Josef Bordat: Die christliche Glaubenslehre kennt ein Naturrecht auf Notwehr und Selbstverteidigung

Marienstatt-DSC_0111-3Vielfach herrscht der Irrglaube, daß Christen sich und ihre Nächsten nicht mit Gewalt verteidigen dürfen, wenn keine milderen Mittel hilfreich sind, da sie „nicht töten“ und „die andere Wange hinhalten“ müßten. Hierzu zitiere ich einen interessanten Artikel von Jörgen Bauer:

„Du sollst nicht töten!“ (Gen 20,3)  –  ein Gebot, das sehr strapaziert wird. In meiner Jugendzeit habe ich mal einen „bibelfesten“ Freund gefragt, ob er einen Täter, der gerade dabei ist, einen Gasometer zur Explosion zu bringen,

mit einem Schuss töten würde, wenn das die einzige Möglichkeit wäre, zu verhindern, dass die Stadt verwüstet wird.

Die Antwort war: „Nein, denn du sollst nicht töten, und man muss das Weitere Gott überlassen.“

Das ist eine Haltung, die ich noch nie akzeptieren konnte. Ich denke, dass ich damit nicht falsch liege, denn das besagte Gebot heißt im hebräischen Urtext: „Du sollst nicht morden“, wobei unter „morden“ ein rechtswidriges, kriminelles Tun aus niederen Beweggründen zu verstehen ist  –  wie im Fall von Kain und Abel.

Abwehr- und Verteidigungshandlungen fallen demnach nicht darunter. Außerdem würde sich die Bibel widersprechen, wenn sie einmal ein Tötungsverbot enthält und auf der anderen Seite Gott dann Israel in kriegerischen Auseinandersetzungen beisteht, David den Goliath umlegt und der Prophet Elia die Baalspriester tötet.

Allerdings wird im Neuen Testament nirgendwo dem Töten das Wort geredet. Von Paulus in Römer 13 mal abgesehen, wonach der Obrigkeit das Schwert zur Bestrafung der Bösen von Gott verliehen ist.

Im Neuen Testament geht es um Liebe und Vergebung, auch um Feindesliebe, und da werden an den Christen sehr hohe Anforderungen gestellt. Mancher sagt dann, dass er sich lieber töten lasse, bevor er einen anderen tötet.

Das mag der Betreffende so halten, wenn er einmal in diese Lage kommen sollte. Aber wie ist das mit den anderen, die nicht so gern getötet, sondern gerettet werden wollen?

Werde ich dann schuldig, wenn ich den Tod meines Nächsten billigend in Kauf nehme, obwohl ich die Möglichkeit hätte das zu verhindern, indem ich den Angreifer töte?

Ich glaube schon, dass ich da schuldig werde und zwar ganz erheblich.

Da regt es mich immer ein bisschen auf, wenn der satte Vollkasko-Bedenkensträger bequem und sicher im Fernsehsessel hockt, dabei von dem extrem grausamen Tun der IS-Horden erfährt, um danach beschaulich darüber nachzusinnen, ob es verantwortet werden kann, den schwerstens Bedrängten mit Waffen zur Hilfe zu kommen.

Das ist so, als wenn ein Haus brennt, in dem Menschen eingeschlossen sind, die Feuerwehr aber zögert, weil es ja sein könnte, dass am Haus ein Wasserschaden entsteht oder unnötig Wasser verbraucht wird, das anderweitig besser verwendet wäre. Und während man labert und sabbert  und vielleicht noch einen Arbeitskreis bildet, brennt das Haus völlig ab  –  einschließlich der Eingeschlossenen, womit sich das Problem dann erledigt hat.

Möge uns Gott die rechte Erkenntnis und den Mut zum Handeln geben, wenn es erforderlich wird. Dass wir selbst mal unmittelbar zum harten Handeln aufgefordert sein könnten, kann passieren, wenn man sich weiter so lahm gibt und eine extreme Bedrohung nicht nachhaltig ausschaltet.

Quelle u. vollständiger Text: https://charismatismus.wordpress.com/2014/08/25/abwehr-notwehr-und-verteidigung-aus-biblisch-christlicher-sicht/

Pfarrer Wolfgang Sickinger zur Todesstrafe:

Die Todesstrafe – können Christen dafür eintreten? Was sagt die Bibel?

1.1 Die Todesstrafe ist im AT ausdrücklich vorgesehen.

Die erste grundlegende Begründung finden wir in 1. Mose 9,5-6: „Auch will ich euer eigen Blut, das ist das Leben eines jeden unter euch, rächen und will es von allen Tieren fordern und will des Menschen Leben fordern von einem jeden Menschen. Wer Menschenblut vergießt, dessen Blut soll auch durch Menschen vergossen werden; denn Gott hat den Menschen zu seinem Bilde gemacht.“

An dieser Stelle wird die Gottebenbildlichkeit des Menschen mit der Todesstrafe in Verbindung gebracht: Wer Gottes Ebenbild tötet, soll seinerseits getötet werden.

Weiterhin gibt es viele ausdrückliche Regelungen zur Todesstrafe in den 5 Büchern Mose, der Tora: 2. Mose 21,12: „Wer einen Menschen schlägt, daß er stirbt, der soll des Todes sterben.“ (direkt nach den 10 Geboten in Kap. 20!)

Todesstrafe auf Ehebruch in 3. Mose 20,10: „Wenn jemand die Ehe bricht mit der Frau seines Nächsten, so sollen beide des Todes sterben, Ehebrecher und Ehebrecherin, weil er mit der Frau seines Nächsten die Ehe gebrochen hat.“

Todesstrafe auf Inzest und widernatürliche Unzucht, z.B. in 3. Mose 20,13: „Wenn jemand bei einem Manne liegt wie bei einer Frau, so haben sie getan, was ein Greuel ist, und sollen beide des Todes sterben; Blutschuld lastet auf ihnen.“

Auch Gotteslästerung, Zauberei und Sabbatschändung ziehen die Todesstrafe nach sich.

Der Vollzug der Todesstrafe kann Aufgabe eines Bluträchers sein. Auch private Rache ist möglich, ohne dass der Rächer bestraft wird. In der Regel wird die Todesstrafe durch Steinigung vollzogen. So heißt es in 3. Mose 24,16: „Wer des HERRN Namen lästert, der soll des Todes sterben; die ganze Gemeinde soll ihn steinigen. Ob Fremdling oder Einheimischer, wer den Namen lästert, soll sterben.“

Schon im AT wird der Grundsatz der Vergeltung als Hintergrund für die Todesstrafe genannt. So in 2. Mose 21,23-24: „Entsteht ein dauernder Schaden, so sollst du geben Leben um Leben, Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuß um Fuß.“

Das 5./6. Gebot hat mit einem Verbot der Todesstrafe nichts zu tun. Es bedeutet inhaltlich das Verbot des Mordens. Eine Übertretung des Gebotes zieht gerade die Todesstrafe nach sich.

Jesus selbst lehnt für sich und seine Jünger Rache und Vergeltung ab. In der Bergpredigt Mt 5, 38ff sagt er, dem Übel sei nicht zu widerstehen und es sei die andere Wange hinzuhalten, sowie „Liebet eure Feinde!“Aber wenn Nachfolger Jesu in Staat und Gesellschaft Verantwortung übernehmen, gilt es, dem Bösen – zur Not auch mit Gewalt – zu wehren. Dies klingt in Römer 13, 1ff an, wobei hier sogar eine heidnische römische Obrigkeit im Hintergrund steht. Dennoch gilt nach Paulus in Röm 13,4:

„Denn sie (die Obrigkeit) ist Gottes Dienerin, dir zugut. Tust du aber Böses, so fürchte dich; denn sie trägt das Schwert nicht umsonst: sie ist Gottes Dienerin und vollzieht das Strafgericht an dem, der Böses tut.“

Paulus kann hier ganz anders schreiben als im Fall des entlaufenen Sklaven im Philemonbrief, weil es um die Lebensordnung des Staates und den Schutz der Allgemeinheit geht und nicht um das Verhalten innerhalb der Gemeinde.

Gehört also die Todesstrafe aus christlicher Sicht zum Handeln der Obrigkeit dazu oder ist sie abzulehnen? Die Bibel gibt darauf keine eindeutige Antwort.

(…) Fazit:

Die Bibel im AT bejaht die Todesstrafe, während das NT sie nicht ausdrücklich ausschließt. Die christliche Tradition hat einschließlich der Reformation mit großer Mehrheit für die Todesstrafe gesprochen, erst im 20. Jh. wird sie von der Mehrheit der christlichen Theologen abgelehnt.

Das zentrale theologische Argument liegt in der Erlösung durch Kreuz und Auferstehung Jesu Christi: Wenn Christus unsere Schuld auf sich genommen hat und wenn Gott uns durch sein Kreuz und seine Auferstehung Vergebung und Erlösung schenkt, haben wir Menschen nicht das Recht, einen anderen Menschen zum Tode zu verurteilen. Wir nähmen ihm die Möglichkeit, dieses Geschenk Gottes anzunehmen.

Zur Ausgangsfrage: Die Todesstrafe – können Christen dafür eintreten?

Ein Christ kann durchaus für die Todesstrafe eintreten, und zwar aufgrund der biblischen und der theologischen Tradition. Wer das tut, muss sich aber mit sehr gewichtigen Argumenten auseinandersetzen, die auf dem Wort und dem Werk Christi begründet sind. (…)

6. Ein Denkanstoß zum Abschluss

Wer mit guten christlichen Gründen die Todesstrafe ablehnt, sollte allerdings konsequent sein. Nicht nur das Leben eines Verbrechers verdient Schutz, sondern auch das Leben des schwächsten Gliedes unserer Gesellschaft: des ungeborenen Kindes im Mutterleib.

Hier wird in jedem Jahr hunderttausendfach die Todesstrafe praktiziert – ohne Strafandrohung für die Vollstrecker und mit Duldung der höchsten staatlichen Instanzen. Das einzige „Verbrechen“ eines ungeborenen Menschen besteht darin, durch seine Existenz seine Eltern in einen Konflikt zu bringen.

(…) Wenn der entscheidende christliche Grundsatz der ist, dass Gott das Leben gibt und deshalb kein Mensch es nehmen darf, dann gilt dieser Grundsatz sowohl für das Leben eines brutalen Mörders wie für das Leben eines ungeborenen Kindes.M.E. ist es konsequent, sowohl gegen die Todesstrafe einzutreten als auch gegen die straflose massenhafte Tötung ungeborener Kinder im Mutterleib. Die Kirche als ganze und die einzelnen Christen dürfen nicht schizophren argumentieren.

Die katholische Kirche spricht in dieser Frage konsequent und schlüssig, während die evangelischen Kirchen aus politischer Rücksichtnahme oder in Abhängigkeit vom Zeitgeist widersprüchlich argumentieren.

Quelle u. vollständiger Artikel: http://www.gemeindenetzwerk.de/?p=13265

Bibelstudien-Institut:

Dürfen sich Christen gegen Gewalttätigkeiten verteidigen?

„Christen leben in einer Welt, die auch vom Bösen beherrscht wird.“

Viele Christen fragen sich, ob das Recht auf Selbstverteidigung auch für sie gilt. Hat Jesus ihnen nicht in der Bergpredigt geboten, die andere Wange hinzuhalten? Den Schlüssel zum richtigen Verständnis von Mt 5,38.39 finden wir jedoch in zwei entscheidenden Aussagen:

1. „Ihr habt gehört, dass gesagt ist …“ (Vers 38). Dies ist ein Zitat aus 2 Mo 21,24. Es geht hier um Rechtsordnungen. Diese Gesetze sollten Richtern helfen, ein gerechtes Urteil zu fällen (Vers 18+19). Sie wurden jedoch missbraucht, um die persönliche Rache zu rechtfertigen. Jesus wollte aber, dass Streitende sich versöhnen. Deshalb sollen Christen lieber einstecken, als sich von Rachegefühlen leiten zu lassen.

2. „… wenn dich jemand auf die rechte Wange schlägt …“ (Vers 39). Jesus geht es um den Schlag mit der rechten Rückhand, der in vielen Kulturen als Zeichen der Beleidigung oder der Herausforderung zum Kampf gilt. In einer solchen Situation sollen Christen die andere Wange hinhalten, d. h. schweigen, freundlich antworten und auch Verletzungen hinnehmen. Gesetzwidrige Gewalt steht hier also nicht zur Debatte. Unrechtmäßige Angriffe brauchen sie nicht einfach zu erdulden. Deshalb ließ Jesus es nicht zu, dass die Einwohner von Nazareth ihn einen Berg hinunterstießen (Lk 4,28).

Jesus hat jedenfalls Angreifer zur Rede gestellt. Als der Knecht des Hohenpriesters ihn schlug, hielt Jesus nicht die andere Wange hin, sondern fragte ihn, mit welchem Recht er ihn schlage (Joh 18,23). Weil es bei den Juden verboten war, einen Angeklagten vor seiner Verurteilung zu schlagen, zeigt Jesus damit, dass seine Richter selbst vor Gericht gestellt werden müssten. Auch Paulus verteidigte sich mit diesem Argument vor dem Hohen Rat (Apg 23,2.3).

Liebe zum Nächsten darf sich außerdem nicht in schönen Worten erschöpfen. Braucht jemand Hilfe, sollen wir ihm beistehen. Das gilt auch für diejenigen, die Gewalt erleiden. Dabei gerät der Christ in einen inneren Konflikt. Auch der Angreifer ist sein Nächster, den er lieben soll. Wenn er ihn nicht mit Worten von weiterer Gewalt ablenken kann oder wenn der Angreifer sich gegen ihn selbst wendet, muss er sich auch bei der Nothilfe die Frage stellen, ob und wieweit er sich wehren soll, oder ob passives Leiden oder Flucht die einzigen Alternativen sind.

Manchmal kann tatsächlich freundliches Reden den anderen besänftigen. Dabei hilft es, eigene Fehler zuzugeben und um Entschuldigung zu bitten. Wer dagegen Angst oder Wut zeigt, wird den Angriffslustigen nur noch mehr reizen. Weggehen oder weglaufen hilft oft, Gewalttätigkeiten zu meiden. Manche Christen denken auch daran, Selbstverteidigungstechniken anzuwenden, die einen Angriff abwehren, ohne den Gegner zu verletzen. Leider funktionieren diese meistens nicht auf der Straße, wenn Angst, Schmerz und Stress den Angegriffenen lähmen. Gewissenskonflikte sind hier also nicht ausgeschlossen.

Christen leben in einer Welt, die auch vom Bösen beherrscht wird. Sie selbst sind ebenso nicht jenseits von Gut und Böse. Deshalb ist es verständlich, wenn sie plötzlich mit Gewalt reagieren, wenn sie Gewalt und Bedrohung erleben. So stürzte sich ein friedliebender Christ im Dunkeln auf einen Angreifer, der im Begriff stand, ein Mädchen zu vergewaltigen. Er schlug so lange auf ihn ein, bis dieser davonlief. Geschockt musste der Mann danach feststellen, dass er damit seiner eigenen Tochter das Leben gerettet hatte.

Quelle u. vollständiger Text: http://www.bibelstudien-institut.de/bibelfragen/detail/bq/glaubensfragen/duerfen-sich-christen-gegen-gewalttaetigkeiten-verteidigen/#.V0w5Lvn97tQ

Josef Bordat:

(…) Die christliche Glaubenslehre kennt ein Naturrecht auf Notwehr und Selbstverteidigung. Das ist keine Perversion der Friedensbotschaft Christi, sondern ihre praktische Umsetzung. Die Aufforderung Jesu zum radikalen Gewaltverzicht in der Bergpredigt (Mt 5, 38ff.) bezieht sich nicht auf konkrete Handlungen, sondern auf die innere Haltung des Menschen, die praeparatio cordis (Haltung des Herzens), wie Augustinus es nannte. Die innere Haltung des Christen sagt ihm: Krieg ist ein Übel, auf das nur nach Ausschöpfung aller friedlichen Mittel zurückgegriffen werden darf. Die Voraussetzung eines Krieges ist immer die Verfehlung des Anderen, denn „nur die Ungerechtigkeit der Gegenpartei nötigt dem Weisen gerechte Kriege auf“ (Augustinus). Dieses Übel kommt in einem eschatologischen Sinne auch dem ungerechten Gegner zugute, da er so in die von ihm verlassene Ordnung zurückkehren kann. Mit dieser erzwungenen Umkehr orientiert man den Kriegsauslöser wieder auf Gott hin und trägt damit letztlich dadurch dem Gebot der Feindesliebe Rechnung. Ließe man den Ungerechten gewähren, entfernte er sich in dem Irrglauben, seine Ungerechtigkeiten würden sich lohnen, mehr und mehr von Gott, dessen letztem Urteil er sich jedoch nicht entziehen kann. (…)

Quelle u. vollständiger Text: http://www.katholisches.info/2009/09/25/mit-kuhlem-kopf-an-heise-eisen-kreuzzuge-schwertmission-und-hexenverbrennung/

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