Deutsche Kommunisten – vor Hitler geflohen, von Stalin ermordet

Stalins Herrschaft wies in ihren Mitteln und Methoden viele Ähnlichkeiten mit der des Nazifaschismus auf, weshalb die Totalitarismustheorie so verkehrt nicht ist, wenn man auf die angewandten Mittel und Methoden und die realen Auswirkungen für viele als Feinde deklarierte Menschen abhebt.

So hat Stalin dieselbe Politik zur tatsächlichen oder vermeintlichen Machtsicherung- und Ausdehnung betrieben wie Hitler, plante und führte skrupellos Vertreibungen ganzer Völker durch und das Blut ungezählter Opfer klebt an seinen Fingern und den seiner Schergen.

All das  hat der Sache des Sozialismus einen schweren Ansehensverlust zugefügt, was viele Kommunisten noch viele Jahre nach Stalins Tod nicht davon abhält, den Bruch sozialistischer Prinzipien, des Klassenstandpunkts, Humanismus und Internationalismus zu leugnen oder gar zu verteidigen.

Als die Nazis, finanziert vom internationalen Kapital und an die Macht gehievt von reaktionären bürgerlichen Politikern ihren Terror gegen die sozialistische Opposition begonnen haben, waren Kommunisten die ersten Opfer, welche dann auch den höchsten Blutzoll zu entrichten hatten.

Leider verzichtete die KPD auf den gewaltsamen Kampf gegen die aufkommende Nazi-Diktatur, obwohl ihr Millionen deutscher Arbeiter gefolgt wären. Grund dafür war die falsche Bündnispolitik und fehlende Entscheidungsgewalt, denn die lag leider in der Hand Stalins.

Wegen dieser Fremdbestimmung hat sich von der KPD eine Opposition, die KPO, abgespalten. Ihr maßgeblicher Protagonist, der Kommunist August Thalheimer war es dann auch, der 1945 die Potsdamer Beschlüsse, den Raub deutschen Landes im Osten, alliierten Massenmord und Vertreibung verurteilte.

Hier knüpfte er an das nationale Programm der KPD, welches sich gegen das Versailler Diktat, die Abtrennung deutscher Gebiete wie Südtirol, Elsaß-Lothringen, Memelland, Westpreußen usw. wendete. Nach 1945 hat das Gros der deutschen Kommunisten von dieser Linie Abstand genommen.

Es darf davon ausgegangen werden, daß der Tod eines Mannes und Führers wie Ernst Thälmann Stalin und der dritten Garde der KPD sehr gelegen kam. Das waren jene wenigen, die ihr Exil in Sowjetrußland überlebt haben, denn viele wurden von Stalin entweder direkt ermordet oder an die Nazis ausgeliefert.

Hier handelt es sich um eine Thematik, die viele deutsche Kommunisten heuer ebenso gerne ausblenden wie den Bruch internationalistischer und sozialistischer Prinzipien durch Stalin, indem er für Landraub, Mordorgien und Vertreibungen verantwortlich zeichnete.

Damit jedoch verlieren sie jede Glaubwürdigkeit, wenn sie sich gegen Nazi-Verbrechen und die anderer „Reaktionäre“ wenden und sicherlich war der Stalinismus auch ein schwerer Geburtsfehler der DDR, der sie während ihres ganzen Bestehens als sowjetischer Satellit belasten sollte.

Vor ein paar Tagen habe ich die „strassenfeger“-Ausgabe Februar 2011 gekauft. In diesem Blatt nun fand ich einige interessante Artikel, darunter einen von Franz Behla, der sich mit dem Schicksal deutscher insbesondere Berliner Kommunisten befaßt, die dem Nazi- und stalinistischem Terror zum Opfer fielen.

Ich bringe nun einen kurzen Auszug aus diesem Artikel, der überschrieben ist mit „Mut und Vertrauen – Verfolgte Berliner Stadtverordnete und Magistratsmitglieder“ (wer in ganz lesen will, kaufe sich einen „strassenfeger“):

(…) Ein besonders erschütterndes Kapitel handelt von denjenigen, die in die Sowjetunion emigrierten. Bereits 1933 waren Hunderte meist kommunistische Verfolgte dorthin geflohen und engagierten sich in Moskau in den verschiedenen Organisationen wie der Kommunistischen Internationale, des emigrierten KPD-Apparates oder der Roten Gewerkschaftsinternationale. Während der von Stalin inszenierten „großen Säuberung“ zwischen 1936 und 1938, der Millionen Sowjetbürger und Ausländer zum Opfer fielen, gerieten auch viele der deutschen Emigranten in die Mühlen des NKWD. Insgesamt wurden nach bisherigen Schätzungen etwa 2.000 Deutsche verhaftet, gefoltert und erschossen oder in Lager verschleppt. Mehr als 300 deutsche Antifaschisten lieferte das NKWD direkt an die Gestapo aus.

Nach dem Hitler-Stalin-Pakt 1939 verschärften sich die Aufenthaltsbedingungen für die deutschen Emigranten weiter. Mit Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion im Juni 1941 kam es zu einer neuen Verhaftungswelle gegen Deutsche, die meist in entlegene Gebiete evakuiert oder in Lagern interniert wurden. Von den Berliner Stadtverordneten emigrierten 15 in die Sowjetunion.

Sie waren überzeugte  Kommunisten, die sich ganz bewußt für das „Mutterland der Werktätigen“ entschieden hatten. Sechs von ihnen gehörten in den folgenden Jahren zu den Todesopfern der stalinistischen „Säuberungen“: Josef Erdmann, Wilhelm Marker, Hermann Ungar, Artur Golke, Leo Friedländer und Fritz Schimanski. Über die drei gravierendsten Schicksale sollte berichtet werden. (…)

Themenverwandt:

http://www.wsws.org/de/2002/mar2002/stal-m01.shtml

http://www.trend.infopartisan.net/trd0704/t030704.html

http://www.zeit.de/1990/16/stalins-kpd-opfer

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13503270.html

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13494446.html

https://detlefnolde.wordpress.com/2009/10/04/kommunismus-kritik/

https://detlefnolde.wordpress.com/2010/01/19/vertreibung-der-deutschen-ein-linkes-tabu/

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6 Gedanken zu “Deutsche Kommunisten – vor Hitler geflohen, von Stalin ermordet

  1. Dazu habe ich eine Frage: Mußte Stalin so brutal vorgehen, um den Kommunismus zu verteidigen? Liegt das im Wesen des Kommunismus selbst begründet, also. daß er ohne riesige Opfer nicht durchzuhalten ist? Oder umgekehrt: Ist der Kommunismus dermaßen „richtig“, daß er einen Stalin für längere Zeit verkraften kann?

    • Ich gehe nicht davon aus, daß die Vertreibung Millionen Deutscher aus unseren Ostgebieten und Ost- wie Südosteuropa nötig war, den Raub fremden Landes, paranoider Massenmord (nicht zuletzt an Kommunisten) und Deportationswahnsinn, um den Kommunismus zu verteidigen. Ganz im Gegenteil hat all das seinem Ansehen nachhaltig geschadet. Letztlich ist er ja auch aus der Geschichte getilgt worden.

  2. Zunächst einmal folgendes: Auch ich stehe Stalin noch ziemlich indifferent gegenüber. Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass kaum verlässliche Quellen zur Verfügung stehen. Fest steht, die „Geheimrede“ Chruschtschows war eine Propagandarede. Es ist auch noch nicht klar, aus welcher Feder sie stammt. Unter Jelzin wurden zudem massenhaft Archivmaterialien gefälscht. Das ist nachgewiesen, auch wenn die Staatsduma einem Untersuchungsersuchen der kommunistische Fraktion nicht zustimmte.

    Versuchen wir die Zeit zu verstehen. In den zwanziger Jahren musste die Industrie der SU auf Vordermann gebracht werden. Sie wurde auf Vordermann gebracht. Sie war die Grundlage für den Sieg über die deutsche Wehrmacht. Hungersnöte zwangen zu einer Umgestaltung der Landwirtschaft. Sie wurde umgestaltet. Ende der dreißiger Jahre exportierte die SU Getreide. Der Faschismus in Deutschland hatte sich als erbitterter Feind der SU gezeigt (Hitlers „Mein Kampf“). Die Armee musste auf den neuesten Stand gebracht werden. Die SU nahm das in Angriff. Sie suchte in der zeit Verbündete. die westeuropäischen Staaten und die USA verweigerten sich. Sie hofften, Hitler und Stalin würden sich gegenseitig vernichten und sie brauchten nur die Trümmer auflesen. Stalin hingegen schaffte eines: in der SU gab es (im Gegensatz zu allen anderen überfallenen Staaten) keine Fünfte Kolonne der Nazis.

    Nun gibt es ein gutes Sprichwort, ich glaube, es stammt von August Bebel: Wenn Dich Deine Feinde loben, hast Du etwas falsch gemacht.“ Im Umkehrschluss heißt das, wenn sie Dich mit Dreck bewerfen, hast Du alles richtig gemacht. Und je mehr Dreck geworfen wird, desto richtiger waren Deine Entscheidungen. Nach diesem Motto muss Stalin alles richtig gemacht haben.

    Um zum Anfang zurückzukehren, alle, die die Vorwürfe gegen Stalin mehr oder weniger verändert, wiedergaben, habe ich aufgefordert, mir verlässliche Quellen aufzuzeigen. Das einzige , was dazu kam, war Wikipedia. Nun habe ich nichts gegen Wikipedia, aber als verlässliche Quelle bezüglich Stalin schätze ich es nicht ein.
    Es wird Dir (wie mir) nichts anderes übrig bleiben, als Dr eineeigenen Meinung zu bilden. Und dabei ist bebel Hinweis immer eine zuverlässige Richtschnur.

    Ich hoffe, ich konnte Dir ein Stück weiter helfen.
    Grüße kleinerbeck

    • kleinerbeck :

      Nun gibt es ein gutes Sprichwort, ich glaube, es stammt von August Bebel: Wenn Dich Deine Feinde loben, hast Du etwas falsch gemacht.“ Im Umkehrschluss heißt das, wenn sie Dich mit Dreck bewerfen, hast Du alles richtig gemacht. Und je mehr Dreck geworfen wird, desto richtiger waren Deine Entscheidungen. Nach diesem Motto muss Stalin alles richtig gemacht haben.

      Das scheint mir der Kern der Rede zu sein, was m. E. aber nicht greift, denn ein nicht unerheblicher Teil der Kritik an bzw. Verurteilung Stalins kommt von sozialistischer und kommunistischer Seite. Und das nicht zuletzt deshalb, weil eben viele Genossen ihm zum Opfer fielen und er die Mittel und Methoden der Faschisten und Chauvinisten in seine Politik integrierte, Stichwort Massenmord, Vertreibung und Terror.

      Mit dieser „Argumentation“ sich also nötiger Kritik & Selbstkritik zu entziehen, nützt folglich vor allem den Progagandaabteilungen des Kapitalismus und klar ist auch, daß sich Kommunisten, die sich in diese bockige Trotzhaltung begeben, jedes moralischen Rechtes berauben, Verbrechen ihres Klassenfeindes zu verurteilen, da man selber kein Deut besser war.

  3. Stalinismus ist Antikommunismus. Die SED war eine stalinistische Partei und nicht die KPD von 1918. Die DDR war und wird niemals für mich ein Arbeiterstaat sein. Sozialismus ohne Räte-Demokratie ist zum scheitern verurteilt!

    Walter Ulbricht und Erich Honecker waren Feinde der Arbeiterklasse und Verräter am Sozialismus, Internationalismus und an der Roten Fahne. Denn die DDR benutzte die bürgerliche Weimarer Fahne (Schwarz, Rot, Gold).

    Nie wider SED
    Nie wider DDR
    Nie wider Stalinismus

  4. Ich biete etwas präzisen Bericht über Stalins Umgang mit der Deutschen Kommunisten – wenn es Ihnen interessiert – bitte um Veröffentlichung. Ich bin nicht anonym, denn ich erstmals in Gulag 16 Jahre lang Tausenden von Zeitzeugen u.a. zahlreichen Deutschen und Juden gefragt, und nach dem Zusammenbruch der „UdSSR“ konnte in Moskau bisher geheimen Dokumenten einfach kopieren und veröffentlichen.
    Grüße aus Frankfurt – JB
    Meine Webseite: http://www.jubelkron.de
    Ich könnt mich auch privat unter E-Post erreichen_
    juBelow@web.de

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