Dr. Klaus Blessing: Die sozialistische Zukunft – Kein Ende der Geschichte!

blessing_soz_zuk_coverVon Dr. Klaus Blessing empfehle ich sein jüngst erschienenes Buch Die sozialistische Zukunft – Kein Ende der Geschichte! Eine Streitschrift.

In diesem stellt er unter anderem klar, daß das einzige echte Wesensmerkmal des Sozialismus die zentrale und umfassende Planung des gesellschaftlichen Produktionssprozesses ist, welche ermöglicht wird durch das Volkseigentum an den Produktionsmitteln, was sich wiederum nur als Staatseigentum verwirklichen läßt.

Er macht auch keinen Hehl daraus, was er nicht nur vom westlichem Parlamentarismus, sondern auch dem linken resp. naiven Kult um Basisdemokratie und Arbeiterräten hält:

Zweifellos gab es auch unter den „einfachen Menschen“ im praktizierten Sozialismus viele, die ehrlich, uneigennützig, fleißig, bescheiden und solidarisch gelebt und gearbeitet haben. Viele, inzwischen im realen Kapitalismus angekommene Ostdeutsche trauern gerade diesem kameradschaftlichen Zusammenleben nach.

Einen solchen solidarischen Menschentyp in der Gesamtheit der Gesellschaft gibt es aber nicht und wird es auch in überschaubaren Generationen nicht geben.

Wenn heute einige linke Denker erneut davon ausgehen, „dass der Mensch seiner biologischen Verfassung nach eben kein egoistischer homo oeconomicus, sondern ein zutiefst soziales Wesen ist, ein Wesen, dem die Fähigkeit zur Einfühlung in andere Menschen und zu sozialem, kooperativem Verhalten in die Wiege gelegt ist“, halte ich das für ein erneutes Wunschdenken. (S. 17)

Den idealen Gut-Menschen gibt es zwar als einzelnes, seltenes Individuum, aber nicht als gesellschaftliches Wesen, weder als Führungspersönlichkeit, noch in der Masse des Volkes. Auf dem Reißbrett oder im stillen Kämmerlein der Wissenschaft gesellschaftliche Ordnungen auszudenken, die vom Grundsatz „Alle Menschen werden Brüder“ ausgehen, sind zum Scheitern verurteilt. Sie konnten sich zu keiner Zeit durchsetzen. Gleichwohl ist es aber erforderlich, Gesellschaftsordnungen zu gestalten, die für die Menschen die Bedingungen schaffen, als Mensch in Würde zu leben und die guten Seiten im Menschen weiter zu entwickeln. (S. 19)

Das Erschreckende ist, daß sich große Teile der Gesellschaft immer mehr zu diesem Konsumtrottel manipulieren lassen. Je länger die Wirkung, desto größer der Erfolg. Schauen wir uns in unserer Umgebung um, das Ergebnis ist schockierend! Das ist der „mündige Bürger“, der dann alle vier Jahre als Höhepunkt seiner demokratischen Grundrechte zum Kreuzchenmalen aufgerufen wird. Es wird schwer, sehr schwer, mit derartig konfigurierten  Menschen eine andere Gesellschaft aufbauen zu wollen.

Alle so vehementen Anhänger der völligen Basisdemokratie in der Gesellschaft sollten sich die Frage vorlegen und beantworten, mit welchen Menschen eigentlich die basisdemokratischen Entscheidungen im Staat und im Betreib gestaltet werden sollen. Die Sozialisten sind schon einmal an einem Menschenideal gescheitert, das es so, wie erhofft und erwünscht, nicht gab. Die linken Superdemokraten laufen erneut in diese Falle. Der sozialistisch agierende Mensch kann nicht gebacken werden. Er entstammt einer kapitalistischen Umwelt, die ihn auf das schlimmste deformiert hat – gierig und unwissend. (S. 24)

Ich betrachte Auffassungen, durch Mitbestimmung eine veränderte, den Interessen der Arbeiter besser entsprechende Wirtschaftspolitik durchsetzen zu können, mit großer Skepsis. Wirtschaft kann nicht demokratisch durch Arbeiterräte geleitet werden. Wirtschaft ist durch Leiter zu leiten im Sozialismus durch „sozialistische Leiter“.  (S. 112)

Man stelle sich nur einen Augenblick vor, diese vor Demokratie strotzenden Vorstellungen würden Wirtschaftspraxis. Runde Tische tagen und streiten unendlich über Wirtschaftsentscheidungen. Innerhalb kürzester Zeit würde jede Wirtschaft – ob staatlich oder privat – im Entscheidungschaos versinken. (S. 115)

Genossenschaftliches Eigentum oder Beteiligung der Belegschaften am Betriebseigentum löst das wirkliche gesellschaftliche Problem nicht. Dies besteht darin, wie die Wirtschaft der gesamten Gesellschaft dient, ohne autoritärer staatlicher Regelung zu unterliegen. Genossenschaftseigentum und Belegschaftsbeteiligungen – in welcher Form auch immer – befriedigen Gruppeninteressen. Die private Ausbeutung – auch der Natur – wird von der Einzelperson auf die Gruppe verlagert. (S. 117)

Wenn wir uns vom reinen Profitstreben, von der ständigen Steigerung der Arbeitsproduktivität als oberstes Ziel sozialistischen Wirtschaftens verabschieden, wenn wir wirtschaftliche Ziele durchsetzen wollen, die nicht nur dem einzelnen Betrieb, sondern der gesamten Gesellschaft dienen, dann sind gerade staatliches Eigentum und staatliche Leitung gefragt. Wie will der Staat sonst seine Ziele umsetzen? Wer besitzt, hat das Sagen. (S. 120)

Volksbefragungen im Sinne der Meinungsäußerung können sich zwar auf wirklich grundlegende Richtungsentscheidungen (…) beziehen. Vor bindenden Entscheidungen durch Volksentscheidungen ist jedoch dringend abzuraten. (S. 121)

Desweiteren nimmt Dr. Klaus Blessing sich die Theorien des Marxismus-Leninismus vor, die er für das Scheitern des realen Sozialismus mitverantwortlich macht. Etwa den Glaubenssatz, daß in punkto Produktivität und Konsum mit dem Kapitalismus gewetteifert werden werden muß, statt sich vernünftige Grenzen zu setzen, die das Leben im Einklang mit der Natur (des Menschen) mit sich bringt. Ohne diese dringend nötigen wertkritischen Momente wird es seiner Meinung nach nicht gehen:

Menschen werden in eine neue Gesellschaft durchaus mitzunehmen sein, wenn nicht versprochen wird, durch noch höhere Arbeitsproduktivität noch mehr Konsumtion anzubieten, sondern andere menschenwürdige Ziele gestellt werden. Diese Auffassung beginnt, sich bei der Aufarbeitung der sozialistischen Vergangenheit schamhaft einzuschleichen. (S. 91)

Was ist linke Politik?

Die Scheidelinie zwischen linker und pseudolinker Politik ist für mich nicht, wie vielfach beschworen, das Bekenntnis zum Marxismus-Leninismus. Für mich ist links eine Position, die nicht nur Erscheinungen im System korrigieren und verbessern, sondern das kapitalistische System an sich und es in ein sozialistisches überführen will. Dabei sind alle Kräfte und Strömungen willkommen, die sich dieser Entwicklung anschließen. Es gehört zum Versagen der linken Kräfte in Europa, dass es gegenwärtig kein theoretisches und erst recht kein praktisches Kraftzentrum gibt, das derartigen Anforderungen entspricht. (S. 162-163)

Das DDR-Wirtschaftswunder – Dr. Klaus Blessing und Katrin Rohnstock im Gespräch mit Prof. Dr. Michael Friedrich Vogt: https://www.youtube.com/watch?v=ZcTQm1TMgr8

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5 Gedanken zu “Dr. Klaus Blessing: Die sozialistische Zukunft – Kein Ende der Geschichte!

  1. Wie ist eigentlich deine Meinung zu Kuba Detlef? Dort ist ja vor kurzem der ehemalige Revolutionsführer Fidel Castro gestorben. Um ihm wurde auch kein Personenkult abgehalten, was ja nach seinem eigenen Wunsch ausging.

    • Wenn ich richtig informiert bin, herrscht in Kuba – noch – eine zentral zentrale und umfassende Planung des gesellschaftlichen Produktionssprozesses auf der Grundlage von Staatseigentum (nur so läßt sich Volkseigentum verwirklichen), also Sozialismus. Insofern ist meine Meinung positiv 😉 Wie lange das so sein wird – es sollen auf unterster Ebene marktwirtschatliche (also kapitalistische) „Lockerungen“ eingeführt worden sein, was der Anfang vom Ende des Sozialismus bedeuten könnte – wird man sehen.

      Fidel Castro am 09.10.2016 in Havanna:

      Wenn ich einmal nicht mehr lebe, denkt immer daran: „Schützt Euch vor Denen, die von Demokratie reden, in bewachten Villen sitzen, an den Schalthebeln der Macht sitzen und letztlich ausschließlich ihren privaten Besitz vermehren. Sie reiben sich beim Geldzählen die Hände heiss, während der Hunger vor ihrer Tür nach Gerechtigkeit schreit! In Kuba gehört das Land dem Volk! Lasst Euch das nie mehr nehmen, Companeros, sonst gibt es auch kein „Volk“ mehr!

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