Ernst Niekisch: Hitler – ein deutsches Verhängnis

Ernst Niekisch

Ernst Niekisch

Der deutsche Sozialist und Patriot Ernst Niekisch über den Nazismus:

Die Arbeitsbeschaffung blendete Millionen proletarischer Augen; sie sahen nur mehr die Lohntüte, die sie nach langer Frist wieder in Empfang nehmen durften, sie sahen nicht mehr, was um die Lohntüte herum vor sich ging.

Die Arbeitslosen waren für das Bürgertum ein Gegenstand tiefster Beunruhigung, eine Zentnerlast auf der Seele gewesen. Ihr Dasein war eine sinnfällig Anklage gegen das bürgerlich-kapitalistische System. Wenn die bürgerliche Ordnung Millionen der Arbeiterbevölkerung nicht beschäftigen und ernähren konnte, dann war sei eine Sackgasse; dann war die private Initiative eine Pfuscherei und das private Eigentum ein frecher Diebstahl.

Da die Not der Arbeitslosigkeit auf kapitalistische Weise nicht zu beheben war, fiel es schwer, die drängenden Ratgeber abzuweisen, die für den kommunistischen Ausweg warben. Die Arbeitslosigkeit war die morsche Stelle der bürgerlich-kapitalistischen Ordnung, von wo aus der kommunistische Umsturz eines Tages ins Rollen kommen konnte.

Gewiss hatte Hitler schon seit 1930 die Gefahr, die von den Arbeitslosen drohte, weitgehend neutralisiert; Hunderttausende von ihnen setzten auf das Hakenkreuz stärkere Hoffungen als auf den Sowjetstern. Indes waren sie auch in der Gefolgschaft Hitlers unsichere Kantonisten; jeden Augenblick konnten sie zu den Kommunisten überschwenken. Sie mussten von der Straße fort und in feste Verhältnisse versetzt werden; dann war der Beweis geglückt, dass die bürgerlich-kapitalistische Ordnung noch immer auf der Höhe ihrer Aufgabe stehe.

Allerdings war die Wirtschaftsbelebung durch Staatsaufträge keine echte und natürliche Bereinigung der Arbeitslosenkrise; künstliche Veranstaltungen sprangen für das ein, was die kapitalistische Gesellschaft selbst schuldig geblieben war. Trotzdem war man ein Stück weitergekommen. Man hatte den Schein für sich; wer am Zahltag seien Lohn oder sein Gehalt einstrich, fragte wenig danach, ob sein Betrieb der Krücken staatlicher Subvention bedurfte oder nicht. Er stand unter dem Eindruck, dass der Kapitalismus wieder funktionierte und dass er selbst Nutzen davon habe. Er konnte den Schluss ziehen, dass der Arbeiter eben doch am besten mit der kapitalistischen Ordnung fahren.

In dem Maße, in welchem sich die Betriebe für das Arbeitslosenheer wieder öffneten, wurde es dem Bürgertum leichter ums Herz; die Spannungen, die die soziale Atmosphäre so unheimlich gemacht hatten, verloren sich; das kommunistische Gewölk verzog sich, bevor es zu gefürchteten Entladungen kam. Das Bürgertum griff unbedenklich nach der Staatshilfe; es hoffte, damit die wirtschaftliche „Initialzündung“ auszulösen. Die künstliche Konjunktur, die es mit staatlichen Mitteln schuf, sollte die echte kapitalistische Konjunktur, die ohne Nachhilfe aus ihren eigenen Bedingungen heraus die Arbeitslosen aufsaugte, in Gang bringen.

Die Konjunktur war im Grunde genommen nur eine Rüstungskonjunktur; sie war das große Geschäft der Schwerindustrie. Das Großbürgertum machte einen gewaltigen Schnitt; was für Bauern, Mittelstand und Arbeiterschaft abgefallen war, waren doch nur Brosamen, kleine Provisionen und Prozente, Beschwichtigungspillen und Schweigegelder.

Großbürgertum und Heer hatten festliche Zeiten; für sie ging es hoch her: die Gelder, die vor 1933 in Hitlers Unternehmungen gesteckt worden waren, flossen reichlich zurück, und der Bund zwischen Reichswehr und Hitler, den Röhm einst gestiftet und Hindenburg im Januar 1933 feierlich besiegelt hatte, überschüttete die Wehrmacht mit einer Segensfülle, die sogar für sie nach ihrer Weltkriegsniederlage überraschend kommen musste.

Die künstliche Wirtschaftsankurbelung zog die Erwerbslosen in die Betriebe. Nachdem die Regierung Milliarden verschleuderte, war es keine Hexerei, der Arbeitslosigkeit Herr zu werden. Die Wohlfahrtsunterstützungen verwandelten sich in Arbeitslöhne; sie überragten kaum die Höhe der bisherigen Unterstützungssätze. Mehr als einmal wurde von Beobachtern berechnet, wie zwar Millionen Menschen in Arbeit gekommen seien, wie sich aber im Verhältnis dazu die Gesamtlohnsumme nur unbeträchtlich vermehrt habe. Die Proletarier arbeiteten, aber sie verdienten nichts. Je mehr unrentable Produktionsstätten erschlossen, minderwertige Materialien verwertet , schlechte Ersatzstoffe erzeugt und verarbeitet wurden, desto schwerer und entbehrungsreicher wurde für die Volksmassen das Leben. Dem Aufbauwerk der Hitlerschen Vierjahrespläne entsprach das soziale Abbauschicksal, das über die Volksmassen erbarmungslos hereinbrach. Die deutsche Rüstung hatte nicht ihresgleichen und die Ersatzstoffindustrien blühten auf: die Volksmassen jedoch kamen dabei auf den Hund.

Der Arbeiter war nicht nur zum Hunger verurteilt: er verlor auch seine Freizügigkeit und die Verfügungsrechte über seine Arbeitskraft. Der kleine Mann wurde Kujon, mit dem die obrigkeitlichen Treuhänder der kapitalistischen Ordnung nach Belieben umsprangen. Bis in die privatesten Lebensbezirke hinein wurden die kleinbürgerlichen und proletarischen Massen reglementiert und in militärische Disziplin genommen; sie verloren die letzten Reste einer politischen, sozialen und wirtschaftlichen Freiheitssphäre. Sie sollten sich nicht mehr rühren können, sie sollten, wie der Soldat an der Front, nicht einmal mehr murren dürfen.
(Ernst Niekisch, Das Reich der niederen Dämonen – eine Abrechnung mit dem Nationalsozialismus, Rowohlt-Verlag 1953, Nachdruck 1980 im Ahde-Verlag Berlin)

Der Arbeiter war an seinen 1. Mai gewöhnt; er sollte ihn behalten, freilich auch sein Wunder erleben, was daraus gemacht wurde. Immer war er an diesem Tage aufmarschiert: auch fernerhin sollte er es tun. Aber nicht mehr als Kämpfer gegen den Kapitalismus sollte er auf die Straße gehen: er erschien dort in endlosen Kolonnen auf den Befehl der bürgerlichen Diktatur, die ihn unterjochte. Hitler führte den Großbürgern die Gefangenen vor, die er aus dem Bürgerkriegsunternehmen, welches er für sie gewonnen hatte, einbrachte.

Der 1. Mai, der für den klassenbewußten Arbeiter bisher der Tag seines größten klassenkämpferischen Stolzes gewesen war, wurde für ihn nunmehr der Tag seiner tiefsten Erniedrigung und Schande. Daß sich auch der Bürger an diesem Tage als „Arbeiter“, sei es der Stirn, sei es der Faust, zu kostümieren hatte, waren die kleinen Spesen, mit denen er sich belasten lassen mußte. Der Arbeiter war in die bürgerliche Ordnung hineingeschmiedet.
(Ernst Niekisch, Das Reich der niederen Dämonen – eine Abrechnung mit dem Nationalsozialismus, S. 39/40.)

Ernst Niekisch gegenüber Benito Mussolini, 1935:

„Hitler gebe sich dem Irrtum hin, von den westlichen Mächten die Befugnis zu bekommen, Rußland zu zerstören und als seine Beute einzustreichen. … Die antirussische Linie Hitlers werde damit enden, daß sich Deutschland in einen Zweifrontenkrieg stürze, indem es zugrunde gehen müsse.

Mussolini entgegnet:

„Dies ist es, was ich Hitler auch immer sage! Wenn Hitler durch seine törichte Politik Rußland in die Arme Frankreichs und Englands treibt, dann wird Deutschland, wird Italien, wird ganz Europa zugrunde gerichtet werden.

Aus: Ernst Niekisch, Gewagtes Leben – Begegnungen und Begebnisse, Kiepenheuer & Witsch 1958, Seite 263/264

Hitler wurde noch zur rechten Stunde zum Kardinal der bürgerlichen Gesellschaft erhoben; die Wirtschaftsführer waren flink genug gewesen und hatten nicht gespart. Seitdem übt er die Methode des Rebellen, um die legitime bürgerliche Sache zu retten. Das ist sein sozialer Jesuitismus, der keinem, der noch seine Geruchsnerven hat, verborgen bleibt. Sein „nationaler“ Sozialismus ist die zeitgemäße Schutzfärbung des erschütterten Kapitalismus; der Kapitalismus bedient sich ihrer, damit er in den Reihen seiner natürlichen Feinde Eingang finde, um sie entwaffnen zu können.
(Ernst Niekisch, „Hitler – ein deutsches Verhängnis“, Widerstandsverlag Berlin 1931, Nachdruck 1990 im Bublies Verlag, S. 20)

Ernst Niekisch über den Rassismus der Nazis:

Ist der Arier auch ein Gespenst, so erfüllt er doch seinen Zweck, wenn die Masse ihre Zeit damit verschwendet, seinen Umtrieben von der geschichtlichen Vergangenheit bis zur Gegenwart nachzuspüren. Wen die Rassenfrage nicht mehr schlafen läßt, der hat sonst keine Sorgen mehr, und wer jüdische Bettlakengeheimnisse ausschnüffelt, der steckt seine Nase gewiß nicht mehr in die Bilanzen der Aktiengesellschaften. Je mehr einer mit Biologie gefüttert wird, desto weniger Appetit hat er auf Soziologie; je mehr einer hinter den Methoden der Aufnordung her ist, desto kälter lassen ihn die kapitalistischen Ausbeutungspraktiken der Bourgeoisie. Die ‚Reinheit des Blutes’ raubt der Kümmerlichkeit des Lebensstandards die Bitterkeit, und wer Rassestolz hat, kommt leichter darüber hinweg, wenn es ihm an Brot fehlt. (Ernst Niekisch, Das Reich der niederen Dämonen – eine Abrechnung mit dem Nationalsozialismus, S. 53)

Ernst Niekisch ist wie Karl Otto Paetel, den Aufbruchkreisleuten Bodo Uhse und Beppo Römer einer der hervorragenden Männer des national-revolutionären Widerstandes der damaligen Zeit. Die demokratisch-liberal-kapitalistische „Mitte“ lehnten sie ebenso ab wie den aufkommenden Hitlerfaschismus und den doktrinären Kommunismus, mit dem sie nach der Veröffentlichung des nationalen Programms Ernst Thälmanns und angesichts der faschistischen Gefahr jedoch eine Volksfront und Kampfgemeinschaft eingingen.

Heute befinden sich jene wenigen Deutschen, die sich in dieser Tradition sehen, also national und sozialistisch ausgerichtet sind, in derselben politischen Situation, nur bedeutend perspektivloser, da es weder Schriften geschweige denn Organisationen gibt, die eine solche Zielsetzung vertreten. Diese „irren“ dann vermeintlich zwischen antisozialistischen „rechten“ Nationalen und antideutschen „linken“ Sozialisten hin und her, sich von Neonazis fern haltend, oder ziehen sich aus der Politik zurück.

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6 Gedanken zu “Ernst Niekisch: Hitler – ein deutsches Verhängnis

  1. Noch immer gibt es Zeitgenossen, die sich vom „Sozialismus“ im Nationalsozialismus blenden lassen. Daher soll hier noch einmal deutlich gemacht werden, dass sich hinter diesem Etikett nichts anderes verbirgt als ein weiterer Betrug am abhängig Arbeitenden.

    Bei der Machtübernahme haben die Nazis nicht nur die Organisationen der Arbeiterbewegung (SPD, KPD, Gewerkschaften) zerschlagen, sondern unbekümmert auch gleich deren Vermögen eingezogen – eine beispiellose Enteignung der Arbeiterschaft.

    Als Feigenblatt installierte das neue Regime dafür die Deutsche Arbeitsfront (DAF), die es dem Unternehmer erlaubte, sich endlich wieder als „Herr im Haus“ aufzuführen. Gleichzeitig wurden die Betriebsräte aufgelöst und teilweise durch rechtlich völlig einflusslose „Vertrauensräte“ ersetzt. Obwohl es mit Streikrecht und Tarifautonomie vorbei war und die DAF auch andere Arbeiterinteressen weder vertreten konnte noch wollte, war die Mitgliedschaft für alle Beschäftigten Pflicht, die Beiträge wurden gleich von der Lohnbuchhaltung abgezogen (und von den Nazis massenweise zweckentfremdet. Zum Beispiel für die Rüstung [1]).

    Aber haben die Hitleristen nicht die „Arbeitsschlacht“ gewonnen, soll heißen, die Massenarbeitslosigkeit beseitigt? Auch wenn es auf dem ersten Blick so aussieht, sollte man nicht vergessen, dass es einige Umstände gab, die ihnen dabei in die Hände spielten.

    · Als die Nazis an die Macht kamen, war der Höhepunkt der Wirtschaftskrise bereits überschritten.

    · Allein schon die gigantische Zahl der vorübergehend Inhaftierten und die 50.000 KZ-Insassen (2) im Jahr 1933 (vornehmlich Aktivisten der Arbeiterbewegung) mitsamt dem erheblichen „Bedarf“ an Wachtmannschaften müssen einen Einfluss auf die Arbeitslosenstatistik gehabt haben.

    · Gegen Hungerlöhne wurden Arbeitslose in die „Landhilfe“ gedrängt oder für Projekte verpflichtet, die bereits in der Zeit der Republik geplant wurden („Reichsautobahnen“).

    · Berufstätige Frauen erhielten Prämien, wenn sie zu Heim und Herd zurückkehrten.

    · Nach und nach wurden zehn- und Hunderttausende von Juden aus ihren Berufen gedrängt, ohne in den Arbeitslosenstatistiken aufzutauchen, die gleichzeitig durch das Nachrücken der „Arisierer“ und anderer Profiteure entlastet wurde.

    · Vor allem aber sorgte die mächtig angekurbelte Aufrüstung für eine massive Nachfrage an Arbeitskräften.

    Dass die Arbeiter ihre Interessen nicht mehr aktiv verteidigen konnten, musste natürlich Auswirkungen haben. Trotz zunehmender Beschäftigung sank der Anteil der Löhne und Gehälter am Volkseinkommen von 1928 bis 1938 von 62% auf 57%, während die Profite aus Vermögen und Unternehmen ständig wuchsen (1).

    Und wie war das mit dem „Kraft-durch-Freude“-Programm (KdF)? Haben die Nationalsozialisten es nicht fertiggebracht, die deutschen Arbeiter auf Kreuzfahrtschiffen ins Mittelmeer auf Urlaub zu schicken? In Wahrheit handelte es sich bei KdF um eine Art von Sozialismus, die auch noch dem schlimmsten Wirtschaftsbonzen gefallen haben dürfte. Eine zynische Umverteilung von unten nach oben, in der Propaganda allerdings mit diabolischer Genialität als soziale Revolution ausgeschlachtet.

    Finanziert wurden die KdF-Aktivitäten aus den Zwangsbeiträgen für die DAF, dem alten Gewerkschaftsvermögen und diversen Einzelsammelaktionen, die oft alles andere als freiwillig waren, zum Beispiel befohlene Mehrarbeit ohne Vergütung. Und wem kamen diese Summen zugute? Nach Angaben der Schiffsbesatzung waren unter den Passagieren auf der Kreuzfahrt nach Norwegen höchstens 10% Arbeiter, auf der Tour nach Madeira kein einziger. Der Anteil „verdienter“ Parteifunktionäre dürfte dagegen erheblich gewesen sein (1).

    Ähnlich rührend auch, mit welcher Hingabe sich Winterhilfswerk und andere Sammelorgien um die Ärmsten der Armen kümmerten: „Anlässlich der Hochzeit des Dresdner Oberbürgermeisters wurden allen städtischen Arbeitern und Angestellten 3 Monate lang bei jeder Lohnabrechnung die Pfennigbeträge abgezogen, um dem Herrn Oberbürgermeister ein Auto zur Hochzeit zu schenken“ (zitiert nach 1).

    Und damit sind wir schon mitten in der Untersuchung der nächsten Eiterblase des NS-Regiments: Bei der Korruption. Wahrscheinlich hat ein Machtwechsel selten eine derartige Schlammflut an Schiebern, Gewinnlern, Neureichen und Goldfasanen ans Tageslicht gespült. Nur zwei Beispiele seien genannt: Obwohl das Recht in den Konzentrationslagern wohl kaum besonderes Augenmerk auf sich zog, hatte die SS gleich eine ganze Kompanie von Richtern bestallt, die in die verschiedenen Lager ausschwärmten. Im hoffnungslosen Kampf gegen die ausufernde Korruption der Lagerleitung (3).

    Das letzte Beispiel verdient ein längeres Zitat. Es geht um den Reichsmarschall Göring:

    „Allein der Ausbau des Jagdhauses Carinhall zur luxuriösen Residenz des ‚Reichsmarschalls’ Herrmann Göring kostete den Steuerzahler mehr als 15 Millionen Reichsmark. Die bloßen Verwaltungskosten für ‚Carinhall’ schlugen jährlich mit 475.000 RM zu Buche, von denen drei Viertel vom Reich und ein Viertel vom Staat Preußen zu tragen waren. Darüber hinaus besaß Göring einen ‚Reichsjägerhof’ im ostpreußischen Rominten, eine Villa im Hof des Reichsluftfahrtministeriums in Berlin, ein ‚Alpenhaus’ auf dem Obersalzberg, die Burg Veldenstein bei Neuhaus an der Pegnitz sowie insgesamt fünf Jagdhäuser in Pommern, auf dem Darß in Nidden und am Fluss Pait in Ostpreußen sowie am Königssee.

    Auf Reisen benutzte der ‚Reichsmarschall’ einen luxuriösen Sonderzug, der ständig u. a. zehn Automobile sowie eine Bäckerei mitführte. Die Inneneinrichtung der Waggons bestand u. a. aus edelsten Hölzern. Allein die beiden von Göring bewohnten Wagen kosteten den Staat – ohne die Einrichtungskosten – insgesamt 1,32 Millionen RM. Im Jahr 1937 schenkte der Reichsverband der Automobilindustrie dem damaligen Preußischen Ministerpräsidenten die Yacht ‚Carin II’, deren Baukosten 750.000 RM betragen hatten. Görings Kunstsammlung, die aus geschenkten, angekauften, aber auch in großem Stil geraubten Stücken bestand, umfasste u.a. 1375 Gemälde, 250 Skulpturen und 168 Wandteppiche, die einen Gesamtwert von mehreren hundert Millionen RM aufwiesen. Gegenüber dem Finanzamt suchte Göring sein Privatvermögen kunstvoll zu verschleiern … 1943 bezifferte er sein Jahreseinkommen auf lediglich 40.000 RM“ (zitiert nach 3).

    Das also ist der Sozialismus der Nationalsozialisten: Ein gigantischer Vernichtungs-, Plünderungs- und Unterdrückungsraubzug gegen die Arbeiterschaft und ihre Führer zum Nutzen eines Klüngels geschmacksverirrter Neureicher. Die Vorbereitung von Angriffskriegen, deren größten Opfer immer und prinzipiell von der Arbeiterschaft zu tragen sind. Und als Krönung des Plans der Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion, dem ersten sozialistischen Staat auf diesem Planeten.

    1. Albrecht, Karl-Otto (1997): Wie sozial waren die Nationalsozialisten? Frankfurt/Main.
    2. Pohl, Dieter (2003). Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit 1933-1945. Darmstadt.
    3. Bajohr, Frank (2001): Parvenüs und Profiteure. Korruption in der NS-Zeit. Frankfurt/Main.

  2. Wie findest du die Seite „sachedesvolkes.wordpress.com“? Diese soll sich ja nach eigener Erklärung auf Ernst Niekisch und Karl Otto Paetel bekennen. Aber halt auch auf diesen Otto Strasser. Was ja kein Sozialist sein soll.

    • Mit Jürgen Schwab, der diesen Blog betreibt, hatten wir vor zehn Jahren zu tun. Wir merkten schnell, daß wir mit seiner Linie nicht übereingehen. Sein „Sozialismus“ entsprach den Täuschungsmanövern, die einst Otto Strasser und der „linke Flügel“ der NSDAP (Röhm, Gregor Straßer usw.) anpriesen, einen Antikapitalismus von rechts suggerierend. Nicht zuletzt jedoch seine Weigerung, sich vom Neonazismus zu distanzieren, konkret der NPD, führte dazu, daß wir uns von ihm lossagten und die Teilnahme an einer von ihm organisierten Arbeitstagung „Nationalrevolutionär heute“ stornierten. Neuerdings beruft er sich vermehrt auf Niekisch, Scheringer und Paetel – Antifaschisten und Sozialisten, die sich gegen diesen Mißbrauch ihres Namens nicht wehren können. Diese unsere wohlbegründete Kritik hat er insbesondere mir nie verziehen, was einen jahrelangen Rachefeldzug unterster Preisklasse zur Folge hatte – er stellte quasi das rechte Gegenstück zum ebenso psychotischen Stalinistendarsteller Günter Ackermann dar, den wir uns während der NL.PNZ-Aktivitäten eingetreten hatten. Seidem ist Schwab nicht mehr ernstzunehmen, selbst in der NPD und ihrem Umfeld hat er sich durch seine Allüren isoliert – wie Ackermann bei den Kommunisten. In unserer Bekanntmachung zur Gründung des Aufbruchkeises Ende 2005 sind wir sowohl auf den rechten Flügel der zuvor aufgelösten Partei Nationale Linke.Partei Neue Zukunft (NL.PNZ) als auch Schwab eingegangen.

      Bekanntmachung

      Nachdem das Projekt der Gründung einer patriotischen Linkspartei an den kleinbürgerlich-reformistischen Standpunkten einiger Mitglieder gescheitert ist, hat sich die Einsicht durchgesetzt, daß für die Schaffung einer solchen Partei die Zeit noch nicht reif ist. Während die bürgerlich-reaktionären Kräfte der Rest-Partei sich wieder der braunen Volksgemeinschaftslüge und Mittelstandsverherrlichung zugewandt haben, soll unter dem Dach des Aufbruch-Forums die linksnationale Linie konsequent weiterverfolgt werden.

      „Ohne revolutionäre Theorie kann es auch keine revolutionäre Bewegung geben.“ Ohne theoretischen Hintergrund, ohne klare Zielvorstellungen und Begriffe sowie gemeinsames Handeln wird jeder Versuch, in Deutschland linksnationale Politik zu betreiben, in bloße Handwerkelei ausarten und letztlich scheitern. Diese Einsicht wurde durch das NL.PNZ-Debakel erneut bestätigt. In gewissem Sinne auch durch das Scheitern der für Oktober geplant gewesenen Arbeitstagung „Nationalrevolutionär heute“, denn auch dort haben reaktionäre Kräfte dominieren und ihre destruktive Wirkung entfalten können.

      Bevor der erneute Versuch eines organisatorischen Zusammenschlusses gemacht werden kann, müssen im Vorfeld noch vielfältige ideologische Klärungsprozesse ablaufen. Hierzu möchte das Aufbruch-Forum als überparteilicher und organisationsunabhängiger Sammelpunkt nationalrevolutionärer Sozialisten beitragen. Jeder, der an einer solchen Diskussion interessiert ist, ist deshalb aufgerufen, sich einzubringen.

      Da es in Kreisen der NS-Nostalgiker und einiger bürgerlicher Reaktionäre mittlerweile zum guten Ton gehört, sich als „nationalrevolutionär“ zu bezeichnen und mit linken Phrasen und Symbolfiguren hausieren zu gehen, muß eine deutliche Abgrenzung von allen Versuchen, sozialistisches Gedankengut für bürgerlich-reaktionäre Zwecke zu instrumentalisieren, stattfinden. Nationale und rechte (i. S. von Reformierung/Restauration der bürgerlich-kapitalistischen Ordnung) Positionen müssen klar unterschieden werden, unser proletarischer Klassenstandpunkt muß unverrückbar sein.

      In diesem Zusammenhang ist es wichtig, Ziele, Aufgaben und Perspektiven eines zukunftsfähigen sozialistischen Patriotismus klar zu definieren, um sich gegenüber dem bürgerlichen bis faschistischen Nationalismus als demokratische und antifaschistische Alternative zu positionieren.

      Der Aufbruch-Kreis sieht sich in der Tradition nationalrevolutionärer Strömungen der Weimarer Republik. Stellvertretend seien die Namen Niekisch und Paetel genannt, aber auch und vor allem Thälmanns KPD mit ihrem „Programm zur nationalen und sozialen Befreiung des deutschen Volkes“ und die Aufbruch-Kreise im Geiste des Leutnants a. D. Richard Scheringer.

      Die nationale und soziale Befreiung des deutschen Volkes ist nur möglich durch den Sturz der bürgerlich-kapitalistischen Ordnung. Der Aufbau des Sozialismus ist nur möglich unter dem Dach einer freien deutschen Nation. Aus dem Bekenntnis zum Sozialismus, Internationalismus und Patriotismus folgert eine konsequente Abgrenzung gegenüber dem Faschismus, Kapitalismus und nationalem Nihilismus.

      Diese Einsicht ist der Minimalkonsens, auf dem das Aufbruch-Projekt beruht. Jeder, der diese Einsicht teilt, ist als Mitglied im Forum willkommen.

      Kortschagin/Baatz/Nolde

      http://www.aufbruch-kreis.de.vu

      • „Diese Webseite ist nicht Verfügbar“ kommt wenn ich auf den Link gehe. Und glaub du hast irgendwie Kommentare von mir und von dir gelöscht die ich vor einigen Tagen beim Thema „Kortschagin: Überfremdungsfrage als Bestandteil der nationalen Frage“. Bin noch mal drauf gegangen und da sind sie nicht mehr.

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