20. Juli 1944: Patrioten gegen Hitler

StauffenbergWolfgang Venohr schreibt in seinem Buch „Patrioten gegen Hitler – Der Weg zum 20. Juli 1944“:

Die Männer des 20. Juli 1944 nahmen das Odium des Verrats auf sich – aus Vaterlandsliebe. Einer ihrer Besten, der 36jährige Oberst von Stauffenberg, beschrieb ihre Motivation am 21. Mai 1944 mit den Worten: „Es geht um Deutschland. Und um sonst nichts.“

Bei den Männern des 20. Juli 1944 handelte es sich um ein national-revolutionär-konservatives Bündnis für Deutschland. Dazu heißt es bei Venohr:

Was bislang übersehen oder verschwiegen wurde: Die Patrioten des deutschen Widerstandes führten einen Zweifrontenkampf.

Sie kämpften gegen Hitler, um Deutschlands Untergang abzuwenden, und sie stemmten sich gegen die Alliierten, die Deutschlands Einheit und Unabhängigkeit vernichten wollten. Und am 2. Juli 1944 leisteten die Aktivisten der Konspiration einen feierlichen Schwur, den Widerstand auch unter fremder Besatzung in Deutschland fortzuführen.

Kaum einen dieser Verschwörer, dieser deutschen Widerstandskämpfer gegenüber hätte man den Mai 1945, also die Besetzung und Zerstückelung Deutschlands, als „Befreiung“ bezeichnen dürfen. Mit Ausnahme von Gisevius und Oster lehnten sie jede Form der Kollaboration mit den Kriegsgegnern ab. „Was die treiben, ist Landesverrat; ich betreibe den Hochverrat“, sagte Claus Stauffenberg mit Blick auf das von den Sowjets gegründete und ausgehaltene Nationalkomitee in der Sowjetunion. Etwas anderes stand für Schulenburg, Mertz und Hofacker, für Tresckow, Klausing, Haeften und Schwerin nach keiner Seite hin zur Debatte. Sie waren eben: deutsche Patrioten.

Dr. Goerdeler hat zu dem Punkt, welche Grenzen man für Nachkriegsdeutschland erstrebt, in seiner Denkschrift Der Weg herausgearbeitet – zitiert bei Venohr:

Als deutsche Grenzen kommen in Betracht:

im Osten etwa die Reichsgrenze von 1914 (also inklusive der preußischen Provinzen  Posen und Westpreußen) –

im Süden die in der Konferenz von München 1938 anerkannte Grenze einschließlich Österreichs; auch muß Südtirol, ein rein deutsches Land, bis zur Grenze Bozen-Meran zu Deutschland zurückkehren. Die italienische Herrschaft hat dort nur Verbitterung und Rückschritt erzeugt. –

im Westen ist die Elsaß-Lothringen-Frage sehr schwer zu lösen; (…)

a) entweder Elsaß-Lothringen wird ein autonomes Land etwa in der Stellung der Schweiz, oder

b) durch eine neutrale Kommission wird die Sprachgrenze ermittelt, wie sie 1918 und 1938 war. Zwischen diesen beiden Linien muß die Grenze zwischen Deutschland und Frankreich liegen.

im Norden muß in ähnlicher Weise wie im Westen die gerechte Grenze gegenüber Dänemark ermittelt werden.

Stauffenberg hat an Goerdelers Vorstellungen nichts auszusetzen.

Stauffenberg am 14. Mai 1944 gegenüber Adam von Trott zu Solz:

An Gebietsabtretungen, an einen Verzicht auf Österreich denkt in den Reihen der Konspiration niemand. Wir haben, gemeinsam  mit Fritzi Schulenburg, vor ienem halben Jahr festgelegt, daß wir solche Konzessionen, daß wir eine Regierung, die sich den Alliierten gegeüber schwach zeigt, nicht dulden werden! Und darin besteht auch völliges Einverständnis mit dem künftigen Reichskanzler, mit Dr. Goerdeler … Nein, wir wollen kein neues Diktat von Versailles … Es wird sich bald zeigen, ob die Feindkoalition Krieg gegen Hitler oder gegen das deutsche Volk führt …

Ein alliiertes „Strafgericht“, wie es u. a. in Nürnberg stattfand, lehnten die Verschwörer ab, ebenso Reparationen – aus einer Besprechung Stauffenberg mit Goerdeler am 21. Mai 1944, zitiert nach Venohr:

Goerdeler erklärt, von Reparationen dürfe überhaupt keine Rede sein, denn das Reich sei total verschuldet und schlimmer zerstört als jeder andere Teil Europas. Und was die letzten beiden Punkte angehe, so müßten die Deutschen Recht und Anstand in ihrem Land selbst wiederherstellen. Selbst diejenigen, die mit Haß und Verachtung die Schändung des guten deutschen Namens durch das NS-Regime blickten, würden deren Bestrafung durch Dritte, beispielsweise durch einen „internationalen Gerichtshof“, strikt ablehnen; das sei ausschließlich Sache des deutschen Volkes. Im übrigen seien auch die fremden Staatsmänner für den Ausbruch des Krieges verantwortlich.

Stauffenberg und Goerdeler stellen fast hundertprozentige Übereinstimmung fest …

Die Alliierten hatten also allen Grund – wie die Hitlerclique – den Verschwörern des 20. Juli 1944 feindlich gegenüberzustehen. Folglich war ihre Freude groß, als die Nazi-Führung ihrer habhaft wurde:

Nur wenige Tage nach dem 20. Juli 1944 zirkulierte im Foreign Office, im britischen Außenministerium, eine von John Wheeler-Bennet verfaßte Stellungnahme, in der es hieß:

Man kann nur definit feststellen, daß die Lage für uns heute besser ist, als wenn der Attentatsversuch vom 20. Juli gelungen und Hitler getötet worden wäre. Durch das fehlgeschlagene Attentat sind uns – zu Hause wie in den USA – einige Peinlichkeiten erspart geblieben, die sonst daraus enstanden wären. Die gegenwärtige Verhaftungswelle wird zur Entfernung zahlreicher Individuen führen, die uns hätten Schwierigkeiten bereiten können … Gestapo und SS leisten uns einen hoch einzuschätzenden Dienst durch die Beseitigung  all jener, die nach dem Krieg zweifellos als „gute Deutsche“ posiert hätten … Es kann nur zu unserem Vorteil sein, wenn die Verfolgungen andauern

Die breitangelegte Verschwörung gegen das Hitlerregime zeigt, daß über der Treue zu einer Person die zum Vaterland und Volke steht, das Gewissen höher zu bewerten ist als zu „Recht“ geronnenes Unrecht.

Diese Patrioten gegen Hitler, die ein vereintes und unabhängiges Deutschland anstrebten, wie es von Fallersleben und Arndt besungen, sind Vorbilder eines patriotischen Deutschlands.

Ein solches muß deshalb heuer zwangsläufig jegliches koalieren mit dem Neonazismus von sich weisen, ob in Form der NPD oder ähnlichen Organisationen (Die Rechte, Dritter Weg usw.).

Diese rote Linie zu beachten ist also keine Form des Opportunismus, sondern ein Gebot des Gewissens.

Neben dem o. g. Werk von Wolfgang Venohr empfehle ich das Buch „Der lautlose Aufstand. Bericht über die Widerstandsbewegung des deutschen Volkes 1933-1945“.

Ebenso verweise ich auf meine Beiträge zum Hitler-Attentäter Georg Elser und den Wehrmachts-Deserteuren.

Weiterführende Texte:

http://www.jungefreiheit.de/20-Juli-1944.174.0.html

http://www.jungefreiheit.de/?id=154&print=1&type=98&tx_ttnews%5Btt_news%5D=228&no_cache=1

http://www.junge-freiheit-zeitung.de/fileadmin/user_upload/fotos/Dossiers/Sonderbeilage_Geburtstag.pdf

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6 Gedanken zu “20. Juli 1944: Patrioten gegen Hitler

  1. In der aktuellen Ausgabe der „Junge Freiheit“ (JF) heißt es:

    Der Wüstenfuchs im Widerstand

    Die Studie, die der an der Militärakademie Sandhurst lehrende deutsche Historiker Peter Lieb nun in den Vierteljahresheften für Zeitgeschichte (3/2013) veröffentlicht hat, dürfte jedoch den vermeintlich abgeschlossenen „Fall Rommel“ neu aufrollen. Sie endet mit dem klaren Votum, Rommel gebühre ein fester Platz in der Geschichte des militärischen Widerstandes gegen Hitler. Zwar gehöre er nicht zum kleinen Kreis derer, die das Attentat vom 20. Juli 1944 planten und ausführten, auch nicht zu dem schon weiteren Kreis der Mitwisser, doch unverrückbar zu jenen, die nach Einschätzung des Heydrich-Nachfolgers Ernst Kaltenbrunner über die Tatsache informiert gewesen seien, „daß ein gewaltsames Unternehmen gestartet werden sollte, wobei die Frage offenblieb, inwieweit der Führer ausgeschaltet werden sollte“. Genau in diesem Kreis, so ist Lieb überzeugt, „läßt sich Rommel verorten“.

    Oliver Busch kommt in seinem JF-Artikel – nach der Ausführung weiterer Belege – zu dem Schluß:

    Aufgrund dieser und weiterer Indizien, wie dem gut bezeugten Kontakt zu Carl Goerdeler, muß Rommels Verbindung zum Widerstand als „unstrittig“ gelten. Dann werde auch sein rätselhaftes Verhalten gegenüber den beiden Hitler-Abgesandten erklärlich, die ihm am 14. Oktober 1944 die Zyankali-Kapsel überbrachten und ihn vor die Wahl „Selbstmord oder Volksgerichtshof“ stellten. Rommel habe deshalb nicht „energisch gegen dieses Todesurteil protestiert“ und einen Prozeß gefordert, weil er wußte, daß „halndfeste Beweise“ gegen ihn vorlagen. Der Selbstmord, mit dem er auch seine Familie vor dem Zugriff der Gestapo rettete, müsse folglich als das „stille Eingeständnis seiner Komplizenschaft“ gedeutet werden.

  2. Hmm was wäre nur passiert, wenn Hitler getötet wäre? Hätten die Völker der Alliierten nicht dann gegen die Fortführung des 2. WK demonstriert? Der Deutsche Widerstand wollte auf jedenfall verhindern, das die Rote Armee ins Deutsche Reich einmarschiert. Man hätte sich dann völlig an der Ostfront konzentriert.

    • Der Krieg wäre seitens der Alliierten sicher weitergeführt worden, nur wäre das halt mit Schwierigkeiten verbunden gewesen, weshalb sie kein Interesse daran hatten, daß Hitler und seine Clique verschwindet. Die erwähnten patriotischen Widerständler wollten, daß gar kein äußerer Feind das Deutsche Reich besetzt, zerstückelt, beherrscht, er richtete sich also nicht nur gegen den „Einmarsch der Roten Armee“.

      • Na klar nicht nur beim „Einmarsch der Roten Armee“. Das wusste ich auch. Aber wie hätten die patriotischen Widerständler verhindert, das die Alliierten in Deutschland einmarschieren? Wenn dies gar nicht mehr ging, hätte man doch alles gegeben die Sowjets aufzuhalten.

        • Man hätte versucht, in (Kapitulations-)Verhandlungen zu treten, um unnnötige weitere (deutsche) Opfer und Städte-Zerstörungen zu verhindern. Die Rote Armee hätte so oder so nicht mehr aufgehalten werden können.

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