Kortschagin: Antikapitalismus von rechts?

Gastbeitrag von „Kortschagin“:

Die bürgerliche Rechte ist meiner Meinung nach weder sozialistisch noch national. Für den rechten „Antikapitalismus“ ist das Hauptproblem Deutschlands nicht die soziale, sondern die „Ausländerfrage“. Die „Ausländer“ und das internationale (=jüdische Ostküsten-) Kapital sind in ihrem verqueren Weltbild die einzige Ursache allen Übels. Der „Antikapitalismus“ der bürgerlichen Nationalisten beschränkt sich auf plumpen Antiamerikanismus und Antisemitismus (ohne den US-Imperialismus beschönigen zu wollen). Der kapitalisitsche Ausbeuter ist immer nur der „Ostküstenjude“. Das europäische und ganz besonders das deutsche Großkapital sind dagegen produktiv und am Gemeinwohl orientiert.

Dieses euro-deutsche Kapital gegen die amerikanische Weltmarktkonkurrenz zu verteidigen, ist das bevorzugte Anliegen des „Antikapitalismus von rechts“. Und das meinen sie auch, wenn sie von der „Versöhnung der Völker Europas“ sprechen, die sie mit der herrschenden Imperialistenklasse dieser Länder gleichsetzen. Die bürgerliche Rechte ist nicht wirklich national. Sie redet einem europäischen Ultraimperialismus, einer Föderation der europäischen Großmächte zur gemeinsamen Ausplünderung der Welt, das Wort. (Vgl. J.A. Hobson, „Der Imperialismus“)

In dieser Hinsicht sind die proletarischen Anhänger des bürgerlichen Pseudo-Nationalismus in doppelter hinsicht betrogen, nämlich um den Sozialismus und um das Vaterland. Der französische, italienische oder kroatische Arbeiter interessiert die Bourgeois-Nationalisten genausowenig wie der deutsche. Wer an einer europäischen Gewerkschaftstagung teilnimmt, ist ein internationalistischer Vaterlandsverräter. Wer an einem Treffen der europäischen Waffen-SS teilnimmt, ein guter nationaler Deutscher. Die arische Rasse ist kein biologischer Begriff; sie ist das soziologische Pendant zur proletarischen Klasse. Der Arier ist der weiße Besitzbürger.

Der „Antikapitalismus von rechts“ will und kann in diesem Land nichts verändern, da er die wahre Ursache für Deutschlands Unfreiheit und Niedergang, das kapitalisitsche Wirtschaftssystem, um jeden Preis erhalten will. Statt eines liberalkapitlaistischen Systems erstrebt er ein autoritärkapitalistisches System. Letztlich wird wohl doch nur eine BRD ohne Türken und Gewerkschaften dabei herauskommen.

Der Staat ist keine neutrale, über den Klassen stehende Institution, sondern Instrument der Klassenherrschaft. Demnach ist der bürgerliche Staat Instrument der Klassenherrschaft der Bourgeoisie. Von einem solchen Staat zu erwarten, daß er die Rechte der Arbeiterklasse gegen die Interessen der Kapitalistenklasse durchsetzt, ist bestenfalls naiv. Der bürgerlich-autoritäre bzw. bürgerlich-faschistische Obrigkeitsstaat ist nichts anderes, als die Diktatur der Bourgeoisie über die werktätigen Massen.

Die bürgerliche Rechte will die Tarifautonomie nicht „reformieren“, sondern schlicht und ergreifend abschaffen. Nicht die Klassenorganisationen der Arbeiter, sondern der bürgerliche Staat soll künftig die Lohn- und Arbeitsbedingungen bestimmen. Die NPD strebt einen bürgerlich-autoritären bis faschistischen Staat an.

Das Feindbild der bürgerlichen Rechten ist trotz aller antikapitalistischen Rhetorik klar erkennbar. Die berechtigte Unzufriedenheitder Arbeiter mit den verbonzten, reformistischen und korrupten Gewerkschaftsfunktionären nutzt die bürgerliche Rechte von CDU bis NPD, um die Institution Gewerkschaft und Tarifautonomie an sich in Frage zu stellen. Solange das kapitalistische Wirtschaftssystem exisitert, sind die Arbeiter gut beraten, sich gewerkschaftlich zu organisieren, wenn sie nicht schutzlos der Willkür „ihrer“ Kapitalisten ausgesetzt sein wollen.

Wenn NPD-Anhänger glaubt, das internationale Kapital durch einen „starken, souveränen Nationalstaat“ zügeln zu können, dann ist er auf dem Niveau des frühen 19. Jahrhunderts stehengeblieben. Den Kapitalismus kann man nicht zügeln oder kontrollieren, man kann ihn nur abschaffen. Hierzu muß man sich allerdings klar auf die Seite der revolutionären Arbeiterklasse schlagen. Die NPD tut genau das Gegenteil, sie betätigt sich als „Rammbock des Klassenkampfes“ von oben.

Ernst Niekisch:

Der Arbeiter war an seinen 1. Mai gewöhnt; er sollte ihn behalten, freilich auch sein Wunder erleben, was daraus gemacht wurde. Immer war er an diesem Tage aufmarschiert: auch fernerhin sollte er es tun. Aber nicht mehr als Kämpfer gegen den Kapitalismus sollte er auf die Straße gehen: er erschien dort in endlosen Kolonnen auf den Befehl der bürgerlichen Diktatur, die ihn unterjochte. Hitler führte den Großbürgern die Gefangenen vor, die er aus dem Bürgerkriegsunternehmen, welches er für sie gewonnen hatte, einbrachte.

Der 1. Mai, der für den klassenbewußten Arbeiter bisher der Tag seines größten klassenkämpferischen Stolzes gewesen war, wurde für ihn nunmehr der Tag seiner tiefsten Erniedrigung und Schande. Daß sich auch der Bürger an diesem Tage als „Arbeiter“, sei es der Stirn, sei es der Faust, zu kostümieren hatte, waren die kleinen Spesen, mit denen er sich belasten lassen mußte. Der Arbeiter war in die bürgerliche Ordnung hineingeschmiedet.
(Ernst Niekisch, Das Reich der niederen Dämonen – eine Abrechnung mit dem Nationalsozialismus, S. 39/40.)

Unter „Antikapitalismus von rechts“ fand man beim einstigen „Kampfbund Deutscher Sozialisten/KDS“ folgende Aussagen die zeigen, daß es sich um klassische Sozialdemagogie hitleristischer Prägung handelt – kurz von mir kommentiert:

– 1 –:

Da die Marxisten den Arbeiter in seiner proletarischen Absonderung dem Kapital als Verfügungsmasse erhalten wollten, wandten sich die Nationalsozialisten auch gegen den Marxismus als entscheidendes Hindernis für die Entproletarisierung und Gleichberechtigung des deutschen Arbeiters. An die Stelle kosmopolitischer Phrasen setzten die Nationalsozialisten die konkrete nationale Solidarität („Sozialismus der Tat“). Sie wollten den Arbeiter wieder hineinführen in das Vaterland der nationalen Freiheit und sozialen Gerechtigkeit.

Der Arbeiter bleibt „dem Kapital als Verfügungsmasse erhalten“, wenn selbiges enteignet und entmachtet wird? „Eintopfsonntage“ und „Winterhilfswerk“ als „Sozialismus der Tat“?

– 2 –:

Die Sozialisierung der Herzen und Hirne war im Dritten Reich wichtiger als die Sozialisierung der Produktionsmittel.

Mit anderen Worten: „Nationalsozialismus“ = Vernebelung der „Herzen und Hirne“ statt „Sozialisierung der Produktionsmittel“.

– 3 –:

Durch die Beseitigung jüdischer Seilschaften, der Cliquenwirtschaft marxistischer Bonzen hatten zum erstenmal alle Deutschen die Möglichkeit einer kreativen Selbstentfaltung.

„Frei entfalten“ konnten sich vor allem SA-Schergen, „Arisierungs“gewinnler und zionistische Nutznießer der Judenverfolgung.

– 4 –:

Bis zum Kriegsbeginn konnten politische und ethnische Gegner des Systems das Land verlassen. Die Auswanderung der Juden wurde offiziell gefördert.

„Konnten verlassen“ klingt ziemlich sympatisch, besser als Emigration oder Flucht unter Zurücklassung von Heimat und oftmals auch materieller Habe. Daß in engster Kooperation mit den Zionisten das „Projekt Israel“ erst so richtig an Fahrt gewann, ist bekannt. Auch ein Grund, warum Hitler vom internationalen Finanzkapital an die Macht finanziert wurde?

– 5 –:

Der deutsche Präventivschlag fuhr wie der Blitz in eine zum Angriff aufmarschierte Sowjetarmee.

– 6 –:

Die welthistorische Rolle von Juden bei der Entfaltung der kapitalistischen Weltwirtschaft ist das Ergebnis einer Verwestlichung, d.h. einer Wanderung der Juden aus dem östlichen Mittelmeerraum in den westlichen Atlantikraum.

Bei dieser Kapitalismusanalyse braucht man natürlich auch nicht die Produktionsmittel sozialisieren.

– 7 –:

Der Marxismus übersieht bewußt die von Anfang an dominierende und beherrschende Rolle des internationalen Finanzkapitals als eigentlicher Organisator und Nutznießer der kapitalistischen Internationalisierung. Nicht umsonst wurden die Marxisten von den Volkssozialisten als „Bank – und Börsensozialisten“ verhöhnt.

Mit dieser „Verhöhnung“ wollten die Nazis lediglich von ihrem sonderbaren „Sozialismus“ ablenken, wie zudem bekannt, daß Kommunisten selbstverständlich immer von „Banken und Monopolen“ sprachen, die Rolle des Finanzkapitals im Imperialismus hinwiesen wie logischerweise neben der (Groß-)Industrie das gesamte Finanzwesen im Realsozialismus verstaatlicht wurde. Nichts davon wurde im „Dritten Reich“ praktiziert.

– 8 –:

Die Abtrennung wertvoller Agrargebiete im Osten Deutschlands und ihre Auslieferung an wurzellose, desinteressierte und leistungsunwillige russische, ukrainische, polnische, tschechische „Neusiedler“ (einschließlich der Zigeuner im Sudetenland) schadete letztlich der Nahrungsmittelfreiheit Europas und diente den internationalen Agrarkonzernen und ihren US-Lieferanten.

Vertreibung und Landraub war ohne Frage ein Verbrechen. Die chauvinistische Diffamierung der dort angesiedelten Russen und Polen hat damit jedoch nichts zu tun.

– 9 –:

Wanderer zwischen den Welten

Ernst Niekisch begrüßte in seinen „Betrachtungen zu einer Rußlandreise“ 1932 den proletarisierten „Arbeiterstaat“, in den der russische Bauer nicht mehr passt. Nach dem 2. Weltkrieg war er Abgeordneter der Ostberliner Volkskammer mit Wohnsitz in Westberlin.

Karl O. Paetel hinderten seine marxistischen Bekenntnisse in der Weimarer Systemzeit (s.a. „Sozialrevolutionärer Nationalismus“) nicht daran, nach 1933 in die USA zu emigrieren.

Es ist zutreffend und erleichtert die Distanzierung, wenn sich die KDS-Hitleristen von Nationalrevolutionären wie Niekisch und Paetel abgrenzen. Es waren diese beiden, die neben Ernst Thälmann vor den Folgen der „NS“-Machtergreifung für Deutschland warnten.

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3 Gedanken zu “Kortschagin: Antikapitalismus von rechts?

    • Hallo Cåylér,

      ich habe Deinen Kommentar unter diesen Beitrag verschoben, da er thematisch besser paßt.

      Wenn ich es richtig verstanden habe, will uns Paul Joseph Watson in seinem Video erklären, daß der Korporatismus nicht etwa lediglich das ist, was man bisher als Staatsmonopolistischen Kapitalismus bezeichnet hat, sondern mit Kapitalismus (was wiederum nur ein anderes Wort für „Marktwirtschaft“ ist), reinweg gar nichts zu tun habe.

      „Der Faschismus sollte Korporatismus heißen, weil er die perfekte Verschmelzung der Macht von Regierung und Konzernen ist.“ Benito Mussolini

      Marktradikale „Libertäre“ (wie sich diese Rechtsradikalen bisweilen nennen) wollen uns obendrein suggerieren, daß jedwede technische Entwicklung nicht nur positiv, sondern auch das Ergebnis der anarchischen, auf Eigennutz abzielenden Marktwirtschaft also des Kapitalismus sei, ohne Belege dafür beizubringen.

      Ein guter Kommentar unter dem Video:

      Intelligenz und harte Arbeit werden mit Reichtum belohnt… Sagt er, der Hanswurst da in dem Video. Da fällt mir vor Lachen ein Ei aus der Hose. 🙂 🙂 :)

      Kurz: Der „Korporatismus“ ist ein anderes Wort für Staatsmonopolistischen Kapitalismus – mMn zuerst von Faschisten in Umlauf gebracht zu dem Zweck, Kapitalismuskritik oberflächlich zu halten, eigene soziale, antikapitalistische Demagogie an den Mann zu bringen und damit die sozialistische Bewegung zu schwächen.

      Auf Wikipedia heißt es zutreffend:

      Staatsmonopolistischer Kapitalismus (SMK) oder Staatsmonopolkapitalismus ist eine … Bezeichnung für die Verschmelzung des imperialistischen Staates mit der Wirtschaft – die in dieser Phase nur noch aus dünn maskierten Monopolen bestehe – zu einem einzigen Herrschaftsinstrument unter Führung einer Finanzoligarchie …

      Beste Grüße

      Detlef

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