Christlicher Sozialismus bei den Hutterern

Hutterer-Frauen beim gemeinsamen Abwasch

Hutterer-Frauen beim gemeinsamen Abwasch

Die christlich-wiedertäuferische Gemeinschaft der Hutterer zeigt, daß Christentum, eine hierarchisch-patriarchale Ordnung und Sozialismus, d.h. eine Gütergemeinschaft nach dem Vorbild der ersten Jerusalemer Gemeinde, eine Einheit bilden kann.

Die Gütergemeinschaft wird begründet mit Apg 2,44 LUT:

„Und alle, die da gläubig geworden waren, taten ihren ganzen Besitz zusammen.“

Die Hutterer sind also im christlichen Sinne Kommunisten, die das Privateigentum an den Produktionsmitteln schon 300 Jahre vor Karl Marx abgeschafft haben und nach dem Motto leben:

„Jeder gibt, wos’r kann und kriegt wos ihm not ist.“

Der protestantische Theologe und Religionsphilosoph Paul Johannes Tillich definierte den Begriff Religiöser Sozialismus im Jahre 1930 folgendermaßen:

„Religiöser Sozialismus ist der Versuch, den Sozialismus religiös zu verstehen und aus diesem Verständnis heraus zu gestalten und zugleich das religiöse Prinzip auf die soziale Wirklichkeit zu beziehen und in ihr zur Gestalt zu bringen.“

Der religiöse Sozialist Hans Müller meinte 1927, das sozialistische Gesellschaftsideal könne nur durch den religiösen Sozialismus dauerhaft begründet werden. Die religiösen Sozialisten müssten die Arbeiterbewegung christianisieren und vom atheistischen Marxismus lösen.

Die Aufnahme in die hutterische Gemeinschaft erfolgt erst nach der Taufe, für deren Gültigkeit die freie Glaubensentscheidung des Täuflings unbedingte Voraussetzung ist. Eine Taufe von unmündigen Kindern wird deshalb strikt abgelehnt.

Ihre Wurzeln haben die Hutterer unter anderem in Tirol. Der aus dem Südtiroler Pustertal stammende Jakob Hutter hat die Kirche 1528 gegründet. Die Täufer wurden sowohl von der lutherischen als auch von der reformierten sowie auch von der römisch-katholischen Kirche als Abtrünnige angesehen und deswegen verfolgt.

Das durch Kaiser Karl V. ein Jahr nach der Gründung erlassene Wiedertäufermandat verbot die Taufen unter Androhung der Todesstrafe. Jakob Hutter und zahlreiche seiner Glaubensangehörigen starben einen Märtyrertod. Diejenigen, die mit dem Leben davon kamen, ließen sich in Gegenden nieder, in denen Religionstoleranz herrschte. Heute leben die meisten der etwa 45.000 Anhänger in den USA und in Kanada.

In der Organisation des Gemeinschaftslebens arbeiten Männer und Frauen, Jungen und Mädchen auf Gebieten, die den traditionellen Rollen der Geschlechter entsprechen, dazu gehören bei den männlichen Gemeindemitgliedern neben der Landwirtschaft das Erlernen und Ausüben eines Handwerks, bei weiblichen Gemeindemitgliedern Kochen, Krankenpflege, Gartenarbeit, die Herstellung oder Beschaffung von Stoffen, aus denen die Kleidung der Gemeinschaft hergestellt wird, und ihre Anfertigung.

Familien mit zehn bis zwölf Kindern sind keine Seltenheit. Die Geburtenrate der Hutterer gehört zu den höchsten der Welt, während im degenerierten, geistlosen und vom Feminismus und Unzucht geprägten Westen der Prozeß des Aussterbens mit großen Schritten voranschreitet.

Die Hutterer sprechen einen altertümlichen tirolerisch-kärntnerischen Dialekt, in der Schule Hochdeutsch und Englisch. Sie wohnen isoliert in dünn besiedelten Gegenden und halten sich streng an ihre Glaubensregeln. Sie leben von der Landwirtschaft, nutzen anders als die Amischen jedoch modernste Technik. Der Entwicklungsstand ihrer landwirtschaftlichen Produktivkräfte entspricht völlig dem Stand des ausgehenden 20. Jahrhunderts und sie sind durch ihre kommunistische Wirtschaftsform der Mehrzahl ihrer Konkurrenten überlegen.

Im hutterischen Zusammenleben spiegelt sich eine sehr radikale und umfassende Form des Brüderlichkeitsgedankens wieder, der nicht nur zu einer großen Solidarität im geistlichen und sozialen Bereich führte, sondern auch zu einer ausgefeilten, an zünftische Organisationen erinnernde Produktionsgemeinschaft.

Eine Gefahr stellt die technisierte und wie weltliche Umgebung überhaupt dar, welche obendrein englischsprachig ist. So hielt in den letzten Jahren die englische Sprache auch im religiösen Bereich zunehmend Einzug, was sich auf einigen Höfen direkt auf den Glauben auswirkte. Denn eine neue, recht beliebige und oberflächliche also typisch anglo-amerikanische Religiosität konkurriert nun mit der hutterischen, deutschen Frömmigkeit.

Die Hutterer können auf einen 500 Jahre alten Schatz an geistlichen Schriften zurückgreifen, die die tiefe Spiritualität der Gemeinde, die Erfahrungen durch Verfolgung, Vertreibung und Tod und ganz besonders das Erleben der Gemeinschaft auf den Bruderhöfen überliefern. Dieser hutterische Schatz könnte seine Bedeutung verlieren, wenn Deutsch nur noch die Funktion einer „toten“ Kirchensprache erhielte, die lediglich von der geistlichen Elite verstanden wird – ähnlich wie Latein im Mittelalter.

Andererseits sind sie momentan dabei, ihre ursprüngliche Sendung wiederzuentdecken. Die Hutterer sind eine wachsende, lebendige Gemeinschaft, deren auf tiefe Christusgläubigkeit gegründete Lebensform eine Vorbildfunktion für eine künftige Gesellschaft haben könnte.

Eingedenk des zerstörerischen resp. teuflischen Einflusses (man denke nur an die Frühsexualisierung) staatlicher Schulen mit ihrer willfährigen, weltförmigen Lehrerschaft unterhalten die Hutterer eigene Schulen. Die Kinder werden sieben Jahre im Lesen und Schreiben sowie Rechnen ausgebildet. Die Ausbildung der jungen Hutterer ist mit dem 15. Lebensjahr abgeschlossen. Höhere Bildung streben die Hutterer nicht an, denn vorrangiges Ziel der Ausbildung ist das Eigenstudium der Bibel und die Ausbildung für die Arbeit auf dem Bruderhof.

Auf einem Hutterer-Bruderhof gibt es keine Arbeitslosigkeit und kaum Kriminalität. Alte, Kranke oder Behinderte werden nicht isoliert, sondern nehmen, so gut es geht, am Gemeinschaftsleben teil. In der landwirtschaftlichen Produktion benutzen die Hutterer modernste Methoden (Düngung, moderne Mähdrescher etc.). Die Überschüsse werden in der nächsten Stadt verkauft, die Gewinne für die nächste Neugründung der Gemeinde angespart. In Gegenden mit zahlreichen Bruderhöfen spielen die Hutterer oft eine erhebliche Rolle in der Landwirtschaft.

Alle arbeiten für das Kollektiv, jede Familie bekommt ein komplett ausgestattetes Haus und alles, was sie zum Leben braucht – plus ein kleines Taschengeld. Alle essen gemeinsam in einem großen Speisesaal, Urlaub brauchen sie nicht, Fernsehen, Radio, Internet, Kosmetik- und Garderobenspiegel, in dem man ja seine Eitelkeiten pflegen könnte, sind tabu. Sie sind Selbstversorger und bleiben am liebsten unter sich.

Die Männer tragen schwarze Anzüge mit weißem Hemd, die Frauen Kopftücher. Alle Mahlzeiten werden in einem Gemeinschaftsraum eingenommen. Erst sind Kranke, Alte und kleine Kinder an der Reihe. Dann die Männer. Und zum Schluss die Frauen, die das Essen gekocht haben.

Dieser kurze Abriß aus frei zugänglichen Internetquellen zusammengestellt zeigt, daß Sozialismus keine Erfindung von Karl Marx und Friedrich Engels ist und keineswegs, wie die gottlose sozialistische Linke vermittelt, mit Atheismus, Feminismus, Homokult und dergleichen kulturmarxistischen Erscheinungen zu tun haben muß. Und: Christ-sein heißt nicht, die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen gutzuheißen.

Ganz im Gegenteil, nur in Verbindung mit Gottes Wort und Wille, seiner geistlichen Fundierung und Ausrichtung, vermag sich ein Sozialismus der Zukunft – wie bei den Hutterern in Vergangenheit und Gegenwart praktiziert – in freiwilligen (nicht gezwungen-eingesperrt wie in der DDR) Gemeinschaften segensreich zu entfalten, damit eine christliche Gemeinde mit- statt gegeneinander wirkt und damit dauerhaft gedeiht.

In diesem Beitrag heißt es, daß das „Grundprinzip“ der Hutterer „bedingungsloser Pazifismus und Wehrlosigkeit“ sei, d. h., sie verteidigen im Falle des Falles noch nicht mal ihre eigenen Kinder, verzichten also auf das Recht auf Notwehr und -Hilfe. Das wiederum ist auch aus einem christlichem Verständnis heraus abzulehnen, wie ich hier thematisiert habe.

Advertisements

4 Gedanken zu “Christlicher Sozialismus bei den Hutterern

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s