Kortschagin: Der „linke Flügel“ der NSDAP

Zur Diskussion – Ein Gastbeitrag von „Kortschagin“:

Der „linke Flügel“ der NSDAP

Kein prominenter Naziführer hat sich bei aller sozialistischen Demagogie jemals vom kapitalistischen Eigentumsprinzip entfernt oder die kapitalistische Wirtschaftsordnung an sich in Frage gestellt. Die Strassers wollten höchstens einen Teil der Arbeiter durch Siedlungsförderung und Ausgabe von Belegschaftsaktien zu kapitalistischen Kleineigentümern werden lassen.

Der „Sozialismus“ des „linken“ NSDAP-Flügels beschränkte sich lediglich auf die Forderung nach Anteil der Arbeiter am Besitz und an der Leitung. Dadurch sollte eine verbürgerte Arbeiteraristokratie geschaffen werden, die sich mit dem kapitalistischen Wirtschaftssystem identifiziert und dem Klassenkampf entsagt. Das Eigentum und die Verfügungsgewalt über die Produktionsmittel sollten selbstverständlich beim Kapitalisten verbleiben.

Bei besonders schweren Verfehlungen e i n z e l n e r Kapitalisten sollte der faschistische „Fürsorge“staat im Interesse der gesamten Kapitalistenklasse systemstabilisierend eingreifen, um zu verhindern, daß sich die Arbeiterklasse radikalisiert.

Dieses System wurde nach 1945 unter dem Namen „Soziale Marktwirtschaft“ von zahlreichen ehemaligen Nazis (z. B. Arbeitgeberpräsident Schleyer) zwecks volksgemeinschaftlicher „Versöhnung von Kapital und Arbeit“ in die Tat umgesetzt und ist mittlerweile an der kapitalistischen Dynamik gescheitert.

Die Forderungen der Strasser-„Sozialisten“, waren in keiner Weise antikapitalistsch oder revolutionär. Die „linken“ NSler waren im Gegensatz zum großbürgerlichen Hitler-Flügel kleinbürgerlich-reformistische Reaktionäre, die wieder ins „Goldene Zeitalter“ der freien Konkurrenz und des kleinbürgerlichen Eigentums zurückwollten.

Die Entwicklung des Konkurrenzkapitalismus zum weltumspannenden Monopolkapitalismus wollten oder konnten sie aufgrund ihrer ideologischen Verblendung und manglender theoretischer Analyse nicht erkennen. Die zerstörerischen Auswüchse des kapitalistischen Imperialismus erkannten sie nicht als systemimmanent, sondern machten dafür moralische Verfehlungen einzelner Kapitalisten oder eine ominöse Weltverschwörung verantwortlich.

Die heutigen Neo-NSler haben sich in diesem Sinne kein bißchen weiterentwickelt, sondern sind auf ihrem erbärmlichen theoretischen Niveau stehengeblieben.

Der militante Antikommunismus „linker“ Nazis von Strasser bis Röhm, sagt schon alles über deren angeblich „sozialistische“ Zielsetzungen. Auch der angebliche „Nationalrevolutionäre Sozialist“ Röhm hatte sich die „Rettung des Abendlandes vor dem Bolschewismus“ und die Zerschlagung der deutschen Arbeiterbewegung zum Ziel gemacht.

Dem „Sozialsimus“ der SA-Banden lag lediglich der Wunsch nach einem Eigentumstransfer innerhalb des kapitalistischen Systems zugrunde. Als Dank für die Schergendienste, die man dem Bürgertum geleistet hatte, wollte man mit Posten und Reichtümern belohnt werden. Man wollte nicht die Bourgeoisie als Klasse stürzen, sondern selber Bourgeois werden.

Der „linke“ wie „rechte“ NS steht somit voll auf dem Boden der bürgerlich-kapitalistischen Ordnung. Unterschiede gibt es lediglich in den Methoden, nicht in der Zielsetzung. Der „Sozialismus“ Röhmscher Prägung war nichts anderes, als revolutionär getarntes „Gangstertum“. Das die SA nur das niedriggesinnte Lumpenproletariat, aber nicht die klassenbewußte Arbeiterschaft für sich gewinnen konnte, ist bezeichnend.

„Der Gangster ist der Mann, der sein Schicksal nicht akzeptiert. Er ist kein Revolutionär; er will die bürgerliche Ordnung nicht umstürzen; er will nur sein persönliches Los verbessern. Der Gangster und der Kommunist leben nicht nur in ganz verschiedenen Zonen, sondern innerhalb ihrer Zonen in verschiedenen Höhenlagen. Der Gangster hat mit dem Kommunisten schlechthin gar nichts, mit dem Bürger allerhand gemein. Der Gangster betreibt die individuelle Bereicherung wie der Bürger; aber er betreibt sie ohn juristische Bemäntelung. Was der Bürger seinen Nächsten mit Paragraphen abjagdt, das holt sich der Gangster, indem er mit dem Revolver knackt. Bürger wie Gangster wollen es individuell zu etwas bringen; der Gangster nimmt direkt, was er will; der Bürger eignet es sich an, indem er sich Rechtstitel verschafft.“ (Ernst Niekisch: das Reich der niederen Dämonen)

Mit den Strassers und Röhm als „Führer“ wäre es letztlich auch nicht viel anders gekommen, als mit Hitler und Himmler, außer vielleicht, daß erstere nicht ganz so fanatische Rassisten waren. Den Krieg gegen den russischen Arbeiterstaat hätten aber auch die „linken“ NSler geführt. Der „linke“ NS wäre somit keine Alternative zum Hitlerifaschismus gewesen. Diktatur und Krieg hätten nur durch eine sozialistische Revolution verhindert werden können.

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