Robert Allertz: Das Trauma linker Teutonen

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Robert Allertz in der linken Schrift “Das Blättchen”:

Das Trauma linker Teutonen

Jeder Verein kennt mindestens eine Todsünde: die katholische Kirche den verhüteten Verkehr, die Konservativen die Nähe zu Kommunisten, die Träger von Designerklamotten den Anzug von der Stange, die Bundeswehr den totalen Pazifismus. Die Todsünde bei den Linken hierzulande besteht darin, unverkrampft zu erklären: Ich liebe Deutschland.

Wer das erklärt – so die Lesart einiger Gralshüter -, hat damit zugleich auch ein positives Bekenntnis zu Auschwitz abgelegt. Und zu zwei Weltkriegen. Zur Deutschen Bank und der Ausbeutung der Dritten Welt durch das deutsche Kapital etc. pp. …

Erfahrungsgemäß verharren Linke nicht ungern in ihren alten Denkmustern. Man feierte früher die nationalen Befreiungsbewegungen in Lateinamerika als fortschrittlich – aber bereits das Bekenntnis zur Nation in einem europäischen Land galt als reaktionär. Weil man den Nationalstaat und seine Institutionen mit der Nation gleichsetzte. Und Nation, diese ethnisch-kulturelle Gemeinschaft, als etwas Statisches betrachtete. Und weil man deutschen Nationalismus und Chauvinismus für Völkermord und Holocaust verantwortlich machte und dabei ignorierte, daß diese allenfalls ideologische Instrumente waren, nicht aber die Gründe für diese Verbrechen. Von all den Dimitroff-Epigonen hat kaum einer dessen große, diese Frage differenziert behandelnde, Rede von 1935 gelesen. Aufgerufen wird ständig Dimitroffs “Faschismus-Formel” – halbverdaut, weil zitiert aus Fast-Food-Werken des Marxismus-Leninismus. Ganztexte zu lesen, ist eines antideutschen Teutonen unwürdig.

Die deutschen Linken – zunächst ausgegrenzt als vaterlandslose Gesellen, dann opportunistisch angepaßt – haben das Thema Nation schon vor hundert Jahren den Rechten überlassen. Wenn nunmehr endlich versucht wird, dieses Thema von links zu besetzen, dann wird lediglich ein alter Fehler korrigiert und eine überfällige Debatte angeschoben. Der Verweis auf einen falschen Zeitpunkt ist albern …

Die Rechten haben sich seinerzeit, ohne auf Widerstand zu stoßen, des Themas bemächtigt. Und sie mußten es nie wieder hergeben, weil es bis dato nicht zurückgefordert wurde. Es gilt als deren Erbhof. Was also soll das Geschwafel im linken Zirkel von der Gewinnung geistig-kultureller Hegemonie, wenn diese – zentrale – Frage weiterhin ausgeklammert bleiben soll?

Das Thema Nation hatte sich 1989/90 nicht erledigt, und es wird sich auch durch Europa nicht erledigen. In einer zunehmend unübersichtlich werdenden Welt orientieren sich die Menschen an Vertrautem. Gemeinsame Sprache, Kultur und Geschichte besitzen eine größere Bindekraft als der Euro. Wenn man das weiß, muß man sich darauf einstellen – bevor es andere tun. … In einer demokratisch-sozialistischen Gesellschaft würde die Mehrheit des Volkes endlich auch in die Nation als eine staatlich organisierte Werte- und Kulturgemeinschaft der Freien und Gleichen einbezogen sein – wovon die Linken schon im 19. Jahrhundert träumten. Aber nie ernsthaft darum kämpften.

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10 Gedanken zu “Robert Allertz: Das Trauma linker Teutonen

  1. Die einzigsten Linken Patrioten in Deutschland sind die vereinzelten Nationalbolschewisten. Aber diese sind Beführworter des Hitler-Stalin Paktes und sehen den Nationalsozialismus als Sozalismus (linke Ideologie)

    • Diese vereinzelten deutschen Nationalbolschewisten orientieren sich da wohl an die russischen Nationalbolschewisten, die ja auch entsprechend kostümiert herumlaufen und haben wenig bis nichts mit der deutschen Tradition des Nationalbolschewismus oder Nationalkommunismus zu tun, die eng mit den Namen Karl Otto Paetel und Ernst Niekisch verbunden ist, die beide für eine Bündnispolitik mit der Sowjetunion eintraten jedoch den Nationalsozialismus als antinationalen und antisozialistischen faschistischen Betrug entlarvten, der Deutschland ins Unglück stürzen wird. Wenn diese deutschen Nationalbolschewisten den Nationalsozialismus zudem als „Sozialismus (linke Ideologie)“ hofieren, sind sie für mich weder Nationalbolschewisten deutscher Tradition noch „linke Patrioten“, sondern so etwas wie der „linke Flügel“ der NSDAP.

        • Die deutschen Kommunisten sind wie alle anderen Linken hierzulande antideutsche Sektierer und Opportunisten, die mit Linkssein im klassischen Sinne geschweige denn Patriotismus nichts zu tun haben, ganz im Gegenteil. Damit ist die deutsche Linke zum Hiwi der herrschenden imperialen Rechten mutiert und das nicht erst seit gestern. Wenn Du mit „Thälmannsche KPD“ diese hier meinst, da habe ich mir vor einigen Jahren persönlich ein Bild machen dürfen, in diesem Beitrag gehe ich darauf ein. Diesen Weg vom Kampf einer Massenpartei für die nationale und soziale Befreiung des deutschen Volkes hin zum antinationalen linken Sektierertum ist jede linke resp. kommunistische Partei in Deutschland gegangen.

  2. Ok ich hab chon sehr viel über dein Blog gelesen und bin auch deiner Meinung. Aber mal nachgedacht: Hätte es nicht eine bessere und größere DDR gegeben, wenn Stalin einfach schon 1943 gestorben wäre und eine frühere Destalinisierung stattgefunden hätte? Ein möglicher Nachfolger bei einem frühen Tod während des 2. Weltkrieges wäre Laventi Berija gewesen. Dieser war zwar Stalins „Himmler“, doch hatte dieser einen Hass gegen die Polen. Also ich denke schon das da einiges oder gar alles von Ostdeutschland übrig geblieben wäre. Eine große DDR hätte man nicht so abwickeln können. Nur die Polen wären dann damals die Opfer. Vermutlich sogar Teil der UdSSR.

    • Wäre gut und hätte vielleicht so sein können, was aber nichts daran ändert, daß wir seit Jahrzehnten keine nationale Linke (die neben gesamtdeutschen und sozialen Belangen vor allem die Ausländerfrage couragiert anzugehen hätte) mehr haben also nurmehr Genossen, die die nationale Frage ihrem erklärten Klassenfeind überlassen.

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