Ehre den Deserteuren beider Weltkriege

Deserteurdenkmal Bernau

Denkmal für Deserteure und Verweigerer in Bernau

Während es selbstverständlich ist, daß Neonazis die Deserteure der braunen Wehrmacht als Verbrecher ansehen, so wundert sich mancher, daß selbst jene die betonen mit Nazis nichts am Hut zu haben und, diese Auffassung vertreten.

Hier handelt es sich zumeist um eine verkapppte Nähe zum einstigen Unrechtsregime bzw. dessen Ideologie, welches unser Land und Volk in den Untergang führte und unendliches Leid über viele Millionen Menschen brachte.

Ein Grund für mich jene zu ehren, die den Mut und die Möglichkeit hatten, sich den Raubzügen der Nazi-Kriegsmaschinerie zu entziehen, zu desertieren oder gar ins Ausland oder den Untergrund gingen und Widerstand leisteten, Sabotage betrieben usw.

„Deserteure der Wehrmacht“ sind nicht deshalb Helden, weil die Nachfolgeregime des Nazistaates (BRD und Österreich) sich bemüßtigt fühlten, sie nach Jahrzehnten zu rehabilitieren, sondern, weil sie zu Vorbildern geworden sind für all jene Menschen, die sich frägen, ob sie ihrem Gewissen oder irgendeinem Befehl „ihres“ Vorgesetzten folgen sollen.

So wie damals ist auch heute die (möglichst totale) Kriegsdienst- und Systemverweigerung (bis hin zu Sabotage und aktiven Widerstand usw.) angebracht wenn es darum geht, sich Angriffskriegen oder anderen von verbrecherischen Obrigkeiten angezettelten Untaten zu entziehen und sich diesen entgegenzustellen.

Mehr solcher Menschen und viel Leid und Unglück wäre uns erspart geblieben.

Dabei ist aber auch klar, daß nicht jeder „wehrfähige“ Mann die Möglichkeit, den Mut und die Einsicht für solch einen Schritt hatte, weshalb es gar nicht darum gehen kann, die Masse an „anständig“ gebliebenen Reichs- bzw. Wehrmachtssoldaten pauschal zu Verbrechern zu stempeln, was nichts daran ändert, daß sie in einem sinnlosen und verbrecherischen Krieg verheizt wurden, ob 1914-1918 oder 1939-1945.

Das links oben abgebildeten Bronzerelief des Denkmals für Deserteure und Verweigerer in Bernau (bei Berlin) zeigt einen gefesselten Menschen mit verbundenen Augen vor einer Wand mit Einschüssen. Eingeritzt steht auf der Wand: „Weil er nicht töten wollte“. Auf der davor im Boden eingelassenen Tafel heißt es:

„Gewidmet allen Deserteuren und Verweigerern,
deren Heimat die Mutter Erde ist,
die im Feind den Menschenbruder erkennen,
die statt auf Generäle auf den Befehl ihres Gewissens hören,
die nicht an Ideologien, sondern am Leben hängen,
deren Angst kleiner als ihre Liebe ist.“   Bernau 15. Mai 1998

Der Schriftsteller Reimar Gilsenbach aus Brodowin bei Eberswalde, der sich der Rekrutierung und dem „Führereid“ nicht entziehen konnte, aber bei der ersten Gelegenheit desertierte, sagte zur Enthüllung:

„In unserem Bruch des Fahneneids, in unserer Weigerung, dem Kriegsverbrecher und Völkermörder Hitler zu folgen, ruht die Würde der Nation, nicht im Marsch der Wehrmacht bis in den Kaukasus, nicht in ihrer Flucht zurück in die Ruinenwüsten des eigenen Vaterlands.“

Buchtipp: Erich Maria Remarque, „Im Westen nichts Neues“

Weitere Informationen:

http://www.offenehuette.de/denk.htm

http://www.deserteure-hannover.de/

http://www.funck.de/index.php?pcid=3&pdid=16

http://www.deserteur-denkmal.de/index.html

http://www.friedenskooperative.de/ff/ff98/4-20.htm

Themenverwandt:

https://detlefnolde.wordpress.com/2010/04/20/gedenken-an-georg-elser/

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4 Gedanken zu “Ehre den Deserteuren beider Weltkriege

  1. Dieser Artikel spricht mir aus dem Herzen, da er auch die würdigt, die passiv gegen das Hitlerregime Widerstand leisteten, in dem sie sich ganz einfach verweigerten. Wer darüber hinaus noch die Kraft fand, sand in das verbrecherische Getriebe zu streuen, hat besondere Würdigung verdient. Ich verneige mich in Ehrfurcht vor diesen Menschen, auch aus der Diktion heraus, wäre ich selbst fähig zu solchem Handeln? Ich hoffe es, hoffe aber genauso, dass ich erst gar nicht in die Situation komme, über eine solche Frage ernsthaft nachdenken zu müssen.

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