Karl der Große ein „Sachsenschlächter“?

Findlinge im Sachsenhain

Die Nazis benutzten die Legende für ihre Propaganda und ließen 4500 Findlinge im Sachsenhain aufstellen.

Wenn gegen den christlichen Glauben resp. die Kirche argumentiert wird, kommt nach den Hexenverfolgungen, den Kreuzzügen und der Fällung der Donar-Eiche meist das „Blutgericht von Verden“ durch den „Sachsenschlächter“ Karl den Großen. Dazu habe ich einige Informationen zusammengetragen:

Die Legende vom „Blutgericht“

Im Auftrag von Karl dem Großen sollen in Verden 4500 Sachsen hingerichtet worden sein.

Die angebliche Tat ging als „Verdener Blutgericht“ in die Geschichte ein.

„Ihre Köpfe werden in den Sand rollen, und ihr Blut wird in den Graben laufen, der sich zwischen gelben Sandwällen nach der Beeke hinzieht. Viertausendfünfhundert Witwen und Bräute weinen heute im Lande, und alle Adler und Raben, alle Wölfe und Füchse werden bersten vor reichlichem Fraße“, schrieb Hermann Löns 1912 fast so, als wäre er bei der Szenerie dabei gewesen. Doch das „Verdener Blutgericht“, das der deutsche Heimatdichter hier beschreibt, soll mehr als tausend Jahre zuvor stattgefunden haben. Der Legende nach hat Karl der Große damals in Verden die Exekution von 4500 Sachsen befohlen. Eine Tat, die ihm den Namen „Sachsenschlächter“ einbrachte.

Es war das Jahr 782: Die Sachsenkriege waren im vollen Gange. Frankenkönig Karl der Große sah sich trotz Gefechtssiegen gegen die Sachsen damit konfrontiert, dass die dortigen Stammesfürsten sich weigerten, ihm, dem fremden Herrscher, zu folgen und den christlichen Glauben anzunehmen. Zudem kam es immer wieder zu Revolten und Widerstand gegen die Eroberer. Als die Sachsen dann auch noch im Weserbergland ein fränkisches Heer vernichteten, schlug Karl der Große zurück. Wie genau das aussah, da gehen die Meinungen der Geschichtswissenschaft jedoch sehr stark auseinander.

Diskussion um die Opferzahl

Laut den Reichsannalen soll es sich wie folgt zugetragen haben: Karl der Große ließ 4500 Sachsen gefangennehmen und zur Mündung der Aller in die Weser bei Verden bringen. Innerhalb eines Tages wurden sie auf seinen Befehl allesamt enthauptet. Einige Historiker gehen jedoch von einem Übersetzungsfehler aus, so dass die 4500 Sachsen nicht etwa getötet, sondern lediglich umgesiedelt wurden. Außerdem merken sie an, dass nie Tote gefunden worden seien, was bei einem Massaker dieser Größenordnung fast unumgänglich gewesen wäre.

Andere glauben schlichtweg nicht an die extrem hohe Opferzahl von 4500. Hier liegen die Historiker mit ihren eigenen Annahmen jedoch weit auseinander: Mal ist nur von mehreren Dutzend die Rede, dann wieder von rund 500. Auf eine ungefähre Zahl möchte sich Björn Emigholz, Verdener Stadtarchivar, erst gar nicht festlegen, auch wenn er überzeugt ist, dass damals „etwas sehr Drastisches stattgefunden haben muss“. Schließlich sei im Anschluss der Widerstand der Sachsen zusammengebrochen. Deswegen geht Emigholz von einer besonders abschreckenden Aktion von Karl dem Großen aus – zu der er im Übrigen jedes Recht gehabt habe. „Er war von den Sachsen verraten worden, und sowohl nach fränkischem, als auch nach sächsischem Recht hätte er so 4500 oder auch noch mehr von ihnen exekutieren lassen können“, erklärt Verdens Stadtarchivar.

Eine solch hohe Zahl erscheint ihm aber aus zwei Gründen nicht realistisch: Erstens war die Gegend damals nicht stark besiedelt und daher wäre es schwierig gewesen, überhaupt 4500 Menschen zusammenzubekommen. Und zweitens wäre der logistische und personelle Aufwand für Karl den Großen, so viele Leute gefangenzunehmen und dann hinzurichten, für damalige Verhältnisse kaum zu schaffen gewesen.

Doch unabhängig davon, ob und in welcher Form das Verdener Blutgericht stattgefunden hat, einer Gruppe kam die Legende gerade recht: den Nationalsozialisten. Heinrich Himmler, Reichsführer der SS, ließ in Verden am Sachsenhain und seinem Rundweg 4500 Findlinge aufstellen – als Gedenkstätte eben für die heidnischen Sachsen, die von Karl dem Großen an dieser Stelle hingerichtet worden sein sollen. Noch heute existiert der steingesäumte Rundweg, obwohl der Sachsenhain unabhängig davon, ob und wie das Blutgericht wirklich stattfand, nie Ort sächsischer Geschichte war. Vielmehr ist er mit seinen Findlingen ein Beleg dafür, wie die Nationalsozialisten versuchten, Geschichte propagandistisch umzudeuten.

Die damals kreierte Version der Nationalsozialisten ist aber auch eine der wenigen, die wirklich ausgeschlossen werden kann. Wie genau die Aktion von Karl dem Großen zur Schwächung der Sachsen und ihres Widerstandes während der Sachsenkriege aussah, dazu werde es laut Emigholz wohl nie eine genaue Antwort geben. „Wie, wo und in welcher Art das alles damals stattgefunden hat, lässt sich einfach nicht genau sagen“, resümiert er. Und damit bleibt auch die Frage offen, wie viele Witwen damals wirklich weinten und ob Adler und Wolf damals wirklich so reichlichen Fraß bekamen, wie es die Worte von Hermann Löns vermuten lassen. (…)

Quelle u. vollständiger Artikel: http://www.weser-kurier.de/region/verdener-nachrichten_artikel,-Die-Legende-vom-%E2%80%9EBlutgericht%E2%80%9C-_arid,1056578.html

Und:

Nazis nannten ihn „Sachsenschlächter“ …

War Karl der Große der „Sachsenschlächter“ und damit verantwortlich für das Blutbad von Verden im Jahr 782 mit angeblich 4500 Toten? Viel ist darüber geschrieben worden, nicht allein von Historikern, und manches war nationalsozialistische Propaganda.

Das Blutbad von Verden geschah im Rahmen der Sachsenkriege, die sich mehr als 33 Jahre hinschleppten. Als Karl der Große 772 erstmals gegen die Sachsen zog, ließ er die Irminsul niederreißen, einen als Weltensäule gedeuteten heiligen Baumstamm. So wollte der Frankenherrscher die Überlegenheit des christlichen Gottes beweisen. Nun eskalierte die Gewalt auf beiden Seiten. Es kam zum Kampf der Religionen: Die Sachsen plünderten Kirchen und steckten sie auf ihren Überfällen in Brand, sodass sich Karl der Große 775 entschied, die Sachsen mit ihren heidnischen Dämonenkulten so lange mit Krieg zu überziehen, „bis sie entweder besiegt sich der christlichen Religion unterwerfen oder aber vernichtet sind“. (…)

Als Anführer der heidnischen Sachsen taucht in den historischen Quellen für das Jahr 778 erstmals Widukind auf. Unter der Führung des westfälischen Adeligen zerstörten die Sachsen in einem erbitterten Guerillakrieg auch die Karlsburg, eine Pfalz in Paderborn.

Dann kam es zum Blutbad von Verden. Über dieses Ereignis im Jahr 782 berichten im Frühmittelalter ausschließlich die „Annales regni Francorum“, eine am Hof Karls des Großen verfasste Auflistung historischer Daten, also eine Art offizielle Geschichtsschreibung aus der Sicht des Herrschers. Wörtlich heißt es dort auf nur wenigen Zeilen: „Alle Sachsen unterwarfen sich der Gewalt des oben genannten Königs und lieferten alle Übeltäter aus zur Bestrafung mit dem Tode, 4500, und dies ist auch so geschehen.“

Heute gehen die meisten Historiker davon aus, dass weit weniger als 4500 Menschen geköpft wurden. Denn schon der technische Ablauf einer Hinrichtung spreche dagegen, dass so viele getötet worden seien; eine Guillotine gab es ja noch nicht. Der Tübinger Historiker Wilfried Hartmann schreibt in seiner Biografie über Karl den Großen: „Ohne Karls Aktion in irgendeiner Weise entschuldigen zu wollen, muss betont werden, dass es sich bei den aufständischen Sachsen in den Augen des Frankenkönigs um Hochverräter handelte, die – nachdem sie die geschworene Treue gebrochen hatten – aus Karls Sicht den Tod verdient hatten.“ (…)

Dass man Karl „Sachsenschlächter“ nannte, geht auf den Dichter Herman Löns zurück, der die Bezeichnung 1912 in der Erzählung „Die rote Beeke“ verwendete. Die Nationalsozialisten griffen den Begriff im Rahmen ihres Germanenkultes auf und sahen Widukind als Gegenheld.

Dem Blutgericht von Verden war der Herzog entkommen, er musste sich aber auf Dauer der militärischen Überlegenheit der Franken beugen. An Weihnachten 785 wurde er in der Königspfalz Attigny (heute im Norden Frankreichs in den Ardennen) getauft. Karl der Große war sein Taufpate und soll ihn reich beschenkt haben.

Über das weitere Schicksal Widukinds fehlen gesicherte Informationen. Der Münsteraner Historiker Gerd Althoff meint, er sei ein Mönch auf der Insel Reichenau im Bodensee gewesen. Andere Mittelalter-Forscher zweifeln an dieser These. Eckhard Freise etwa vermutet, Widukind habe als Graf in fränkischen Diensten amtiert. (…)

Im umstrittenen Niedersachsen-Lied , entstanden in den 1920er-Jahren, wird der Adelige jedenfalls gefeiert. „Wir sind die Niedersachsen, sturmfest und erdverwachsen, Heil Herzog Widukinds Stamm!“ lautet der Refrain.

Quelle u. vollständiger Artikel: http://www.noz.de/deutschland-welt/niedersachsen/artikel/446627/so-fuhrte-karl-der-grosse-das-christentum-ein#gallery&30747&0&446627

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