Ex-Nazi Norbert Weidner: „Ich bin kein klassischer Nazi-Aussteiger“

norbert-weidner

Norbert Weidner während seiner Zeit als Neonazi

In diesem Interview erklärte Norbert Weidner zu seinem Rückzug aus der Neonazi-Szene, daß sich die „radikale rechte Szene im Ghetto bewegt“ und er mit „orthodoxen nationalsozialistischen Ideen nichts mehr zu tun haben“ will.

Später wurde er Mitglied der FDP und Funktionär der Deutschen Burschenschaft (DB).A

Am 24. Mai 2008 stellte er öffentlich klar, daß eine Abkehr vom Neonazismus nicht gleichbedeutend mit der Anbiederung an sensationslüsterne Medien und einer Hinwendung zum nationalen Nihilismus sein muß:

(…) Ich bin kein klassischer „Aussteiger“, sondern – das habe ich immer so betont – ein Rückzieher. (…) Ich bin auch über die Zeit müde geworden, mich für den Zeitraum 1988 bis 2004 zu rechtfertigen. In einigen Beiträgen kam unterschwellig der Vorwurf, ich könnte nur „umgestiegen“ sein und tatsächlich noch mit dem früheren Lager sympathisieren. Das erinnert mich an einen Bonner Antifa, der mir 1995 prophezeite, er würde mir irgendwann nachweisen, dass ich ein Schläfer der NS-Szene sei (Gruß an Farrukh!). Er konnte bis heute nichts beweisen. Nicht, weil ich als Schläfer so erfolgreich bin, sondern weil es einfach nichts zu beweisen gibt.

Das heißt nicht, dass ich alles verdamme, wofür ich im o.g. Zeitraum eingetreten bin. Das ist ja der Unterschied zu anderen „Aussteigern“ (und der Grund, weshalb ich nicht so genannt werden möchte): Solche Leute wie Fischer oder Hasselbach haben sich ihren Ausstieg versilbern lassen, festgestellt, dass sie von heute auf morgen alles komplett ablehnen und genau das Gegenteil vertreten. Das sind Typen, die auch in anderen Szenen hätten sein können und dann einfach alle Brücken hinter sich lassen, sich als „Aussteiger“ feiern lassen. Das ist mir zuwider. Ich habe zwei Interviews gemacht und alle folgenden, vor allem unseriöse Angebote – wie bspw. von Spiegel-TV für 10.000 DM öffentlich alles auszuplaudern – brüsk abgelehnt. Das nannte ich bereits im TAZ-Interview „politische Prostitution“ und dazu stehe ich auch noch heute!

Was die Diskussion über die Deutsche Burschenschaft angeht: Da seid Ihr wirklich auf dem Holzweg! In einem 15.000-Mann-Verband gibt es naturgemäß alle politischen Schattierungen – von PDS (!) bis NPD. Was Euch nicht klar ist, dass es Tradition in den Burschenschaften ist, Parteipolitik unbedingt herauszuhalten. Daher ist das Thema NPD völlig tabu. Und nur nebenher: als Jürgen Gansel erstmals Kontakt zu Burschenschaften bekam, war er Mitglied der CDU. Man schmeißt einen deshalb nicht raus, wenn er als Burschenschafter plötzlich einer anderen Partei angehört. Solange man sich in seiner Burschenschaft parteipolitisch absolut zurückhält, ist das kein Problem.

Zudem, wer sich zur Verfassung der Deutschen Burschenschaft bekennt, kann per se eigentlich schon kein Extremist sein. Die Deutsche Burschenschaft hat Forderungen aufgestellt, die fast wortwörtlich ins Grundgesetz übernommen wurden (Gleichwohl das Grundgesetz nicht vom dt. Volk ratifiziert wurde).

Zudem hat sich die Deutsche Burschenschaft bei ihrer Neugründung 1950 explizit von jeglichem Rassenwahn distanziert. Der Vorwurf des Rassismus kommt zwar immer wieder (meist von der Antifa) und zwar genau wegen unserer Aufnahmepraxis. Unser Deutschtumsbegriff – das wurde ja schon teilweise von Euch richtig erkannt – ist kulturpolitisch. Unsere Mitglieder müssen deutscher Abstammung sein. Ich bin Halbbrite, da meine Mutter Waliserin ist und darf genauso Mitglied sein, wie zwei mir bekannte Farbige, deren Mütter Deutsche sind und deren Väter aus Afrika stammen. Da wir ein Traditionsverband sind und uns eben auf die burschenschaftlichen Werte von 1815 berufen, nehmen wir nun einmal nur Mitglieder deutscher Abstammung auf. Das ist Teil unserer Tradition und nun einmal wirklich weitaus älter als die Rassepolitik der Nationalsozialisten. Der Vergleich hinkt ein wenig, aber würde ein Dackelverein einen Taubenzüchter aufnehmen? 😉

Gut, man kann fordern, dass man hetzutage doch über die recht antiquierte Aufnahmepraxis diskutieren kann – und solche Diskussionen finden im Verband durchaus statt. Aber sie als rassistisch zu brandmarken, geht zu weit.

Daher ist der implizite Vorwurf, meine Tätigkeit in der Deutschen Burschenschaft könnte als Beleg für die Fortführung meiner früheren politischen Tätigkeit ein Indiz sein, völliger Unsinn. Das sind zwei völlig unterschiedliche Welten, die auch rein gar nichts miteinander zu tun haben. (…)

Die Sichtweise von Norbert Weidner, wie ich einst Mitglied der neonazistischen Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei (FAP), finde ich ausgesprochen sympathisch …

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2 Gedanken zu “Ex-Nazi Norbert Weidner: „Ich bin kein klassischer Nazi-Aussteiger“

  1. Der Vollständigkeit halber seien folgende Informationen angefügt, die freilich den Ausstieg von Norbert Weidner und das, was er dazu geäußert hat, nicht entwerten, wie das Neo-Nazis gerne hätten …

    DER SPIEGEL, 10. 1. 2014:

    Einer der prominentesten Vertreter der Deutschen Burschenschaft (DB) steht unter Spitzelverdacht. Norbert Weidner, bis November 2012 Spitzenfunktionär der DB und Chefredakteur der Verbandszeitschrift „Burschenschaftliche Blätter“, soll in seiner Zeit als Führungsfigur der militanten Neonazi-Szene in den neunziger Jahren mit dem Verfassungsschutz zusammengearbeitet haben.

    Über die Spitzel-Vorwürfe gegen Weidner berichtet das auf die Beobachtung des Rechtsextremismus spezialisierte „Antifaschistische Info Blatt“ (AIB). Die Publikation beruft sich auf ein geheimes Thesenpapier des Bundeskriminalamts (BKA) aus dem Jahr 1997, in dem die Wiesbadener Polizeibehörde seinerzeit die Namen von insgesamt neun Rechtsextremisten aufgelistet hatte, die zeitweise offenbar auch als Quellen des Verfassungsschutzes agierten.

    Unter ihnen befand sich dem AIB-Bericht zufolge auch Norbert Weidner, der bis Mitte der neunziger Jahre Landesgeschäftsführer und „Auslandsbeauftragter“ der neonazistischen „Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei“ (FAP) war. Über die brisante BKA-Analyse hatte im November 2012 bereits der SPIEGEL berichtet.

    Zu den Vorwürfen sagte Weidner dem SPIEGEL, dass er sich „dazu nicht äußern“ wolle. „Die Sachlage“, so Weidner am Telefon, sei „weitaus komplizierter, als sie aus dem Artikel des AIB hervorgeht und wird dem Vorwurf, ich sei ein Spitzel gewesen, nicht gerecht“.

    Weidner beteuert den Bruch mit der Neonazi-Szene

    Klar dementieren mochte der 41-Jährige eine mögliche Kooperation mit dem Verfassungsschutz in den neunziger Jahren jedoch nicht. Konkreten Fragen, ob er jemals mit dem Inlandsnachrichtendienst zusammenarbeitete, sich als V-Person anwerben ließ oder Geld vom Verfassungsschutz erhielt, wich Weidner aus. Er erklärte lediglich: „Ich habe mir nichts vorzuwerfen.“

    Wikipedia:

    Eine Tätigkeit als V-Mann Weidners ist umstritten. In einem Verfahren gegen Gary Lauck äußerte Weidners Vater, dass er sich über die gute Information seines Sohnes über polizeiliche und justizielle Maßnahmen gewundert habe. Über eine Durchsuchung anlässlich des FAP-Verbots habe er frühzeitig Bescheid gewusst und vorher zwei Säcke mit Unterlagen vernichtet.[7]

    ZEIT ONLINE, 10. 1. 2014:

    Zum Dichthalten verpflichtet

    Weidner streitet eine Zuarbeit für den Verfassungsschutz nicht ab. Mit dem Vorwurf konfrontiert, lässt er sich Zeit. „Ich möchte mich nicht dazu äußern“, antwortet er schließlich ZEIT ONLINE. Die Sachlage sei „weitaus komplexer, als sie aus dem Artikel des AIB hervorgeht und wird dem Vorwurf, ich sei ein Spitzel gewesen, nicht gerecht“.

    Es gehört zum Wesen von V-Leuten, dass sie über ihre Tätigkeit oder Auftraggeber nicht sprechen. Auch der Verfassungsschutz schweigt zu diesem Thema. Üblicherweise verpflichten sich die Verbindungspersonen sogar schriftlich zum Dichthalten. Weidner sagt: „Ich habe mir nichts vorzuwerfen.“

    Weidner verwies schon mehrfach darauf, dass er sich von der Neonazi-Szene losgesagt habe. „Ich habe damit 1995 gebrochen“, sagte er 2012 im Gespräch mit ZEIT ONLINE. „Bei meinen rechtsextremen Mitstreitern von früher gelte ich doch sogar als bürgerlicher Verräter.“

    Norbert Weidner während seiner Zeit in der FAP:

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