Holger Apfel: Irrtum NPD

Vor ein paar Tagen habe ich das Buch „Irrtum NPD“ gelesen. Autor ist Holger Apfel, der ehemalige Bundesvorsitzende der NPD.

Darin will er uns weismachen, daß er beinahe zwei Jahrzehnte versucht hat, gemeinsam mit Neonazis eine vom Neonazismus befreite Partei zu basteln. Wie absurd ein solches Unterfangen ist, hätte einem mutmaßlich intelligenten Menschen wie Holger Apfel auffallen müssen.

Wie glaubwürdig ist es also, wenn er hier von einem „Irrtum“ spricht? Will er sich mit diesem Buch als ewigen Antifaschisten gerieren, um seine Rückkehr nach Deutschland vorzubereiten? Gar sich als jemand darstellen, der den Boden für die Wahlerfolge der AfD bereitet hat, wie er im Buch unverhohlen andeutet?

In einem Blogbeitrag vom Oktober 2011 hielt der Autor („Grafenwalder“) fest, daß Holger Apfel in einer Videobotschaft erklärte, daß das „größte Verdienst“ vom Ex-NPD-Vorsitzenden Udo Voigt war, 1996 den Abgrenzungsbeschluß der NPD zum Neonazismus gekippt und die Partei massiv für Kader verbotener Neonazi-Organisationen geöffnet zu haben. Sein Fazit:

Apfel will nicht wirklich alte Zöpfe abschneiden, nicht ehrlich den Blick in die Zukunft richten und die Sackgasse Nationalsozialismus hinter sich lassen, sondern einfach nur die Nazis in “verkleidete Nazis” umtrainieren.

Im Jahre 2007 stellte Dieter Stein, der Chefredakteur der nationalkonservativen Wochenzeitung „Junge Freiheit“ fest …

Daß sich die NPD nicht nur nach Auffassung linksgerichteter Antifa-Journalisten, sondern ausweislich ihrer eigenen Verlautbarungen in der Tradition des Nationalsozialismus und des Dritten Reiches sieht, daß sie offen mit neo-nationalsozialistischen, tatsächlich rechtsextremen Kameradschaften, Freien Nationalisten kooperiert und deren Führungsfiguren sogar in ihre Vorstände holt.

Eine Partei, die anstelle eines notwendigen und gesunden Patriotismus eine Farce, eine traurige schwarz-weiß-rote Karikatur des Nationalen bietet. Mehr denn je ist sie in ihrem harten Kern ein Transmissionsriemen einer bizarren neo-nationalsozialistischen Subkultur. Ihre Nähe zum Dritten Reich muß man nicht entlarven, sie bekennt sich ungeschminkt dazu, und dies ist offenkundig der Wesenskern der erotischen Anziehung auf den Großteil des NPD-Umfeldes.

Ich sehe nur einen Weg, sich mit der NPD auseinanderzusetzen und das ist ihr verheerender geschichtspolitischer und weltanschaulicher Ansatz: Sie sieht sich in der Tradition des Nationalsozialismus, sie will den vermeintlich guten Kern des Dritten Reiches retten, in ihren Publikationen verhöhnt sie den nationalkonservativen Widerstand, in dessen Tradition wir uns sehen und feiert Otto Ernst Remer, der den 20. Juli 1944 niedergeworfen hat als Helden. Die NPD integriert die neo-nationalsozialistische Szene, spektakulär ist die Wahl von Jürgen Rieger, einer der Symbolfiguren dieser Szene, in den NPD-Parteivorstand, die feierliche Aufnahme in die NPD von Friedhelm Busse, einem der namhaftesten Neonazi-Aktivisten und letzten Bundesvorsitzenden der 1995 verbotenen FAP in die NPD.

Und da sage ich: Die NPD und das sie in ihren intellektuellen Köpfen an der Spitze repräsentierende Milieu ist ein politischer Gegner, der jedem positiven nationalen Ansatz nicht nützt, sondern schadet.

Davon hat Apfel nichts mitbekommen? Er war stets und ständig dem „Irrtum“ aufgesessen, mit dieser NPD eine moderne, bürgerliche Rechtspartei a’la FPÖ zu kreieren?

Auch die Äußerungen des NPD-Bundesgeschäftsführers Frank Schwerdts Anfang 2005 gegenüber der KONTRASTE-Redaktion scheinen an ihn vorübergegangen zu sein, der offen erklärte, daß die NPD sich zum Nationalsozialismus bekennt. Dazu paßt, das Schwerdt den Eintritt des Neonazis Michael „Lunikoff“ Regener als „Fortschritt im Kampf um Köpfe“ bezeichnete, und das war nicht ironisch gemeint.

Die in diesem Jahr aus der Neonazi-Szene ausgestiegene Ex-Frau von Holger Apfel, Jasmin Apfel, dürfte mit ihrer Einschätzung also gar nicht so verkehrt liegen: „Ich will nichts mehr mit ihm und seiner Gesinnung, die sich wahrscheinlich nie wandeln wird, zu tun haben.“ Sein Buch „Irrtum NPD“ sei „nicht mehr als ein Scheingefecht, das aus therapeutischen Gründen eine Rückkehr nach Deutschland vorbereiten könnte“.

Daß Apfel mit dem zwielichtigen Nazi-Aussteiger Axel Reitz freundschaftlich verkehrt (der wiederum mit dem „Antifa“-Journalisten Rainer Fromm befreundet ist, der jedwede patriotische Regung mit der Nazi-Keule bearbeitet), den er zwar als „narzisstische Persönlichkeit“ erkennt jedoch als vorbildlichen Ex-Nazi lobt, macht ihn nicht glaubwürdiger.

Inzwischen sieht Apfel die NPD als unreformierbar an. Das war sie aber bereits zu seiner Zeit, knapp zwei Jahrzehnte lang, seitdem sie der Neonazi Udo Voigt zur Freude Apfels für allerlei weitere Neonazis geöffnet hat.

Während Apfel dubiose, als Ex-NPDler dem System sich andienende Gestalten wie Stefan Rochow, Andreas Molau und Axel Reitz wohlwollend erwähnt, kommen glaubwürdige ehemalige tatsächliche Nationaldemokraten wie seine früheren sächsischen Landtagskollegen Mirko Schmidt, Klaus Baier und Jürgen Schön denkbar schlecht weg. Ja, sie werden von Apfel regelrecht verhöhnt.

Kein Wunder, haben diese doch im Jahre 2005 festgestellt, daß Apfel und andere NPD-Abgeordnete „Vertreter eines Hitlerismus“ seien und sie mit dem „mittlerweile offenen Bekenntnis der NPD zum Nationalsozialismus“ nicht mehr konform gehen können. Dazu paßt halt schlecht Apfels Legendenbildung, er wollte jahrzehntelang mit Nazis eine nazifreie NPD aufbauen.

Ansonsten arbeitet sich Apfel an seinem einstigen engen Weggefährten Udo Voigt ab, der ihm gegenüber bekannt haben soll, daß er „Nationalsozialist“ sei, was Apfel – der sich nun als eingeschworenen Feind es Neonazismus ausgibt – allerdings ebensowenig bewogen hat der NPD den Rücken zu kehren wie die Anwesenheit weiterer bekennender Nazis wie Frank Schwerdt, Udo Pastörs, Jürgen Rieger, Wolfram Nahrath, Thorsten Heise, Thomas Wulff, Friedhelm Busse, Eckart Bräuniger, Frank Rennicke, Ralph Tegethoff und Michael „Lunikoff“ Regener in teils höchsten Funktionen auf Bundes- und Landesebene.

Es ist anhand der Fakten also schlicht unglaubwürdig, wenn Apfel nun so tut, als hätte er beinahe zwanzig Jahre in höchsten Parteifunktionen versucht – zuletzt als Chef der Fraktion in Sachsen und Parteivorsitzender -, aus der NPD eine AfD zu machen und sei schlußendlich deshalb aus der NPD ausgetreten, weil er mit diesem Anliegen scheiterte.

Wer solange mit Neonazis in- und außerhalb der Partei freundschaftlich kooperiert, und das zudem unter dem Parteivorsitz eines solchen und Parteivorsitzender selbst, muß deshalb nicht zwangsläufig selbst ein Neonazi sein, kann sich aber im Nachhinein nicht als jemand ausgeben, der damit massive Probleme gehabt und den Plan hatte, eine bundesdeutsche FPÖ aufzubauen.

Wenn er es dennoch behauptet, will er die Leute entweder zum Narren halten oder ist tatsächlich sehr viele Jahre sehr dumm gewesen, in einem „Irrtum“ befindlich. Letzteres kann man wohl ausschließen.

Fazit: Apfel war 25 Jahre in der falschen Partei, fast die ganze Zeit bemerkte er das allerdings irgendwie gar nicht. Glaubhaft, dieses Buch eines reuigen Sünders? (Fatalistblog)

Wenn die NPD für deutsche Patrioten unwählbar ist wie er nun als Neuigkeit verkauft, hat er dazu kräftig zu beigetragen. Er, der lediglich eine kosmetisch veränderte, auf bürgerlich getrimmte NPD dem Wahlvolk verkaufen wollte – keine, die sich vom Neonazismus abgrenzt, wie das die NPD noch unter Martin Mußgnug getan hat, die Republikaner praktizieren, die dubiose Figur Matthias Faust für die DVU versprach aber nicht umsetzte (stattdessen verschacherte er sie an die NPD) und wie das heuer AfD, PEGIDA und Identitäre Bewegung begrüßenswerterweise tun.

Am 24. Dezember 2013 trat Apfel aus der NPD aus und legte sein Mandat im Sächsischen Landtag nieder.

Diesen Schritt begründete er nicht wie heuer in seinem Buch mit der plötzlichen Erkenntnis der „Unreformierbarkeit“ der NPD, sondern über den Vorwurf, einen jungen Parteifreund angetrunken an Rücken und Po gestreichelt. Gerüch­ten zufolge sol­len wei­tere Fälle homosexu­el­ler Belästigungen durch den mehr­fa­chen Fami­li­en­va­ter gegenüber „jungen Kame­ra­den“ gesam­melt wor­den sein – den eigentlichen wie einen weiteren hat Apfel in seinem Buch nun eingeräumt.

Der ehemalige Parteifreund und heutige Verleger Adrian Preiß­in­ger nannte Apfel in einem internen E-Mail-Verkehr den „per­ver­sen Jünglings-an-den-Arschkrabscher, Puff­be­su­cher und Min­der­wer­tig­keits­kom­plex­ler Holgi“, dessen „müh­sam auf­ge­baute spießbür­ger­li­che Fas­sade nicht nur brö­ckelt, son­dern kom­plett in sich zusam­men­fällt“. Da verwundert nicht, daß auch Preißinger in Apfels Buch alles andere als gut weggkommt. So empfielt er den Strafverfolgungsbehörden, sich mit dem Buchangebot von Preißiger zu befassen.

Mit dem üppigen Gehalt, welches Apfel von 2004 bis 2013 als NPD-Fraktionsvorsitzender im Sächsischen Landtag also ganze neun Jahre lang wie danach fast ein Jahr lang als ehemaliger Landtagsabgeordneter in Form eines monatlichen Übergangsgeldes von mehr als 5.000 Euro sich anhäufen konnte, war es ihm möglich, ab Mai 2014 auf der spanischen Ferieninsel Mallorca als Gastronom sich selbständig zu machen.

Fazit:

Das Geld für sein Buch kann man sich getrost sparen. Hier will sich jemand den braunen Mist abwaschen, in dem er sich knapp zwei Jahrzehnte suhlte und davon, insbesondere ab 2004 im Landtag von Sachsen, fürstlich leben konnte. Eine unappetitliche Affäre nahm er letztlich zum Anlaß, nachdem der lukrative Wiedereinzug in den Landtag nicht mehr zu erwarten war, der Partei den Rücken zu kehren.

Was er uns hier auftischt, hat mit ehrlicher Reflexion und Reue nichts zu tun.

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