Kortschagin: Der „Sozialist“ Otto Strasser

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/7/74/Otto_Strasser.jpg/220px-Otto_Strasser.jpg

Otto Strasser, DSU-Veranstaltung 1957

Gastbeitrag von „Kortschagin“:

Der „Sozialist“ Otto Strasser

Ich denke, auf den „Sozialismus“begriff des Strasser-Flügels ist bereits ausführlich eingegangen worden. „Dr. Otto“ war Antikommunist und propagierte einen „Solidarismus“, d. h. einen angeblich vorhandenen Dritten Weg zwischen Kapitalismus und Kommunismus.

In gesellschaftspolitischer Hinsicht stand Strasser bis zu seinem Lebensende und trotz der Erfahrungen mit dem Hitler-Faschismus für die Errichtung eines neofeudalen Ständestaates und für die „Volksgemeinschaft“ zwischen Arbeiter und Kapitalist, d. h. der bedingungslosen Unterordnung der Arbeiterklasse unter die Interessen der „Nation“, also der Hegemonie- und Expansionsbestrebungen des deutschen Großkapitals.

Strasser hat den Nationalsozialismus als Ideologie nie infrage gestellt. Sein Kampf galt ausschließlich der Person Hitlers, der „gute und edle“ nationalsozialistische Idee nicht richtig umgesetzt habe. Die Ursachen, die zur Machtergreifung des Faschismus geführt haben, hat er, der wie alle „linken“ NSler stets auf dem Boden der bürgerlich-kapitalistischen Ordnung stand, nie erkannt oder erkennen wollen. Ebensowenig die historische Rolle der Arbeiterklasse bei der Schaffung einer neuen sozialistischen Weltordnung. Auch hat Strasser nie ein alternatives Programm aufgestellt, sondern hielt bis zuletzt unbelehrbar an seinen reaktionären Anschauungen fest.

Sein Wirken im Exil beschränkte sich auf egomanisch angelegte Projekte, wo er sich als den großen Gegenspieler Hitlers („Hitler und Ich“) und als einzig wahren Nationalsozilalisten darstellte. So biederte er sich u. a. anläßlich der Saarland-Abstimmung bei der französischen Regierung mit dem Vorschlag an, eine Legion zu dessen Rückeroberung aufzustellen (natürlich abgelehnt). Auch genoß er im kanadischen Exil die Protektion klerikal-rechtsradikaler Kreise. Zu Arbeiterparteien oder sozialisitschen Intelektuellen pflegte er bezeichnenderweise keinen Kontakt (oder besser, sie nicht zu ihm).

Während des Weltkrieges (1941) vertrat der „nationale Sozialist“ Strasser die „Idee einer europäischen Föderation als dritte „weiße“ Großmacht neben den USA und dem britischen Weltreich“ (vgl. IDGR-Artikel über Strasser). Diese Idee verfolgte auch sein Antagonist Hitler, womit er den Zweiten Weltkrieg vom Zaum brach.

Imperiale Föderation statt großdeutschem Nationalstaat, „weiße Rasse“ statt internationale Arbeitersolidarität: Strasser war weder national noch sozialistisch, sondern ein Imperialist und Rassist reinsten Wassers, genau wie Hitler und der Rest der NS-Bande. Hinter der Phrase vom „nationalen Freiheitskampf“ verbarg sich lediglich das Bestreben, ein großeuropäisches Imperium unter deutscher Führung zu errichten, als Konkurrenzmacht zu den USA und GB.

Statt sich auf die Seite der Arbeiterklasse zu stellen und mit Sowjetrußland und den um ihre Freiheit kämpfenden Kolonialvölkern zu verbünden, träumten „rechte“ wie „linke“ Nazis lieber von einem „weißen“ Weltreich unter Führung des deutschen Großkapitals.

Mit dem Versuch, die (imaginäre) „weiße Rasse“ zum Kriterium seiner Außenpolitik zu machen, hat Hitler Deutschland zugrunde gerichtet. Strasser hätte es vermutlich genauso gemacht, wenn er die Gelegenheit dazu gehabt hätte.

Fazit: Strasser war ein Egomane, ein Erzreaktionär und Antisozialist.

Ergänzung:

Der deutsche Sozialismus Otto Strassers und des Tat-Kreises machte dem Kleinbürger begreiflich, daß die Schwärmerei für die deutsche Seele billiger komme als der Klassenkampf, den die marxistische Teufelei im Schilde führe. Die politisch und gewerkschaftlich geschulte Arbeiterschaft sah voraus, daß der „deutsche“ Sozialismus bestenfalls auf einige sozialtechnische Maßregeln hinauslief, die den bestehenden Zustand nicht wesentlich änderten, sondern ihn nur künstlicherweise in eine andere Beleuchtung rückten.
(Ernst Niekisch, Das Reich der niederen Dämonen – eine Abrechnung mit dem Nationalsozialismus)

Als Otto Straßer 1930 eine eigene Gruppe, später die „Schwarze Front“ genannt, gebildet hatte, hatte man [die Nationalrevolutionäre] Kontakte dahin gesucht, sie aber bald wieder abgebrochen. Die Gruppe Straßer selbst hat nur bedingt zu den Nationalrevolutionären gehört, – aber aus der Bewegung, die sein Austritt aus der NSDAP indirekt auslöste, kamen indes nicht wenige zu den Nationalbolschewisten.
(Karl. O. Paetel, Versuchung oder Chance. Zur Geschichte des deutschen Nationalbolschewismus)

Unser Kreis hatte sich ungefähr einen Monat lang mit den Strasser-Leuten solidarisiert, dann sind kurz vor der Reichstagung der KGRNS unsere Leute ausgeschlossen worden, weil wir die Absicht hatten, gegen die abstruse Sozialismus-Forumulierung Otto Strassers von 49 Prozent Gewinnbeteiligung der Arbeiter anzugehen. Obwohl ohne jede Massenwirksamkeit hat der Kampfverlag-Kreis damals zweifellos das Beste an revolutionären Elementen gesammelt, was sich in die NSDAP verirrt hatte. Otto Strasser hat sie auf einen fast unbegreifliche Weise ausgeschaltet.
(Karl O. Paetel, Reise ohne Uhrzeit – Eine Autobiographie)

Dem Gesetz verhaftet, nach dem die Hitlerbewegung angetreten war: nämlich antimarxistischer Stoßtrupp zu sein, blieb Otto Strasser bei der Neuformulierung des Nationsbegriffes auf halbem Wege stehen. Statt der Ablösung des bürgerlichen Führungsanspruchs durch den der Arbeiterschaft verlangte er einen komplizierte „ständische“ Ordnung, die niemanden befriedigen konnte und denaturierte den Begriff des Sozialismus, als er statt Sozialisierung „Anteil am Besitz, Anteil am Gewinn, Anteil an der Leitung“ verlangte.
(Karl. O. Paetel, Versuchung oder Chance? Zur Geschichte des deutschen Nationalbolschewismus, S. 219)

Kein prominenter Naziführer hat sich bei aller sozialistischen Demagogie jemals vom kapitalistischen Eigentumsprinzip entfernt oder die kapitalistische Wirtschaftsordnung an sich in Frage gestellt. Die Straßers wollten höchstens einen Teil der Arbeiter durch Siedlungsförderung und Ausgabe von Belegsschaftsaktien zu kapitalistischen Kleineigentümern werden lassen.
(Joachim Petzold, Die Demagogie des Hitlerfaschismus, Akademie-Verlag Berlin 1982, S. 402)

Hätte es einen „linken Flügel“ in der NSDAP gegeben, dann wäre sowohl die Bamberger Führertagung von 1927 als auch die Auseinandersetzung mit der Otto-Straßer-Gruppe 1930 anders verlaufen. Ende 1932 sah es sogar eher danach aus, daß Gregor Straßer „um jeden Preis“ an die Regierung kommen wollte. Wirklich greifbar blieb lediglich der Meinungsstreit über die richtige Taktik, um sowohl Massen zu mobilisieren als auch monopolkapitalistische Interessen zu vertreten, und ein bei Otto Straßer und Adolf Hitler besonders stark ausgeprägtes Bewußtsein, dabei auf dem richtigen Wege zu sein. Objektiv überwog ohnehin das Zusammenspiel der Propagandamethoden. Die Straßers haben wesentlich dazu beigetragen, daß die Hitlerclique ihr Werben um die Gunst der herrschenden Klasse durch den Nachweis eines Millionenanhangs untermauern konnte. Da sich Gregor Straßer demonstrativ zu Hitler bekannte und seinen Bruder Otto widerspruchslos fallenließ, verhallte dessen Erklärung „Die Sozialisten verlassen die NSDAP“ und sein scheinbares Alternativprogramm „Ministersessel oder Revolution“ weitgehend ungehört. Es blieb die Unzufriedenheit derer, die die demagogischen Naziparolen wörtlich genommen hatten, und die Erleicherung jener, denen sie stets ein Dorn im Auge waren.
(Joachim Petzold, Die Demagogie des Hitlerfaschismus, Akademie-Verlag Berlin 1982, S. 287)

Wie stark sein Selbstbewußtsein war, hat Otto Straßer wiederholt demonstriert. Seine beiden Publikationen nach dem Zweiten Weltkrieg nannte er „Hitler und ich“ und „Mein Kampf“. Im übrigen offenbarte er darin einen derartigen Antikommismus und Antisowjetismus, daß zur Charakteristik seiner Klassenposition Begriffe wie „links“ oder „revolutionär“ völlig unangebracht sind. Es handelte sich bei ihm um einen faschistischen Politiker, der zeitweise auf sozialdemagogischere Weise als Hitler zum Ziele kommen und sich nicht wie Goebbels unterordnen wollte. Auf dieser Unterordnung wurde jedoch von Hitler bestanden, sowohl wegen seines persönlichen Führungsanspruches als auch aus gesamtpolitischen Erwägungen.
(Joachim Petzold, Die Demagogie des Hitlerfaschismus, Akademie-Verlag Berlin 1982, S. 278/279)

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