”.

    Tatsächlich sind gerade die sog. Sozialpolitiker seit Jahren die größten Hetzer gegen die Unterschichten, während die Sozialverbände allenfalls in Einzelfällen helfen und das Elend der Meisten nicht grundlegend beseitigen können, selbst wenn sie es wollten.

    Der Staat hat die Verantwortung für Wertevermittlung, Bildung, berufliche Ausbildung und die Verhältnisse am sog. Arbeitsmarkt und ist seiner Verantwortung in Jahrzehnten nicht mehr gerecht geworden. Er hat, im Gegenteil, die alte Werteordnung (welche z.B. der Einhaltung von Normen diente oder der Familie eine wichtige soziale Funktion zuwies) bekämpft, den Gedanken der menschlichen Solidarität ausgehöhlt, den Individualismus auf bloße Teilhabe an Konsum gelenkt und die kapitalistische Konkurrenz auf dem “Arbeitsmarkt” gefördert und noch auf den privaten, zwischenmenschlichen Bereich ausgedehnt.

    Hartz 4-Empfängern vorzuwerfen, sie könnten nichtmal mehr wirtschaftlich planen und etwa kochen ist an Zynismus schwer zu überbieten – in einem Staat, der Kinder, Jugendliche u. deren Eltern nicht zur Einhaltung der Schulpflicht zwingt, der Schülern nicht das Rechnen u. die Rechtschreibung beibringt u. sie ohne Schulabschluß entläßt, und der ihnen schon in den Grundschulen “Sexualkunde” aber später kaum handwerkliche u. praktische Fähigkeiten im Schulunterricht vermittelt.

  3. Sarrazin hat eine sehr wichtige Debatte angestoßen, nämlich die, dass auch Angehörige der „Unterschicht“ (ich mag dieses Wort gar nicht, denn es suggeriert, dass diese Leute alle Abschaum sind) durchaus keine „Engel“ sind. Mir gefällt der alte Begriff der „Arbeiterklasse“ doch wesentlich besser, denn das wir in einer Klassengesellschaft leben, wer wollte das ernsthaft bestreiten?

    Leute aus der „Unterschicht“ müssen tagaus und tagein um ihre kleine beschissene Existenz kämpfen, sie haben in der Regel „nichts auf der hohen Kante“, leben von der „Hand in den Mund“, das aber macht nicht zu besseren Menschen…

    Dass es mehr Kinder in Arbeiterfamilien gibt, mehr Kinder bei Empfängern von Sozialtranstfers, das stimmt, ob immer kalte Berechnung dahinter steckt, mag im Einzelfall stimmen, aber generell würde ich es verneinen.

    Dass das Bürgertum zu wenige Kinder produziert, das stimmt 100%ig, weil diese Schicht natürlich karrieresüchtig und egoistisch denkt, und hier wirklich fast durch die Bank. Was die Gesellschaft macht oder nicht macht ist diesen Spießern auch scheißegal, so lange ihr dickes Auto vor der Tür steht, der Gärtner seine Arbeit gut macht, die Hausdame nett und freundlich ist usw. Diese Leute könnten locker 2,3,4 Kinder finanzieren.

    Aber auch Arbeiterfamilien mit viel Nachwuchs möchte ich nicht unterstellen, dass sie an die Gesellschaft denken und daran, dass es vielleicht gut wäre, vor allem mehr deutsche Kinder in die Welt zu setzen. Denn dass die Gefahr besteht, dass Deutsche Minderheit im eigenen Land werden, hat Sarrazin in seinem lesenswerten Buch dramatisch gezeichnet. Das Schlimme aber ist, dass ich das Gefühl nicht los werde, dass es noch viel zu vielen deutschen Menschen einfach noch zu egal ist, dass diese reale Gefahr besteht. Das Kernproblem ist auch hier wieder die fehlende nationale Identität, die zwar – man hat es bei der WM 2006 gesehen – im Kommen ist, aber beileibe noch nicht zur Normalität geworden ist.

    Die ewigen Hitler-Serien und -Ausstellungen, Dokus über Zwangsarbeit und Judenverfolgung im III. Reich, sie hören und hören einfach nicht auf. So lange das aber so ist, kann die deutsche Seele nicht gesund werden.

    Das aber ist der Hintergrund dieser multinationalen Unterwanderung von Immigranten einerseits und raffgierigen Großbanken und Konzernen anderer seits. Keinen stört es großartig, dass die US-Heuschrecken und Hedgefonds hier immer noch schalten und walten können, wie sie wollen, die EU will ihnen per Gesetz erst im Jahr 2013 die Damenschrauben ansetzten, wass kann bis dahin durch diese Finazganoven für ein Schadenangerichtet werden, die nächste Krise lässt grüßen…..

    • @Stephan Haube

      Sarrazin redet über ausländerpolitische Mißstände, die seine Partei selbst hervorgebracht hat … und was heißt, „dass auch Angehörige der „Unterschicht“ durchaus keine „Engel“ sind“? Wer definiert in dieser Gesellschaft, wo die skrupellose Jagd nach dem Profit alles bestimmt, wer ein Engel ist? Etwa der Millionär und Ex-Banker Sarrazin?

  4. Man sollte von diesem Subjekt kein angelutschtes, klebiges Bonbon nehmen! Wer da als von Sarrazin verhöhnter Hartz-IV-Empfänger, dessen „Schwarte“ kauft und seinen Worten auf dem Leim geht, dem geht es „zu gut“, wie Sarrazin schon zum deutschen Prekariat anzumerken wusste! Ich hätte anderes zu tun, als seine Thesen zu bestätigen und ihn obendrein finanziell zu berreichern!

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