Karl-Eduard von Schnitzler: „Ich bin Deutscher, liebe Deutschland und bin auch noch stolz darauf“

https://i1.wp.com/ecx.images-amazon.com/images/I/41OzQv7E5AL._SX294_BO1,204,203,200_.jpgKarl-Eduard von Schnitzler über Nationalbewußtsein und Patriotismus:

Den Satz “Ich bin Deutscher, liebe Deutschland und bin auch noch stolz darauf” in meinem Buch “Der rote Kanal” nannte ein ehrlicher Linker “einfältig”.

Im Zuchthaus Bautzen schrieb Ernst Thälmann einem Zellengenossen:

“Ich bin ein Deutscher mit großen nationalen, aber auch internationalen Erfahrungen. Mein Volk, dem ich angehöre und das ich liebe, ist das deutsche Volk, und meine Nation, die ich mit großen Stolz verehre, eine ritterliche, stolze und harte Nation. Ich bin Blut vom Blute und Fleisch vom Fleisch der deutschen Arbeiter und bin deshalb als ihr revolutionäres Kind später der revolutionäre Führer geworden.”

Thälmann sprach von einem “Freiheitskampf im neuen Völkerfrühling der deutschen Nation.”

Immer gab es neben deutschen Unrechtsstaaten “Das andere Deutschland”. Die DDR war „deutscher“ als die BRD (alt). Sie wies alle Merkmale des Anderen Deutschland auf: deutsch und antiimperialistisch, deutsch und von internationaler Solidarität erfüllt, deutsch und friedlich, deutsch und internationalistisch, deutsch und der humanistischen Kultur des eigenen und anderer Völker verpflichtet. Sie gab Deutschen nach historischen Fehlentwicklungen Hoffnung.

Das alles löste bei Deutschlands Imperialisten Haß und Wut aus, denn sie glaubten, „Deutschland“ gepachtet zu haben. Deutschlands Ehre wurde auch in Gefängnissen und Zuchthäusern, auf dem Schafott oder „im Häftlingskittel vor deutschen Richtern“ hochgehalten. Soll das alles „einfältig“, nicht gewesen, nicht gesagt, nicht durchlitten worden sein?

Gewiß, was da alles „Deutsches Reich“ und „Deutschland“ usurpiert, wenn Neonazis grölen, sie seinen „stolz, Deutsche zu sein“: Den „häßlichen Deutschen“ gab es immer. Aber sollen wir dem deshalb Deutschland überlassen? Das andere Deutschland? Das es doch auch immer gab und gibt?

Lassen wir uns doch nicht anhängen, was häßliche Deutsche aus deutschem Namen und deutscher Leistung gemacht haben! Kapitulieren wir doch nicht vor dem alten Miß- und Fehlurteil, wir seien „undeutsch“ und „Vaterlandsverräter“.

Täter und Opfer, Ursache und Wirkung, Verführer und Verführte: man sollte schon etwas differenzieren, ehe man etwas „Deutsches im schlimmsten Sinne“ zu finden meint und sich von Deutschland distanzieren zu müssen glaubt. Deutschland ist nicht nur das „Deutschland“ der Hohenzollern und des „Führers“, der KZs, des BND und der „Treuhand“.

Aus: Karl-Eduard von Schnitzler, Provokationen, Verlag Lutz Schulenburg 1994, S. 97–101

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