ZDF-Interview mit dem Ex-Nazi Axel Reitz

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In der Mitte: Axel Reitz als Neonazi-Spottgestalt

Durch Zufall habe ich mitbekommen, daß Axel Reitz in einem Interview mit dem ZDF zu seinem „Ausstieg aus der Neonazi-Szene“ Rede und Antwort steht.

Da ich aus dieser ausschied als er sich anschickt, seine zweifelhafte Laufbahn dort zu beginnen, also 1997, ist er mir aus meiner eigenen Zeit dort nicht bekannt.

Aber bereits durch sein äußeres Auftreten als lächerliche, psychisch gestört anmutende Neonazi-Karikatur hätte ich und mein Umfeld mit ihm nichts zu tun haben wollen.

Zudem war er im sog. „Kühnen-Flügel“ beheimatet (der auf Typen wie Reitz eine Sogwirkung entfaltete), dem nicht wenige Homosexuelle angehörten (z. B. Bela E. Althans und Thomas Brehl) und den schwulen SA-Führer Ernst Röhm verehrte.

Den kurzen Gedankenaustausch, den ich die letzten Tage mit ihm hatte, empfand ich trotzdem als angenehm, weshalb ich ihm einen Beitrag widme wie anderen Ex-Nazis auch, um an ihrer Ideologie zweifelnden Nazis Mut zu machen, denselben Schritt zu tun.

Sein Umdenken setzte seinen eigenen Angaben gemäß im Rahmen eines langfristigen Prozeßes ein. Die Inhaftierung März 2012 war der Punkt, an dem er nicht mehr wollte und nicht mehr konnte, was dazu führte, daß er einen Schlußstrich gezogen hat.

Zu seinen neuen Freunden zählt Reitz nun leider Rainer Fromm, der nicht nur über die Neonazi-Szene berichtet, sondern jedwede patriotische Regung im Lande mit der Nazi-Keule angeht, um sie zur Freude der Obrigkeit zu diskreditieren.

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5 Gedanken zu “ZDF-Interview mit dem Ex-Nazi Axel Reitz

  1. Da ich von verschiedenen Seiten darauf angesprochen wurde, wie sich mein Verhältnis zu Axel Reitz seit Einstellung des Beitrages entwickelt hat, möchte ich dazu in diesem Kommentar Stellung nehmen, um nicht jeden einzelnen antworten zu müssen.

    Im Februar 2012 bekannte sich Reitz noch öffentlich zum Neonazismus:

    Ich war, bin und bleibe nationaler Sozialist.

    Als er einen Monat später inhaftiert wurde, da er das von der Staatsanwaltschaft Koblenz als kriminelle Vereinigung eingestufte „Aktionsbüro Mittelrhein“ unterstützt haben soll, entschließt er sich, umfangreich mit den Ermittlungsbehörden zu kooperieren und aus der Neonazi-Szene auszusteigen, was ihm damit belohnt wird, daß er knapp zwei Monate später aus der U-Haft entlassen wird.

    Seine (ehemaligen) Kameraden schreiben über ihn:

    Nach seinem Realschulabschluß hat er niemals gearbeitet und eigenes Geld verdient. Als Langzeitarbeitsloser lebt er von Hartz IV und von Zuwendungen seiner Eltern. Reitz bezeichnete sich selbst zwar gelegentlich als „Journalist“, allerdings hat er nie als solcher gearbeitet.

    Wenn sich jemand jahrelang nicht um sein berufliches Fortkommen gekümmert hat und mit 30 Jahren dann feststellen muß, daß der politische Aktivismus allein einen nicht mehr ausfüllt und seine Berufschancen weitestgehend im Eimer sind, dann ist das natürlich bitter. Nicht umsonst sagte Reitz in seiner Einlassung während des Koblenz-Prozesses, er habe sich in einer „persönlichen Sackgasse“ befunden.

    Anfang 2012 kündigte Reitz gegenüber einigen Kameraden an, aus persönlichen Gründen aussteigen zu wollen. In dieser Phase wurde Reitz im März 2012 in Untersuchungshaft genommen, was für die Schergen des Regimes natürlich ein willkommener Anlaß war, ihm im Gegenzug für eine schnelle Entlassung aus der U-Haft einige denunzierende Aussagen zu entlocken.

    Es ist naheliegend, daß Reitz sich auch weiterhin ehrlicher Arbeit strikt verweigert und stattdessen als Vorzeige-Hampelmann des Regimes ein paar Euros nebenbei macht. Damit bekäme er auch endlich die große Bühne, nach der er sich immer gesehnt hat (wenn auch nur für kurze Zeit, bis man auch ihn dort fallen läßt).

    Seine skurrilen Aktivitäten, die viele junge Leute in die Neonazi-Szene gebracht haben dürfte, redet er mittlerweile als „Fehler meiner Jugend“ klein oder vergleicht sie an anderer Stelle gar mit einer „lästigen Angewohnheit“. Als Kronzeugen für seinen Ausstieg nennt er den Verfassungsschutz (VS).

    Mit seinen Aussagen habe Reitz seine ehemaligen Kameraden vom „Aktionsbüro Mittelrhein“ schwer belastet, heißt laut Jungle World die Darstellung des VS. Reitz ehemaliger Mitstreiter Christian Worch steht ihm auch nach seinem Ausstieg bei und erklärt im Juli 2012 im Gespräch mit dem Kölner Stadtanzeiger, daß sein ehemaliger ideologischer Ziehsohn nur „niederschwellig belastende Angaben“ gemacht habe. Beide scheint nachwievor einiges miteinander zu verbinden.

    Sein Versuch, bei der AfD Unterschlupf zu finden, scheitert. Möglicherweise deshalb, weil man ihm die Ernsthaftigkeit seines Ausstiegs nicht abnimmt oder derselbe erst ein paar Jahre zurückliegt. Da nützt es ihm auch nicht, daß er mit dem in seinem Bundesland mit Preztell an der Spitze dominierenden liberalen Parteiflügel sympathisiert. Er scheint auch gar nicht mitbekommen zu haben, daß die AfD zwar keine Probleme mit Ex-CDUlern und -Grünen hat, jedoch ehemalige Neonazis keine Chance haben.

    Engen Kontakt hält er als private und nach wie vor politische Person des öffentlichen Lebens mit Matthias Faust. Dieser war zuletzt führendes Mitglied der neonazistischen NPD (nachdem er die konservativ-patriotische Partei DVU – Die Neue Rechte zusammen mit Andreas Molau finanziell aussaugte und sie an die NPD verschacherte) und zog sich dann, als in der NPD sein gutbezahlter Posten wegfiel, erst einmal ins Privatleben (nach Spanien) zurück. Eine Distanzierung von seiner Vergangenheit liegt nicht vor. Passend dazu pflegt er nachwievor enge Kontakte zu NPD-Funktionären.

    Ebenfalls nennt Reitz den bereits erwähnten Andreas Molau seinen Freund, der sich mediengerecht dem System anbiederte, nachdem er von der NPD über die DVU zu Pro NRW wechselte, bis dort nichts mehr finanziell abzusahnen war, weil er gegangen wurde und sich seitdem, mit einem anderen seltsamen NPD-Aussteiger – Stefan Rochow – als „Integrationsblogger“ der Bundesregierung empfiehlt.

    An dieser Stelle heißt es unter der passenden Zwischenüberschrift „Für eine Handvoll Dollar“:

    Andreas Molau durchlief diverse extrem rechte Organisationen, die in der Lage waren, ihm eine Stelle zu finanzieren. Als er innerhalb der extremen Rechten keine Aussicht mehr auf Erfolg hatte, stieg er medienwirksam aus.

    Ein weiterer Freund von Reitz – vor und nach seinem Ausstieg – ist Oliver Kulik, der angeblich in den neunziger Jahren aus der Berliner Braunszene ausstieg (mir war er damals völlig unbekannt) um kurz darauf wieder einzusteigen, weil ihm diese Story keiner abkaufte. Diese obskure Gestalt fungierte bis vor kurzem als Funktionär der von Christian Worch geführten Neonazi-Partei Die Rechte. Ein neuerliches Ausstiegsbekenntnis + Distanzierung vom Neonazismus liegt – wie bei Matthias Faust – nicht vor.

    Auch Holger Apfel, der nun auf Mallorca wohnende einstige NPD-Vorsitzende, in dessen Amtszeit die braune Infiltrierung der NPD vorangetrieben wurde, der also keinerlei Probleme damit hatte, mit führenden Nazis zu kooperieren über viele Jahre hinweg, gehört zu Reitz seinen neuen Zweck-Bekanntschaften. Auch Apfel hat sich nie wirklich zu seiner Verantwortung bekannt, behauptet stattdessen, das er die NPD zu einer bürgerlichen Partei hin erneuern wollte, daran scheitere und deshalb austrat, was natürlich Unsinn ist. Aus der NPD ausgeschieden ist Apfel aus einem ganz anderen Grund: Er konnte oder wollte den Vorwurf nicht entkräften, einen Parteifreund homosexuell belästigt zu haben. Während seiner Zeit im Landtag von Sachsen konnte er üppig seine Finanzen aufbessern, was es ihm ermöglichte, auf Mallorca eine Schankwirtschaft zu eröffnen.

    Vor diesem Hintergrund mutet es absurd und anmaßend an, wenn Reitz vor ein paar Tagen auf Facebook öffentlich dazu aufrief, zur Identitären Bewegung (IB) „kritische Distanz“ zu halten, weil diese sich „nur vorgeschoben-taktisch vom Neonazismus distanzieren“ würde. Als ich ihn nach Beweisen danach fragte, daß die IB wie von ihm behauptet, wissentlich aktive Nazis in ihren Reihen duldet und ihn auf seine eigenen engen Kontakte zu diesem Milieu aufmerksam machte, sah er sich in die Ecke gedrängt und zog es vor, mich bei Facebook zu blockieren. Verständlich, immerhin will er als Nazi-Aussteiger akzeptiert werden, wo sein Schleim-Verhältnis zum Antideutschen Rainer Fromm und dem Duo Molau/Rochow nützlich ist, zu den Personalien Faust, Kulik und Apfel jedoch schon weniger.

    Zum jetzigen Zeitpunkt bleibt mir nur, vor der Person Axel Reitz zu warnen. Leider habe auch ich mich nach seinem Ausstieg von ihm blenden lassen, nahm in ernst, was ich zuvor nicht einen Augenblick getan habe. Nichts von dem, was er äußert, hat irgendetwas mit einer ehrlichen, gar selbstkritischen Analyse zu tun. Geschweige denn Idealismus oder der Sorge um das Gemeinwesen. Rein egomanisches Nützlichkeitsdenken treibt ihn um, wobei sein pathologisch anmutender Geltungsdrang die hauptsächlichste Triebfeder sein dürfte.

    Bis dato hat er keine neue Bühne gefunden, auf der er sich mit seinem zweifellos vorhandenen Rede- und Schreibtalent anderen gegenüber profilieren könnte, damit seine gefühlte Minderwertigkeit überkompensierend. Warnt er also vor der IB, dann nur zu dem Zweck, seine eigenen Entnazifizierung glaubhaft erscheinen zu lassen und womöglich doch noch in die AfD seines Bundeslandes aufgenommen zu werden, nicht etwa aus inhaltlichen, sachlich belegten Gründen.

  2. Kenne Axel noch von damals, hatte nicht soviel mit ihm zu tun, weiß aber Einiges über ihn. Er ist sehr gerissen und selbstdarstellerisch. Typischer Szene-Narzisst. Sehr verlogen und auf den eigenen Vorteil bedacht, der Ausstieg erfolgte nur oder zumindest in 1. Linie wg. des AB-Mittelrhein-Verfahrens. Wollte eben nicht wieder in den Bau…

  3. Sie Irren sich Herr Nolde: Ewald Althans war kein Anhänger von Michael Kühnen, sondern er gehörte zur Anti-Kühnen-Fraktion um Volker Heidel aus Niedersachsen. Nur zur Richtigkeit.

    • Wenn auch inhaltlich nicht vollends konform mit Kühnen und formell auch von ihm geschieden wie von Dir erwähnt, gehörte er im weiteren Sinne dieser Richtung an resp. distanzierte sich nicht so klar und deutlich wie etwa die FAP, die WJ usw., nahm dann auch am Rainer-Sonntag-Gedenkmarsch teil (einer reinen Kühnen-Flügel-Veranstaltung), hatte Kontakt zu Kühnen (weshalb er ja auch mit F. Busse über Kreuz lag bzw. nie Teil des organisierten „orthodoxen NS“ war) und bewundert ihn in gewisser Hinsicht quasi bis heute. Und tatsächlich hatte Kühnen die Fähigkeit, junge Leute zu begeistern, was damals via Medien auch mich in der DDR erreichte und stark beeinflußte. Als ich 1990 jedoch seinen Text „Homosexualität und NS“ las, von der dadurch ausgelösten Spaltung der Bewegung erfuhr, schloß ich mich dieser von uns dann „Rosa-Winkel-Fraktion“ genannten Fraktion gar nicht erst an, der wir „Pervertierung des NS“ unterstellten. Nach den Organisations- und Parteiverboten Anfang bis Mitte der neunziger Jahre wurden die Gräben dann langsam zugeschüttet und man ging aufeinander zu, was sich dann in der NPD fortsetzte, die einem „Steiner“-Wulff zusammen mit F. Busse eine Heimat bot. Dein Kommentar hat mich bewogen, mir seine Texte auf seinem Blog durchzulesen, was durchaus interessante Einblicke gewährt – schon alleine deshalb Danke für Deine (richtigstellende bzw. ergänzende) Anmerkung.

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