Nation und Sozialismus – eine Entwicklung

Mit freundlicher Genehmigung des Verfassers:

Nation und Sozialismus – eine Entwicklung

Wer heute noch glaubt, eine gesellschaftliche und politische Wende, die sich wirkliche Chancengleichheit, vergleichbare persönliche Ausgangsbedingungen und ehrliche zwischenmenschliche Gerechtigkeit auf die Fahnen schreibt, sei nur mit Hilfe eines grenzenlosen Internationalismus durchzusetzen, der hat aus der Geschichte keine oder die falschen Schlüsse gezogen. Der arbeitet bewußt oder unbewußt der kapitalistischen Globalisierung in die Hände. Und hat sein nicht materialistisch begründetes Gefühl für Zugehörigkeit längst verloren.

Wer dagegen realistisch denkt und klar sieht, der weiß: eine gerechte Gesellschaft ist nur unter Rückgriff auf die Nation zu begründen.

Umgekehrt: wer sich heute noch oder wieder als Teil einer Nation sieht oder sehen will, der muß begreifen, daß ihre Inkraftsetzung nur über eine soziale Einigung und wirtschaftlichen Ausgleich zu haben ist.

Die größten Feinde einer gerechten und lebenswerten Zukunft sind heute nationaler Nihilismus auf der einen und das Privateigentum an den volkswirtschaftlich wichtigen Produktionsmitteln auf der anderen Seite.

Die deutsche Geschichte zeigt, daß der nationale Impuls immer ein starker, wenn nicht der stärkste Motor der Einigung und Zielfindung gewesen ist. Bereits zu Zeiten der germanischen Stammeswelt traten die Fehden und Kleinkriege untereinander zurück, wenn die grundsätzliche germanische Freiheit bedroht war. Ob im Karolingerreich, im „Heiligen Römische Reich Deutscher Nation“ oder in einzelnen deutschen Kleinstaaten, immer wirkten verbindliche und als Kultur und Ordnung anerkannte Grundwerte und Traditionen im Inneren zusammenfügend und im Äußeren abgrenzend. Deutlich wurde aber auch die zersetzende Kraft der Machtanmaßung Einzelner. Doch sodann, und vielleicht erstmals in der neuzeitlichen deutschen Geschichte, zeigte ein deutscher Staat die einigende Wirkung einer Macht, die sich als „Dienen am Staat“ verstand: Preußen führte deutsches Staatsverständnis zu nationalem und internationalem Ansehen und erzeugte im Inneren durch einen strengen Kodex der Verantwortlichkeit und Organisation wirtschaftliche und gesellschaftliche Blüte. Die durch die soldatisch feste Organisation aufgestellte Armee des preußischen Staates wird von Gegnern der preußischen Idee bis heute als vorrangiges Staatsziel bezeichnet. Dennoch zeigte die Ausbildung des „Preußentums“ im Deutschen, zu welchen Leistungen ein willensmäßig geeintes Volk innen- wie außenpolitisch in der Lage ist. In Preußen selbst ist vielleicht eine erste und entfernte Annäherung an eine wesenseigene deutsche Gesellschaft erreicht worden.

Die Einigung der deutschen Länder und ihr Aufgehen im Deutschen Reich setzen einen weiteren Markstein deutscher Geschichte. Sicherlich gingen neue Stärke und Kriegsvorbereitungen Hand in Hand, doch ist das kein deutsches Phänomen und deutlich auf Führung und Zeit beziehbar. Das nationale kriegerische Erwachen endete in einer Niederlage, die es fremden Mächten erlaubte, eine unmäßige Ausbeutung Deutschlands ins Werk zu setzen. Es ist mittlerweile ein Allgemeinplatz, daß der Versailler Vertrag den Keim des nächsten Krieges in sich trug. Denn bis dahin war das deutsche Volk vielleicht ein Volk von Verführbaren (wie andere Völker auch), aber kein Volk von bedingungslosen Duckmäusern. Durch im Grunde alle gesellschaftlichern Schichten ging deshalb auch der Aufschrei der Empörung. Die Hauptlast der Reparationen trugen allerdings die Arbeiter. Der Aufstieg des Nationalsozialismus zeigt eindrucksvoll, was passieren kann, wenn man die ehrlichen und tiefen Bedürfnisse eines Volkes geschickt so einfängt, daß sie zur Grundlage eines Weltkriegs werden können.

Der Krieg ging verloren, deutsches Kapital blieb erhalten, gestützt von den internationalen Verflechtungen. Die Hauptlast trug auch hier der deutsche Arbeiter, der deutsche Bauer, der deutsche Angestellte. Am wenigsten betroffen und mitunter sogar als Kriegsgewinnler fungierte der international verflochtene deutsche Großbürger und Konzernherr, dem nach strengen Maßstäben schon längere Zeit eine echte Zugehörigkeit zum deutschen Volk bestritten werden mußte.

Das Ziel der Beseitigung der Sowjetunion, die andererseits gewiß nicht ohne Fehl und Tadel war, gelang nicht. Außerhalb ihrer Einflußzone ging man aber rasch daran, Westdeutschland zu einem Vorposten und Frontstaat des Kapitalismus aufzubauen. Mittels des schönen Scheins der Warenwelt, durch die stetig weiterwirkenden Gefühle nationaler Zusammengehörigkeit zu beiden Seiten des „Eisernen Vorhangs“, über ideologische Angriffe und Lockungen gegenüber der DDR hoffte die kapitalistische Seite, den formal sozialistischen Ostblock weichzukochen.

Die Geschichte entschied nach 40 Jahren zunächst für den Kapitalismus. Dieser fraß über die Jahre ideell und materiell an der Kraft des Gegners. Dessen Schwächung wurde ermöglicht und gefördert durch die kapitalistische Umschließung der östlichen Staaten, ihre Abtrennung von internationalen Märkten und ihr wirtschaftliches Ausbluten über die Preise für Im- und Exporte. Maßgebliche daran beteiligt war natürlich auch der Rüstungswettbewerb zwischen USA und UdSSR, der letztlich zu einer Preisgabe sowjetischer Errungenschaften durch Gorbatschow und damit zu einem Ausverkauf der sozialistischen Möglichkeit führte.

Der Untergang der DDR als unvollkommener Versuch des Aufbaus des Sozialismus in Deutschland ist neben den Gefühlen nationaler Zusammengehörigkeit, schweren innenpolitischen Fehlern und dem nach wie vor vorhandenen Konsumdenken vieler ihrer Bürger wohl auch einem anderen wichtigen Aspekt geschuldet: ihre Gründung geschah unter maßgeblicher Beteiligung der UdSSR, und sie blieb für die Zeit ihres Bestehens von jener politisch und wirtschaftlich abhängig. Ein eigener Weg zu einer gerechten Gesellschaft war so nicht möglich. Die DDR hatte in der Theorie ein fortschrittliches nationales und soziales Konzept. In der Praxis konnte es allerdings zu wenig angewendet werden. Hätte sie sich auf eigene nationale Wurzeln besinnen dürfen, wäre die Möglichkeit eines deutschen Weges zum Sozialismus in greifbare Nähe gerückt.

Heute haben wir mit der Monetarisierung und folgenden Pervertierung so gut wie aller Lebensbereiche in Deutschland zu kämpfen. Doch in einigen Nischen glimmt der Funke des Widerstands. Nahrung hätte er genug, jeden Tag wird mehr Brennstoff bereitgestellt. Ob daraus ein reinigendes Feuer wird, zeigt die Zeit.

Quelle: http://weckruf.wordpress.com/2007/05/11/nation-und-sozialismus-%E2%80%93-eine-entwicklung/

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7 Gedanken zu “Nation und Sozialismus – eine Entwicklung

  1. Was mich ständig beschäftigt wie genau die DDR am Leben geblieben wäre oder sich ein Deutscher Sozialismus über die ganze Nation (kommunistische statt kapitalistische Widervereinigung) entwickelt hätte?

    • Die BRD war wirtschaftlich attraktiver und hatte zudem noch eine freiheitlichere Ordnung zu bieten und deshalb hätte die DDR nur noch mit brutalster Gewalt und Totalabschottung am Leben gehalten werden können. Als die Schleusen in der Prager BRD-Botschaft und später Ungarn undicht wurden und im Lande selbst die Leute begannen auf die Straße zu gehen und man merkte, daß Gorbatschow nicht mehr hinter Honnecker steht und kein neuer 17. Juni droht, ging es zügig mit der Abwicklung der DDR voran, die Leute hatten die Schnauze voll.

      Vielleicht wurde aber auch auf einer Geheimkonferenz 1987 in Budapest zwischen hochrangigen Vertretern beider Lager beschlossen, in zwei Jahren die DDR abzuwickeln und was dann passierte war halt der geplante Ablauf der Dinge? Ich weiß es nicht, jedoch deutet einiges darauf hin. Wie dem auch sei, die DDR war am Ende und hat letztlich noch nie eine Legitimation gehabt, auch wenn freilich nicht alles schlecht war, weil eben versucht wurde, eine Politik zum Wohle des Volkes zu betreiben.

      Ein Sozialismus in ganz Deutschland, über die DDR hinaus? Das wäre nur als Fortführung des WK II seitens der Sowjets gen Westen möglich gewesen und wenn dann dieselbe Politik betrieben worden wäre wie in der DDR, hätte wiederum nur eine stalinistische Brutaldiktatur das Regime halten können. Vielleicht gehst Du rüber zu diesem Beitrag wo es konkret um die DDR geht, konkret die Fehler (und Verbrechen) des Sozialismus in der DDR woraus man lernen könnte wenn es darum geht, dereinst eine Gesellschaft aufzubauen, die den Kapitalismus überwindet.

      • Ok diese Seite hab ich mir schon angesehen. Was hälst du von Leon Trotzki? Einige gehen davon aus das dieser Kommunist unnational gewesen wäre? Bin mir da aber nicht sicher, weil dieser gegen Anarchie war. Hab das durch ein Zitat von Trotzki belegt. Er hätte nämlich der eigentliche Nachfolger Lenins werden sollen. Mal angenommen Stalin wäre an einem seiner Banküberfälle gestorben. Der Weg für Trotzki wäre frei. Hätte es unter ihm nicht einen besseren und überlebenssicheren Sozialismus gegeben?

        • Leo Trotzki wie die Trotzkisten bis zum heutigen Tag sind jene Fraktion bei den Kommunisten, die die nationale Frage per se negieren, von daher ist da nichts zu erwarten. Andererseits hat genau diese Haltung dazu geführt, daß sie die Vertreibung der Deutschen aus Ost- und Sudetendeutschland als chauvinistisch und verbrecherisch verurteilt haben. Dazu die AG Marxismus:

          Von zwei Lagern der Arbeiterbewegung kamen kritische Stimmen zur Vertreibung der Deutschen aus Osteuropa und zur mit dieser ursächlich zusammenhängenden These von der Kollektivschuld – von seiten der Sozialdemokratie, vor allem skandinavischer Länder und der Labour Party Großbritanniens, und von seiten oppositioneller Kommunisten – von Trotzkisten oder der alten Rechtsopposition der KPD um August Thalheimer. Die stalinisierten Kommunistischen Parteien schwiegen zu diesem Thema oder rechtfertigten die Austreibung.

          Wie es gekommen wäre, wenn Trotzki statt Stalin ans Ruder gekommen wäre, kann man nicht sagen.

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