Stefan Rochow: Gesucht – Geirrt – Gefunden. Ein NPD-Funktionär findet zu Christus

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Im Frühjahr 2013 erschien die Autobiographie von Stefan Rochow

Stefan Rochow

Gesucht – Geirrt – Gefunden
Ein NPD-Funktionär findet zu Christus 1

Kommentar zum Buch

Stephan Rochow definierte sich in der JN/NPD als „Nationalisten“ in deutlicher Distanz zum Nationalsozialismus, den er damals als „Katastrophe“ und rückwärtsgewandten „Wahnsinn“ betrachtete.

Von 2002 bis Oktober 2007 war er Bundesvorsitzender der Jungen Nationaldemokraten (JN), der Jugendorganisation der NPD, sowie Mitglied des Parteivorstandes der NPD.

In seinem Buch deutet er an, daß er von Neonazis, die in der NPD mittlerweile den Ton angaben und einen Führungsanspruch erheben und dabei verächtlich auf die „Nationalen“ oder „Rechten“ herabblicken, nur benutzt wurde. Als er das mitbekam begann er enttäuscht, seine Verortung infrage zu stellen.

Dazu kamen ernüchternde Einblicke in das Innenleben der NPD und ihrer Landtagsfraktionen in Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern, die ihm klarmachten, daß diese Partei in keiner Hinsicht eine Alternative zu den etablierten Parteien darstellt. Nichts von Kameradschaft, Ehre, Verläßlickeit und Idealismus.

Er begreift immer mehr, daß sein Leben leer ist, fühlt sich einsam. Nach außen spielt er „das Spiel“ zwar noch immer mit, innerlich verspürt er aber, daß das nicht der Endpunkt sein kann. Dabei dachte er bisher immer, daß der Nationalismus seine Weltanschauung sei, an das Ende seiner Suche angekommen zu sein.

In dieser Situation kam er in Berührung mit dem Katholizismus. Er entsann sich des christlichen Glaubens, wie es sein Elternhaus ihm einst vorlebte und meinte eine geistige und weltanschauliche Alternative zu dem gefunden zu haben. Im April 2008 trat er schließlich aus der NPD aus und konvertierte  ein Jahr später zur katholischen Kirche.

Rochow möchte jedoch nicht mit Hass auf seine Zeit innerhalb des Rechtsextremismus zurückblicken. Denn er hat immer daran geglaubt, mit seinem Handeln für sein Volk und Vaterland „etwas Gutes zu tun“. Ein Glaube, der sein Leben bestimmte, ihn hassen ließ, Halt und Sicherheit gab und immer wieder voran trieb.

Den Bruch mit der Szene beschreibt er als tiefgehenden und kompletten Zusammenbruch:

„Plötzlich war alles schal und leer, das, worauf ich gehofft  hatte, das, was ich mir gewünscht hatte, das, wofür ich mich begeistert hatte. Plötzlich gehörte ich nirgends mehr hin. Wie aufgeblasen, wie lächerlich und wie verkrampft, erscheint mir plötzlich die Wichtigkeit, mit der ich meinen Weg bisher gegangen bin. Das alles ist nun auf einmal von mir abgefallen. Ich spüre, daß ich dabei bin, Schritt für Schritt meine Maske, hinter der ich mich versteckt habe, abzulegen. Plötzlich bin ich wieder verletzlich.“ 2

Er verabsäumt nicht, sich kritisch den Umgang der „Gesellschaft“ mit der NPD vorzunehmen. So verurteilt er die „immer wieder vorgekommenen Hetzjagden auf Teilnehmer der NPD-Demonstration“, beschreibt die „hassverzerrten Gesichter“, die „nicht nur auf unserer Seite zu Hause waren“ und steinewerfende sog. Antifaschisten.

Mit diesen „hysterisierten und aufgeputschten Massen“ kann er sich auch heute nicht identifizieren und bekennt, daß unter dem „Deckmantel der Verteidigung von Demokratie nicht selten elementare Grundrechte wie die der Versammlungsfreiheit mit Füßen getreten werden“ aber das nicht wirklich jemanden interessiert.

Nicht nur den Umgang mit jenen, die noch in der Szene drin sind sondern auch solchen, die sie verlassen haben, kritisiert Rochow. Schnell kann es passieren, daß man von den Vertretern der „Gesellschaft“ als „angeblicher Aussteiger“ tituliert und gemieden wird, weil man sich nicht vereinnahmen läßt.

Man soll möglichst alles über Bord werfen, was man einst vertreten hat. Nicht etwa die Ansicht äußern, daß man den Nazis Begriffe wie Heimat, Vaterland und nationale Identität oder auf der Hand liegende und von bürgerlichen Autoren wie Thilo Sarrain und Udo Ulfkotte thematisierte Mißstände in der Ausländerpolitik nicht überlassen dürfe.

Um der NPD und anderen Nazi-Formationen das Wasser abzugraben genügt es aber auch nicht wie Rochow meint, sie als die „politischen Leichtmatrosen bloßzustellen, die sie zweifellos sind“ und jegliche „Skandalisierung und hysterische Ausgrenzung“ wegzulassen“, also sich derart „argumentativ“ mit ihr auseinanderzusetzen.

Denn nicht die Frage, wie man mit der NPD und deren „parteifreies“ Umfeld umgeht (welches bisweilen großspurig unter „Autonome Nationalisten“ firmiert) ist entscheidend, wie Rochow weiter erklärt. Man gräbt den Nazis dann das Wasser ab, wenn man die Probleme löst, die das deutsche Volk völlig zurecht bewegen.

Das Nachwort zu Rochows Buch hat Andreas Molau geschrieben.

Nach seiner gescheiterten Kandidatur um den wohldotierten NPD-Parteivorsitz wechselte Molau im März 2009 zur DVU, wo ich von Mai bis Sept. 2009 Mitglied war und deshalb ein paar Mal mit ihm zusammentraf.

Daß er als Verantwortlicher für die Öffentlichkeitsarbeit sehr viel verdiente – die Rede war von 5000 Euro im Monat, mutmaßlich 1000 Euro mehr als Parteivorsitzender Matthias Faust -, sorgte für Unmut bei vielen Mitgliedern.

Als ich – nicht zuletzt wg. der von Matthias Faust versprochenen jedoch nicht umgesetzten Distanz zur neonazistischen NPD und Abwicklung von Altlasten im Berliner Landesverband – aus der DVU austrat, schwindelte Molau (im Auftrag von Faust?) mit der Behauptung, daß gegen mich ein Parteiausschlußverfahren im Gange wäre, ich meinem Rauswurf also lediglich zuvor gekommen sei.

Als sein Vertrag im März 2010 auslief und die DVU im Begriff war sich aufzulösen resp. mit der NPD zu fusionieren, verließ Molau das sinkende Schiff und wechselte im Mai 2010 zu Pro NRW. Dort log er frech, daß er sich aktiv politisch nie in der DVU eingebracht habe, obwohl er dort hauptamtlicher wie hochbezahlter Pressesprecher war.

Auf ausdrücklichen Wunsch des Pro NRW-Vorsitzenden Markus Beisicht hat Molau dann Anfang Juni 2012 alle Parteiämter niedergelegt und verließ die Partei. Ohne Einkommen und keine Parteien mehr „rechts von der CDU“ wo er hätte andocken können, blieb ihm offenbar nichts anderes, also an die „bürgerliche Mitte“ also den vormals politischen Gegner aufzuschließen.

So erklärte er in den etablierten gegen-rechts-Medien seinen „Ausstieg“ und nahm Kontakt zum Verfassungsschutz auf. Er beklagte sich infolge immer wieder öffentlich, wie schwer es ihm „die Gesellschaft“ (also das antideutsche Milieu) mache, wieder in ihren Schoß aufgenommen zu werden. Dasselbe tut Rochow. Als ob sie das nicht hätten vorher wissen können.

Für beide scheint es überdies keinen Unterschied zu geben zwischen einer bürgerlichen national-konservativen Partei wie der DVU oder Pro NRW und der neonazistisch dominierten wie der NPD, obwohl er auf der Hand liegt. Das wäre so, als würde man die SPD und die DKP in einen Topf werfen, weil beides linke Parteien sind.

Am 9. Januar 2013 erzählen Andreas Molau und Stefan Rochow im ZDF heute journal allerhand Sachen, die ein Schlaglicht auf die Güte dieser “Intellektuellen” werfen, die sich darüber gewundert haben wollen, daß in der NPD Neonazis aktiv waren, die einen “Hitlerkult” betrieben haben. Sind sie so doof oder tun sie nur so?

Am 10. Mai 2013 gab Rochow der “Jungen Freiheit” ein Interview. In diesem bekennt er sich “zu einem gesunden Patriotismus” und fände es “absurd”, “Deutschland zu hassen” oder sich von seinem “Volkstum” zu lösen. Hier hebt er sich positiv von Molau ab, der nun rundheraus alles negiert, was er einmal vertreten hat.

Rochow auf die Frage des JF-Interviewers Moritz Schwarz: „Also ist die NPD eine linke Partei, wie Horst Mahler sagt? Rochow: Auf jeden Fall!“ Da frage ich mich jedoch, wie man so blöde sein kann, die NPD als linke Partei zu bezeichnen, obwohl sie keinerlei sozialistische Programmatik vertritt. Und so jemand war Funktionär in der NPD/JN.

In einer Kolumne vom 23. Mai 2013 hat die „Junge Freiheit“ zutreffend festgestellt:

Lieber Andresas Molau, Sie haben neulich in Ihrem Interview mit der Zeit gesagt, daß Sie nicht jammern wollen, taten aber nichts anderes als dies. … Hatten Sie denn wirklich etwas anderes erwartet? … Wahrscheinlich haben Sie schon ein bißchen gehofft, an die Fleischtöpfe der Integrations- oder Kampf-gegen-rechts-Industrie herangelassen zu werden; … Keiner Ihrer ehemaligen Kameraden, Parteifreunde oder publizistischen Kollegen, die Sie jetzt genauso alle in einen Topf werfen wie das in der herrschenden Gegen-rechts-Propaganda üblich ist, hat Ihnen bislang ein Haar gekrümmt … Es ging Ihnen doch darum, Ihren „Ausstieg“ möglichst pompös zu inszenieren, damit er Ihnen auch geglaubt und belohnt wird. Aber will man in eine Gesellschaft, in der es nur darauf ankommt, das Fähnchen der gerade korrekten Gesinnung hochzuhalten, wirklich einsteigen? Wären Sie bei den Parteien, in denen es Ihnen nicht um Politik, sondern um Ihre Identitätssuche ging, aus- und bei sich selbst eingestiegen, würde Ihnen das kein vernünftiger Mensch vorwerfen. Aber so nimmt man Ihnen Ihren vorläufig letzten Gesinnungswandel zum besorgten Demokraten nicht ab. Und zwar nicht, weil Sie immer noch einer rechtsextremen Überzeugung anhingen, sondern weil es Ihnen auch diesmal nicht wirklich um die Sache geht. Sie wollen endlich irgendwo ankommen, Ihre Ruhe haben, eine geistige Heimat finden. Das ist verständlich, aber Sie werden diese bei denen, die jede Heimat und jede Identität „dekonstruieren“, nicht finden.“

Heuer positioniert sich Rochow scharf gegen die bürgerlich-patriotische PEGIDA-Volksbewegung. Zusammen mit seinem Freund Andreas Molau schreibt er auf der Seite Die Integrationsblogger, wo sie eine Menge seichtes, naives Zeugs veröffentlichen dürfen um zu beweisen, daß sie zu braven regierungstreuen Musterbürgern mutiert sind.

Jüngst ist ein weiterer Möchtegern-Feingeist aus der sog. „rechten Szene“ ausgestiegen, konkret der neonazistischen NPD. Just, nachdem seine Partei aus dem sächsischen Landtag geflogen ist und er damit seinen gutbezahlten Posten verloren hat. Und wie nicht anders zu erwarten nahm er sofort Kontakt zu Molau und Rochow auf: Ingmar Knop.

Ingmar Knop, seit 2005 Landesvorsitzender der DVU Sachsen-Anhalt, 2006 Spitzenkandidat der DVU zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, seit 2007 Mitglied des DVU-Bundesvorstandes, seit 2009 Stellvertretender Bundesvorsitzender der DVU, deit 2010 Mitglied im Bundesvorstand der NPD. Ende 2014 Austritt aus der NPD.

2009 sah ich Knop einmal zum „Tag der offenen Tür“ im Potsdamer Landtag, da wurde er noch üppig von der DVU bezahlt und hatte nach deren Ende keine Probleme, in die braune NPD einzutreten. Nun haut auch er gegenüber den Massenmedien Neonazis von der NPD und Nationalkonservative von der (einstigen) DVU in einen Topf.

+++

1 Stefan Rochow: Gesucht – Geirrt – Gefunden, Ein NPD-Funktionär findet zu Christus, Hess-Verlag 2013, ISBN: 978-3-87336-431-8
2 Ebenda, S. 194

+++

http://de.wikipedia.org/wiki/Stefan_Rochow

http://de.metapedia.org/wiki/Stefan_Rochow

http://de.metapedia.org/wiki/Andreas_Molau

http://de.metapedia.org/wiki/Ingmar_Knop

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2 Gedanken zu “Stefan Rochow: Gesucht – Geirrt – Gefunden. Ein NPD-Funktionär findet zu Christus

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